Der gefeite Bock

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Rübezahl

Guest
Vielleicht kennt ihr ihn auch, den Bock der offenbar gefeit ist gegen blaue Bohnen, dem man wochenlang hinterherkrebst, der nie gut genug steht für den waidgerechten Schuss oder der aus magischen Gründen nicht getroffen werden kann. An den man immer wieder denkt und der einem keine Ruhe lässt? Nun auch wir haben so ein Ekeltier, der einfach nicht totgeschossen werden will. Es ist ein Mörderbock, mit langem dünnen unverzweigtem Gehörn, der schon im letzten Jahr einen Nebenbuhler zu Schanden forkelte. Ein schlauer, gerissener Geheimrat, mit allen Wassern gewaschen. Er tritt, wenn überhaupt nur in tiefer Schwärze aus und ist nie da wo man ihn erwartet. Schon oft hab ich auf ihn gepasst, Morgens, Mittags, Abends, manchmal stand er nur 30m entfernt, gab aber kein Stück Blatt frei. Gestern war wieder so ein Tag. Anstand an einer teilberäumten Windwurffläche. Der Hund in Mucksmausmanier artig und leise hinter einem Wurzelteller, der Waidmann Rübezahl lauernd hinter Selbigem. Das Gelände leicht rechts und vorn abfallend. Rechter Hand eine tiefe Dickung, linker Hand ein lichter, nach hinten mit tieferem Unterwuchs versehener Stangenhort. Hinter uns ein undurchdringlicher Dschungel aus Totholz, Altbestand, Windwurf, Brummelbeere und Weißdorn. Der Wind aus etwa 10:00 Uhr.
Leichter Regen der gegen 1900 Uhr aufhörte. Ich liebe den Anstand, da wo keine Kanzel steht, kaum jemand je hingeht, dort bin ich gern. Das Schmalreh war sicher vor mir, lauerte ich doch dem Bock hinterher, Reinicke hätte trotzdem Pech, ließ sich aber nicht blicken. Kurz vor 0900 Uhr erschien ER auf der Bildfläche, lange stand er fast völlig verdeckt und reglos. Trat dann auf den Windwurf und fegte an einer Buche. So zog er langsam über die Fläche. Ich frohlockte, diesmal entkommt er nicht. Ich legte an, zog mit und hoffte auf ein Stückchen Blatt und die 20m freie Stelle die er gleich überziehen wird. Plötzlich brach es unterhalb der Fläche am Wiesenrand und zwei Jungs aus dem Dorf riefen sich etwas zu. Der Bock sprang ab und ich hatte das Nachsehen. Wieder einmal! Mein Gesichtsausdruck und meine Gedanken in diesem Moment waren wenig christlich.

Rübezahl, der es heute Abend wieder versuchen wird
 
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3 Jan 2006
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Nein, solche Böcke kenne ich nicht. Ganz einfach deswegen, weil ich mir maximal vier mal eine Chance auf ihn gebe. Dann ist mit dem hinterher stiefeln auf diesen einen Bock Schluß.
Weißt du warum du ihn nicht kriegst?
Er kann deine, für ihn ja durchaus negative Ausstrahlung, auf mehr als 100m spüren. Lass ihn in Ruhe. Soll jemand anders ihn erlegen. Oder warte auf den Zufall, der ihn dir irgendwann unverhofft, vielleicht auch ganz wo anders vor den Lauf bringen wird.
Um es nochmal zu sagen, dieses nachstellen auf ein Stück - immer und immer wieder, bringt wenig Erfolg, bringt sehr viel Unruhe in's Revier und ganz ehrlich, mit Jagd im ursprünglichen Sinn hat das nichts mehr zu tun.
Lass ihn einfach und geh heut Abend wo anders jagen - morgen und die nächsten Wochen auch.
 
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Rübezahl

Guest
Ich wäre schwer enttäuscht, wenn ihn mir der Zufall vor den Lauf bringt. Das WIE der Erlegung ist mir wichtiger als die Erlegung selbst. Musst du nicht verstehen und darfst sehr gern anderer Ansicht sein. Unruhe bringt das wenig, da außer mir dort niemand jagt und ich auch oft nicht die Zeit habe und dort 14 Tage dann kein Mensch ist. Was ursprüngliche Jagd ist, darüber könnten wir möglicherweise geteilter Meinung sein. Ich bin eher so der Anstandsjäger, nicht so oft auf Kanzeln, nutze keine Technik und jage meistens mit einem fast 100 Jahre alten Drilling. Aber das ist hier gar nicht das Thema. Es sollte nur ein Erlebnis sein, um euch zu unterhalten.

Rübezahl
 
G

Gelöschtes Mitglied 8792

Guest
Ich kann mit Rübezahl fühlen. Ging mir auch schon so .
Ich hatte im Revier einen echten 1 Stangen Bock bemerkt .
Den hatte ich mir ausgesucht. Nicht nur das ich den Ehrgeiz hatte ihn zu erlegen , sondern ich musste dem Spott der Kameraden ein Ende bereiten.
Ich wurde mit Aussagen wie " du brauchst eine neue Brille " , "soll ich dir mein Spekrätiv borgen, damit du richtig siehst " , " du hast dich verzählt " auf die Schippe genommen .

Es hat 6 Wochen gedauert bis ich ihn hatte.
 
