Seite 4 von 4 ErsteErste ... 234
Ergebnis 46 bis 51 von 51
  1. #46
    Avatar von waldameise
    Registriert seit
    Nov 2010
    Beiträge
    308
    Danke (erhalten)
    252

    BR: Ist die Jagd noch zeitgemäß?

    Zitat Zitat von Traumtänzer Beitrag anzeigen
    Mohawk bezog sich ja auf die Flächen mit Schonzeitaufhebung. Das sind aktuell knapp 10.000ha.
    Die Schonzeitaufhebung wird in den bayerischen Alpen in den Regierungsbezirken Schwaben und Oberbayern unterschiedlich praktiziert.

    In Oberbayern gibt es eine spezielle Verordnung zu Schonzeitaufhebungsgebieten mit einer Karte mit eingezeichneten Grenzen.
    Diese Verordnung kann im Internet hier abgerufen werden :
    https://www.regierung.oberbayern.bay.../04_210214.pdf

    Angeblich gibt es für die in der Karte der Verordnung eingezeichneten Gebiete keine Shape-Files und die seien nicht digitalisiert, weil man dafür kein Personal hätte (mündliche Auskunft der zuständigen Behörde).
    Wenn diese Information der Wahrheit entspricht, kann die Behörde eigentlich selbst nicht wissen, wie gross die von ihr ausgewiesenen Schonzeitaufhebungsgebiete sind.
    Wenn die Information nicht der Wahrheit entspricht und die Flächen doch digitalisiert sind, aber die Weitergabe verweigert wird, würde das durchaus ins das allgemeine Bild passen und wäre nach meiner Bewertung u.a. ein Verstoss gegen das Umweltinformationsgesetz.
    Kein Problem, ich habe die Gebiete nach der Karte georeferenziert und in mein GIS importiert.
    Die Fläche der Schonzeitaufhebungsgebiete beträgt danach im Regierungsbezirk Oberbayern 30.385 ha (Koordinatensystem Gauss-Krüger Zone 4, EPSG:31468 )

    Dazu kommen die Schonzeitaufhebungsgebiete im Regierungsbezirk Schwaben, dort wird es so gehandhabt, dass die jeweiligen Unteren Jagdbehörden die Schonzeitaufhebung für die "Schutzwaldsanierungsgebiete" pauschal aufheben können (und das auf Druck der Forstbürokratie nach entsprechenden Recherchen auch tun)

    Die Verordnung in Oberbayern gilt seit dem 22. Februar 2014 und noch bis zum 21. Februar 2019, für die Zeit danach ist im Gespräch, die Schonzeitaufhebung "der Einfachheit halber" wie im Regierungsbezirk Schwaben zu regeln, also deckungsgleich mit den "Schutzwaldsanierungsgebieten".
    Die Crux ist, dass ich in den entsprechenden Bescheiden keine Karten der "Schutzwaldsanierungsgebiete" gesehen habe, die Jäger müssen die Grenzen also wohl "im Gefühl" haben, denn sie sind nicht mit den Reviergrenzen identisch und das Mitführen von solchen Karten wäre auch recht umständlich.
    Ähnliches gilt übrigens auch für die doch recht groben Karten der oberbayerischen Verordnung.

    Die "Schutzwaldsanierungsgebiete" im Bayerischen Alpenraum umfassen nach dem mir vorliegenden offiziellen Shape (ca. 2 Jahre alt) insgesamt 150.487 ha (Koordinatensystem Gauss-Krüger Zone 4, EPSG:31468 ), mittlerweile sind netto eher noch weitere Flächen dazugekommen.

    Wir reden also über aberwitzige Flächen, auf denen die gesetzliche Schonzeit ganzjährig aufgehoben ist und auf denen die Gemsen (und Reh- und Rotwild) von ideologisch verblendeten Möchtegern-Schädlingsbekämpfern das ganze Jahr über blindwütig verfolgt werden dürfen.

