Deutschland und seine Schlachthöfe

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21 Jan 2002
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#61
Wenn @cast schreibt, daß im Tiefbau keine Polen,Schlesier oder Bewohner auf jetzigem rumänischen Staatsgebiet gearbeitet haben und es keine Sammelunterkünfte gegeben hat, ist das von Unkenntnis oder Lüge geprägt.
Du kennst also Firmen, die im Erdbau mit Maschinisten arbeiten, die aus Rumänien kommen?
Dazu benötigt man Facharbeiter die mit modernen Baugeräten umgehen können, was die Jungs vom Balkan kennen ist eine Schaufel.

Im übrigen bauen die hier
http://polbau.pl/de/
den neuen Hauptbahnhof in Stuttgart, sieht irgendwie nicht nach Menschenhändler aus, man beachte die Referenzen.
Der Zoll war regelmäßig da, nichts zu beanstanden. Auf kleinen Baustellen siehts bestimmt schlechter aus, die kenne ich nicht.
 
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#62
Also ich bin immer begeistert wie unterschiedlich DE ist. Bei @cast gibt es noch Metzger die selber schlachten.Da ich die Gegend etwas kenne denke ich das hängt mit jahrelangen
gewachsenen Strukturen zusammen. Bei mir in Thüringen gibt es nur noch sehr selten Metzger die selber schlachten .Richtig erkannt EU läßt grüßen. Bei uns im Landwirtschaftsbetrieb kauft auch ein Metzger.Das läuft dann so ab.Bulle laden ,wird gefahren auf einen der wenigen Schlachthöfe ,dort
Lohnschlachtung,Kühlung und dann wird das gute Fleisch zurück gefahren.Mit etwas Glück wird es dann irgendwann verkauft. Als Jäger erkennt man dann wie das ganze gute Fleisch behandelt wurde mir erzählt über die Fleischindustrie keiner was. Zum Glück gibt es noch Hausschlachtung
von Privat hier.

Gruß Seppel
 
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#63
Mein Nachbar,Landwirt, läßt einmal im Jahr ein Rind schlachten. Aber nur dann wenn er alles vorher verkauft hat bevor das Rind geschlachtet wird! Ich nehme dann ein 1/4 Rind so wie ich es haben möchte. Da komme ich das ganze Jahr dann mit aus. Das Rind wird abgeholt und im 30 km entfernten Schlachthof geschlachtet und zerlegt. Dann geht's wieder zurück und jeder kann seinen Teil abholen. Den größten Rest verarbeite ich übers Jahr eh mit Wild. Wir haben hier auch noch einen kleinen Metzger. Der schlachtet aber nicht mehr selber und holt sich sein Fleisch sowie die Wurst auch am Schlachthof. Bei ihm hole ich dann ab und an mal was vom Schwein. Aber doch recht selten. Ich bevorzuge da doch lieber Wild. ;)
 
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#64
Was hat der Staatsforst unterstüzt? Schlechte oder gute Behandlung und/oder Unterbringung der ausländischen Saison-Ak?
Hauptsächlich gings um das akzeptieren von Missachtung jedlicher Uvv , nach dem Motto Hauptsache billig. Hierzu könnte ich Seiten schreiben .
Muss allerdings dazu sagen es bei uns seit ein paar Jahren gefühlt besser ist.
 
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10 Jul 2011
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#65
In den Anfängen war man überrumpelt von der Sorglosigkeit der geheuerten Arbeitskräfte. War man von den einheimischen schlicht nicht gewohnt, und dauerte ne Weile, bis man sich sortiert hatte, wie damit umzugehen ist. Hauptsache billig ist leider immer noch ein Thema.
 
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#66
In den Anfängen war man überrumpelt von der Sorglosigkeit der geheuerten Arbeitskräfte. War man von den einheimischen schlicht nicht gewohnt, und dauerte ne Weile, bis man sich sortiert hatte, wie damit umzugehen ist. Hauptsache billig ist leider immer noch ein Thema.
Eine Weile ? Ging bei uns über 10 Jahre. Heute ist es immer noch üblich das so gut wie kein Deutsch gesprochen oder verstanden wird . Falls es zu einen Unfall kommen sollte ist allein schon das Absetzen eines Notrufes oft gar nicht möglich, das wird von vielen Förstern heute noch toleriert oder schön geredet!
 
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24 Jun 2017
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#67
Werkverträge gibt's im großen Stil in vielen Branchen.

- Fleischwirschft
- Bauwesen
- Online Versandhandel
- Logistik,
- Schiffbau
- ...

