Der Schaftholz-Leitfaden

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Hallo zusammen,

ich habe lange Zeit gegrübelt wie denn das "perfekte" Schaftholz für den Maßschaft meiner Büchse beschaffen sein müsste und bin hier im Forum auch in vielen Threads auf interessante Denkanstöße, Anmerkungen und Erfahrungen gestoßen. Dieses ganze Wissen war bzw. ist allerdings recht weit verstreut (z.T. auch in Threads die "Schäfte" oder "Schaftholz" gar nicht zum Thema haben) und nicht wirklich übersichtlich zusammengefasst - dem möchte ich mit diesem "Leitfaden" entgegenwirken.

Für mich ist das Ganze zwar nicht mehr so gravierend relevant, da ich mich bereits für ein Schaftholz-Kantel entschieden habe, welches ich dort beziehen werde, wo ich auch schäften lasse (quasi "Nummer sicher"), aber für andere Suchende könnten hier vielleicht ein paar interessante Aspekte dabei sein, die dann bei der Suche bzw. der Auswahl helfen und evtl. gröbere Fehlentscheidungen vermeiden.

Um das generelle Aussehen der verschiedenen Maserungen soll es hier eher weniger gehen, aber Hinweise, wie ansehnliche Maserung (natürlich Geschmacksache) und Stabilität am besten in Einklang gebracht werden können sind natürlich sehr willkommen.

Bei meinen einleitenden Worten dazu handelt es sich nur um "Wissen", was ich mir hier angelesen bzw. durch meinen Büchsenmacher/Schäfter mitgegeben bekommen habe. Das hier soll kein starres Konstrukt sein, bei dem ich etwas schreibe und das dann von allen als unumstößliche Wahrheit angesehen wird (wobei ich mir dahingehend hier im Forum auch keine großen Sorgen mache) - im Gegenteil: Es darf/soll gerne fleissig korrigiert und ergänzt werden, wobei natürlich gerade auch selbst gemachte Erfahrungen (auch "leidvolle" wie z.B. ein Schaftbruch) eingebracht werden sollen.


Hier also nun meine in Erfahrung gebrachten Aspekte:
  • längsgemasertes Holz ist unempfindlicher gegen Schaftbrüche
    • insbesondere im Bereich des Pistolengriffs/Kolbenhalses ist ein gerader Faserverlauf wichtig (generell dort wo der Schaft viel Kraft aufnehmen muss)
      • ggf. ist es bei stärkerer und "krummerer" Maserung sinnvoll einen Dübel aus Birnenholz in diesem Bereich einleimen zu lassen, um die Gefahr eines Schaftbruches zu reduzieren
        • Birnenholz ist meistens gerade gewachsen und relativ dicht, daher hierfür gut geeignet
  • besonders schön gemasertes Wurzelholz mit Curls, Vogelaugen etc. ist tendenziell anfälliger für Brüche
  • Tigerstripes (quer zur Maserung bzw. dem Faserverlauf) sind so gesehen keine Maserung und schwächen das Holz nicht
  • das Schaftholz-Kantel muss lange und trocken genug gelagert worden sein
    • max. 10% Restfeuchtigkeit werden hier gerne genannt oder auch die Faustregel "ein Jahr Trocknungszeit je Zentimeter Holzdicke" (natürlich ohne entsprechende Gerätschaften evtl. schwer zu prüfen)
  • 100% Sicherheit gibt es beim Schaftholz nicht, es können sich Einschlüsse darin befinden, die zwar teilweise (nicht immer) erahnt werden aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden können
    • sicherer ist es, den Kantel dort zu erwerben, wo der Schaft auch gefertigt werden soll und dann eine entsprechende Garantie zu vereinbaren (bei selbst angeliefertem Schaftholz-Kantel wird dies der Schäfte im Normalfall ablehnen)
  • Zu guter letzt - auch wenn es vielen von euch klar ist, aber gewiss nicht allen: Die Einstufung in Schaftholzklassen (z.B. 1-10 oder Luxus, Super-Luxus etc.) gibt keinen Aufschluss darauf, wie robust das Holz ist bzw. ist hier das höher eingestufte Holz nicht zwangsläufig robuster (oftmals ist sogar das Gegenteil der Fall)

Hier noch ein Beispiel-Schaftholz-Kantel zur Veranschaulichung, welches m.M.n. recht robust sein sollte (gerader Faserverlauf in den stark beanspruchten Bereichen) und dazu im Kolbenbereich auch noch ganz nett aussieht - nach vorne hin wird's dann "langweiliger", aber wohl auch stabiler:
Schaftholz.jpeg
 
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Ich sehe das eher pragmatisch. Daher ist mein R8 Lochschaft aus "Apfelsinenkistenholz" gefertigt, also eher Holzklasse 1. Macht mir aber nichts, er tut bereits seit 10 Jahren seinen Dienst. Ist weder gerissen oder sonst was. Gesehen hat ihn bei der Jagd eh niemand, das Futteral wird erst im Hochsitz geöffnet.

Zurückblickend hätte ich mit einem Handwerkszeug in Holzklasse 12 auch nicht mehr Beute gemacht.

Aber jeder wie er mag.
 