    Zitat aus der Oberbayerischen Verordnung :

    "§ 1
    In den in § 2 bezeichneten Gebieten darf die Jagd im Rahmen der geltenden Abschussplanung abweichend von den gesetzlichen Schonzeiten wie folgt ausgeübt werden:
    Rotwild:
    Hirsche Klasse III vom 1. Februar bis 31. Juli
    Kälber vom 1. Februar bis 31. März
    Schmaltiere vom 1. April bis 31. Mai

    Gamswild:
    Gamswild vom 16. Dezember bis 31. Januar
    Böcke, Jährlinge und weibliches Gamswild bis zwei Jahre
    vom 1. Februar bis 31. Juli
    Kitze vom 1. Februar bis 31. März

    Rehwild:
    Böcke vom 16. Oktober bis 30. April
    Kitze vom 16. Januar bis 31. März
    Schmalrehe vom 16. Januar bis 31. Januar und
    vom 1. April bis 30. April
    Geißen vom 16. Januar bis 31. Januar"



    Meiner Meinung nach einfach nur pervers.
    In den meisten Privatrevieren wird das auch einfach ignoriert, diese Exzesse finden im wesentlichen nur auf Staatsforstflächen statt.
    Man könnte das durchaus auch als ein Zeichen von Panik interpretieren, weil sie ihren theoretisch und willkürlich zusammengebastelten Kunstwald auf ungeeigneten Standorten einfach nicht hinbekommen und daran würde sich auch nach der kompletten Ausrottung des Schalenwildes nichts wesentliches ändern.
    Geändert von waldameise (31.05.2018 um 17:08 Uhr)
    Danke Casull, Obersteirer haben sich bedankt

  2. #47
    Avatar von waldameise
    Registriert seit
    Nov 2010
    Beiträge
    308
    Danke (erhalten)
    252

    BR: Ist die Jagd noch zeitgemäß?

    Noch ein Kuriosum am Rande :

    Gerade in Oberbayern ist die Waldweide noch recht verbreitet.
    Dort überschneiden sich die Schonzeitaufhebungsgebiete und Flächen mit Waldweiderechten auf rund 8.970 ha.

    Während das Wild also ganzjährig bekämpft werden soll, darf gleichzeitig das Weidevieh die Flächen während der Weidesaison ordentlich abfressen.

    Waldweiderechte gelten oft auf früheren normalen Weideflächen.
    Daran erkennt man auch, welche grosse Flächen sich in den letzten Jahrhunderten trotz Beweidung und Wildbeständen, die teilweise wesentlich höher waren als heute, oft von selbst und ganz ohne "Schutzwaldsanierungs"bürokratie wieder bewaldet haben.
    Aber die (Wieder)Bewaldung in Gebirgen braucht eben Zeit, funktioniert nur an geeigneten Standorten und lässt sich nicht vom Grünen Tisch aus anordnen und auch nicht mit Millionen von Steuergeldern zur Profilierung von Ministern und Bürokraten mal schnell erkaufen.
    Geändert von waldameise (31.05.2018 um 17:38 Uhr)
    Danke Obersteirer, Damischer Saujager haben sich bedankt

  3. #48

    Registriert seit
    Nov 2013
    Beiträge
    1.070
    Danke (erhalten)
    344

    BR: Ist die Jagd noch zeitgemäß?

    Zitat Zitat von waldameise Beitrag anzeigen
    Man könnte das durchaus auch als ein Zeichen von Panik interpretieren, weil sie ihren theoretisch und willkürlich zusammengebastelten Kunstwald auf ungeeigneten Standorten einfach nicht hinbekommen und daran würde sich auch nach der kompletten Ausrottung des Schalenwildes nichts wesentliches ändern.
    Diese Verallgemeinerung ist totaler Quatsch. Ich habe genauso wie du keinen Überblick über alle Sanierungsflächen. Aber ich sehe jährlich einige wo das Wild das Problem ist. Es gibt auch welche wo es läuft und die Schonzeitaufhebung auslaufen wird. Deine ungeeigneten Standorte gibt es vielleicht, ich kenne keine.

  4. #49
    Avatar von Mohawk
    Registriert seit
    Sep 2006
    Beiträge
    18.440
    Danke (erhalten)
    4428

    BR: Ist die Jagd noch zeitgemäß?

    Moin!

    Zitat Zitat von waldameise Beitrag anzeigen
    Waldweiderechte gelten oft auf früheren normalen Weideflächen.
    Daran erkennt man auch, welche grosse Flächen sich in den letzten Jahrhunderten trotz Beweidung und Wildbeständen, die teilweise wesentlich höher waren als heute, oft von selbst und ganz ohne "Schutzwaldsanierungs"bürokratie wieder bewaldet haben.
    Was ja nicht heisst, dass sie das heute auch täten / könnten / würden ...

    Aber die (Wieder)Bewaldung in Gebirgen braucht eben Zeit, funktioniert nur an geeigneten Standorten und lässt sich nicht vom Grünen Tisch aus anordnen und auch nicht mit Millionen von Steuergeldern zur Profilierung von Ministern und Bürokraten mal schnell erkaufen.
    Ja, und wo dabei das Wild wirklich im Weg ist dreht man halt an den Schrauben, an denen man drehen kann.

