Ansprechen eines Softairsnipers

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15 Feb 2016
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Etwas aus der Rubrik Kuriosität und mein mit Abstand komischste Ansitz überhaupt.

Alles begann bei einem schönen Ansitz auf Rehwild an einer Wiese, die vom Maisfeld umschlossen ist. Gegen 20:00Uhr sah ich im letzten Büchsenlicht und nur aus dem Augenwinkel, wie plötzlich rechts entlang der Maiskante (und Einfahrt zur Wiese) „irgendwas“ in einem Affenzahn quer über die Wiese rannte und plötzlich flach auf der Wiese in Deckung ging. Das Ganze geschah ca. 60m-70m Luftlinie zu mir. Was es war konnte ich nicht erkennen, da es wie gesagt schon ziemlich dunkel war und ich weder Wärmebildkamera noch ein Nachtsichtgerät dabei hatte - ging ja auf Rehwild. Direkt kam bei mir ein sehr mulmiges Gefühl auf und tatsächlich habe ich in diesem Moment bereut ausnahmsweise meinen Hund (Weimaraner, 70cm und knapp 40kg) beim Frauchen gelassen zu haben. Von der Größe konnte es unmöglich ein Reh gewesen sein, Sauen haben wir nicht und auch das Bewegungsmuster war irgendwie merkwürdig. Das „Objekt“ lag mittlerweile ca. 60m direkt vor mir auf der Wiese und hinter mir hörte ich zusätzlich Geräusche und Geraschel, was ich nicht zuordnen konnte. Irgendwie bekam ich ein Flashback zu meinem ersten Jagdrevier und die große Problematik mit Jagdgegner. Mir wurde es ziemlich mulmig, da ich nur mit dem Fernglas „ ansprechen“ konnte. Nach und nach konnte ich etwas erkennen, jedoch war es so verstörend, dass ich es nicht wahrhaben wollte. Da lag ein Kerl im Tarnanzug und Nachtsichtgerät und zielte mit einem Gewehr auf mich. Fuck…was ist hier jetzt los. Als wirkliche Bedrohung hatte ich es komischerweise trotzdem nicht eingeordnet. Trotzdem direkt den Jagdpächter über WhatsApp informiert und und weiterhin durch Fernglas beobachten. Da waren ja noch die anderen Geräuschen.

Auf einmal hörte ich eine Softair und merkte, dass in meine Richtung geschossen wurde.

Eine große Erleichterung. Ich habe meine Waffe entladen (Waffen blieb die ganze Zeit unverändert auf der Brüstung liegen, mit Mündung im Kugelfang) und ging vom Hochsitz runter und lief entspannt auf den Typ zu. Er schoss nochmal in meine Richtung (traf aber nie) und ich machte mich mit der Handylicht als Jäger bemerkbar und sagt spaßeshalber, dass meine Schüsse schmerzvoller sind😂.

Daraufhin leuchtete er mich mit der Taschenlampe an und wir beide fingen an zu lachen😂

Haben uns im Anschluss noch gute fünf Minuten ganz entspannt unterhalten und für uns beide war die Situation so kurios, dass wir ständig darüber lachen mussten. Er ist Bundeswehrsoldat und spielt einmal im Monat mit zwei seiner Freunde (die Geräusche im Hintergrund) Softair und er dachte einer seiner Kumpels saß auf dem Sitz. Als er bemerkte, dass es keiner seiner Kumpels war machte er sich in die Hosen (waren wir an diesem Tag zwei😂).

Da ich eh abbaumen wollte und es ihm aufrichtig leid getan hat mich bei der Jagd gestört zu haben (in dem Revierteil wird quasi nie gejagt), wünschte ich Ihnen noch viel Spaß. Wir lachten nochmal und wünschten uns einen schönen Abend.

Erst im Nachhinein realisierte ich was alles hätte schief laufen können. Für beide Seiten lebensgefährlich, Stichwort erwischter Wilderer usw./ vermutete Notwehr….Zum Glück ist alles gut gegangen und so wird dieser Ansitz für immer in meinem Gedächtnis bleiben.

