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  1. #16
    WuH Moderator Avatar von Rotmilan
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    Steirische Rauhaarbracke

    Mal etwas zu den Hunden selber.

    Meine Hündin ist jetzt 7 Jahre alt. Für die Rasse habe ich mich entschieden, weil ich einen Hund für die laute Jagd wollte und das Thema Nachsuche für mich wichtig war.
    Kurzum: Die Entscheidung war goldrichtig und die Hündin ein extremer Glücksfall für mich.
    Sie ist eine Bracke durch und durch, die kurzfristige Umsetzung eines Kommandos sollte man nicht erwarten , also kein Hund im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Mischung aus Hund und Katze. Sie ist zu Hause absolut pflegeleicht, die Ruhe selbst. Auf der Jagd fällt der Schalter um und sie jagt mit viel Verstand, solange sie körperlich kann und wenn man sie darum bittet, auch darüber hinaus.

    Manchmal ist sie sehr anhänglich, dann wieder etwas gelangweilt distanziert, aber extrem führerbezogen und durchaus eifersüchtig. Sie während des Urlaubs in eine Hundepension zu geben, wäre Tierquälerei.

    Fremden gegenüber ist sie misstrauisch, heute weniger als früher, Verteidigungsschärfe habe ich tunlichst vermieden und für viel Kontakt mit Menschen gesorgt, aber ganz selten nähert sie sich anderen Menschen mit Vorfreude. Sie hat noch nie jemanden gebissen, obwohl ich es ihr in zwei Fällen nicht hätte verdenken können. Aber sie zeigt es vorher deutlich an, dass man sich ihr bitte nicht weiter nähern möchte.

    Auf der Jagd ist sie mit anderen Hunden umgänglich, aber grundlos beißen darf sie niemand, sie wehrt sich umgehend. Sie jagt meist alleine, bindet aber gerne mit anderen. Ist das Stück abgefangen, zeigt sie keine Rivalität.

    Der Laut ist sehr zuverlässig. Wenn sie laut wird, ist Wild in unmittelbarer Nähe oder die Fährte ist max 5 Minuten alt.

    Stöbern:
    Bedingt durch das Duchgehen jagt sie recht kurz, bricht bei gesundem Wild außerhalb der Dickung nach 300 bis 800 Meter ab und kommt zurück. An krankem Wild bleibt sie länger dran, aber auch hier bricht sie (leider) irgendwann ab und kommt zurück. Schon in der zweiten DJ-Saison jagte sie das Wild aus der Dickung und brach direkt nach der Schützenlinie ab, um in der Dickung weiter zu arbeiten. Sie hat einen ausgezeichneten Orientierungssinn und findet mich immer wieder. Entferne ich mich (zwangsweise) vom Jagdgeschehen, weil ich nach dem Dackel schauen muss, bleibt sie bei der Truppe und jagt weiter. Und ist ganz happy, wenn ich endlich wieder da bin. Sie jagt alles Wild, Rotwild am liebsten. Beim Schwarzwild bleibt sie auf Distanz, Blessuren gab es bislang nur zwei, weil sie nur hinten packt. Ist das nicht möglich, stellt sie, bis ich komme.

    Nachsuche:
    Wenn man die Fährtenarbeit sieht, kann man sich nicht vorstellen, dass sie überhaupt stöbert. Sehr ruhig und konzentriert. Das wäre ihre eigentliche Bestimmung gewesen, war aber (damals für mich) leider nicht umsetzbar. Und ohne meine durch Unwissenheit verursachten Fehler wäre sie sicher noch viel besser geworden. Man kann sie gut lesen, fällt der Riemen während der Nachsuche zu Boden, bleibt sie nach mehrfachem Halt-Rufen auch stehen und wartet. Grundsätzlich vermeide ich es aber, ihre Arbeit zu unterbrechen, weil ich den Eindruck habe, dass die Hündin immer wieder einen kurzen Moment benötigt, bis sie "in der Fährte versunken" ist.
    Sie verweist gefundenen Schweiß recht deutlich, aber natürlich nicht alles.
    Trotzdem fehlt ihr aufgrund der wenigen Arbeit und ungenügenden Einarbeitung der letzte Kick, das möchte ich aber nicht dem Hund anlasten.