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1 Mai 2016
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Genau so einem Bock bin ich auch grad hinterher. Nach dem letzten erfolglosen Ansitz ist er mir auf dem Rückweg noch demonstrativ vors Auto gesprungen, hat sich kurz im Scheinwerferlicht präsentiert um im nächsten Moment wieder im Wald zu verschwinden... Habe mir und ihm jetzt eine Woche Pause „gegönnt“. Mal sehen ob ich ihn irgendwann erwische
 

kr1

Registriert
15 Feb 2011
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896
Nein, solche Böcke kenne ich nicht. Ganz einfach deswegen, weil ich mir maximal vier mal eine Chance auf ihn gebe. Dann ist mit dem hinterher stiefeln auf diesen einen Bock Schluß.
Weißt du warum du ihn nicht kriegst?
Er kann deine, für ihn ja durchaus negative Ausstrahlung, auf mehr als 100m spüren. Lass ihn in Ruhe. Soll jemand anders ihn erlegen. Oder warte auf den Zufall, der ihn dir irgendwann unverhofft, vielleicht auch ganz wo anders vor den Lauf bringen wird.
Um es nochmal zu sagen, dieses nachstellen auf ein Stück - immer und immer wieder, bringt wenig Erfolg, bringt sehr viel Unruhe in's Revier und ganz ehrlich, mit Jagd im ursprünglichen Sinn hat das nichts mehr zu tun.
Lass ihn einfach und geh heut Abend wo anders jagen - morgen und die nächsten Wochen auch.
(y) Sehe ich auch so. Verbissenheit bringt in keiner Hinsicht etwas.
 
Registriert
14 Okt 2012
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1.239
Ja solche Böcke kenne ich auch. Wenn er mich dann doch mal pberlistet dann lächle ich innerlich und wünsche dem Bock ein schöne Zeit und bis auf Wiedersehen…
Für mich gilt je entspannter ich bei der Jagd bin und je weniger Zwang ich mir selbst aufdrücke was erlegen zu müssen umso eher klappt es (wobei man es ehe nicht ändern kann, nur sie Zufriedenheit leidet)
 
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Gelöschtes Mitglied 8792

Guest
Ich würde es nicht als Zwang sehen . Ich sehe es als Herausforderung .
Sich die Beute hart zu erarbeiten .
Mir hat dieser hart erarbeitete Bock mehr Jagdfreude bereitet , als der stärkste Bock im Medallienbereich .

Ein paar Jahre später war es ein abnormer Bock . Durch einen Unfall hatte er rechts einen Stangenbruch. Jedoch hat Sich die Seite weiter entwickelt und die Brüche waren verheilt . Jedoch wuchs die Seite in einem Winkel von 90° wieder an . Die Sprossen im 90° Winkel nach oben. Sah aus wie eine Teufelsgabel. Das war mein Teufelsbock .
Ein sehr heimliches Tier .
Laaange nachgestiegen. Am Tag der Erlegung stand er erst nicht breit. Dann kein Kugelfang. Er verschwand. Eine Geiß kam auf die Fläche. Schwupps war er wieder da und trieb diese . Zweiter Bock tauchte auf. Er wieder weg. Erst spät in der Dämmerung trat er wieder aus . Natürlich immer schön spitz weg. Erst kurz , bevor er wieder in der Dickung verschwunden wäre stand er dann breit .
Für mich auch eine außergewöhnliche Erinnerung mit einer außergewöhnlichen Trophäe .

Wenigstens zweifelte damals keiner mehr meine Aussage bezüglich des Teufelsbockes an . Kein Spott oder spitze Bemerkungen . 😄
 
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Rübezahl

Guest
(y) Sehe ich auch so. Verbissenheit bringt in keiner Hinsicht etwas.
Du hast von meiner Gemütsverfassung auf der Jagd nach dem EINEN Stück eine völlig falsche Vorstellung. Mit Verbissenheit hat das alles überhaupt nichts zu tun. Es ist die pure Freude an der Jagd als solches, die Schliche, die Pürscherei, die Listen. In die Erlegung, so sie denn erfolgt, mischt sich auch zugleich eine gewisse Wehmut, das man diesen einen bestimmten Bock nun nicht mehr waidwerken kann. Für jeden ist Jagd nun einmal etwas Anderes.
 
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28 Feb 2014
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20210509_220656.jpg

Die ganze Geschichte um diesen (Unfall-)Bock, mit dem es mir die letzten 4 Wochen ähnlich erging wie @raze4711 , füllt 5 DIN-A4 Seiten :sneaky:
Ich hatte zum Schluß die Nahrungsaufnahme verweigert. Am Sonntagabend konnte ich ihn dann erlösen. Linker Vorderlauf gebrochen:


Bruch.jpeg

Gestern beim Vorbereiten des Hauptes festgestellt, dass der Unterkiefer auch gebrochen war.
 
Registriert
3 Jan 2006
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. Es ist die pure Freude an der Jagd als solches, die Schliche, die Pürscherei, die Listen. In die Erlegung, so sie denn erfolgt, mischt sich auch zugleich eine gewisse Wehmut, das man diesen einen bestimmten Bock nun nicht mehr waidwerken kann. Für jeden ist Jagd nun einmal etwas Anderes.
Es ist nun mal nicht die Jagd als solches, die dich antreibt, sondern das unverblümte Ego. Dass das so ist, bestätigst du ja selber. Wehmut weil du nun nichts mehr hast um deinen "Ichtrieb" zu befriedigen..
 
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