Der erste Bocke

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#1
Hallo zusammen.
Jetzt will ich von meinem ersten Rehbock und dem ersten erlegten Stück überhaupt berichten.

Es war vergangenes Wochenende. Ein sehr guter Freund von mir hatte mich eingeladen, nach bestandener Prüfung meinen ersten Bock in seinem Revier erlegen zu dürfen. Das habe ich selbstverständlich angenommen. Also ging es am Donnerstag zusammen mit meinem Bruder nach Niedersachsen in den Kreis Rotenburg. Am Abend erstmal den Geburtstag von unserem Freund gefeiert, nur um dann nach 4 Stunden Schlaf ins Revier aufzubrechen. Das Schußfeld ist dort ziemlich begrenzt, ca. 50m Breite. Dann kommen Pferdeweiden, eine Ausweichstraße, Wohnbebauung (Hof), Naherholungsgebiet.

Angekommen um 4:30 Uhr, und schon zu spät! Ein Bock steht bereits auf der Wiese, vernimmt uns und schon ist er weg. Naja, ab in den Ansitz (umgebauter Bauwagen) und abwarten. Gesehen haben wir noch eine Ricke mit Kitz, zwei Hasen und einen Fuchs. Um 7:30 hieß es dann Rückkehr, Brötchen holen und erstmal frühstücken. Abendansitz wurde an diesem Tag zu Gunsten einer Bandprobe ausgesetzt.

Am nächsten Morgen (Samstag) dann um 3:00 aufgestanden und raus gefahren. Kaum 5 Minuten auf dem Ansitz trat eine Ricke auf die Wiese, keine 20m von uns entfernt. Aber wir brauchten ja einen Bock. An diesem Morgen kamen noch 3 weitere Ricken, eine mit zwei Kitzen, zwei Hasen und zwei Böcke! leider beide auf über 300m Entfernung und in Nähe zu einem Hof. Gegen 8:00 hieß es wieder einpacken und zum Bäcker.

Es folgte ein Spätansitz, da wir am Sonntag schon wieder fahren mußten und er mir unbedingt einen Bock ermöglichen wollte.
Also um 19:30 raus ins Revier. Gegen neun kamen wieder eine Ricke mit Bock, leider deutlich zu weit auf einer an den Hof angrenzenden Weide. Um 21:40 war es dann soweit. Genau am Rand meines Schußfelds kam ein Bock!

Scheße, zu weit, muß noch weiter reinziehen... abwarten. Die minuten vergehen... Oh... noch etwas weiter... noch etwas näher... dann beginnt er diese Wiese in Richtung Mais zu verlassen. Mist.
Er (mein Freund): tja... jetzt müsstes du vielleicht mal schiessen.
Ich(aufgeregt): Meinst du?
Er: jooohhh... musst du wissen.

Aufregung steigt. Waffe einstechen... Bock ins Visier nehmen... innerhalb von Sekunden 20 Gedanken im Kopf: ist das weit... wie hoch anhalten... wenn ich jetzt abdrücke, werde ich sehr wahrscheinlich ein Tier töten...
Dann bricht der Schuß! Der Bock springt ab, "Verdammt"! Gedanken an Bock verfehlt oder krank geschossen, Nachsuche... Repetieren als Linkshänder mit Rechtssystem dauert. Er: Der steht, schieß nach! Zweiter Schuß - der Bock liegt!
Leicht zitternd die weiteren Patronen repetiert. Waidmannsheil! Waidmannsdank!
Kann das Gefühl schwer beschreiben, aber ich denke die meisten kennen das ja.

Gewartet und dann ab zum erlegten Bock. Er war nur wenige Meter vom ersten Schuß entfernt stehen geblieben. Alles verstaut ging es zurück zum Wohnhaus zum Aufbrechen. Strecke gelegt, ein Mitpächter kam noch vorbei. Strecke verblasen inkl. Bruch, letzter bissen. Bruch überreicht und dann erstmal ein Jägermeister.

