Beerdigung eines Jägers !?

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#31
Ich hoffe mal , wenns mich erwischt kommen meine Freunde so angezogen wie sie sich wohl fühlen. Ich maskier mich bei der Beerdigung von Feunden nicht. Den letzten hab ich genaus so zum Grabe begleitet wie er mich aus unserer gemeinsamen Zeit kannte. Mir ist WURSCHD was andere denken!
Das mag bei offiziellen "Delegationen" anders sein.
 
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#32
Wir haben im März meinen Vater, der 60 Jahre lang aktiver Jäger und großer Naturfreund war, zur letzten Ruhe geleitet.
Einige Jäger, davon nur noch wenige seiner Generation, nahmen an der Beerdigung teil, welche die letzte mit allen Trauergästen (außer Kapellenbenutzung) war, ab dem nächsten Tag änderte sich coronabedingt nochmal alles...

Die Jäger kamen selbstverständlich in grün mit Hut, weißes Hemd mit schwarzer Krawatte, schlicht und einfach, wie man es immer machte. Weißtannen-Brüche (von Vaters selbstgepflanztem Lieblingsbaum) hatte ich vorbereitet.
Einige Bläser standen in Grabnähe und bliesen das letzte Halali beim Sargablassen, worauf wir den Hut zogen und die Brüche ins Grab gaben.

Ich hatte vorher Zweifel, ob es so richtig wäre - aber als es so ablief, war alles gut und richtig.
Für einen Mann, der sein Leben lang Natur, Wild, Wald und Jagd liebte, war es in jeder Hinsicht würdig und angemessen ! Ich ging in schlichten schwarzem Janker und Forsthut, auch das hätte ihm genauso gefallen.

Auch wir hatten, weil Vater kein Kirchlicher war, einen freiberufl. Trauerredner (bei uns im Ort lebend) beauftragt, der eine gute Rede vortrug, auf Basis vieler Informationen, die wir ihm vorher gaben.
Der aufgeklärte und sympathische Mann brachte keine schwülstigen Verdienstaufzählungen, sondern er hat den Verstorbenen gewürdigt, so wie er im Leben war.
Kern der Rede war die Besinnung auf den Natur-Kreislauf, das passte so gut zu dem Verstorbenen, der sein Leben lang vor allem den Blick zum freien Himmel liebte.
Nie hätte ich gedacht, welche Ergriffenheit bestimmte Ereignisse auslösen.
 
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#34
Ich habe nun schon einige Bestattungen im Friedwald miterlebt und muss sagen, dass ich diese Form der Bestattung für Jäger und sonstige Natur-Verbundene für sehr angemessen halte. Es hat etwas extrem Beruhigendes und Tröstendes wenn man sich zwischen den Bäumen aufhält. Es waren auch schon mal Jagdhornbläser anwesend, dass hat in der Kulisse auch sehr gut gepasst.
Und der Kreislauf der Natur, den @Busch ja auch nannte, zeigt sich hier direkt und ohne Gärtner.

Einer unser Jäger hat sich vor ein paar Jahren tot gesoffen und wurde im Wald beerdigt. Das Wichtigste dabei war für mich die zahlenmäßige Anwesenheit der Jagdkollegen, was sie für Kleidung trugen, kann ich heute gar nicht mehr sagen.
 
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#37
es ist kein schönes Thema, aber es ist unabwendbar. Ich habe schon an vielen, vielen Beerdigungen von Jägern teilgenommen. Ich kann nur @Busch beipflichten. Als wir vor vielen Jahren meinen Vater verabschiedet haben, waren das "Jagd vorbei und Halali" der Jagdhornbläser ein "schöner" Abschluß der Trauerfeier. Ich blase auch regelmässig auf Beerdigungen von Hegeringmitgliedern und wenn hinterher ein naher Angehöriger kommt und sich bedankt, weiß ich, dass wir das richtig gemacht haben...
Dem Anlaß angemessene Bekleidung Bekleidung für mich, weißes Hemd, schwarze Krawatte, Janker, Hut und bei Kälte Loden drüber.
 
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#39
Ich habe früher als Bläser an vielen Beerdigungen teilgenommen. Wichtig erscheint mir, dass man vorher in Erfahrung bringt, was eigentlich die Angehörigen wünschen. Der "Standard-Ablauf" war natürlich Bläseranzug mit Hut, weißem Hemd und schwarzer Krawatte sowie Jagd vorbei /Halali und letzter Bruch. Es gab aber auch Angehörige, die wollten keinen Bruch in das offene Grab, nur ein Horn (statt alle zusammen) und manchmal auch explizit gar keine Hornsignale (in diesen Fällen sind dann aus unserer Bläsergruppe natürlich nur die hingegangen, die den Verstorbenen gut kannten, ohne Horn).
 
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#40
Also den Trauer-Bruch als Zeichen der Jagdfreunde beim Begräbnis ist ein Muß für mich - das ist ein Standeszeichen für unsere Verbindung zur Natur !
Ob ich einen vom Gärtner gelieferten unpersönlichen Handstrauß nehme oder ich habe eine zum Verstorbenen passenden letzte Gabe, das ist meine Entscheidung. Hier stehe ich zur jagdlichen Tradition !
Ich kann mir nicht vorstellen, warum sich da Angehörige gegen wenden.

Blasen ist ein anderes Thema. Das stimmt man nat. vorher mit den Angehörigen ab, das gehört sich so.

Wir waren sehr dankbar und es war überaus würdig, die Hörner zu hören an Vaters Grab !
Wir sind trotz städtischen Umfeld, eine Jägerfamilie seit Generationen, es hätte etwas gefehlt ohne letztes Halali !

