Ein Jagdwochenende in den nds. Landesforsten

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#1
Hallo und Waidmannsheil,

im folgenden Post möchte ich euch gerne einmal an den Erlebnissen des vergangenen Wochenendes teilhaben lassen.

Seit Abschluss des JS-Kurses 2014 halte ich Kontakt mit einem der damaligen Ausbilder im Kurs, der Förster in den nds. Landesforsten ist und mit dem ich mich so ziemlich auf einer Wellenlänge befinde. Daher war die Freude groß, als die Anfrage kam, ob ich denn am vergangenen Wochenende Zeit hätte, zu jagen.

Da Jagdgelegenheiten im Großraum Hannover eher rar gesät sind, freute ich mich natürlich über die Einladung und sagte, nach Absprache mit der besseren Hälfte, zu. Kosten sollte es an sich nichts, nur bei der Wildbretübernahme würde der gängige Kurs fällig werden.

Wir trafen uns am Dienstag, um noch einmal ein bisschen zu klönen und eine Fahrt durch das Revier, das mir sehr gut bekannt ist, zu machen. Er zeigte mir welche Hochsitze ich denn benutzen könne. Dabei erinnerte ich mich an die wunderbaren Drückjagden und Gemeinschaftsansitze, die ich hier bislang erleben durfte.

Nach der erfolgten Absprache und dem kaum zu erwartenden Feierabend am Freitag ging es also los.

Abendansitz (Freitag):

Aufgebaumt habe ich gegen 18 Uhr, auf eine Kanzel, die mir recht erfolgversprechend erschien. Eine Kanzel inmitten von dichtem Bestand. Auf der linken und rechten Seite befanden sich allerdings Grünstreifen und die Hoffnung war groß, dass sich dort doch das ein oder andere Stück Rehwild zeigen könnte.

Nachdem ich mich eingerichtet hatte, harrte ich der Dinge die da wohl kommen würden. - Lange musste ich nicht warten. Gegen 18:30 Uhr nahm ich bereits die erste Bewegung, auf dem rechten Grünstreifen, wahr. Fernglas hoch - und da: ein Bock, nicht sehr alt, nicht sehr stark im Wildbret. Das Gehörn fande ich dann sehr interessant. Auf der rechten Seite eine Gabel knapp unter Lauscher und auf der linken Seite "nur" eine Stange, auch unter Lauscher.

Nach einer gewissen Beobachtungszeit entschied ich mich zum Schuss. Ich drehte das ZF auf 8x fache Vergrößerung und versuchte mich erst einmal zu beruhigen, da mich das Jagdfieber doch sehr beutelte. Nach kurzer Beruhigungszeit stand das Absehen aber sauber kurz hinter dem Blatt und ich schickte die .308 auf die Reise. Der Bock machte keinen Schritt mehr und nachdem ich noch eine gewisse Zeit mit dem ZF auf dem "Ziel" blieb, stellte ich die Waffe in die Ecke und zitterte mittlerweile am ganzen Körper. Die Zigarette bekam ich kaum an :D nach ca. 10 Min, baumte ich ab und ging zum Bock. Der Einschuß war gut, kurz hinter dem Blatt. Scheinbar hat sich der Bock kurz vor oder während der Schussabgabe noch gedreht, da der Ausschuss leider etwas hinten lag.

Nachdem ich den Bock aufgebrochen und ins Auto geladen hatte, fuhr ich beim Förster vorbei. Der Entschluss den Bock, bei der für mich sehr interessanten Trophäe ,mitzunehmen stand schnell fest. Nach einer kurzen Schilderung der Ereignisse fuhr ich nach Hause, hing den Bock in die Kühlung, genehmigte mir ein Bier und legte mich nieder, da der Wecker am nächsten Morgen um 4:00 Uhr klingen sollte.

Morgenansitz (Samstag):

Entsprechend müde, aber voller Tatendrang schaltete ich den Wecker um 4:00 Uhr aus. Ohne Kaffee geht aber nix, also erstmal die Maschine angestellt. Um 04:40 Uhr ca. auf den Weg in das von mir ca. 25 km entfernte Revier gemacht. Der Ansitz heute morgen sollte an einer anderen Stelle erfolgen. Auf einem DJ-Bock. Rechts und links auch umgeben von Grünstreifen. Davor ein Graben mit Schilf.