Leider waren beide Blätter nicht mehr zu gebrauchen, auch der Träger nicht. Ich hatte mit dem zweiten Schuß den Pansen verletzt und mit dem Ausschuß unter die Decke geschoben. Wir haben dann unverzüglich aufgebrochen und die nicht verwertbaren Teile großzügig entfernt. Sonntag zerwirkt und Trophäe präpariert.

Geschossen mit 6facher Vergrößerung auf ca. 200-220m, 7x64.

Das besondere war das gesamte Wochenende, mit Freunden und Familie eine schöne Zeit verbringen, Ausflug in die Heide und ins Moor. Bei den Ansitzen viel gesehen, übers Jagen und Gott und die Welt gesprochen. Einfach klasse.

Als ganz Besonders empfinde ich die Einstellung meines Freundes, er hat dieses Jahr noch nicht in diesem Bereich gejagt. Wobei das für ihn die einzige Möglichkeit zur Bockjagd ist, nur damit ich möglichst gute Chancen habe. Dann seine Aussage: Egal was für einer kommt, der wird geschossen wenn es geht. Stärke ist egal! Das rechne ich ihm sehr hoch an. So ein Erlebnis vergisst man nicht. Die gleiche Philosophie vertreten auch die beiden Mitpächter, kein Schußneid, es wird nicht auf exakte Aufteilung des Abschussplans geachtet. Hauptsache erfüllen. Aber keiner schießt den anderen die Stücke weg. Rücksichtnahme, Unterstützung und Freude am eigenen Erlegten und dem der anderen. Top!

Der Bock war auch schon älter, so ca. 6-7 Jahre vielleicht. Sobald die Trophäe fertig ist, stelle ich ein Bild rein. Der Schuß (Bild, zweiter Treffer) ging vorne Rechts hinter dem Blatt raus.

So, jetzt heißt es arbeiten und noch lange sich an den vergangenen Tagen erfreuen.

WMH
Rüdiger
 
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#2
Waidmannsheil zum ersten Bock. Schön, dass er liegt und schön, dass alles gut ging und du eine positive erste Erfahrung gemacht hast.
Aber: Ich an deiner Stelle würde jetzt einmal in mich gehen, ob dieser Schuss im Rückblick vertretbar war und mein zukünftiges Handeln am Ergebnis ausrichten.
 
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#3
Waidmannsdank.
Der Treffer am Pansen ist sicherlich weit entfernt von schön. Die Schußentfernung als solche aber für später je nach Verhältnis machbar. So eine Situation wird aber nicht so schnell nochmal passieren. Erstmal bei Gelegenheit näher, vor allem mit weniger Aufregung. Das kommt aber erst durch mehr „Übung“. Bei den Blättern liegt es evtl. auch am Geschoß Geco bleifrei. Aber bis auf den Pansen war fast kaum größerer Schaden an den Organen vorhanden. Vertretbar in Hinblick auf das Tier finde ich ja, da alles vielleicht grade mal um die 7 Sekunden gedauert hat, keine wirkliche Flucht bis auf die 4-5 m.
Aber im Ernst, bitte schreib ruhig deine Sicht dazu, bin ja noch ganz am Anfang und über jede Meinung/Ratschlag dankbar.

Gruß
Rüdiger
 
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#5
Naja, kann doch aber nicht schaden, andere nach ihre Meinung zu fragen. Wenn es keine es ist so und basta Antwort ist, kann man davon durchaus was mitnehmen für sich.
 
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#6
Auch von mir Waidmannsheil zum ersten Bock.

Schön wenn man in so einer angenehmen Umgebung seine ersten Erfahrungen sammeln darf und dort relativ viele Freiheiten hat. Bei mir hieß es auch von Anfang an, erlegen was kommt Jagdherrenbock gibt es nicht. Einzig Schmalrehe waren taboo, da liegen eben auch erfahrene Jäger hin und wieder daneben.

So ist die Jagd, warten ob das Wild in deine Richtung zieht oder gleich schießen?!
Meinen bisher stärksten Bock habe ich erlegt nachdem ich in der Abenddämmerung einen zu spitz stehend Jährling lange nur beobachtet habe, plötzlich springt dieser ab und keine 5 Minuten später stand ein 22kg 6er Rehbock da.

