Aller Anfang ist schwer…der Bau einer eigenen Wildkammer

Anzeige
Mitglied seit
8 Jan 2005
Beiträge
245
Gefällt mir
1
#1
Aller Anfang ist schwer…der Bau einer eigenen Wildkammer

Ein erneuter Gang zum vier Meter entfernten Waschbecken, erneut tropft Schweiß auf den Boden der Garage und der Abfluss ist schon wieder mit Haaren der Winterdecke verstopft. Die Freude am Abschuss des ersten Knopfbockes zu Beginn des Jagdjahres schwindet schnell dahin wenn ich daran denke, dass ich mit einem feuchten Tuch wieder die einzelnen „Tropfbetten“ vom Garageneingang zum Wildgalgen, von selbigem bis zum Waschbecken und zurück aufwischen muss. Es dauert nicht lange, die erste Fliege summt um mich und setzt sich prompt auf die frisch aufgeschärfte Innenseite der Keulen. Zwar ist diese schnell vertrieben, doch jetzt muss ich mir Gedanken machen ob ich zeitnah den Schlüssel für den Kühlraum im Gerätehaus der örtlichen Feuerwehr bekomme. Nach dem Abhängen nimmt der Bock dann den gleichen Weg wieder zurück in meine Garage, aus der Decke schlagen, grob zerwirken und in einer Kunststoffwanne eine Etage höher in die Küche. Hier beginnt dann die Feinarbeit und erneutes Aufwischen von Schweiß und heruntergefallenen Resthaaren die am Wildbret hafteten. Rechne ich die ganze Zeit zusammen, die ich darauf verwende alles wieder in Ordnung zu bringen, so kommt in mir der Gedanke auf lieber den Bohrhammer in die Hand zu nehmen und einen eigenen Kühl- und Zerlegeraum zu bauen.

Noch einige Wochen und Monate reift der Gedanke in meinem Kopf, dann ist der Entschluss gefallen. In einem Kellerraum hinter der Garage sollen der Zerlegeraum und wiederum dahinter der Kühlraum entstehen. Mit Bleistift gezeichnete Skizzen überzeugen schließlich auch meinen Vater, der bei der Durchführung des Vorhabens ob seiner handwerklichen Fähigkeiten unverzichtbar ist. Doch bevor der erste Schlag des Bohrhammers in die Wand dringt, vereinbare ich einen Termin mit dem Leiter der Veterinärbehörde.

Er erläutert mir vor Ort welche Eigenschaften die Wildkammer aufweisen muss, dass sie die Anforderungen einer „registrierpflichtigen Betriebsstätte“ erfüllt:


  1. Kühlmöglichkeit für Schalenwild maximal 7°c, für Federwild und Hasenartige maximal 4° c, ausgestattet mit einem Thermometer


  1. Fußboden und Wände müssen abwaschbar und leicht zu desinfizieren sein


  1. Fenster und Türen müssen ebenfalls abwaschbar sein


  1. Raum muss gut zu lüften sein, Fenster mit Fliegengitter ausgestattet


  1. Raumdecke sauber, ohne sich ablösende Teile


  1. Handwaschgelegenheit, Seifenspender, Einmalhandtuchspender


  1. Künstliche Beleuchtung mit Splitterschutz


  1. Leicht zu reinigender, korrosionsbeständiger Arbeitstisch


  1. Messer mit Kunststoffgriffen


  1. Kein Zugang für Schädlinge


  1. Verschließbarer Abfalleimer


  1. Trinkwasseranschluss


  1. Trennung „unreiner“ Arbeitsabläufe (Aufbrechen, Abschwarten) von „reinen“ Arbeitsgängen (Zerlegen, Verpacken), zeitliche Trennung und vorherige Reinigung möglich

Zusätzlich sollte der Raum für unsere persönlichen Bedürfnisse noch folgende praktischen Ausführungen enthalten:


  1. Ausreichend starke elektrische Seilwinden am Wildgalgen im Zerlege- sowie Kühlraum


  1. Berührungslose Bedienung des Wasserhahns und Seifenspenders


  1. Ausreichende Anzahl an Steckdosen für Vakuumiergerät und etwaige zukünftige Geräte (Fleischwolf etc.)


  1. Wasserabfluss unterhalb des Wildgalgens


  1. Schlauchanschluss mit Brause zum Ausspülen des Wildkörpers sowie der Fußbodenreinigung

In den nachfolgenden Bildern seht ihr wie aus einem unansehnlichen Lagerraum im Keller unsere neue Wildkammer mit Kühlraum entstanden ist. Ich hoffe, dass ich damit dem ein oder anderen „Unentschlossenen“ Anregungen geben und die Entscheidung erleichtern kann. Bisher kann ich nur so viel sagen: Es war sehr viel Arbeit, aber sie hat sich gelohnt!


