Blaser BL820

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#1
Verehrte Zielgruppe,

seit längerer Zeit suche ich eine Blaser Blockbüchse BL820.
Möchte eine solche gerne in meine "Sammlung" aufnehmen.
Könnt Ihr mir dazu eigentlich raten, da die wenigen die gehandelt werden
zu überwiegend hohen Preisen verkauft werden. Wie steht es eigentlich
um die Präzision der Waffe. Hier im Forum habe ich dazu nichts finden können.
Lediglich der teils mangelhafte Auswerfer wurde angesprochen.
Übrigens bin ich kein Jäger, daher bitte keine Kaliberdiskussion.

Grüße
Kahlenberg
 
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#2
Vor einigen Jahren habe ich eine Blaser BL 820 aus einem Nachlass erworben.
Leider war der Schütze Linkshänder und hat einfach die Backe abschleifen lassen.
Das Kaliber ist .243Win und ausgerechnet auf dieser wunderschönen zierlichen Waffe ein Ofenrohr (8 x56). Was er wohl damit nachts geschossen hat? :oops:
Nun ist wohl die .243 per se oft zickig und ich wusste zuerst nicht, ob die mäßige Präzision an der Laborierung oder an der Waffe liegt.
Schließlich stellte ich fest, dass die Waffe mit abgenommenen Vorderschaft meist besser schoss.
Der Vorderschaft ist etwa in Laufmitte befestigt und könnte das Schwingen des Laufes beeinträchtigen, je nach Anzugsmoment.
Ich wußte, dass ein anderer WG der Waffe aus selbigen Gründen eine Keilbefestigung ähnlich eines Vorderladers verpasst hat. Sehr schhön aber aufwändig. Ich wollte an der Waffe auch nichts löten
Also klebte ich mit elastischem Kleber ein 6cm langes angepasstes Cu-Halbrohr an den Lauf viel weiter hinten. An dem Halbrohr vorher eine Gewindebuchse nach unten weisend gelötet und den Vorderschaft daran befestigt.
Beim ersten 300 m -Schießen unseres Berliner Grüppchens gelangen mir damit immerhin Streukreise von 10 cm /5 Schuss.
Faszinierend ist die intuitive Handhabung: Beim Laden kann man entscheiden: Nur schließen oder auch gleich spannen. Wie ich es bei Blaser liebe, ist die Waffe normalerweise nicht gespannt, das Spannen geht mit leichtem Zug des Unterhebels leicht und der Abzug ist super.
Das Auswerfen klappt ganz gut, bei harten Ladungen hatte ich aber auch schon Probleme. Hier wäre eine Randpatrone (etwas) besser.
Die abgeschliffene Backe stört mich allerdings und irgendwann werde ich mir einen neuen Schaft leisten.
Ich träume von einer solchen Waffe in 8,5 x 63R Reb (zündel)
Insgesamt die vielleicht schönste und von der Konstruktion interessanteste meiner Waffen. Der Stainless Verschluss wurde aber in der Fertigung langsam unbezahlbar.
Ach ja: Vollkalibrierung ist beim Wiederladen besser, da der Stoßboden nicht exakt rechtwinklig sein kann und nachTeilkalibrierung die Patrone sonst exakt die vorherige Lage einnehmen muss.
Fazit: Präzisionspotential ist sicher vorhanden.
 
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#3
Hallo Thersites,

erst mal Danke für die Info. Habe zufällig auch eine in 243 gefunden.
Das mit dem Vorderschaft she ich mir dann mal an. Hast Du eine ahnung, was so ein Keil kostet oder kannst Du von Deiner Konstruktion mal ein Foto einstellen?

Grüße
 
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#4
Hier die Bilder des "Umbaus". Nicht erschrecken, um zu sehen was überhaupt geht, habe ich die ausgedachte Lösung innerhalb von 2 Std. mit häuslichen Bordmitteln zusammengeschustert. Nachdem der Erfolg su frappierend ist, will ich das evtl. durch eine nicht ganz so hässliche Lösung ersetzen. Das Hässliche ist aber nur inwendig. Außen nur eine neue Niro-Schraube am Vorderschaft.
So sieht die Waffe jetzt von der Seite aus,



Kann man sicher auch eleganter machen.
Aber wie gesagt, in 2 Stunden aus Bordmitteln.

und so von unten. Man erkennt die neue Schraube. Die alte Befestigung befand sich an der "Nase" des Vorderschaftes.