Ich denke es werden hier noch einige Kommentare zu deiner Schussentfernung fallen.
Nicht jedes Stück Wild bleibt auf 60m schön breit vor einem stehen, so viel ist klar.
Ob man sich gleich am Anfang an eine solche Schussentfernung wagen muss und ob das nun können oder sehr viel Glück war, musst du für dich selbst entscheiden.
Der Typische Jungjäger ohne Vorkenntnisse im Schießen, kann meiner Meinung nach auf so eine Entfernung keinen sicheren Schuss antragen.
 
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#7
Ich würde es als Fehler bezeichnen in der Situation zu schießen. Bei einem der Rehe in meinem ersten Jahr mit Jagdschein als übermütiger 16jähriger hab ich mit der 7x64 auf 220m ein Schmalreh an der Maiskante beschossen, auch 15cm zu weit hinten erwischt hat es ebenfalls noch 5m gemacht bis es sich niedergetan hat (Dummerweise unsichtbar im Mais) dann noch zu ungeduldig gewesen und nicht auf den Vater mit Hund gewartet hab ich das Stück bei der Anschusskontrolle direkt aufgemüdet. Hund erst 1 1/2 Jahre alt, im Mais steckten Sauen, während der Nachsuche nächsten Tag mit dem Hund auf eine Bache mit Frischlingen gestoßen, Stück unter hohem Risiko für den Hund und Mensch verhitzt gefunden usw. Mich hat damals kein herzliches Waidmannsheil erreicht nach der Aktion sondern ein ordentlicher Anschiss, das halte ich heute 19 Jahre später auch für die richtige Reaktion. Ich sag es mal so, du hast dich als Anfänger durch deine Begleitung zu einem Schuss hinreißen lassen, der deine aktuelen Fähigkeiten überschritten hat.
 
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#8
@Chris481 Das ist sicherlich der Hacken an der Sache, über den ich mir selbst schon Gedanken gemacht habe. Glücklich darüber, dass es gut ging, aber wie gesagt, wird diese Entfernung so schnell nicht mehr angepeilt. Die Treffpunktverlagerung ist doch für mich zu stark. Entfernungen bis 100-120 m sind da bestimmt sicherer zu bewältigen. Da bin ich voll deiner Meinung.

@Der Zuagroaste Sehr wahrscheinlich ja. Ändert nicht die Freude über den Erfolg, aber hast recht.
 
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#9
An dieser Stelle würde ich das hier auch auf sich beruhen lassen.

Freu die über deinen ersten Jagderfolg, sei glücklich das alles soweit gut gelaufen ist und zieh deine Schlüsse daraus. Man hat Anfangs Jagdfieber, über- oder verschätzt sich, woher soll die Erfahrung denn auch kommen?!

Solche Fäden haben die Tendenz zum Dauerbrenner und werden manchmal auch unsachlich.
Vor kurzem gab es was zum Thema Nachsuche auf Schwarzwild mit der Kurzwaffe, der Ersteller wurde seines virtuellen Lebens nicht mehr froh ;)
 
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#11
Waidmannsheil zum ersten Bock. Ein Erlebnis was du nie wieder vergessen wirst.

Für die Zukunft wirst du daraus lernen und hoffentlich den Finger auch mal grade lassen können.
Hier ist es gut gegangen und du darfst dich freuen (y)
 
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#13
Passender Bock liegt, passende Jagdbekleidung hoffentlich schon geordert.
Hätte dem Ersterlegungsfoto gut getan.
WmH
 
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#14
Uiuiuiuiuih! Gut, dass der Bock liegt! 6 Faches Glas, 220m. Schießen scheint ja zu klappen. Es ist halt wie beim Führerschein: Das Theoriewissen ist am Anfang immens, die Motivation extrem hoch, es fehlt allein die Praxis (nicht immer ein gute Kombination). Mit zunehmender Erfahrung kommt auch mehr Besonnenheit. Waidmannsheil zum ersten Bock und Waidmannsdank für den ehrlichen Bericht.
 
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