1. Lagerraum nach grober Entrümpelung



2. Lagerraum nach Abbau der vorhandenen Regale und des restlichen Inventars



3. Erster Wanddurchbruch vom späteren Zerlegeraum in einen anschließenden Kellerraum, in welchem ein Teil für die zukünftige Kühlzelle abgetrennt werden soll



4. Zweiter Wanddurchbruch vom Lagerraum in die Garage, damit eine Anlieferung des Wildes mittels PKW möglich ist



5. Verlegung eines Abflusskanals vom zukünftigen Zerlegeraum bis zum Abflussrohr im Hof





6. Einbau einer Brandschutztür zur Garage und Putzen der Seitenwände sowie des Türsturzes



7. Einbau der Kühlraumtür sowie Isolierung der Kühlrauminnenwände mit Styrodur



8. Baustellenchaos



9. Verlegen der elektrischen Leitungen



10. Die Fliesen im Kühlraum sind fertig und die erste Sau hat ihren Weg gefunden…



11. Verlegen von Y-Tong-Steinen zur Erstellung eines 5 cm Sockels damit zukünftig kein Wasser unter die Schränke laufen kann



12. Die Wandfliesen sind da und die Elektrik verklemmt



13. Der Sockel ist gefliest und Edelstahlabschlussschienen gesetzt



14. Fußboden und Wände sind fertig



15. Die Fliesen verfugt, Leuchten installiert und Raum neu gestrichen



16. Der Wildgalgen mit Seilwinde



17. Die Edelstahlmöbel sind angekommen und der Abschuss der Kitze in Straßennähe wird erfüllt



18. Waschtisch mit Seifen- und Papiertuchspender (Seifenspender mit Infrarotsensor)



19. Am Waschtisch ist ein Wasserhahn mit Infrarotsensor installiert



20. Der Kühlraum



21. Ein Thermometer zeigt die Temperatur im Zerlege- sowie Kühlraum an



22. Aufhängevorrichtung und Seilwinde im Kühlraum



23. Der erste Frischling (8 kg) wird verarbeitet



24. Und erbringt leckere Steaks die auf dem Grill landen



25. Und der nächste Schwarzkittel kommt bestimmt…


 
Mitglied seit
16 Dez 2012
Beiträge
4.916
Gefällt mir
8
#2
Macht alles einen Supereindruck! Viel Arbeit, bis es dann endlich einsatzbereit ist.

Für wieviel Stück Wild pro Jahr betreibt ihr diesen Aufwand?

Welches Wild fällt neben SW und Rehwild sonst noch an?

Professionelle Vermarktung?

TH
 
Mitglied seit
4 Mrz 2007
Beiträge
8.526
Gefällt mir
84
#4
Da kann man nur neidisch drin schauen und hoffen das man schnellstens solche Räumlichkeiten selber zur Verfügung hat! Klasse! :thumbup:
 
Mitglied seit
2 Jan 2005
Beiträge
23.577
Gefällt mir
487
#5
Sieht super aus!

Mir fehlt aber so ein bisschen der Überblick.
Könntest Du bitte einen Grundriss (Garage, Wildkammer, Kühlraum) mit Maßen einstellen?!
Welche Raumhöhe?


WaiHei
 
Zuletzt bearbeitet:
Mitglied seit
24 Sep 2010
Beiträge
24.496
Gefällt mir
1.245
#6
Waidmanns Gruß, @Seibert
Aller Anfang ist schwer…der Bau einer eigenen Wildkammer

....

.....
beginnt dann die Feinarbeit und erneutes Aufwischen von Schweiß und heruntergefallenen Resthaaren die am Wildbret hafteten.

