Bergjagd - Ausrüstungstips und Tricks

Anzeige
Registriert
21 Jan 2002
Beiträge
65.137
Bei unter minus 20 Grad gilt das gleiche heutzutage, wie vor 100 Jahren.

Wolle und Leder sind mir im Winter immer noch am liebsten, ich bekomme in Membran Handschuhen schwitzige Hände, einzige Ausnahme, Fäustlinge aus Kunststoff zum drüberziehen bei Wind und Nässe.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Registriert
16 Apr 2008
Beiträge
4.118
Gestern 4 Stunden Ansitz auf Fuchs und Wildschwein auf offener Kanzel ohne Windschutz.
Temperatur -12°C der leicht böige Ostwind lies an eigener Haut erfahren was Chill-Effekt bedeutet. So zog ich Mütze weitmöglichst runter und Halsmuff möglichst weit rauf.

Füße:
Wollpower 600 Socken
chem. Schuhheizer
Sorel Icefisher

Unterkörper
Baselayer Icebreker Merinowäsche 200gr
Midlayer Woolpower Long John 400gr
Pfanner Lodenhose
Wattierte Überhose mit Faserpelz (innen) (Gabs mal bei Kieferle)

Oberkörper
Baselayer langarm Merinoshirt 200gr
darüber Alpenheat Heizjacke (Kabel und Akku bis zur Überhose durchgefädelt)
dicht gewebtes Wollswetshirt mit sehr hohem Hals
Merino Wollpullover
Strickjacke
Loden Ansitzmantel

Hände
in Bewegung

und besteigen des Hochsitzes
Neopren Anglerhandschuhe (Mit Schlitz für Finger)

In den Manteltaschen jeweils ein chemischer Handwärmer. Zum Hände warm parken.

beim Ansitz
Thinsulate Handschuhe (Fingerspitzen frei aber mit überklappbarem Faustteil )

Hals/Kopf

Thermofleece Halsmuff
Thinsulate "Wollmütze"
Kaputze vom Loden Ansitzmantel


--------------------------------

Angezogen wie ein Eskimo waren die vier Stunden gut auszuhalten. Nach ca 1 Std hab ich die Alpenheatjacke auf Stufe 3 gestellt. Nach 2,5 Stunden brach auf einmal der Akku des Smartphones zusammen. (War mit meinem Kumpel am tatteln). Also Smarthone zusammen mit Powerbank in die Manteltasche zu den Heizpads. Nach 30min. lies es sich wieder einschalten.
In den vier STunden beobachtete ich 6 Rehe, 3 Hasen und einen Fuchs (der aber zu weit weg war). Zum Ende hin kroch die Kälte dann langsam durch die Stiefel...noch im aushaltbaren Bereich...aber doch merklich. Oberkörper und Beine waren mollig warm...und ich bin sogar 2-x leicht eingenickt.

Bilder von Hikmicro OHL OH35 (SEHR empfehlenswertes Gerät!)
Die Rehlein waren ca 125m entfernt. Vergrößerung 1x-2x-4x
EZVZ0136.JPG

EZVZ0134.JPG

EZVZ0138.JPG
 
Registriert
17 Jan 2013
Beiträge
875
Die Stiefel und damit die Füße wären auch warm geblieben mit einer "Zwiebelschale" drüber - die verhindert, daß die Oberschicht die Außentemperatur annimmt und dann langsam die Kälte nach innen wandert..

Was ich für meine eisigen Ansitze und schweißtreibenden Pirschen in steilem Gelände jetzt entdeckt habe, ist Soft-Tyvek, das auf der Innenseite mit Aluminium kaschiert ist.
Habe da ein Stück (147 cm x125 cm), wiegt 170 g, zugeschnitten, das als wärmende Hängemattenunterlage dient. Aber auch bei jedem Ansitz hervorgezogen wird und Stiefel bis Hüfte, einschließlich DJT bedeckt - Kopf draußen - der muß ja aufpassen.
Wärmt prima, keine kalten Stiefel mehr.

Bei meinen Pirschen muß ich in der Lage sein, nur leichtbekleidet - also ohne schweißtreibenden Hitze-Stau mit leichtem Gepäck zu klettern.