Jetzt nach Abnahme des Vorderschaftes. Vorn ist noch die Stelle der entfernten alten Vorderschaftbefestigung zu sehen.



Von der Seite wird es deutlicher: Ein Stück 1/3 Cu-Rohr, passend zurechtgeklopft. Eine breite Gewindebasis hart angelötet, darin die Befestigungsschraube. Das Ganze mit einem pastösen, elastischem Spezialkleber an den Laufmantel geklebt. Keine Veränderung (Bohrung, Lötung) am Laufmantel.




Der Vorderschaft von innen zeigt, dass für die Neukonstruktion reichlich Platz ist. Früher lag der Vorderschaft am vorderen Ende je nach Anzugsmoment an. In dem kleinen Loch dort steckte der elastische Aufnahmepunkt.
Die neue Lagerung besteht aus einer Gummilagerung, am Mittelsteg aufgeklebt.
Es besteht also wesentlich mehr freie Schwingung. Der vordere Vorderschaft liegt frei.


Bitte Laut geben, ob die Erklärung ausreicht.
 
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#5
Hallo Thersites,

herzlichen Dank, das reicht doch vollkommen. Bin schon gespannt, dass meine Blaser BL820 die ich nun gekauft habe bei mir ankommt. Werde sie erst mal so schiessen und ggf. gerne auf Deine Idee zurückkommen.
Melde mich in Kürze.

Grüße
 
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#6
Hallo Thersites,

meine Blaser ist nun da, werde Sie mal testen und ggf. auf Deine Idee zurück kommen.
Habe Sie auf jeden Fall schon in der Form verändert, dass ich den Vorderschaft vorne mit einer Filzscheibe unterlegt habe, damit zwischen Schaft und Lauf ca. 1mm Platz ist. Die originale Schraube habe ich dann nur leicht angezogen.

Grüße
Kahlenberg
 
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#7
Erste Test 20 Schuss am Stück, zeigten, dass die Büchse nicht zum klettern neigte. Hatte die Schraube noch mit einer mittelstarken Feder ca. 2 Windungen unterlegt. So sitzt der Schaft zwar schon fest, die Feder kann aber etwas Spannung aufnehmen.

Grüße
 
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#8
Liebe Freunde des gepflegten Einschüssers,
da generell wenig zur Blaser 820/821 Fallblock büchse im Netz zu finden ist, möchte ich gerne ein paar Bilder beisteuern.
Ich konnte vor einiger Zeit eine gepflegte Blaser 820 in 6,5x57R mit Kahles Helia 2,2-9x42 bei EGun erwerben. Zunächst habe ich die gesamte Büchse zerlegt, gereinigt, geschmiert und wieder zusammengebaut. Die Konstruktion ist simpel und genial. der Blocköffnungshebel hat drei Stellungen: Offen, Geschlossen und entspannt, Geschlossen und gespannt. Somit lässt sich die Waffe geladen führen, ohne dass sich der Block selbsttätig öffnen kann. Ein kleiner Zug am Hebel spannt das Schloss und macht die Waffe schussbereit. Entspannen geht auch lautlos. Insgesamt eine sehr schlanke, handliche Büchse.
Horst Blaser hat großen Wert auf rationelle Fertigung gelegt. Es kommen Spiralfedern und Normteile zum Einsatz. Alle wesentlichen Teile bestehen aus Edelstahl Feinguss. Dies raubt der Büchse in meinen Augen den Zauber.
Anschließend habe ich den gesamten Schaft entölt, geschliffen, eine neue Schaftkappe montiert, poliert und mit über 20 Schichten CCL behandelt.
Für die Waffe habe ich dann 6,5x57R mit SHM Hülsen und Lutz Möller Geschoss geladen. Schussleistung war mit Abkühlen sehr gut (Bild zeigt 2 Schuss, Verstellung auf GEE, 2 Schuss). Die Waffe war bereits auf die geänderte Vorderschaftbefestigung umgebaut. Die „Gravuren“ sind vermutlich chemisch oder elektrochemisch eingebracht. Dementsprechend ist auch die Ausdruckskraft. Alles in allem für mich jedoch ein spannendes Projekt:)

Viele Grüße
Jan
 

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