Das diese nun ausschließlich in der Fleischwirtschaft abgeschafft werden sollen, erschließt sich mir nicht.

Gibt es demnächst ausschließlich Festverträge, wird es m.E. viele Familiennachzüge geben. Das Schaffen von Wohnraum, Kita-und Schulplätzen, Infrastruktur, ... ist dann Sache der Bürgermeister der betroffenen Städte. Ich glaube das die nicht wirklich Bock darauf haben.

Mal schauen wie's ausgeht.
 
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#69
Ließe sich alles sehr einfach regeln. Verbot von Tiertransporten weiter als 100 km, und schwupp, ist alles wieder da, wo es hingehört. Die ganzen Dokumentationsanforderungen sind doch nur der regen Reisetätigkeit der Wurst in spe geschuldet. Hygieneverordnungen nach EU-Masstäben umsetzen und nicht nach den von der Fleischindustrie gepushten deutschen Streberrichtlinien. Wer 2 Kühe in der Woche schlachtet hat völlig andere Faktoren als ein x000-Tier Betrieb usw.
Ich glaube auch, das ist der einzige Weg, dem Schlachttier-Tourismus die Grundlage zu entziehen.

Zusätzlich würde ich mir ein verändertes und bewussteres, kritisches und aktives Verbraucherverhalten wünschen. Wer billiges Fleisch kauft, weiß um die Qualität dessen, was zu dessen Erzeugung beigetragen hat.

Es bedarf der Fragen bzw. des Interesses: wo kommt das her, wie und wo wurde es gehalten, transportiert und geschlachtet; welche geschmackliche Qualität bekomme ich da.

Mal abgesehen vom selbst erlegten Wild, wird sehr wohl hochwertiges Fleisch (im Sinne der geschilderten Bedingungen) angeboten, man muss es aber auch bezahlen wollen und ggf. eben nicht an 7 von 7 Tagen Fleisch essen wollen.

...
Vor dieser Zeit, in den 70er und 80er, hat es gereicht wenn Papa zur Arbeit ging.
Mama war zu Hause und hat die Kinder erzogen. Ging evtl. danach wieder arbeiten.
Das Geld hat gereicht und es gab einen gewissen Luxus. Urlaub war auch drin.
Heute müssen beide arbeiten und am Ende bleibt außer Schulden trotzdem nichts übrig.

Schon mal drüber nachgedacht warum es immer weniger Kinder gibt?
Evtl. weil es sich viele Paare einfach nicht mehr leisten können...
Sorry, das ist weitestgehend grober Unfug. Es lässt sich vergleichsweise leicht belegen, dass sich die Lebens- und Einkommensbedingungen nominell über die letzten 40 Jahre nochmals deutlich positiv verändert haben.

Ich wandle schon etwas länger auf diesem Planeten und arbeite bereits so einige Dekaden. In einem 'normalen' Arbeitnehmerhaushalte haben sich die Ansprüche signifikant verändert und damit auch die Notwendigkeit, zusätzliches, verfügbares Einkommen für Wohnung/ Haus, Terrasse und Garten, Hobbys und Uraubsreisen (man beachte den Plural) zu generieren.

Für Arbeitgeber ist Arbeit in Deutschland in den letzten Jahren, relativ zur erwirtschafteten betriebswirtschaftlichen Leistung, signifikant teurer geworden. Das hat etwas mit den Löhnen und Gehältern zu tun, aber auch mit Arbeitsplatzkosten und Unmengen an Regeln, Normen und folgenden Zertifizierungen. Die jüngsten Auswüchse der Compliance-Hysterie, Datenschutzgrundverordnung, Gewinnabgrenzungsaufzeichnungsverordnung/ BEPS (Base Erosion an Profit Shifting) ... mögen Beispiele sein.

Im beschriebenen Zeitraum ist die Abgabenlast der privaten Haushalte zudem relevant gestiegen und der Staat beteiligt sich gerade in Deutschland über die Maße am erwirtschafteten Brutto, um einen ausufernden Sozialstaat mit restlos ineffizienter Bürokratie zu finanzieren. Festhalten muss man aber, dass die Finanzbehörden, mit deutscher Gründlichkeit, in der Durchsetzung der gesetzlich geregelten Steuer- und Abgabenforderungen weit effizienter ist als unsere Nachbarländer.

