Abschusskriterien

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#1
Hallo zusammen.

Ausgelöst durch die zum Teil sehr schönen Beiträge zum aktuellen Bockjagd Tröt stellt sich mir folgende Frage:

Nach welchen Kriterien schießt Ihr die Böcke?

Ich gebe zu, dass ich in diesem Bereich eher altmodisch unterwegs bin und versuche die guten Böcke älter werden zu lassen und alte gute Böcke erst später im Jahr erlegen möchte. Aber offensichtlich gibt es sehr unterschiedliche Voraussetzungen und ich möchte dies nicht als einzig selig machende Methode verstanden wissen. Grundsätzlich halte ich eine stramme Bejagung des Rehwildes in weiten Teilen der Republik für geboten, versuche dies aber u.a. nach den obigen Vorgaben umzusetzen.

Verwundert haben mich bei den Erlegerberichten u.a. halt Fotos von eher guten/sehr guten jungen Böcken (Jährlingen), zeitig gestreckte "Ernteböcke" und Beiträge wie: "sah ich etwas rotes durch die Büsche schimmern. Der Blick durch Ferngals zeigte einen Bock und da hab ich gleich die Waffe zur Hand genommen."

Wir haben bei uns auch teilweise sehr dichten Unterbau und sehen sicher nur einen Teil des vorhanden Rehwildes. Dennoch haben wir mit den selbst auferlegten Vorgaben bislang immer die Abschüsse erreichen können.
Bitte lasst diesen Tröt nicht in die Lodenjockel und Ökofraktion abgleiten, sondern schreibt einfach wie ihr die Sache angeht und vielleicht auch noch aus welchen Gründen. Frei nach dem Motto: andere Regionen, andere Sitten

wipi
 
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#2
Wenn du podcast hörst, nehme mal Kanzelklatsch in der Januarausgabe. da geht es um Rehwildselektion. Wenn ich es wirklich sehr kurz zusammenfasse (und der podcast isttoll)

- schwaches Rehwild erlegen, also auch die Gais, Schmalrehe vom schwachen Bock.
- starke Stücke schonen, auch bei den weiblichen
- das konsequent über 3-4 Jahre, danach ab und an Ernteböcke
- generell Populationsdichte nicht zu hoch werden lassen, um schwache Stücke zu vermeiden
- die ganzen Rahmendaten spare ich mir... Äsung, Ruhezonen, usw.
- Jagdgäste erlegen genauso, langjährige Jagdfreunde haben allerdings auf den besten Plätzen freie Büchse (aber denen geht es eh meist um das Erlebnis)
 
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#3
Hallo,

dort wo ich einen Begehungsschein habe, ist es mir völlig freigestellt, was ich schieße.

Der Abschußplan gibt soundso viel Böcke vor, also werden sie erlegt.

Die Kriterien sind ganz einfach: Bock, in Schußweite, steht breit. Das ist alles.
Sog. "Zukunftsböcke" bzw "gut veranlagt" gibt es nicht.
Ist das Revier verwaist, ziehen andere Böcke nach.

Hat sich seit Jahren bewährt, behalte ich auch bei.

Waidmannsheil,

Bernhard
 
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#4
Na das was mir der Jagdherr freigibt.

Wenn nix gesagt wird:
- Krank vor gesund (immer)
- Jung vor alt
- Schwach vor stark (speziell vor der Blattzeit)

Wenn ich eingeladen bin, der Jagdherr sagt klar & deutlich: „du kannst nehmen was kommt“ und es kommt ein starker 6er. Tja dann liegt der (aber da frage ich dann auch explizit nach).

In der Regel erfährt man ja auch einiges über das Revier & ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade Pächter mit viel Unfallwild in dem Bereich, eher locker sind und es lieber sehen das ein Gast einen guten Bock schiesst als Mutti mit ihrem SUV.
Da ich mir nicht viel aus Trophäen mache kann ich aber einen guten Bock halt auch locker stehen lassen, wenn er sich nicht optimal hinstellt.

Ich denke, das ist sehr sehr stark abhängig vom Revier.


Macht es ja auch interessant.
 
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#5
Mein jetziger Beständer geht mit der Aussage von Mauser-Jäger konform. Es wird geschossen was einem gefällt, wobei die Absprache unter uns Jägern schon so ist, dass schwache Böcke bevorzugt erlegt werden.

Bei meinem vorigen Beständer war die Devise, nicht über Lauscher und nicht vereckt. Die "guten" und alten Böcke waren für Jagdgäste oder Geburtstagsabschüsse.

Wmh

Flo
 
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#6
Auch ich frage mich dies in den letzten Jahren ab und an, insbesondere dann wenn mir Bekannte die Bilder ihrer Maiböcke schicken und dort nicht selten starke Sechser dabei sind.

