Beitrag zur Zertifizierung

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Von den Zusammenhängen zwischen forstlicher Rohholzproduktion von Waldbesitzern, deren Marktzugang und den Vermarktungsabläufen scheints Du nicht den Schimmer einer Ahnung zu haben.
In Deutschland haben wir 48 % Privatwald, die durchschnittliche Besitzgröße liegt bei 2,4 ha.

Wenn bei diesen Kleinstprivatwaldbesitzern regulär alle paar Jahre Holz überhaupt genutzt wird, das eine andere, wertschöpfendere Verwendung als Brennholz haben soll, so ist der Eigentümer grundsätzlich auf Beratung und Verkaufsunterstützung durch z.B. forstliche Zusammenschlüsse, die markfähige Mengen-Bündelung betreiben, zwingend angewiesen.
Hierzu ist wiederum das forstliche Zertifizierungssystem mittlerweile ein selbstverständlicher Bestandteil.
Oder glaubst Du, daß holzverarbeitende Unternehmen, die im Jahr 6-7 stellige Zahlen im Rohstoffbedarf umsetzen, den 10 fm vom Bäuerlein "X" per Einzelvertrags-Aktion nachspringen ?

Wer glaubt, er könne heute immer noch einzelbaum- oder pkw-hängerweise Holz (ohne Zertifikat) produzieren und selbst verkaufen, scheitert oder hat einen großen Ofen.

PEFC ist heute ein Qualitätssiegel für nachhaltige Forstwirtschaft nach anerkannten fachlichen Grundsätzen, konform mit den geltenden Waldgesetzen (die dem Verbraucher inhaltlich fremd sind) und die Kosten für den einzelnen Waldbesitzer sind niedrig.
Um auf das Ausgangsthema zurückzukommen, ist jedem privaten Besitzer von Waldflächen zu empfehlen, sich PEFC zu zu wenden, auch vor dem Hintergrund der Bundeswaldprämie.
Niemand zwingt den Privatwaldbesitzer, sein Holz in Auktionen, welche Zertifikate voraussetzen, einzubringen. Soweit bin ich bei Dir. Und glaub mir, ich habe mehr platzende Hydraulikschläuche am LKD gesehen, als andere in ihrem Leben Böcke geschossen haben. Ich habe mit Pferden gerückt und mein Geld in der Jungwuchspflege mit der Klauenschere verdient, im Hochsommer Jungwuchspflege mit der Forstsense im Steilhang in Anpflanzungen betrieben. Ich kann verstehen, was Du schreibst.

So, nun zurück zu Tatsachen und Logik. Der Bauernwald, den nutzt der normale Bauer als Reserve für sich. Zumindest hier bei uns. Brennholz ist das Ziel, Bauholz geht bei uns durch eines der vielen kleinen Sägewerke, die es noch gibt, geht auf den Stapel und wenn die Kinder ein Haus bauen wollen, so scheitert es nicht am abgelagerten Holz.

Es geht mir darum, und dann höre ich damit auf, verständlich gemacht zu haben, dass Zertifikate nicht dazu ersonnen worden sind, um Güteklassen festzulegen, sondern eine Agenda obendrauf durch zu drücken. Holz ist dann gutes Holz, wenn es seinen baulichen oder sonstigen Zweck in der Industrie etc. erfüllt. Was darüber hinaus geht, das folgt einer Agenda, die Leute setzen, die meinen, Holz wäre nur dann gutes Holz, wenn es so angebaut, gewonnen und transportiert wird, wie die Scherzifikatorenorganisationen es für richtig halten. Der Kunde, sprich der Holznutzer, der hat wegen des Zertifikats kein besseres Holz. Er kann sich maximal besser fühlen, wenn er liest, wofür das Zerifikat erteilt worden ist. Großeinkäufern schafft das Scherzifikat Erleichterung beim Einkauf, sofern der Staat Steuergeld einsetzt, um die Scherzifikation des Bauernwalds zu fördern. Klarer Fall von Markteingriff. Wozu?

Ich freu mich auf Deine Antwort. Danach blende ich mich aber aus. Ich bin in Sachen Wettbewerb und Markt einfach Purist. Freund der österreichischen Schule der nat.-Ökonomie.
 
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Eine einzige Antwort meinerseits gern noch, aber dann freue ich mich, wenn Du Dich ausblendest.
Du magst ein Purist sein, aber besonders auch ein Ignorant und mein Urteil über Deinen Einblick in Waldwirtschaft und Holzvermarktung bleibt bestehen, er ist mit Verlaub auffällig kurzsichtig.

1. Es geht nicht überall in der Privatwald-Welt nur um östereichischen Bauernwald.

2. Es geht nicht um "Auktionen", auf denen Zertifikate gefordert werden, sondern um ganz regulären Verkauf verschiedenster Rundholzsortimente, die ohne Zertifikat keinen Marktzugang mehr haben. Langfristige vertragliche Bindungen zwischen den Marktpartnern sind heute der Normalfall, kein Verkauf von ein paar Sparkassenstämmen nach Tageslaune.

3. Es geht beim Forst-Zertifikat nicht um Holz-Güteklassen, dafür gibt es andere Normen.

4. Es geht auch nicht darum, was Zert.-Organisationen für richtig halten, sondern um die von der Kundennachfrage in den Lieferketten des Holzmarkts initiierte, öffentlichkeitswirksame Bestätigung von Fachstandards ressourcenschonender Forstwirtschaft aus belegter legaler Nutzung und das bedeutet sehr wohl ein Gütesiegel für die Art und Weise der forstlichen Rundholzproduktion.

5. Ein Forstzertifikat gehört heute in weitaus bedeutenderem Umfang zur Forstwirtschaft des laufenden Jahrhunderts als die Rückung mit Pferden. :giggle:
 
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Die Antwort vom Ministerialdirigent war eindeutig (sinngemäß): "Wir haben ein bayerisches Waldgesetz, das ist schärfer als alle Zertifizierungsvorschriften. Ich Frag mich also, was soll die zertifizierung bei uns also bringen? Und im Übrigen ist es mir suspekt, wenn andere an unserem Wald Geld verdienen wollen, ohne dafür etwas zu leisten!"
Chapeau für diesen Beamten des Bay. Staatsministeriums!

Waidmannsheil
bonchasseur
 
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