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Ich weiß ja nicht, was Du mit Deiner Waffe vor hast, @Smartrek, aber bei normalem jagdlichen Gebrauch, sollte es schwer sein, einen Schaft von einem guten Markenhersteller oder einem privaten Büchsenmacher zu "zerstören", auch wenn die feinmaserige Holzqualität an das Kabinettschränkchen Ludiwig des XIV heranreichen sollte....

Und wenn doch das Zombi Massaker über uns herein brechen sollte - oder aber der jemand mit dem Pickup über den Schaft einer angelehnten Büchse oder Flinte rollen sollte, wird es auf die Durabilität des individuell gewählten Schaftholzes auch nicht mehr ankommen....

Habe sowohl bei meinem Merkel DBDr, meiner Merkel 60E und der Rigby ein "besseres" Holz gewählt (bei den Rigby Schäften ist es die links im Bild geworden) und bin damit in heimischen Revieren (den DBDr jahrelang auch als Nachsuchenwaffe geführt) sowie in Afrika gut gefahren.

Also nur Mut und einfach das Schaftholz wählen, dass zu Geschmack und Geldbeutel passt und dann solch eine Waffe nicht im Schrank in "Schönheit sterben lassen" sondern bei WInd und Wetter, durch Staub und Dreck führen !

Grade bei hochwertigen Materialien ist, sorgsame Pflege voraus gesetzt, eine gewisse Patina und erinnerungsreiche Gebrauchsspuren doch die wesentliche Zutat zu einem außergewöhnlichen Stück jagdlicher Handwerkskunst.

image1.jpeg
 
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Ich habe mal einen befreundeten Schreiner gefragt wie man Holzklassen
einteilt und bewertet.
Er hatte von dieser Einteilung noch nie etwas gehört!
 
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Ich habe mal einen befreundeten Schreiner gefragt wie man Holzklassen
einteilt und bewertet.
Er hatte von dieser Einteilung noch nie etwas gehört!
Frag nen guten Restaurator für antike Holzmöbel. Der kennt zumindest den Begriff, weil sein Material entsprechend der Originalvorlage immer unterschiedlich kostet...
Die Frage ist aber tatsächlich: Wer teilt es ein und warum? Da gibts nämlich keine feste Formel, da Holz immer ein Unikat ist. Es werden also verschiedene Kriterien dafür zusammengenommen und abgewogen.
 
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Frag nen guten Restaurator für antike Holzmöbel. Der kennt zumindest den Begriff, weil sein Material entsprechend der Originalvorlage immer unterschiedlich kostet...
Die Frage ist aber tatsächlich: Wer teilt es ein und warum? Da gibts nämlich keine feste Formel, da Holz immer ein Unikat ist. Es werden also verschiedene Kriterien dafür zusammengenommen und abgewogen.

Hmm...das ist schon noch relativ reproduzierbar festgelegt, muss ich Dir widersprechen.... nicht einer DIN entsprechend technisch oder gar automatisiert definierbar aber bisher konnte mir jeder bessere BüMa ziemlich genau eine SH-Klasse anhand von zB Fotos o.ä. benennen.

Da in diesen Holzklassen und im Handel damit heutzutage unglaublich viel Geld steckt, ist das auch nicht weiter verwunderlich.

Bei Blaser und auch auf dieser Seite aus der Ch gibts einen Eindruck:

https://www.denli-gunstocks.ch/schaftholzklassen/
 
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Holzklassen sind schön für die Preislisten der Hersteller. Außerdem ist die Einteilung einfacher als Luxus, Super Luxus, drei Sterne Exhibition Grade usw.
Standardmodell startet überall bei HK 2, klingt gut, nicht so hemdsärmlich wie eine schnöde 1.

Die mit Abstand beste und präzisere Einteilung sind nach wie vor die Treibholzklassen 1 bis 150
 
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10 Jan 2018
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Airbrush ?

Ist das auf Holz oder Kunststoff lackiert ? Mit oder ohne Klarlack ?

:cool:

Englischer Ölschaft - of course :p

Kann man in dieser virtuellen Besichtigung von John Rigby & Co sehen, wie solche Schäfte veredelt werden


Klarlack und solche Gruseldinge findet man da nicht....

Inzwischen hat sich das Buch des Lebens und der Jagd mit vielen kleinen Schmarren und Kratzern in dem schönen Holz verewigt und auch morgen gehts wieder raus mit der Rigby zu einer Gesellschaftsjagd.
Regen und Wind stehen auf der Wetterkarte, danach zuhause kurz sauber wischen, trocknen und am Abend kurz mit nem öligen Lappen rüber und die Waffe ist bereit für neue Abenteuer.
 

steve

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Also nur Mut und einfach das Schaftholz wählen, dass zu Geschmack und Geldbeutel passt und dann solch eine Waffe nicht im Schrank in "Schönheit sterben lassen" sondern bei WInd und Wetter, durch Staub und Dreck führen !

Grade bei hochwertigen Materialien ist, sorgsame Pflege voraus gesetzt, eine gewisse Patina und erinnerungsreiche Gebrauchsspuren doch die wesentliche Zutat zu einem außergewöhnlichen Stück jagdlicher Handwerkskunst.
Genau so sehe ich das auch!
1637350647232.jpeg
 
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