    Unsere andere Hündin aus dem gleichen Wurf mussten wir schon mit 3 Jahren einschläfern lassen, da sie einen Nierendefekt hatte. Die Ursache (genetischer Ursprung) konnte nicht festgestellt werden. Sie war ebenfalls ein ganz toller Hund, obwohl jagdlich etwas schwächer, dafür viel zutraulicher und freundlicher zu Menschen.

    Zur Rasse:
    Ganz pauschal schätze ich die Steirer als etwas härter, wildschärfer und ruhiger ein, als Brandl, Tiroler und Deutsche Bracke. Aber das sind meine persönlichen Eindrücke und die können bei anderen natürlich anders ausfallen. Tolle Hunde und eine zu geringe Zuchtbasis.
    Krankheiten sind bei vielen Jagdhunderassen ein Problem, entscheidend ist, wie der Zuchtverein reagiert.

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    Geändert von Rotmilan (01.06.2018 um 11:47 Uhr)

  2. #17

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    Steirische Rauhaarbracke

    Zitat Zitat von Rotmilan Beitrag anzeigen
    Mal etwas zu den Hunden selber.

    ....

    Zur Rasse:
    Ganz pauschal schätze ich die Steirer als etwas härter, wildschärfer und ruhiger ein, als Brandl, Tiroler und Deutsche Bracke. Aber das sind meine persönlichen Eindrücke und die können bei anderen natürlich anders ausfallen. Tolle Hunde und eine zu geringe Zuchtbasis.
    Krankheiten sind bei vielen Jagdhunderassen ein Problem, entscheidend ist, wie der Zuchtverein reagiert.

    Danke für die sehr objektive Darstellung!

    Ein Zusatz zum Thema "(Erb)Krankheiten": Wie oben bereits angedeutet, muss gerade bei zahlenmäßig kleinen Rassen die Gesundheit der Zuchthunde letztlich über der jagdlichen Leistungsfähigkeit bzw. das Exterieur dominieren, und nichts ist fataler, als sich hier über einen vermeintlichen oder tatsächlichen jagdlichen Leistungsträger im Verborgenen irgendeinen vereblichen gesundheitlichen Defekt in die Rasse zu holen. Das bedeutet gleichzeitig eine zahlenmäßige Beschränkung der zu erlaubenden Deckakte pro Hund und möglichst keine Wiederholungswürfe, auch wenn´s schwerfällt!

  3. #18

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    Steirische Rauhaarbracke

    Das mit den Wiederholungswürfen seh ich anders. Man muß sich vor Augen halten, daß extrem wenige Hunde einer Rasse überhaupt in die Zucht kommen, sofern der Verein nicht vorschreibt, daß mit dem Hund ein Wurf gemacht werden muß. Hinzu kommen die Gefahren, denen ein jagender Hund ausgesetzt ist, so daß ein Teil der potentiellen Reproduzierer oft schon wegfällt, bevor er überhaupt so weit ist.

    Eine Beschränkung würde ich daher eher später ansetzen. Daß beispielsweise nach erfolgreicher Reproduktion einer festzulegenden Anzahl von Geschwistern (z.B. eine Hündin und ein Rüde aus Wurf 1 und eine Hündin und ein Rüde aus Wurf 2) keine weiteren F2-Würfe mit Individuen aus dieser Verpaarung zugelassen werden.

    Wir dürfen nicht vergessen, daß die Zucht vor allem der Produktion von Handwerkszeug dient. So häßlich das klingt.
    Denn wie die Dogg entkoppelt mit Geheul in das Geweih des Hirsches fällt: der Jäger
    Erfüllt von Sorge, lockt und ruft sie ab, jedoch verbissen in des Prachttiers Nacken,
    tanzt sie durch Berge neben ihm und Ströme fern in des Waldes Nacht hinein.
    Kleist, Penthesilea

  4. #19

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    Steirische Rauhaarbracke

    Servus beinand,

    Danke für die vielen sachlichen Infos. Obs dann mal eine wird kann ich noch nicht sagen, da das Thema erstens erst in 4-5 Jahren wieder ansteht und zweitens für mich es ganz entscheidend ist, dass die Rasse zu den Reviergegebenheiten passt. Ob sich bis dahin noch was ändert oder nicht kommt auf wenns soweit is.

    Andererseits ists immer von Vorteil, wenn man sich früh genug Gedanken macht.

    Gruß Krucknwig
    Nix ist gelber als gelb selber

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