Ein Rückblick auf die Waffen der 1960 er, 1970 er Jahre

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Ein Freund in Franken und ich im Rheinland haben 1970 als Schüler "den Jagdschein gemacht". Welche jagdlichen Waffen wurden damals geführt? In meiner Erinnerung war das Schrotkaliber 16 dominant in den meist geführten Querflinten, fast alle aus Suhler Produktion. Bockflinten waren in meinem Bekanntenkreis nur FN im Kaliber 12, die eher zum Tontaubenschießen benutzt wurden. Die Büchsen waren meist mit dem 98 er System mehr oder weniger gekonnt gefertigt, oft im Kaliber 8 x57 IS, jüngere Jäger führten die 7x 64. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die neue Steyr- Mannlicher in .222 Rem gekauft und wer das nötige Geld hatte, die Mauser 66 in 7x64 mit einem ZF Zeiss 6x42 und SEM. Auch die Weatherby, damals bei Sauer & Sohn gefertigt, war bei wenigen Schützen im Kaliber .300 WM angesagt. Die mir bekannten Forstbeamten waren mit ihren Drillingen zufrieden. An Kurzwaffen war die Walther PPK in 7,65 Br der Marktführer und langsam wurden die Snubnose- Revolver von S&W und Colt populär, als Exot galten der Colt Python und der S&W Combat Magnum. Auch das Kaliber 6,35 Br war nicht selten bei den älteren, kriegsgedienten Jägern. Hier stellt sich die Frage, warum diese älteren Jäger keine großen Pistolen, z. B. die P 38, die P 08 oder die FN HP führten? Die zwei Stück- Regelung war zu diesem Zeitpunkt nicht eingeführt. Mein Freund aus Franken berichtet, dass in seinem Bekanntenkreis die Mannlicher- Schönauer in 6,5x54 in der Stutzenausführung recht häufig geführt wurde.​
 
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Dann hoffe ich Du konntest bis zum 1.1.73 ausreichend Kurzwaffen kaufen!
 
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Hier stellt sich die Frage, warum diese älteren Jäger keine großen Pistolen, z. B. die P 38, die P 08 oder die FN HP führten? Die zwei Stück- Regelung war zu diesem Zeitpunkt nicht eingeführt.​

Das kam daher, da die meisten der damals älteren Jäger noch im Kriegseinsatz (1. und 2.WK) gewesen sind und dort schon erfahren mußten, daß eine KW keine "optimale" Waffe für den militär Einsatz war. Für die Jagd dann noch viel weniger (da das Wild, im Gegensatz zum Russen, nicht zurückschießt). Also wollte man sich nicht mit einer 1000-1300g schweren KW "belasten" und trug dann eher die leichte PPK, HSc oder HK-P4 mit sich herum.
War auch der Grund, weshalb KW in 6,35, 7,65 und 9mmkurz als "Offizierswaffen" beim Militär so beliebt waren.
 
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Das kam daher, da die meisten der damals älteren Jäger noch im Kriegseinsatz (1. und 2.WK) gewesen sind und dort schon erfahren mußten, daß eine KW keine "optimale" Waffe für den militär Einsatz war. Für die Jagd dann noch viel weniger (da das Wild, im Gegensatz zum Russen, nicht zurückschießt). Also wollte man sich nicht mit einer 1000-1300g schweren KW "belasten" und trug dann eher die leichte PPK, HSc oder HK-P4 mit sich herum.
War auch der Grund, weshalb KW in 6,35, 7,65 und 9mmkurz als "Offizierswaffen" beim Militär so beliebt waren.
Oder einen kleinen Revolver. S&W Chief Special oder Detective waren damals auch beliebt.
 
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Das schöne ist ja das die alten Eisen heute noch ihren Zweck erfüllen. Es gab schon so einen Trend zum Deutschen Kaliber, zumindest wo ich damals in D gejagt habe... 30-06 erzeugte schon Kopfschütteln 🤣 Geschossen wurde mit schwarzer Waidmannsheil, Tiger oder Horrido , Mars TIG H-Mantel oder KS. Ging damals auch ...
 
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Mauser 66 in .308 mit einem ZF Zeiss 1.5-6x42 und SEM! Vor etwa 30 Jahren gebraucht erworben. Umgebaut von Otto Repa: Stecher raus, Flintenabzug 800g rein. EAW mit S&B 2.5-10x56, paßt auch für DJ.
Neben einem Felddrilling 20/76-5.6x50R mit ollem Zeiss Abs.4 für Raub-/Rehwild die einzigen LW mit Kugel.
Guten Anlauf und eine sichere Kugel!
 