Daher gabs dann auch maßgeschneidert einen weiten Mantel aus dem Stoff -natürlich nur mit angenähter Kapuze .
Das Gewebe ist wasserabweisend, kann aber mit verdünnter Farbe auf wässriger Basis getarnt werden (Rot und Grün gibt gemischt einen schön erdbraunen Ton, den das Wild nicht als auffällig ansieht.
Ich habe auch die Umschlagseiten etc. leicht angemalt, damit das Aluminium nicht blitzt, wärmt trotzdem.
Für Winterjagden jst das schneeweiß ideal.
Habe auch eine Kopie des Fjellduken Biwaksacks mit angenähter Kapuze machen lassen. ganz famos, da sitzt man gemütlich drin - sogar mit Rucksack und Gewehr bei Schneefall.
Soft-Tyvek raschelt zu Beginn etwas, durch fleißiges Knautschen wird es weich wie Stoff und ist dann relativ leise.
Gestern Abend saß ich auf einem Felsen 100 m entfernt von zwei Jährlingen, die haben es nicht gemerkt, wie ich vorsichtig den Mantel auszog, zusammenpackte und mich absetzte.

Ich hatte mal auf der Shot Show 1989 von einem Nischenanbieter en Tarnmäntelchen aus weichem Tyvek gekauft, das leistete mir im Hochgebirge auf 3.000 m mit primitiver Ausrüstung bei minus 10 Grad beste Dienste. Ist auch in diesem Winter - vor Soft-Tyvek - als federleichtes Teil noch im Einsatz gewesen.

Achtung: Wer sich auch so einen Mantel nähen lassen möchte (geht mit normaler Nähmaschine):
Weit schneidern, auch Ärmel, die Luft im freien Raum isoliert gut!

Meine Artikel wiegen:
Soft-Tyvek Schneetarnmantel 257 g
Soft-Tyvek Biwaksack Schnee 345 g
Soft-Tyvek Biwaksack erdfarbe 400 g


2020-12-17 Soft-Tyvek Mantel tarn 2 MP.jpg
2020-12-17 Soft-Tyvek Mantel tarn außen 2 MP.jpg

2020-12-18 Hängematte im Winter mit Soft-Tyvek Unterplane 2 MP.jpg

Nov-1990-Kleinasien Tyvek mäntelchen 3.000m hoch, brrr minus 10 tags.jpg
 
Registriert
30 Sep 2009
Beiträge
1.006
Großartiger Strang, danke Allen!

Die meisten Flachländer ohne Bergerfahrung stehen vor folgenden Herausforderungen:

1) Zu wenig spezielle Konditionierung! Steil bergauf, bergab und bergquer belasten Muskeln und Apparat gaaanz anders als gewohnt. Treppen schnell hinauf und möglichst langsam hinunter haben mir nach einer Verletzung geholfen. Quer ist schwer aber nach der Jagd einen möglichst steilen Hang rauf, quer und runter.
2) Zu wenig Trittsicher! Machte nach der Fußverletzung auch mit Kippplatte Reha und Balanceübungen. Am meisten hilft da wirklich der Berg oder auch der steile Hang. Schifahren hilft auch, die Schotterreißen runterlaufen ist a bissarl wie wedeln.
3) Zu schwer! Ich sollte auch noch ein paar kg verlieren, da zählt wenig schon viel.
4) Zu wenig Grundkondition! Da helfen viele Sportarten, Radeln schont die Knie, Schwimmen stärkt den gesamten Körper, ich persönlich mache auch Intervalltraining mit Bergsprints.
Zu wenig Ausdauer führt zu schnellerer Erschöpfung und weniger Konzentration und Sicherheit am Berg!
5) Zu wenig Körperstabilität! Da hilft gesamtheitliches Körpertraining mit eigenen Gewicht.

Man kann die Gams teilweise auch auf der Wiese knapp bei der Straße schießen oder in der Nähe der Hütte. Vorbereitung hilf aber enorm und vielleicht ist ja die Gams für einen die richtige Motivation!