Der völlig lächerliche Affenkram in Teilen (West)Europas, der um die 'Willkommen Wolf' Kampagne und die Begleichung der daraus resultierenden Schäden/ Maßnahmen initiiert wird, mag ein gutes Beispiel sein. Wenn in Belgien für die Tötung eines Wolfes mit bis zu 5 Jahren Haft gedroht wird, mag das ein Beleg für eine Politik sein, die jedes Maß und jede Orientierung sowie den Bezug zu den Prioritäten verloren hat.

In den letzten 10 wirtschaftlich guten Jahren, ist das Volumen der Sozialleistungen empfangenden Haushalte um 40% gesungen, der bürokratische Aufwand dieses abzuwickeln aber um 80% gestiegen (und das ist nicht die Schuld der Ausführenden vor Ort). Das sind die Ecken an denen es anzusetzen gilt.

Nicht nur die Fleischindustrie wird nach Bewältigung der Corona-Pandemie mit einer epochalen Herausforderung der wirtschaftlichen Gesundung konfrontiert sein und Gretchen Modermöse und ihre ökologisch, moralisch und ethisch so erhabenen Gesinnungsgenossinen werden sich noch massiv erschrecken, was da auf uns zurollt und wie das ihre wirtschaftlichen Lebensbedingungen tangieren könnte.

Es ist aber sicher besser, wenn Besagte noch ein paar Kullertränen zur Käfighaltung oder einige wichtige Statements zur Elektromobilität absondern als sich einen Kopf um volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu machen und sich zu fragen, wer das wie bezahlen soll. ... unsere südlichen Nachbarn haben da übrigens schon eine konkrete Idee.


grosso
 
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#70
Um das geht es nicht ! Es geht darum das alle auf den Ämtern das genau wissen es aber Jedem egal ist. Und bei den eigenen Angestellten wird es genau anders herum übertrieben. Heuchelei ist das sonst gar nichts.
 
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#71
Mein Nachbar,Landwirt, läßt einmal im Jahr ein Rind schlachten. Aber nur dann wenn er alles vorher verkauft hat bevor das Rind geschla
Genau so handhaben meine Eltern und Bekannten das auch(bei dem Teil der nicht vom Wild abgedeckt wird. Standort Rande der Eifel.
Das Rind bzw die Rinder werden vorher komplett verkauft dann ein Termin vereinbart und dann alles abgeholt.
 
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#72
Eine Weile ? Ging bei uns über 10 Jahre. Heute ist es immer noch üblich das so gut wie kein Deutsch gesprochen oder verstanden wird . Falls es zu einen Unfall kommen sollte ist allein schon das Absetzen eines Notrufes oft gar nicht möglich, das wird von vielen Förstern heute noch toleriert oder schön geredet!
Hab etliche Male versucht den "Kollegen" die Bedeutung von Rettungspunkten zu erklären - zwecklos mangels Sprachkenntnis und Verständniss. Die wollten dann im Notfall die dort angegebene Nummer anrufen, sofern irgendwo auch Empfang ist. Die auftraggebene Firma sah sich nicht genötigt diese evtl. lebensrettenden Wissensmängel zu beheben.
 
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#73
Das Thema der Gewinnmaximierung durch Kostensenkung ist hier ja schon mehrfach genannt worden.

Wie in allen wertschöpfenden Prozessen, kann man durch stetige Senkung von Kosten seinen Ertrag erheblich steigern und nur so richtig managen.

Denn die Verkraufspreise werden sich meistens marktüblich durch die Einwirkung anderer bilden. So ist es üblich, dass Großhandel oder Einzelhandelsketten den Erzeugern zunehmend Billigpreise diktieren.

Dabei haben sich die Erzeuger langfristig mit ihrer Produktionskapazität bis auf ein aktuelles Niveau hochgeschraubt. Sie brauchen nun den Absatz wie bisher, um betrieblich zu überlegen. Daher sind sie oft gezwungen, ihre Produkte zu fast jedem Dumpingpreis zu verkaufen.

Währenddessen entwickeln sich die Verkaufspreise des Großhandels und der Einzelhandelsketten - nicht selten in unzulässiger Absprache untereinander - so weiter, wie sie es nach Marklage und Weltgeschenen ihren Kunden zumuten können.

Beispiele: Steigerung der Rohölpreise, Verknappung von Energieressourcen wg. Krieg, Umweltkatastrophen, Pandemien, Börsenturbulenzen, Inflation, etc.

Somit steigen die Verkaufspreise stetig, während den Erzeugern die Abnahmepreise stetig gekürzt werden.