Ich habe den Jagdschein erst seit 5 Jahren, im Revier in dem ich jage bin ich seit knapp 6 Jahren dabei, die Maßgaben dort sind leider oft missverstädnlich. Ein Grund hierführ sind unter anderem vier verschiedene Pächter. Ich bin daher für mich selbst zu folgender Maßgabe übergegangen: Im Mai wird an der Reviergrenze gewaidwerkt, insbesondere auf Schmalrehe, schwache Jährlinge im Bast oder verfegt und ältere, schwächere Böcke sowie Spießer. Stärkere gut veranlagte Böcke lasse ich stets laufen und erfreue mich an ihrem Anblick. Dieses Jahr hatte ich bsp. 3 Böcke auf einmal vor, da bin ich dann den Einstandskämpfen zuvor gekommen und habe den älteren Gabler erlegt, auch wenn dieser mit knapp 19 Kilo sehr gut im Futter stand, die anderen beiden Burschen waren aber nicht minder stark.

Ich versuche grundsätzlich mein Handeln jagdstrategisch und wildbiologisch zu begründen, denke aber jeder muss für sich entscheiden was ihm richtig erscheint.
 
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#7
Wir erlegen jeden Bock den wir sehen, auch am 1. Mai. Reines Waldrevier, da sieht man einen Bock in der Regel nur einmal, selten zwei oder drei mal.

Warum auch lange fackeln, solange der Abschussplan noch nicht erfüllt und die Gefriertruhe leer ist!?

Feldreviere, in denen die Rehe in Sprüngen a 10 Stück auf dem Feld stehen und man sich in aller
Gemütsruhe ein Stück aussuchen kann, können das auch anders praktizieren.

Manchmal wünschte ich mir auch, ein Stück Rehwild aussuchen zu können.

Solange der Jagdherr nicht meckert, ist doch alles im Lot und es spielt keine Rolle was das für ein Bock war. Hauptsache er liegt.
 
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#8
Generell gilt bei uns: alles unter Lauscherhoch und möglichst nicht vereckt Feuer frei.
dabei schwach vor stark und noch die Maßregel im Wingertsteil des Reviers, wegen Schäden, wird es da gar nicht so genau genommen....
Traditionell gibts eine 1A Pächterbockregelung noch,das sind die Ernteböcke.
Da hatts ,gerade und besonders wegen Tottrinkregeln, etwas andere Gesetze :LOL:

Damit kommen wir gut zurecht.
 
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#9
Ich empfehle Dir folgende Lektüre:
Das Ansprechen des Rehwildes. Merkmale guter und schlechter Veranlagung Taschenbuch – 1. Januar 1995
von Hans Bruns (Autor, Vorwort), Otto Sartorius (Autor, Vorwort), Karl Lotze (Autor, Illustrator)


Allerdings sind dort nur Zeichnungen drin. Grundsätzlich halte ich mich daran wenn es geht.
D.h. Jährlinge die eindeutig unter der Lauscherhöhe bleiben und Knopfer gilt die Jagd und natürlich auch mal einem Erntebock bzw. abnormen Böcken.
Ansonsten bei Geißen mit Kitz sollte immer das Geißkitz fallen wenn es darum geht den Bestand zu regulieren, nur wenn das Bockkitz schwächer als das Geißkitz wäre (meist eher nicht der Fall)
dann das Bockkitz.
Krank immer vor Gesund und schwach vor Stark. Bzw. ist es auch so wenn ich über das ganze Jahr keine Geiß mit 2 Kitzen sehe dann sollte mir das auch zu denken geben. Der Bestand ist
dann auch zu hoch.


ABER: Das habe ich mir soweit alles vorgenommen, aber es gibt bei uns im Revier auch Ecken da kann es durch viele äußere Störfaktoren dazu führen das man aber Mitte oder Ende Mai schon gar nichts mehr sieht oder nur sehr spät. Da muss man manchmal halt auch entnehmen was woanders stehen bleiben könnte und als Begeher ist man auch an seine Abschusszahlen gebunden.
 
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#10
Spannendes Thema.

Würde mich freuen, wenn die Foristen anzahlmäßig vielfältig antworten und nicht mit dem Finger auf andere zeigen.

Unter anderem fällt mir hier auf dass der Bockfaden über 12 Seiten hat im Gegensatz zum ca. 10 Beiträge starken Faden zum weiblichen Rehwild.

Natürlich kann man es nicht als reinen oder den Maßstab nehmen. Mir jedoch fällt es im Mai noch leichter ein Schmalreh sicher zu erlegen als im Herbst.

Ansonsten gilt es die schwachen, kranken, nicht gut veranlagten Stücke bevorzugt zu erlegen. Gut veranlagte Böcke werden bis sie reif sind geschont. Über Lauscher hoch sind den Pächtern vorbehalten. Sehr gut kann ich mit den Vorgaben als Mitjäger leben.
 
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#12
Wir erlegen jeden Bock den wir sehen, auch am 1. Mai. Reines Waldrevier, da sieht man einen Bock in der Regel nur einmal, selten zwei oder drei mal.
Solange der Jagdherr nicht meckert, ist doch alles im Lot und es spielt keine Rolle was das für ein Bock war. Hauptsache er liegt.
Mich gruselt es bei solchen Aussagen...seid Ihr in Eurem Selbstverständnis eigentlich Kammerjäger oder Schädlingsbekämpfer ? :eek:

Was beklagt sich die Jägerei noch über Wald-vor-Wild Propheten in rein fiskalisch orientierten Forstbehörden. Die Abschussknechte sitzen in unseren eigenen Reihen...