Ein paar häufige Fehler vor Ort:

a) Zu schnelles Angehen! Fand es immer witzig wenn mich manche Leute beim Bergsteigen anfangs schnell überholen um dann weiter oben immer wieder zu rasten. Wer langsam geht, geht gesund und weit heißt es im Italienischen. Gilt besonders für die Höhenempfindlichen.
b) Zuviel Gewand an! Sofort aus dem Auto los und dann häufig mit roten Kopf und verschwitzten Hemd auf dem Steig unterwegs. Ich gehe teils im Winter im Funktionsshirt besonders beim Wildbergen wird es gleich warm :)
Bei Regen habe ich aufwärts maximal zwei Schichten an, habe mir aber auch schon das Shirt ausgezogen um es nicht vollzuschwitzen. Reservegewand muss unbedingt trocken bleiben.
c) Zu wenig Vortrinken! Wir gehen viel und sitzen häufig wenig an. Wenn es weiter gehen soll bitte vorher Trinken. Habe im Auto im Winter immer eine Thermos mit Tee plus Wasser. Gilt auch für Quellen, Brunnen etc. Ich sag den Leuten immer in ca. einer 3/4 haben wir dort einen Brunnen/Trinkgelegenheit. Da wird teuer eine möglichst leichte Waffe gekauft aber umsonst ein Liter zur Quelle geschleppt.


Häufigstes Problem mit der Ausrüstung:

Schuhe nicht eingegangen oder falsch geschnürt! Das mit der Schnürung klingt nach einem Witz aber manche Leute können keine Bergschuhe binden.

Am Start je nach Pfad binden. Auf leichten Bergpfad hinauf hab ich ihn oben eher locker, im Gelände deutlich fester. Wenn es nicht passt gleich nachzeihen, immer spätestens nach so 10 min. Bin im steilen Geländer nur mit einem paar Socken unterwegs wobei ich eigentlich das mit der Dampfsperre sonst sehr schätze.

Ich liebe dünne weiche Sohlen auf der Prisch aber im schweren Gelände müssen die Sohlen steif sein. Rutschige Grashänge sind nicht das Terrain der Bergläufer, die habe gute Gründe für ihere Berglaufschuhe. Steigeisenfest ist da oft gerade richtig. Grödel sind im Frühjahr und im Herbst gut genug, bei manche Grasflanken helfen sie auch!
 
Zuletzt bearbeitet:
Registriert
30 Sep 2009
Beiträge
1.006
Sorry für die Vertipper, habe nicht nachgecheckt. :rolleyes:

Stadler haben manchmal moderne Trimmdichpfade mit Balanceübungen in der Nähe. Es geht jetzt nicht um unerreichbare Fitnessziele sondern nur um mal etwa mit der Familie abzuchecken wie es da so läuft.

Der Klassiker des Körpertrainings, hat mir sehr viel geholfen!

Topliteratur fürs Bergtraining - spezifisch und tiefgehend

Lehrreiches zum Ultraleichten - Mentalität und Ausrüstung

Brauche persönlich strukturiertes Training. Langsam anfangen, kamot aber genau und nicht hudeln! Sich und Material daheim testen.

Wir am Berg haben es logisch am besten. War heute wieder mit den Grödeln unterwegs, Schnee trug gut, liebe das Homeoffice. Und jetzt gehe ich trainieren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Registriert
30 Sep 2009
Beiträge
1.006
Gerade auf dem Berg wirken Wissen, Erfahrung und Zeit wesentlich auf die Ausrüstung ein.

Beispiel Messer. Als Jungjäger habe ich mir sofort ein richtiges, logisch billiges und robustes Aufbrechmesser gekauft. Ein Gamsbegleiter zeigte mir später wie er dank viel Erfahrung mit einem scharfen Messer mit kurzer leichter Klinge zügig das Aufbrechen in viel kürzerer Zeit sauberer erledigte!

Heute bin ich auch in der Wildkammer mit dem richtigen, speziellen Werkzeug deutlich schneller als draußen, nehme mir aber halt im schweren Geländer mehr Zeit mit einem scharfen, leichten Messer. Teste heuer mal auch ein neues Opinel. Schwerere Messer und Multifunktionsteile bleiben meist im Auto.
 
Registriert
30 Jul 2011
Beiträge
1.730
Weicheier !!!! Wieviele halbe Tage hat man nicht schon bei der Elchjagd zugebracht bei minus 15 und noch kälter. 4-5 Stunden mit vernünftiger Kleidung ohne elektrischen Firlefanz. Richtige Stiefel, Pelzmütze, Helly Hansson
Und der Rest nach dem Zwiebelprinzip. Das Problem sind immer die Hände. Mann muss ja schnell bereiit sein zu schiessen.
 