Begründet wird dies u.a. mit: Effizienzsteigerungen des Erzeugers (kann zunehmend billiger produzieren), stetig günstigerer Einkauf des Erzeugers (u.a. Personal), Ausschöpfung öffentlicher Förderprogramme (EU-weite Verarbeitung, EU-weite Kooperation, etc.), etc.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sämtliche bedenklichen Erscheinungen, wie Unterbringung, Arbeitssicherheit, Werkverträge, etc. ausschließlich aus der Gewinnmaximierung über Kostensenkungen herrühren. Daher können Auflagen, diese Missstände abzustellen, die Produktionskosten nur noch erhöhen.

Dies wiederum kann zwei Effekte haben:
1. Der Fleischproduzent ist nicht mehr wettbewerbsfähig und schließt.
2. Der Fleischproduzent ist im Innland nicht mehr wettbewerbsfähig und verlagert die Produktion ins günstigere Ausland.
3. Dem Fleischproduzient gelingt es, höhere Preise für seine Produkte zu erzielen. Großhandel und Einzelhandelsketten kompensieren dies durch unverhältnismäßige Preisanhebungen. Hier ist es nur noch eine Frage des Marketings, dem Einzelhandeskunden die erforderlichen neuen, hohen Preise zu erklären. Normalerweise werden dazu weitere, neue, trendige Eigenschaften des selben Fleischprodukts erfunden. Oft wird dazu ein besonderer Verbands-Sigel entwickelt, der jedes Jahr ein paar ausgewählte Fleischproduzenten auszeichnet.

Die einzige Methode, die wir haben, um dem zu begegnen, ist tatsächlich Boykott der Massenfleischproduktion.

Dieser Boykott kann erfolgen durch:
1. Verzicht auf Fleisch, Fleischprodukte und Tierprodukte generell
2. Verzicht auf Produkte aus der Massenfleischproduktion
3. Ersatz von Fleichkonsum durch Konsum anderer tierischer Proteine (Eier, Milch, Insekten); bei Eier und Milch haben wir die gleichen Erscheinungen wie bei der Massenfleischproduktion.
4. Verlagerung auf Fleischprodukte außerhalb der Massenfleischproduktion, Großhandels- und Einzelhandelsketten (eigenes Schlachtvie, wie Geflügel, Kaninchen, Ziegen, Schafe und größer oder Jagd bzw. Bezug vom Jäger)

Die Wirkung eines solchen Boykotts kann die Fleischindustrie nicht treffen, da ein zu kleiner Anteil geändert werden könnte. Zudem können Missstände der Fleischproduktion auch beim KMU und beim Wildpret vorkommen. Ein höherer Preis ist daher kein Garant für Qualität. Das erlebe ich tagtäglich.
 
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#74
Das Thema der Gewinnmaximierung durch Kostensenkung ist hier ja schon mehrfach genannt worden.

Wie in allen wertschöpfenden Prozessen, kann man durch stetige Senkung von Kosten seinen Ertrag erheblich steigern und nur so richtig managen.

Denn die Verkraufspreise werden sich meistens marktüblich durch die Einwirkung anderer bilden. So ist es üblich, dass Großhandel oder Einzelhandelsketten den Erzeugern zunehmend Billigpreise diktieren.

Dabei haben sich die Erzeuger langfristig mit ihrer Produktionskapazität bis auf ein aktuelles Niveau hochgeschraubt. Sie brauchen nun den Absatz wie bisher, um betrieblich zu überlegen. Daher sind sie oft gezwungen, ihre Produkte zu fast jedem Dumpingpreis zu verkaufen.

Währenddessen entwickeln sich die Verkaufspreise des Großhandels und der Einzelhandelsketten - nicht selten in unzulässiger Absprache untereinander - so weiter, wie sie es nach Marklage und Weltgeschenen ihren Kunden zumuten können.

Beispiele: Steigerung der Rohölpreise, Verknappung von Energieressourcen wg. Krieg, Umweltkatastrophen, Pandemien, Börsenturbulenzen, Inflation, etc.

Somit steigen die Verkaufspreise stetig, während den Erzeugern die Abnahmepreise stetig gekürzt werden.

Begründet wird dies u.a. mit: Effizienzsteigerungen des Erzeugers (kann zunehmend billiger produzieren), stetig günstigerer Einkauf des Erzeugers (u.a. Personal), Ausschöpfung öffentlicher Förderprogramme (EU-weite Verarbeitung, EU-weite Kooperation, etc.), etc.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sämtliche bedenklichen Erscheinungen, wie Unterbringung, Arbeitssicherheit, Werkverträge, etc. ausschließlich aus der Gewinnmaximierung über Kostensenkungen herrühren. Daher können Auflagen, diese Missstände abzustellen, die Produktionskosten nur noch erhöhen.

