..die deutsche Fleischrevolution...

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Ich bin treuer Kunde bei einem luxemburgischen Bauernhof, auf dem wir unser Pferd gekauft haben. Wenn dort Rind geschlachtet wird, wird zerwirkt und "kilogrammweise" abgepackt, also immer so 800-1500g, im Mittel kommen halt immer ganze Kilo raus im Paket.
Letztes Mal habe ich 15kg genommen und 150€ bezahlt. Von Hack über Braten, Gulasch und Steak ist alles dabei. Superlecker, ich weiss, wo es herkommt und denke, es ist win-win.
 
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Sehr oft liest man, "früher" hätte es nur einmal pro Woche Fleisch gegeben, den "Sonntagsbraten".

Das ist vollkommen korrekt, aber nicht vollständig: es wurde ja immer zuhause geschlachtet und das, was man heute als "nose to tail" bezeichnet, war Omma Martha ein Bedürfnis, nix verschwenden, denn diese Generation kannte den Kohlrübenwinter 1917 oder eben 1945/1946 ganz gut.

Also gab es Montag bis Samstag die "minderwertigen" Teile des Schweins als Fleisch, als Suppeneinlage, als Wurst. Die Power kam aus dem Fett.

Bei der schweren bis schwersten körperlichen Arbeit wäre eine rein vegetarische Bohnendiät an sechs von sieben Tagen der Woche kontraproduktiv gewesen.

Heute wäre es sicher für die meisten gar kein Problem, das Prinzip des Sonntagsbratens umzusetzen, aber dafür ist Fleisch viel zu lecker, finde ich. Mit Bedacht kommt man hier auch weiter. Die Zeiten des 4€-Nackenbratens mit Spritzabzess sollten vorbei sein.
 
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Ich bin treuer Kunde bei einem luxemburgischen Bauernhof, auf dem wir unser Pferd gekauft haben. Wenn dort Rind geschlachtet wird, wird zerwirkt und "kilogrammweise" abgepackt, also immer so 800-1500g, im Mittel kommen halt immer ganze Kilo raus im Paket.
Letztes Mal habe ich 15kg genommen und 150€ bezahlt. Von Hack über Braten, Gulasch und Steak ist alles dabei. Superlecker, ich weiss, wo es herkommt und denke, es ist win-win.

Das ist eine sehr gute Methode, mach ich als Landwirt auch nicht viel anders. Ich habe meine Quellen, ehemalige Arbeitgeber die selber vermarkten, oder halt im Freundeskreis, wo ich mich auch auf die Qualität verlassen kann.

Hier im Betrieb geht nur Jungvieh ab, und alte Kühe, gerade das Fleisch älterer Kühe kann aber ein besonderer Genuss sein - zumindest bei Weidehaltung, wie hier.

Stallkühe? Blixem!

Ich arbeite aktiv körperlich, Morgens melken und Kälberfütterung, meistens danach dann abmisten und andere Hygienearbeiten, die im Betrieb notwendig sind.

Ich habe einen Kalorienverbrauch von der Arbeit alleine am Tag knapp an 4000 KCal, das könnte ich mit einer rein pflanzlichen Diät nur sehr schwer erreichen und würde rapide in den Mangelzustand fallen - der ist im übrigen nicht sonderlich angenehm, und kommt wie eine allgemeine Mangelerkrankung rüber - irgendwann fährt der Körper komplett runter, ein richtig ekeliges Gefühl.

Es gab Zeiten da habe ich bequem 14 bis 16 Stunden am Tag gearbeitet, da war mein Verbrauch erheblich höher.

Ich bin überzeugter Mischkostler, der auch mal mit vegetarischer Ernährung experimentiert hat, und mindestens zwei Tage in der Woche sich auch vegetarisch ernährt. Als Veganer könnte ich meine derzeitigen Schlagzahlen nicht halten, weder auf der Arbeit, noch danach.

Ich bin trotz Schwerbehinderung sehr robust, und wenig Anfällig gegen Infekte, was wohl auch an meiner Vorliebe zu einheimischen Obst liegt, meine Kirschen kommen aus dem Alten Land, meine Weintrauben maximal aus Frankreich oder Italien, aber am liebsten mag ich deutsche Trauben, vor allem die hellen leicht sauren. Äpfel, Birnen, Nektarinen und Pfirische darf ich nicht, im Winter gibt es daher Zitrusfrüchte aus Spanien oder einem anderen europäischen Anbaugebiet. Derzeit pflücke ich mir bei einem befreundeten Landwirt auf der Plantage Heidelbeeren und Himbeeren, Stachelbeeren ist auch wieder vorbei. Brombeeren bin ich sehr vorsichtig geworden, dafür koche ich mir aber im September/Oktober Fliederbeeren ein (Saft und Gelee). Junggeselle eben, alles darf man selber machen - aber man macht es gerne.

Jetzt wo ich das schreibe frage ich mich nur gerade, was ist so schwer daran?

Eben! Nichts! Alles nur Faulheit und Einbildung, wenn man das nicht selber macht.

Ab nächstes Jahr bewirtschafte ich einen halben ha Gartenfläche für Obst und Gemüse in Eigenregie, das Land dafür erhalte ich von meinem Arbeitgeber. Dafür bekommen die Obst und Gemüse in bester Bio-Qualität, ich habe zwar die Sachkundeprüfung für Spritzmittel, bin aber kein großer Freund davon - zumindest dann nicht, wenn man das auch händisch hinbekommt.
 
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Das ist eine sehr gute Methode, mach ich als Landwirt auch nicht viel anders. Ich habe meine Quellen, ehemalige Arbeitgeber die selber vermarkten, oder halt im Freundeskreis, wo ich mich auch auf die Qualität verlassen kann.

Hier im Betrieb geht nur Jungvieh ab, und alte Kühe, gerade das Fleisch älterer Kühe kann aber ein besonderer Genuss sein - zumindest bei Weidehaltung, wie hier.

Stallkühe? Blixem!
Das ist korrekt, ich bekomme auch ausschließlich junges Fleisch verkauft. Färse ist in D ja auch eher unüblich, überall nur "Jungbulle hier, Jungbulle da."
 
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Das ist korrekt, ich bekomme auch ausschließlich junges Fleisch verkauft. Färse ist in D ja auch eher unüblich, überall nur "Jungbulle hier, Jungbulle da."
Färse schmeckt richtig gut!

Das ist aber auch sehr unüblich, meistens dann ein Abgang wegen Unfruchtbarkeit.

Wir haben bei den Kälbern eine recht gute Remontierungsquote, auch wenn die Bullenkälber (nicht alle) an den Zwischenhandel verkauft werden müssen.

Ich hatte mir vor einiger Zeit einen Braten aus den Beständen von meiner alten Kuh gemacht... Meine, weil mein damaliger Chef mir das Tier geschenkt hatte und als es in die Schlachtung ging, ich halt damit hätte etliche Kühltruhen füllen können.
 
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Hier kamen berechtigte Einwände zum Thema wieviel Fleisch pro Woche. Da muss ich meine Tirade selbst relativieren. Auch wir essen hier unter der Woche Fleischprodukte. Deshalb schrieb ich etwas von Wurstwaren lasse ich mal außen vor. Was ich nicht gut finde, ist, wenn ich täglich Fleisch mit Beilage esse. Wenn das Fleisch eine Beilage ist, sieht es für mich persönlich besser aus. Ein Eintopf ohne Fleischbeilage ist für mich kein Eintopf, obwohl das die Vegetarier und Veganer sicher anders sehen. Und ja, ich gebe jedem Recht, der für sich entscheidet, dass Vegetarismus, bzw. Veganismus keine Dauerlösung ist. Bin ja selbst auch überzeugter Allesesser. Jeder soll es halten, wie er mag. Hier in unserer Familie essen wir alle gerne Fleisch. Aber wir sehen zu, dass wir es nicht als Hauptbestandteil unserer Ernährung zu uns nehmen. Und deshalb macht es uns nichts aus, wenn wir dafür mehr Geld ausgeben müssen, um eine gute Qualität zu erhalten. In Summe relativiert sich das wieder. HH
 
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Dann viel Spaß beim Ablesen der Stachelbeerblattwespenraupen...
Mir machen die Kartoffelkäfer eher Sorgen... :ROFLMAO:

Keine Angst, Johannisbeeren und Stachebeeren werde ich nicht anbauen. Ich werde keine Büsche anpflanzen, weil ich bei den Einjährigen die Standorte variieren werde. Da stört sowas nur.
 