Zum Schluss durfte ich noch ein Foto machen, weil sonst niemand die Story glauben würde. Ich hoffe jedoch, dass ich nie wieder in so eine Situation komme.
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Booah! Echt Glück gehabt, beide, ich hätte mich nicht ins Visier nehmen lassen ohne selbst zur Waffe zu greifen. Die Waffe achaut auch nicht nach Luftgewehr aus.

Es gab, (meine ich mich zu erinnern) mal einen Fall, wo ein übender Soldat mit Platzpatronen in Richtung eines Hochsitzes (Vater mit Sohn) geballert hat(geschossen hat er ja nicht). Der Jäger hat daraufhin das Feuer erwidert und auch getroffen. Tragischer Fall, der Soldat hat es wohl nicht überlebt.
 
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das wird so ein Held sein, der sonst nur heizungsnah verwendet wird und vor seinen Kumpels da den dicken macht.
Ich bin vor Jahren mal zum Softair spielen kurz hinter die belgische Grenze mitgeschleppt worden. Da waren erstaunlich vielen LehrerInnen dabei. Für das Kollegiuim eines durchschnittlichen Kleinstadtgymnasium hätte es dicke gereicht.
 
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Im Buch "Vom Jagern in Altbayern. Auf den Rehbock" gibts eine Schilderung wie ein sich gestört fühlender Jäger anno dunnemals den Eimer mit Heidelbeeren von zwei Sammlerinnen aufs Korn nahm und platzen ließ.
Das erinnert mich spontan daran.

Eigentlich müsste man von solchen Leuten die Kontaktdaten erfragen und sie um eine "Übung" bitten wenn die Sauen grad wieder Schaden im Mais machen. :devilish: :evil:
Gratis-Vergrämung quasi. Dann hätte die Spielerei noch einen Nutzen.
 
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Wie kommt man dazu vom Hobby eines Menschen auf seine berufliche Qualifikation zu schließen?


Ich denke der TS hat die Situation bestmöglich aufgelöst. Das liegt vermutlich auch ein wenig an der Einsicht des Gegenübers, insofern kann das -meines Eindrucks nach- kein gänzlich verkehrter Charakter sein.


CdB
 
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Kuriose und auch beängstigende Situation. Ich finde du hast sie gut gemeistert und natürlich hätte das schief gehen können. Ich mag aber Jäger die nicht immer die Herren der Natur sind und finde du hast die Jagd im Sinne der Aussendarstellung gut vertreten. Nächstes mal wird er sich sicher mit euch absprechen statt einfach woanders auszuweichen und weiter solche Situationen zu provozieren!
 
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Zuersteinmal "Glückwunsch" das alles gut ausgegangen ist.
Wie man in so einer Situation reagiert ist denk ich schwer zu prognostizieren und Einzelfall abhängig aber dem Kameraden hätte ich trotzdem gehörig den Kopf gewaschen. Wenn jemand in derartiger Art und Weise in meine Richtung zielt ist als Erstes mal die Eigensicherung eine normale Reaktion und sowas kann bei einer unglücklichen Verkettung dann eben blöd ausgehen. Das ist auch der (gute) Grund weshalb Anscheinwaffen gem 42a nicht in der Öffentlichkeit geführt werden dürfen. ,womit das Softairspielen ausserhalb befriedeter Bezirke verboten ist.
Das kann also auch durchaus teuer für ihn werden.
 
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Glück gehabt. Am verstörendsten an der ganzen Sache finde ich, dass es in der aktuellen Zeit noch jemanden gibt, der meint in voller Möchtegern-Militär Montur "Krieg spielen" zu müssen.

Und dann noch, nach Selbstauskunft, ein Soldat.

Irrsinn. Ich bekomm Nackenschmerzen vom Kopfschütteln.
 

z/7

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Am verstörendsten an der ganzen Sache finde ich, dass es in der aktuellen Zeit noch jemanden gibt, der meint in voller Möchtegern-Militär Montur "Krieg spielen" zu müssen.
Also DAS find ich jetzt am wenigsten verstörend.

Über meine allgemeine Verstörung angesichts der aktuellen Situation hinaus, wohlgemerkt.

Was erwartet man denn, wenn schon die halbe Friedensbewegung "heng'em!!!" brüllt?
 

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