Killt die Viecher doch mit Sprengfallen oder Minen, oder vergiftet sie einfach. Nur ein totes Reh ist ein gutes Reh...damit Herrschaften nicht zäunen müssen und die Rendite passt.

Brrrr..... o_O

Selbstverständlich sieht man auch im Waldrevier Böcke regelmäßig und soetwas wie Bock-Reviere und Einstände gibt es im Feld wie im Wald. Wenn man Pirschzeichen lesen kann und etwas Ruhe und Beobachtungsgabe zur Jagd mitbringt, dann ist auch eine selektive Jagd im Wald gut möglich. Ballert ja auch keiner jeden Hirsch um sondern hegt ihn heran...

Zur Ausgangsfrage:
Vorrangig bejagt werden erkennbar krankes Wild, IIc Böcke und überhaupt sämtliche Böcke die zwar noch jung aber für die regionalen Revierverhältnisse schlecht veranlagt sind. Das ist i.d.R. alles vom Knopfer bis hin zum nur schwach vereckten bzw. Spießerbock oder was unter Lauscher-hoch auf hat. Aber das mag in anderen Revieren mit besseren als unserem märkischen Sandboden auch "bessere" Böcke einschließen.



Bestätigt einer unserer Begeher einen guten und reifen Bock und man kann ihm oder ihr damit eine Freude bereiten, dann "kleben wir da seinen Namen drauf" wie man hier so sagt. Will sagen, dann ist es seiner, die Mitjäger haben ein Auge drauf und berichten und im Laufe des Sommers bis zum Herbst wird der Bock dann von diesem Begeher gestreckt.
Wunderbar, wenn das nach einigen ersten Ansitzen wo er dann so oder so kam nicht sofort passt und sich eine schöne Geschichte entwickelt. So ist das dann nicht ein annonymer Knochen an der Wand sondern erzählt die Geschichte dieses Sommers und dieser Bockjagd. Und eine Geschichte von der Jagd...

Und was jetzt in den ersten Maiwochen schwerpunktmäßig bejagt werden sollte sind die überzähligen Schmalrehe. Man wird sich ja im späten Winter einen Überblick über den Rehwild Bestand gemacht haben und somit wissen, wo man etwa steht.
Da die Schmalrehe ab der zweiten Maihälfte in vielen Revieren nicht mehr ganz so sicher von jungen Ricken zu unterscheiden sind, lege ich da selber im frühen Mai meinen jagdlichen Fokus drauf.
 
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#13
schwaches Rehwild (Schmalrehe und Jährlinge) sind bei uns immer frei und den gilt es in erster Linie, an einer vielbefahreren Landstrasse entlang, da auch ältere Böcke. Ansonsten sucht sich jeder Mitjäger einen älteren Bock aus auf den er waidwerken möchte, dann ist dieser Revierteil für ihn reserviert. Macht einfach Spass und ist manchmal ne echte Herausforderung auf einen bestimmten Bock zu jagen! Abschussplan für Rehwild gibt es in unserem BL nicht mehr. Viel Spass und WMH auf der Bockjagd.
 
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#14
Ich Jage seit 27 Jahren in einem privaten Forstrevier.
Die Jagdmethoden entspricht so wie @ Tz99 beschrieben hat.
Es wächst alles im Rahmen an Naturverjüngung auf. Zu mindestens ist der Förster zufrieden.
Auch unsere Jagdgäste sind mit den Böcken zufrieden den wenn sie mal Glück haben können sie einen reifen Bock erlegen.
Unser Nachbar ist der Ökologische Jagd Verein zu denen ich ein gutes Verhältnis pflege.
Bei einer zufälligen Waldbegehung musste ich einen hohen Verbiss und Fegeschaden feststellen. Ich gab im den Rat nicht jeden Bock zu schießen sondern mal das so zu machen wie Wir eben beschrieben von @ Tz99 er kann auch gerne mein Revier besichtigen und nachschauen dass ich ihm keine Mehr aufbinde. Mal sehen ob er sich überwinden kann.
Den nur durch Totalabschuss wird's auch nicht besser. :sneaky:
Vier Jagdgäste in 3 Tagen 7 Böcke das sind die besseren.
Die Guten wurden noch guten wurden noch geschont
 

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steve

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#15
Ich habe keinerlei Druck vonseiten der Verpächter beim Rehwild. Die Rehwildbestände sind in allen Revieren in denen ich jage recht hoch und ich kann mir daher raussuchen was Freude macht. Daher jage ich bei den Böcken mit einem primären Focus auf Knopfern, Abnormen und Alten. Insbesondere Knopfer sind hier sehr selten, weswegen ich mich an der Jagd auf sie sehr erfreuen kann.

Beim weiblichen erlege ich von unten nach oben. Richtig schwache Kitze sind hier selten und die Unterscheidung zwischen 13,5 und 14 kg bekomme ich ohnehin nicht hin. Insofern selektiere ich nicht großartig. Hier versuche ich lediglich mich auf weibliches Wild zu konzentrieren.
 
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