Bereits beim Angehen konnte ich Sauen rechts von mir im Bestand ausmachen. Weit entfernt konnten sie nicht sein. Nach kurzer Zeit entlud die Bache lautstark ihren Ärger über meine Anwesenheit und zog mit der Rotte von Dannen.

Auf dem Bock angekommen war es 05:15 Uhr. Also noch gut 45 Min. bis zum Büchsenlicht. Ich richtete mich ein, es kam allerdings nichts in Anblick. Um 07:30 Uhr baumte ich aufgrund des stärker werdenden Regens ab und fuhr nach Hause.

Abendansitz (Samstag):

Der Abendansitz sollte an einer Kanzel erfolgen, bei der an beiden Seiten Dickungen und in der Mitte eine Art Wildacker lag. Auch hier hoffte ich auch das ein oder andere Stück Rehwild. Bis auf einen Hasen blieb der Ansitz aber ohne Anblick.

Morgenansitz (Sonntag):

Da ich es am Abend leider nicht raus schaffen sollte, legte ich den Fokus komplett auf den Morgenansitz. Ich setzte mich an der gleichen Kanzel wie Samstagabend an. Gesessen habe ich erneut um ca. 5:15 Uhr.

Um ca. 06:00 Uhr betrat ein Stück Rehwild die Bühne. Das Licht reichte schon aus um das Stück als schwachen Bock anzusprechen. Leider tat mir der Bock aber nicht den Gefallen und zog immer hinter Büschen und Sträuchern hin und her, sodass ein sicherer Schuss nicht möglich war.

Nach ca. 10 Minuten zog der Bock doch relativ zügig ab und ich wunderte mich schon wieso. Wind konnte er keinen bekommen haben. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Rechts im Bestand konnte ich eindeutig Sauen hören, bislang allerdings nicht sehen. Als ich aus dem rechten Fenster der Kanzel nach unten sah, stand keine 5m entfernt die Bache, um sich Wind zu holen. Sie sicherte nach oben und wir schauten uns gegenseitig an. Nach kurzer Zeit bekam sie wohl etwas Wind und zog erneut ab.

Alleine mit diesem Anblick und dem bislang Erlebten war ich bereits sehr glücklich. Die Zeit verging. Um kurz nach 07 Uhr zog dann plötzlich ein Bock auf die Fläche. Stark im Wildbret, mit ordentlichem 6er Gehörn. Allzu alt war der Kollege aber noch nicht, sodass ich mich gegen einen Schuss entschied. Kurze Zeit später gesellte sich noch eine Ricke zum Bock.

Nach genauer Ansprache und etwas Beobachtungszeit entschloss ich michm, die Ricke zu schießen. Ich drehte die Vergrößerung etwas runter und entsicherte die Waffe. Als die Ricke ruhig äsend da stand, schickte ich die .308 erneut auf die Reise. Im Schuss sehe ich ein eindeutiges Zeichnen. Beide gehen in die linke Dickung ab. Der Bock zieht alleine an meiner Kanzel vorbei und ich war mir sicher, dass die Ricke liegt. Nach 10 Minuten baumte ich ab, um den Anschuss zu suchen. Den fand ich auch sehr schnell mit deutlichem Lungenschweiß. Ich folgte der Schweißfährte und nach ca. 20 Metern lag die Ricke bereits verendet mit sauberem Schuss dort.

Ich freute mich wie Bolle, brach die Ricke auf und lieferte diese beim Förster ab. Wir hingen sie in die Kühlung und ich berichtete erneut von den Geschehnissen.

Um kurz vor 9 Uhr machte ich mich überglücklich auf dem Weg nach Hause. Etwas traurig darüber, dass das Wochenende bereits zu ende war, jedoch mit der Freude über die beiden Stücke, legte ich mich noch einmal in die Falle.

Tut mir leid, dass es etwas länger geworden ist :D aber grade für mich als Jäger in einer Großstadt, der nicht so oft die Möglichkeit hat seiner Passion nachzugehen, war dieses Wochenende ein ganz besonderes.

In diesem Sinne: allzeit guten Anblick und viel Waidmannsheil!
 
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#2
Waidmannnsheil zu deinem tollen Erlebnis und Danke für deinen feinen Bericht.

Ich kann deine Freude und Aufregung noch nachvollziehen. Wenn man die Ricke/Schmalreh vernünftig angesprochen hat ist doch alles fein.