Dies wiederum kann zwei Effekte haben:
1. Der Fleischproduzent ist nicht mehr wettbewerbsfähig und schließt.
2. Der Fleischproduzent ist im Innland nicht mehr wettbewerbsfähig und verlagert die Produktion ins günstigere Ausland.
3. Dem Fleischproduzient gelingt es, höhere Preise für seine Produkte zu erzielen. Großhandel und Einzelhandelsketten kompensieren dies durch unverhältnismäßige Preisanhebungen. Hier ist es nur noch eine Frage des Marketings, dem Einzelhandeskunden die erforderlichen neuen, hohen Preise zu erklären. Normalerweise werden dazu weitere, neue, trendige Eigenschaften des selben Fleischprodukts erfunden. Oft wird dazu ein besonderer Verbands-Sigel entwickelt, der jedes Jahr ein paar ausgewählte Fleischproduzenten auszeichnet.

Die einzige Methode, die wir haben, um dem zu begegnen, ist tatsächlich Boykott der Massenfleischproduktion.

Dieser Boykott kann erfolgen durch:
1. Verzicht auf Fleisch, Fleischprodukte und Tierprodukte generell
2. Verzicht auf Produkte aus der Massenfleischproduktion
3. Ersatz von Fleichkonsum durch Konsum anderer tierischer Proteine (Eier, Milch, Insekten); bei Eier und Milch haben wir die gleichen Erscheinungen wie bei der Massenfleischproduktion.
4. Verlagerung auf Fleischprodukte außerhalb der Massenfleischproduktion, Großhandels- und Einzelhandelsketten (eigenes Schlachtvie, wie Geflügel, Kaninchen, Ziegen, Schafe und größer oder Jagd bzw. Bezug vom Jäger)

Die Wirkung eines solchen Boykotts kann die Fleischindustrie nicht treffen, da ein zu kleiner Anteil geändert werden könnte. Zudem können Missstände der Fleischproduktion auch beim KMU und beim Wildpret vorkommen. Ein höherer Preis ist daher kein Garant für Qualität. Das erlebe ich tagtäglich.
wie richtig hervorgehoben: Gewinnmaximierung durch Kostensenkung. Also ein Teilbereich des Wirtschaftens zur Weiterentwicklung des Betriebs.

Nix gegen Boykottaufrufe; aber wann und wie oft haben diese zur Verbesserung der angeprangerten Mißstände geführt?

Es wird (mal wieder) zu einem "geteilten Markt" kommen. Kein entweder oder. Der Mercedes/Porsche auf dem Aldiparkplatz ist längst gewohntes Bild. Einkaufen dort (beim Billigsegmenter) "Kult"
Premiumsegment; hier ist nur für wenige Platz; aber :an der Spitze ist die Luft dünn, aber gesund"
und
Billigschnitzel für 29ct/100g. "uns reicht das, alles nebensächliche (Qualität, Herkunft, Erzeugungsbedingungen) interessiert nicht.

Auch die von @Indi z.T. richtig beschriebenen Konsequenzen beleuchten deshalb nur eben einen Teil der Möglichkeiten wie es weitergeht.
Marx hatte auch hier unrecht.

Freiheit des Unternehmers (in sozioökonomischen Umfeld) garantiert allein eine allgemeine Akzeptanz der Märkte. auch wenn es einem gewissen "An-"Teil unserer Gesellschaft nicht passt. Das andere ist vor ca. 30 Jahren den Weg allen irdischen gegangen. Auch wenn uns der Geruch aus der geschichtlichen Kloake weiterhin verfolgt.
 
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#75
Die Verhinderung von Preisabsprachen würde schon einiges erschweren. Eine Maßnahme allein (z.B. neue Vorschriften für Industrielle Fleischproduktion) hilft also nix. Dazu gehört unter anderem auch ein entsprechender Geldbeutel und der entsprechende Anspruch beim Konsumenten.

Ein Bewußtseinswandel kann im übrigen durchaus flächige Wirkung erzielen, wenn er beim richtigen Anteil der Bevölkerung stattfindet. Kann man in der Umweltschutzpolitik schön beobachten.

Die Discounter verstehen es einfach vortrefflich, ihre Produkte salonfähig zu machen. Vergleichsweise sind sie das ja auch, das darf man nicht vergessen.

Ich warte seit Jahrzehnten auf den notwendigen Paradigmenwechsel, hin zu einem ressourcenschonenden Verhalten. Ob Corona der letzte Tropfen ist, der ihn endlich durchbringt?
 
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