Rechne ich die ganze Zeit zusammen, die ich darauf verwende alles wieder in Ordnung zu bringen, so kommt in mir der Gedanke auf lieber den Bohrhammer in die Hand zu nehmen und einen eigenen Kühl- und Zerlegeraum zu bauen.
....
Noch einige Wochen und Monate reift der Gedanke in meinem Kopf, dann ist der Entschluss gefallen. ...
Da fällt einem eigentlich nichts mehr dazu ein, ausser Euch zu gratulieren :thumbup:

Danke für diese absolute Top-Präsentation !
 
Mitglied seit
13 Sep 2012
Beiträge
4.413
Gefällt mir
12
#7
Absolut Toll !

Alternativ möchte ich für Gehänge andere Lösung vorstellen :

Anhang anzeigen 9930

Aus Platzgründen in die Ecke gesetzt; funzt wunderbar.

Der Flaschenzug läuft in einer Toorrolrnlaufschiene und kann nach Rechts und Links verschoben werden; wichtig ist das der Motor höher ist als
die Rohrbahn; damit wirds aufhängen leichter.

Als Rohrbahn stabiles Rohr welches wir mit mehreren Bohrungen

Anhang anzeigen 9931

Horizontal versehen haben : Gewindestangen mit Muttern die dann als einfache Stecker die Hacken zum Spreitzen fixieren;
erleichtert das Aufbrechen und Zerwirken ungemein.

Wir schwarten SW auch mittels der Seilwinde ab; darum ist die Rohrbahn Stabil ausgeführt und an der Rückwand ist eine Fixierung wo die Umlenkrolle der Seilwinde
eingehängt werden kann : Zug auf die Schwart erleichtert das Abschwarten ungemein.


Unser Handwaschplatz Anhang anzeigen 9932

ist simpler gestrikt... Wasserhahn einfeache Einhebenmischergarnitur die mikt dem Ellbogen bedint werden kann; Seifenspender; Desinfektion und Einmalhandtücher..

links Wandhalter mit Einmalhandschuhe.

Messerhalter ist einfacher Messerkorb vom SChlachthof : den gesamten Korb ( ist nur eingehängt) in die Spühlmaschiene : Sauber.. und entgegen eines Magnethalters fallen einem auch keine Messer in den Handrücken:unbelievable:


Als Aussentür

Anhang anzeigen 9933

Eine einfache Hausnebeneingangstür aus Kunstoff; ist Ungeziferdicht da Umlaufende Dichtleisten
und da als Innentür genutzt statt bFenster ein Engmaschiges Fliegennetz.


Zur Beleuchtung : auf deinen Foto sehe ich einen Lichtbalken zwischen Gehängebahn und Wand...

mach noch eine über die Eingangstür zur Kühlung..

dann hats du Komplett Schattenfrei ausgeleuchtet. Klemme die beiden gegenüberliegende Leuchtstoffröhren Phasenversetzt an; und das Frequenzzflakeren der Leuchtstoffröhren hebet sich auf.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mitglied seit
13 Sep 2012
Beiträge
4.413
Gefällt mir
12
#8
Zum Zerwirken und Edeketieren :

Da wir eine Dokumentationmspflicht haben wo wir mit welchen Teilstücken bleiben
Edeketieren

Anhang anzeigen 9935

wir mit Herkunft; Art; Trichinennummer; Gewicht; Haltbarkeitsdatum; Verpackungsdatum; Gewicht und Preis
sowie für Uns Strichcode um Lagerlogsitik zu Vereinfachen und alles per Scanner und Läpi zu Speichern.

Zum Edeketieren alte Druckerwaage aus dem Suppermarkt..



Anhang anzeigen 9934


TM
 
Mitglied seit
15 Feb 2010
Beiträge
2.241
Gefällt mir
0
#9
....das ist doch gar keine Wildkammer!







....das ist ein OP!!!!!



...herzlichen Glückwunsch zu diesem geilem Arbeitsplatz!
 
Mitglied seit
28 Jun 2013
Beiträge
303
Gefällt mir
0
#13
Neid ist so ein hässliches Wort.......aber hier doch angebracht! :biggrin:

Super Sache und klasse Präsentation.:thumbup::thumbup::thumbup:


Wie lange habt ihr gebaut?
 
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Oben