    Viele Grüße

    Joe
    Wissenschaftler suchen Antworten, nicht nur eine Entschuldigung, mit dem Denken aufhören zu können. (T. Pratchett)
    One who does not care is one who should not be. (Alice in Chains)
    μολὼν λαβέ
    Danke Traumtänzer haben sich bedankt

  5. #50
    Avatar von hypsilon
    Registriert seit
    Jan 2006
    Beiträge
    3.883
    Danke (erhalten)
    393

    BR: Ist die Jagd noch zeitgemäß?

    Zitat Zitat von waldameise Beitrag anzeigen
    Noch ein Kuriosum am Rande :

    Gerade in Oberbayern ist die Waldweide noch recht verbreitet.
    Dort überschneiden sich die Schonzeitaufhebungsgebiete und Flächen mit Waldweiderechten auf rund 8.970 ha.

    Während das Wild also ganzjährig bekämpft werden soll, darf gleichzeitig das Weidevieh die Flächen während der Weidesaison ordentlich abfressen.

    Waldweiderechte gelten oft auf früheren normalen Weideflächen.
    Daran erkennt man auch, welche grosse Flächen sich in den letzten Jahrhunderten trotz Beweidung und Wildbeständen, die teilweise wesentlich höher waren als heute, oft von selbst und ganz ohne "Schutzwaldsanierungs"bürokratie wieder bewaldet haben.
    Aber die (Wieder)Bewaldung in Gebirgen braucht eben Zeit, funktioniert nur an geeigneten Standorten und lässt sich nicht vom Grünen Tisch aus anordnen und auch nicht mit Millionen von Steuergeldern zur Profilierung von Ministern und Bürokraten mal schnell erkaufen.
    Ich hab dich schonmal gefragt, auf wievielen Hektar das weiderecht da tatsächlich auf diesen Flächen ausgeübt wird. Du hast nur die Flächen mit Rechtsbelastung betrachtet. Es ist aber gängige Praxis, dass die Rechtsausübung häufig auf weniger gefährdete Flächen verlegt wird, so es denn überhaupt ausgeübt wird. Im übrigen sind auf großflächigen Waldweiden die Verbissschäden durch Rinder deutlich geringer als durch wild. Würde schon untersucht. Dass je nach Dauer der Beweidung die Trittschäden beeinträchtigend sein können steht auf einem anderen Papier.

  6. #51
    WuH Moderator
    Registriert seit
    Jan 2001
    Beiträge
    9.995
    Danke (erhalten)
    884

    BR: Ist die Jagd noch zeitgemäß?

    Zitat Zitat von Rehschreck Beitrag anzeigen
    Die BaySF sind keine Behörde. Immer wieder überwältigend diese Fachkompetenz.
    Tja, das ist so eine Sache, gell. "Betrieb" ist juristisch gesehen keine Behörde mehr. Das stimmt. Kulturell hat sich eigentlich gar nicht geändert.

    Zitat Zitat von waldameise Beitrag anzeigen
    Noch ein Kuriosum am Rande :

    Gerade in Oberbayern ist die Waldweide noch recht verbreitet.
    Dort überschneiden sich die Schonzeitaufhebungsgebiete und Flächen mit Waldweiderechten auf rund 8.970 ha.
    Ich habe selbst zwei mal in so einem Sanierungsgebiet (Forstbetrieb Oberammergau hieß das glaube ich) gejagt. Und wo die beiden Zitate oben hier in so räumlicher Nähe stehen habe ich mich gerade wieder daran erinnert wie uns die dortigen Berufsjäger das geschildert haben.

    Die Anweisung hieß aufforsten. Die ehemaligen Beamten, bzw. ehemalig sind sie gar nicht, sie sind einfach jetzt Betrieb, ach kompliziert, also sie haben aufgeforstet. Mitten in eine Mischung aus Gamswild, Rotwild und Kühen die im "Schutzwald" weiden. Was ist aus der Aufforstung geworden? Richtig nix. Wer war schuld? das Wild. Was ist gemacht worden? Sanierungsgebiet, Schonzeitaufhebung, das volle Programm. Begründung: 300.000€ Totalschaden.

    Ich denke mir immer wenn die Forstpartie so allergisch gegen Kritik hier reagiert, dass sie dies aus gutem Grund tun.
    "Zu jener Zeit, da ich als Jäger den Kreis Shisdra durchstreifte, begegnete mir im Feld ein Kalugaer Gutsbesitzer namens Plutykin, ein leidenschaftlicher Jäger und daher vorzüglicher Mensch." (Iwan Turgenjew, Aufzeichnungen eines Jägers)

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •