Die Jagd verkommt zur Schädlingsbekämpfung

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#1
Wie man in viel Threads und Beiträgen mittlerweile zu lesen bekommt, die Jagd ist in erster Linie nur noch zur Schädlingsbekämpfung gerechtfertigt. Das Jagdrecht, welches 1848 als Bürgerrecht erkämpft worden ist, hätte man am liebsten scheibchenweise abgeschafft. Und das Schlimme daran ist, daß man diesen Abschaffungsbefürwortern der Jagd auch noch in diesem Jagdforum eine perfekte Bühne bietet! Die langfristigen Folgen werden sein, daß die Jagd wie wir sie kennen in der Tat abgeschafft wird und das Regulieren der Wildbestände wird einigen ausgewählten Berufsjägern, Forstwirten, Förstern und Rangern überlassen wird. Das sich dadurch auf lange Sicht große Teile der ethisch / moralisch / fachlich überlegenen Besserjäger den Ast absägen, auf dem sie jagen, das scheinen sie nicht zu begreifen. Vor 20 Jahren hatte ich diese Befürchtungen nicht, aber die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit zeigen, daß die Politik und Parteien kein Problem mit dem Einschränken von Bürgerrechten haben.
 
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#2
Sehe ich ähnlich. Vor 20 Jahren war wirklich noch nicht dermaßen dran zu denken. Die "Schädlingsbekämpfer" gab´s damals zwar auch schon, die waren aber hauptsächlich auf den Forstdienst beschränkt und, sagen wir mal, jünger als Jahrgang ´55.
Auch "sich jagdl. Rechtfertiger" alla: "Ich schieße nur das, was ich auch esse!", waren damals eher in der recht überschaubaren, jagdl. "Esotherik-Ecke" vertreten.
A****löcher mit "lockerem Abzugsfinger", notorischer Unlust zu Revierarbeiten/weibl. Schalenwildanschuß, oder feudal-herrische Jagdherren gab´s aber auch schon, allerdings auch noch nicht in dem (gefühlten) Umfang wie heute, oder sagen wir mal in den letzten 10-15 Jahren.
Auch hier markieren die Jahre 2005-2011 (Merkelissmus, Finanzkrise, Energiewende) den gesellschaftl. und sozialen Wendepunkt und in diesem Umbruch befinden wir uns, mit einer kl. Ruhephase von 2012-14, aktuell immer noch (Flüchtlingskrise, polit. Populissmus aus allen Richtungen, durchaus auch global, Coronakrise).
Die Abstumpfung, Hinnahme, Letargie, Ellenbogengesellschaft, das Sinken der Hemmschwellen, Bevormundungen, Intolleranz, Manipulation, etc. machen da auch nicht vor der Jagd und ihren Betreibern halt. Wäre auch utopisch und realitätsfern das zu meinen (ich schreibe bewußt nicht: wollen).
In einem Fall muß ich aber widersprechen: Die Aufhebung des feudalen Jagdregals, im Zuge der 1848/49er Revolution, brachte zwar das Jagdrecht zum Grundrecht mit ein, war aber von den nun neuen Jagdausübungsberechtigten (meist Nebenerwerbslandwirte mit geringem Besitz an Agrikulturfläche) auch ein Grund für "Schädlingsbekämpfung", da es ihnen vor 1848 nur erlaubt war "Niederwild" (für die "niederen Stände", also sprich: Landbevölkerung, Landklerus) zu bejagen, das auf den Wiesen/Äckern zu Schade gehende Hochwild, inkl. den großen Raubwildarten, die das Weidevieh dezimierten (ganzjährige Stallhaltung kam in Dtl. erst in den 1820er-Jahren auf, vorher war die Weidehaltung gang und gäbe) oblagen in der Bejagung einzig den "höheren Ständen", sprich Adel und höherer Klerus.
Da sie das viele zu Schaden gehende Hochwild und Großraubwild auf den großen Gesamtflächen natürl. nicht flächendeckend durch jagdl. Eingriffe weniger dazu Berechtigter eingedämmt werden konnten, versteht sich.
Erst mit den Jagdgesetzten (Kgr. Preussen 1864, Kgr. Bayern 1881 z.B.) konnte man von "moderner Jagd" mit dem Hegededanken an erster Stelle und als Basis denken.
In einem bestimmten Rahmen für ganz Deutschland dann erst mit dem Reichsjagdgesetz von 1934.
 
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#5
Sehe ich ähnlich. Vor 20 Jahren war wirklich noch nicht dermaßen dran zu denken. Die "Schädlingsbekämpfer" gab´s damals zwar auch schon, die waren aber hauptsächlich auf den Forstdienst beschränkt und, sagen wir mal, jünger als Jahrgang ´55.
Auch "sich jagdl. Rechtfertiger" alla: "Ich schieße nur das, was ich auch esse!", waren damals eher in der recht überschaubaren, jagdl. "Esotherik-Ecke" vertreten.
A****löcher mit "lockerem Abzugsfinger", notorischer Unlust zu Revierarbeiten/weibl. Schalenwildanschuß, oder feudal-herrische Jagdherren gab´s aber auch schon, allerdings auch noch nicht in dem (gefühlten) Umfang wie heute, oder sagen wir mal in den letzten 10-15 Jahren.
Auch hier markieren die Jahre 2005-2011 (Merkelissmus, Finanzkrise, Energiewende) den gesellschaftl. und sozialen Wendepunkt und in diesem Umbruch befinden wir uns, mit einer kl. Ruhephase von 2012-14, aktuell immer noch (Flüchtlingskrise, polit. Populissmus aus allen Richtungen, durchaus auch global, Coronakrise).
Die Abstumpfung, Hinnahme, Letargie, Ellenbogengesellschaft, das Sinken der Hemmschwellen, Bevormundungen, Intolleranz, Manipulation, etc. machen da auch nicht vor der Jagd und ihren Betreibern halt. Wäre auch utopisch und realitätsfern das zu meinen (ich schreibe bewußt nicht: wollen).
In einem Fall muß ich aber widersprechen: Die Aufhebung des feudalen Jagdregals, im Zuge der 1848/49er Revolution, brachte zwar das Jagdrecht zum Grundrecht mit ein, war aber von den nun neuen Jagdausübungsberechtigten (meist Nebenerwerbslandwirte mit geringem Besitz an Agrikulturfläche) auch ein Grund für "Schädlingsbekämpfung", da es ihnen vor 1848 nur erlaubt war "Niederwild" (für die "niederen Stände", also sprich: Landbevölkerung, Landklerus) zu bejagen, das auf den Wiesen/Äckern zu Schade gehende Hochwild, inkl. den großen Raubwildarten, die das Weidevieh dezimierten (ganzjährige Stallhaltung kam in Dtl. erst in den 1820er-Jahren auf, vorher war die Weidehaltung gang und gäbe) oblagen in der Bejagung einzig den "höheren Ständen", sprich Adel und höherer Klerus.
Da sie das viele zu Schaden gehende Hochwild und Großraubwild auf den großen Gesamtflächen natürl. nicht flächendeckend durch jagdl. Eingriffe weniger dazu Berechtigter eingedämmt werden konnten, versteht sich.
Erst mit den Jagdgesetzten (Kgr. Preussen 1864, Kgr. Bayern 1881 z.B.) konnte man von "moderner Jagd" mit dem Hegededanken an erster Stelle und als Basis denken.
In einem bestimmten Rahmen für ganz Deutschland dann erst mit dem Reichsjagdgesetz von 1934.
Was vor allem verdeutlicht, daß Jagd schon immer Mittel zum Zweck war. Je nachdem, wer das Sagen hatte und was den drückte, ob Unterhaltungsbedürfnis oder Sicherung des Lebensunterhalts.
 
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#7
Ich habe mich von diesen staatlichen Feldzügen, die mit Jagd nicht mehr das Geringste zu tun haben, entfernt. Um das zu machen, was heute dort üblich ist, braucht's bei den Forstämtern charakterlose Opportunisten, die den Wald als Holzfabrik als Einnahmequelle für einen maroden und bald zahlungsunfähigen Staat, bertrachten.
 
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#10
Als "Bauernjäger" sehe ich die Jagd bei uns als
Ernte von "Feld- u. Waldfrüchten", Verhütung von Schäden an diesen, Erhalt der gesamten (!) Flora u. Fauna durch Hegemaßnahmen und Freude am Umgang mit der Natur.

Leider nimmt nur die Toleranz gegenüber Wild immer mehr ab - und hier sind komischerweise meist die an vorderster Front, welche nur Eigentum der Allgemeinheit verwalten :devilish: :evil:
 
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#13
Dieser Job heißt aber " Gewinnmaximierung" und das mit dem "Betriebsmittel" Gemeingut , obwohl es darum gehen sollte dieses Gemeingut zu pflegen zu schützen , und für unsere Kinder zu bewaren.....da muss kein Gewinn erwirtschaftet werden, genausowenig wie Polizei, Zoll , Feuerwehr und Bundeswehr, Schulen , Schwimmbäder,Unis, Luftwaffe und Marine uvm "Gewinne" erwirtschaften müssen,......diese falsche (irrsinnige, schizophrene ) Annahme ist beim Forst so lange und verheerend manifestiert worden, daß man diese gar nicht mehr heraus bekommt......wie weit wir gekommen sind zeigt die "deutsche Bahn" .....privatisiert, kaputtgemanaged, ein staatliches Beförderungsunternehmen , von einem Staat der sich selbst durch Misswirtschaft und Geldverschwendung , abschafft , nur um BIP und BSP in alle Welt zu verschleudern ......!!!
Der Forst soll dafür sorgen, dass es Wald und Wild gut geht , mehr nicht, schließlich bezahlen wir ihn mit unseren Steuern dafür !!!
Aber davon sind wir mittlerweile mehr als 40 Jahre entfernt , da gewinnt der Ausspruch " zurück in die Zukunft " eine traurige Bedeutung.......
Früher war nicht alles besser , aber "Gut" , heute wäre es besser , wenn alles wieder Gut wäre ......(frei nach Heinz Erhardt) .....
Grüße +WMH Olli
 
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#14
Äh, ja. Und mit der Landwirtschaft machen wir das genauso, ällerbätsch. Ab sofort lebt der Mensch vom guten Gewissen.

Sorry, aber für nen Akademiker postest Du manchmal ein unreflektiertes Blech, das weckt das Verlangen nach Schulreform.
 
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#15
Ich bin bisher aus dem Eingangspost noch nicht richtig schlau geworden. Liegt vielleicht auch daran dass ich bisher erst 5 JJ aufweisen kann und wegen fehlendem familiären Jagdumfeld da auch keine Vergleiche zur Vergangenheit ziehen kann.

Was/wer soll denn wie schlechter geworden sein?

Ich kann nur aus meinem Umfeld sprechen und sehe da solche und solche und alle dazwischen auch. Früher hatte ich mir vorgestellt, die Zunft der Jäger wäre eine Einheit. Aber wie überall im Leben spiegelt auch die Jägerschaft "nur" einen Querschnitt der Gesellschaft wieder.

Und dass die Gesellschaft verkommt (bzw. die nachfolgende Generationen), hat schon Plato gewusst ;-) Es unterliegt eben ganz vieles einem Wandel. So zum Beispiel die waidmännische Sprache als offensichtlichste Zeichen. Oder das Brauchtum von Brüchen, Bläsern, Strecke legen usw. da kann selbst ich mit meinem sehr eingeschränkten Horizont schon Veränderungen sehen.

Aber Schädlingsbekämpfer? Nur weil mehr Rehe erlegt werden? Oder weil der Bestand an Schwarzwild überhand nimmt? Ich weiß nicht, worauf du genau hinaus willst.
 
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