Ich hatte sogar das Angebot meiner 130km weg lebenden Freunde, mit denen ich normalerweise blase, ein Aufgebot zu schicken, aber die örtliche Jägerei hat es mit einigen zeitlich unabhängigen Jägern sehr gern geleistet.
 
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#41
Schade welche engstirnigen Meinungen teilweise vertreten werden. Im Grunde ist doch eine Beerdigung eine Würdigung; eine Verabschiedung ein letzter Gruß an den Verstorbenen ( der im Zweifel nichts mehr davon mitbekommt ) als auch eine Unterstützung der Hinterbliebenen. Wenn der Verstorbene als Hobby- als Aufgabe - als Berufung die Jagd sah, finde ich es absolut gut ihm eine Ehre zu erteilen und in einem für diese Person passenden Anzug; Tracht oder egal was zu tragen. Es geht dabei nicht um den Teilnehmer der Beerdigung sondern um den Toten. Regional sind diese Ehrbezeugungen natürlich unterschiedlich. Landestracht; Trachten aus den Regionen oder auch Uniformen. Ich halte es so, das ich überlege: was hätte der Verstorbene gern ? Was würde er wollen - sich wünschen - eventuell freuen (wenn er noch Leben würde). Die Farben sehe ich zweitrangig. Die Frage erklärt sich relativ einfach: welche Jagdkleidung trägt man üblicherweise in der jeweiligen Region. Wer das nicht will kann Universal - schwarz tragen. Auch das ist eine Ehrerbietung dem Toten gegenüber. Es geht nicht um uns Teilnehmer. Ich habe in der Vergangenheit viele Beerdigungen erlebt - und oft dieses Gefasel unter dem Motto Schwarz ist out. Ich sehe diese Einstellung als faul - bequem umd Kostensparend an. Auf der anderen Seite ist es auch OK wenn man aus einer anderen Richtung eine Verbindung zu dem Verstorbenen hat und nicht Jagdlich Gekleidet geht sondern mit Vereinfarben - einer Uniform oder sonstiger Kleidung. Ein Nichtjäger marschiert ja nicht in Jagdkleidung auf. Zu den Orden umd Ehrenabzeichen: warum nicht ? Das sind Leistungen umd Ehrungen die sich eine Person erarbeitet hat. Auf die er stolz war. Vielleicht auch seine Familie stolz war. Welche Orden und Auszeichnungen da verwendet werden...... Naja- wenn sie nicht verboten sind.......Sind sie erlaubt. Frage erübrigt sich. Es geht um die Ehrung - den letzten Weg des Verstorbenen. Wem das Alles zu viel ist...... dem fehlt offensichtlich die Verbindung zu dem Toten- der sollte zu Hause bleiben.
Meine Eltern waren da zB offen: meine Mutter sagte mir einmal - es soll jeder tragen was er meint. Er soll aber in Gedanken bei dem Verstorbenen sein und keine Show liefern. Es ist auch eine Ehre den Toten ehren zu dürfen. Ich wollte keine Leute an meinem Grab haben die gezwungener Maßen kommen.
 
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#42
Brauchtumspfelge hat nichts mit der "Vormodernen" zu tun.

Im übrigen werden in Österreich nicht nur irgendwelche Schützennadeln und Auszeichnungen der freiwilligen Feuerwehr vor oder hinter dem Sarg auf einem Samtkissen getragen. Ich habe in Rauris, Salzburger Land, mal die Trauerfeier incl. Beisetzung eines alten Mannes miterleben dürfen. Die Frauen waren fast ausschließlich in Pinzgauer Tracht gekleidet. Die Männer ebenfalls in Tracht. Der Sarg wurde vom Haus des Verstorbenen, wo er vorher aufgebahrt war, durch den gesamten Ort getragen. Auf dem Kissen lagen außer den Ehrennadeln der Feuerwehr und irgendwelcher Schützenauszeichnungen auch noch Orden aus dem 2. Weltkrieg. Und niemand hatte ein Problem damit. Hier bei uns ginge das Theater mit der Aufbahrung schon los. Dann noch die Orden und vor allem Tradition. Das ist ja schon Megahundepfui. :roll:
Nach der Beisetzung ist die Witwe mit ihren Söhnen übrigens erst mal ein Bachhendl essen gegangen. Denn zum Abschied nehmen hatte sie ja genug Zeit. Das fand ja die letzten Tage zu Hause statt.
Die Aufbahrung zuhause ist, obwohl nicht üblich, auch in Deutschland zulässig. Drei Tage habe ich im Hinterkopf, dann muss der Bestatter spätestens übernehmen. In der heutigen "modernen" Gesellschaft ist das wohl aber nicht mehr en vogue.

Zur Bekleidung: beide Extreme sind m.E. nicht optimal, also bewusstes Buntanziehen (ausser auf expliziten Wunsch der zu beerdigenden Person!) wie auch alle in schwarz. Gedeckte Farben, niemand sollte herausstechen (wie bei der Hochzeit, da sollte auch niemand auffälliger angezogen sein als die Braut). Im Zweifel mit den Angehörigen abstimmen. Üblicherwiese wird ja in der "Einladung" darauf Bezug genommen. Wenn man sich besser kannte, sollte man wissen, was der/die Verstorbene wollte. Es sollte Farbkombinationen geben, die zivil wie jagdlich durchgehen und nur mit dem Hut "jagdlich" werden.

Alles am Ende nicht so schwer.
 
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