Allzeit Waidmannsheil
 
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#3
Schön geschildertes Erlebnis und Waidmannsheil zu den Abschüsssen.
Allen Grantlern sei gesagt. Ihr seid der beste Beweis das es keine Jagdgegner braucht um die Jagd abzuschaffen. Gibt genug Deppen in den eigenen Reihen, die dem Anderen nicht das Schwarze unterm Fingernagel gönnen.
Solltet mal in den Spiegel schauen ob ihr das wirklich ernst meint.
Wenn ihr auf der Jagd jemanden seht der eine führende Ricke erlegt, dann dürft ihr den gerne an Ort und Stelle zusammenfalten. Aber aus dem Nichts heraus solche Vorwürfe öffentlich zu formulieren.
Da fehlen einem echt die Worte.
Zusammenhalt ist wohl ein Fremdwort...

In diesem Sinne

Waidmannsheil
 
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#6
zu allererst mal Waidmannsheil zu Deinem erfolgreichen Jagdwochenende.

Ich persönlich finde den Hinweis mit den Kitzen durchaus gerechtfertigt, ein oberlehrerhafter Zeigefinger bzw. gar Unterstellungen jedoch überhaupt nicht.

Gerade für die jüngeren bzw. rehunerfahrenen Jäger unter uns schadet es nicht wenn sie (regelmäßig) daran erinnert werden. Dies kann / muss / sollte jedoch ohne Unterstellungen oder allzu süffisanten Unterton geschehen.

Von daher:
Waidmannsheil & Horrido
Fitsch
 
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#7
Ebenfalls habe ich schon erlebt, das ein Kitz sich erst 15-20 Minuten später zur Ricke gesellt hat.
Wir haben in der Heimat eine schwarze Ricke mit Schlitz im Ohr, also 100% wiedererkennbar. Die hat dieses Jahr drei (braune) Kitze. Die vier zusammen sieht man aber nur alle paar Wochen oder auf der Kamera, unterwegs ist sie die meiste Zeit entweder alleine oder mit einem einzigen oder selten mit zwei Kitzen. Auch über Stunden hinweg. Also nur weil man im Wald eine Ricke lange (was heißt das?) beobachtet hat, kann man nicht sicher sagen dass sie nicht führt. Die Spinne kann jetzt auch schon ziemlich klein sein... Also wie soll man sich sicher sein? Ich schieße daher im Moment keine einzelnen Ricken! Und das als böser Förster in der Regiejagd. Der Bock wäre natürlich nicht mehr gegangen.
 
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#9
Zusammenhalt ist wohl ein Fremdwort...
In diesem Sinne
Zunächst mal Waidmannsheil dem Erleger!

Zusammenhalt bedeutet aber nicht, andere dumm sterben zu lassen, nicht auf potenzielle Gefahren hinzuweisen oder grundsätzlich den Mantel des Schweigens über Sachen zu hüllen, wenn mal etwas "schief gegangen ist".

Natürlich kann man "den Ton" kritisieren, den berechtigten Hinweis aber nicht.

wipi
 
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#10
Wmh Jungjäger.
Sicherlich ein tolles Erlebnis für Dich.

Super CFK.
M.E. voll auf den Punkt gebracht.
 
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#11
Waidmannsheil!

In der Anfangszeit des Forums haben die Foristen sich mit dem Erleger gefreut, auch wenn dann und wann ein Missklang des Jagdneides bei dem einen oder anderen sich im Unterton verfing.

Seit wann muss man eigentlich im Forum alles Totreden? Ein Jungjäger der rausgeht, Freude hat, eine schöne Zeit in einem schönen Revier, ich denke mal das Revier ist in der Nähe einer meiner eigenen früheren Jagdgelegenheiten, und dann auch noch Beute macht. Das ist was gutes, der mahnende Zeigefinger kommt hier viel zu verfrüht.

Auch wir alten Knacker können uns irren, wie mir letztens einer meiner wesentlich erfahreneren Jagdfreunde verdeutlichte. Wir beobachteten auch ein "vermeintliches" Schmaltier, ich war aber der Meinung, das sei kein Schmaltier, sondern eine Ricke... fünf Minuten beobachtet, plötzlich kam von links das Kitz aus dem hohen Bewuchs. Also sowas kann auch alten Hasen passieren.

Aber den Kommentar mit der "neuen Brille" konnte ich mir trotzdem nicht verkneifen.
 
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