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Jetzt mal eine Frage an die Kenner in dieser Runde. Diese Fleisch-Nischen beruhen doch im wesentlichen auf einer extensiven, ganzjährigen Weidehaltung. Bei zunehmender Wolfsdichte funktioniert das alles noch? Speziell wenn Wölfi mal so eine Herde Bisons auf die Läufe bringt? Da werden doch Zäune zur Nebensache wenn die mal richtig anlaufen?! :oops:

Im Münsterland sollen doch schon die Wildpferde eingezäunt werden, weil man befürchtet Wölfi könnte sie des Nächtens auf die unweit gelegene Autobahn begleiten.
 
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Hier kamen berechtigte Einwände zum Thema wieviel Fleisch pro Woche. Da muss ich meine Tirade selbst relativieren. Auch wir essen hier unter der Woche Fleischprodukte. Deshalb schrieb ich etwas von Wurstwaren lasse ich mal außen vor. Was ich nicht gut finde, ist, wenn ich täglich Fleisch mit Beilage esse. Wenn das Fleisch eine Beilage ist, sieht es für mich persönlich besser aus. Ein Eintopf ohne Fleischbeilage ist für mich kein Eintopf, obwohl das die Vegetarier und Veganer sicher anders sehen. Und ja, ich gebe jedem Recht, der für sich entscheidet, dass Vegetarismus, bzw. Veganismus keine Dauerlösung ist. Bin ja selbst auch überzeugter Allesesser. Jeder soll es halten, wie er mag. Hier in unserer Familie essen wir alle gerne Fleisch. Aber wir sehen zu, dass wir es nicht als Hauptbestandteil unserer Ernährung zu uns nehmen. Und deshalb macht es uns nichts aus, wenn wir dafür mehr Geld ausgeben müssen, um eine gute Qualität zu erhalten. In Summe relativiert sich das wieder. HH
na dann sind wir ja garnicht soweit voneinander entfernt bzgl. des Fleischkonsums.
D.T.
 
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Jetzt mal eine Frage an die Kenner in dieser Runde. Diese Fleisch-Nischen beruhen doch im wesentlichen auf einer extensiven, ganzjährigen Weidehaltung. Bei zunehmender Wolfsdichte funktioniert das alles noch? Speziell wenn Wölfi mal so eine Herde Bisons auf die Läufe bringt? Da werden doch Zäune zur Nebensache wenn die mal richtig anlaufen?! :oops:

Im Münsterland sollen doch schon die Wildpferde eingezäunt werden, weil man befürchtet Wölfi könnte sie des Nächtens auf die unweit gelegene Autobahn begleiten.
Das Einzäunen hat sich als nicht wirksam erwiesen, im Gegenteil wenn die Tiere in Panik geraten, dann kann da soviel Saft drauf sein wie das Gerät maximal leisten kann, das hält die Tiere nicht auf - egal ob zwei, drei, vier oder zehn Litzen...

Die gehen da Durch!

Auch Pferde!

Da wird irgendwann mal was laufen, aber abwarten!
 
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Alles gut und schön, aber diese Art Fleisch und deren Produktion ist an einen kleineren Teil der Bevölkerung adressiert.
Wir als Jäger sitzen da auf einem relativ hohem Ross, da unser Wild nachhaltig und ökologisch ist.

Aber vergesst bitte nicht, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung auf billige Lebensmittel angewiesen ist. Anderes Fleisch als das aus der Discountertruhe geht für sie nicht.
Und manche sind auch gezwungen sich überwiegend von Nudeln mit Soße zu ernähren, mehr gibt der Geldbeutel manchmal nicht her.

Ich finde es persönlich gut, dass es diese Entwicklungen im Fleischmarkt gibt. Aber man muß auch die andere Seite der Möglichkeiten betrachten.
 

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