Registriert
30 Sep 2009
Beiträge
1.006
Ja, Grödel sind super bei entsprechend schlechten Geländebedingungen.
ABER, sie sollten für die Pirsch auch schnell abnehmbar und wieder anlegbar sein. Schnallen und Gurte vereisen, dann geht es kaum.
Ich komme immer wieder auf apere Felsbänder oder Vorsprünge. Da muß man leise ran, um in den nächsten Hang zu schauen. Mit Grödel dran - Knirsch, Kling, Klapper - Wild in der Nähe ist weg...

Stimme dir vollkommen zu. Ich hasse das herumschustern aber noch wichtiger ist es sie bei der Bergung je nach Gelände aus- und anzuziehen. Habe nicht erst einmal gelesen, dass jemand beim Tragen einer Gams trotz Steigeisen in einem teils aperen wilden Gelände verunglückt ist.

Jetzt hat Engelbert-Strauss welche im Programm, ob die besser sind? Hat sie jemand getestet???
https://www.engelbert-strauss.de/zubehoer-schuhe/e-s-schuhketten-7144850-8797337-0.html
alternativ wären Salewa Mountain Spike Steigeisen eine Überlegung wert.
https://www.bergfreunde.de/salewa-mountain-spike-crampon-groedel/

wenn doch bloß wieder "Made in xx" angegeben würde, dann kann man abschätzen, ob das Material was taugt!!!

Glaube das Veriga beide herstellt. Habe erst gestern wegen dem Thread nachgeforscht und sie haben auch sogenannte Protrack, die ich nicht auf dem Schirm hatte...
 
Zuletzt bearbeitet:
Registriert
30 Sep 2009
Beiträge
1.006
Weicheier !!!! Richtige Stiefel, Pelzmütze, Helly Hansson

Habe noch keinen Elch in der (Fels)wand gesehen, lebe und jage auch in den Alpen.... ;)

P.S: Nix gegen gute Winterstiefel, besonders mit Flizinnenschuh aber das Abrutschen ist am Hang meine größte Sorge
 
Zuletzt bearbeitet:
Registriert
7 Jan 2019
Beiträge
171
Hallo zusammen 🙋🏼‍♂️
vielen Dank für eure Erfahrungen, lese hier sehr gerne mit.
Zum Jagen kann ich als JJ nichts beitragen aber ich kann euch sagen was in meinem Rucksack nie fehlt egal ob Jagd oder nur so.
Richtig feste Kabelbinder!!! 3-5 Stk.

Als ich im Winter mit den Schneetellern auf dem Weg zur gepachteten Hütte war (1800m) brach ein Drehgelenk, Gott sei Dank 10min vor der Hütte.
Um auch am nächsten Tag wieder vernünftig absteigen zu können konnte ich die Dinger mit Kabelbindern die ich in der Hütte hatte reparieren.
Seit diesen Zwischenfall sind immer welche mit und ich habe sie auch schon oft gebraucht.

Zur Tyvek Kleidung von Doc-Holiday habe ich was gefunden.
Solch ein Anzug kostet nicht viel und man könnte ihn toll umbauen falls notwendig.

https://w.grube.at/tyvek-schutzanzug-500-xpert-95-270-l/?number=95-270__M
 
Registriert
16 Apr 2008
Beiträge
4.118
Weicheier !!!! Wieviele halbe Tage hat man nicht schon bei der Elchjagd zugebracht bei minus 15 und noch kälter. 4-5 Stunden mit vernünftiger Kleidung ohne elektrischen Firlefanz. Richtige Stiefel, Pelzmütze, Helly Hansson
Und der Rest nach dem Zwiebelprinzip. Das Problem sind immer die Hände. Mann muss ja schnell bereiit sein zu schiessen.
Und da sitzt du 4-5 std regungslos? Ich hab Elchjagd anders kennengelernt.
 
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Online-Statistiken

Zurzeit aktive Mitglieder
139
Zurzeit aktive Gäste
505
Besucher gesamt
644
Oben