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Noch zur jagdl. Bewaffnung um 1970:

Neckermann und Quelle boten bis 1972/73 auch Jagdwaffen und dazugehörige Munition an. 98er Repetierer und einfache Quer- und Bockflinten, meist aus span. oder osteurop. (ungar., jugoslaw.) Produktion.

Flinte - Repetierer - Drilling bzw. BBF war damals die Standardbewaffnung, evtl. noch ein KK oder ein Repetierer der neuen "Giftbienen" wie .222Rem., .222Rem.Mag., 5,6x50Mag.
Rehwild war um 1970 schließlich mit Abstand die Haupt-Schalenwildart in der BRD und eine 9,3 war allenfalls was für reiche Pächter einer Rotwildjagd oder für den Ostafrikatrip.
"Mehr" als 7x64/x65R sah man nicht für notwendig, die 8x57 galt schon als "zu stark", seit man die durch das Jagdverbot von 1945-53 (in der frz. besetzten Zone, den heutigen Bundesländern RLP und BW bis 1951) stark vermehrten SW-Bestände in den 50ern und frühen 60ern allgemein "abgebaut" hatte.
6,5x57, 7x57 und 7x64 waren wohl nach 1960 die beliebtesten Universal-Schalenwildkaliber für Repetierbüchsen und ihre Rand-Pendanten bei den Kipplaufwaffen mit gezogenen Läufen, wobei die klass. Büchsflinte um 1970 schon keine Rolle mehr spielte, wie noch 10-15 Jahre zuvor.
"Dünn und schnell" war also anno ´70 die Devise und so war auch die superschnelle 6,5x68 bei den Rehwildjägern in der Ebene und den Gamsjägern im Gebirge in aller Munde, bei ebenfalls gutem Rotwildbestand auch noch die 7x66SE.Hofe, wähernd der reine Rehwild-/Gamsjäger auf 5,6x57 oder 5,6x61SEvHofe schwor.
Wer das Glück und v.a. das Geld hatte, sich eine der seit Mitte 60er Jahre fast unbezahlbaren Rotwildreviere entlang der Staatswaldungen pachten zu können, legte sich neben der schon obligatorischen 7mm-Waffe noch einen "dicken" Repetierer in 8x68S oder 9,3x64 zu, für den "einen Lebenshirsch", wenn er denn mal kommen sollte.
Die "bummelige" 9,3x62 war, im Gegensatz zur außenballist. gleichwertigen Randpatrone 9,3x74R in der DB, beim Repetierer als "altbacken" verschrien.
Repetierer waren, wie du richtig bemerkt hast, meist div. 98er Umbauten. Daneben gab es auch Neubauten auf 98er oder 98er-ähnlichen Systemen wie Zastava oder Brünner zg47 bzw. ab 1964 die ZKK.
Einen ebenfalls schon als "veraltet" geltenden Mannlicher Schönauer konnten/wollten sich nur wenige leisten, ebenso die Ende der 60er Jahre neu erschienenen Repetiermodelle Mauser 66 und Steyr Mannlicher.
Dazwischen lag die in den frühen 60er Jahre wohl als erste deutsche "Nicht-98er"-Büchse herrausgekommene Krico 600/700.
Da der US-$ noch auf 3 bis 4,--DM stand, waren amerik. Büchsen weniger vertreten. Bei den Weatherbys hatte man da den Vorteil, daß diese in Deutschland gefertigt wurden und man so teure Importe umging. Daher war die weltweit seltener geführte .300Wby.Mag. damals deutlich bekannter in der BRD als die .300Win.Mag.
Da man sehr zahlengläubig war, gewannen Magnumpatronen mit zölligen Kalibern und Gürtel in den frühen 70ern sehr an Popularität bei den dt. Jägern, v.a. bei denen, die auch auf Auslandsjagdreisen gingen.
Da durch den hohen Dollar Waffenverkäufe nach USA günstig waren, boten die europ. Hersteller ihre Modelle auch in den "neuen" US-Magnumkalibern an. v.a. die 7mmRem.Mag. hatte in Europa ihre "große Zeit" in den 70er und frühen 80er Jahren und dürfte damals weitaus beliebter gewesen sein, als die dann darauf folgend in den späten 80er und 90er Jahren präferierte .300Win.Mag.

Ende der 60er Jahre ging bei der Flinte die Beliebtheit weg von der Querflinte im Kal. 16 hin zur BDF im Kal. 12, was wohl mit dem Enstehen moderner Trap- und Skeetstände zu tun hatte und man nun auch gerne die sportl. verwendete Bockflinte jagdl. führte.
Auf den NW-Jagden mit den (noch) gut besetzten Hasen- und Fasanenbeständen (Rebhühner waren durch die in den 60er Jahren einsetzende Industrialissierung der landwirschaftl. Bearbeitungsmethoden schon stark im Rückgang) wurde auch gerne die SLF, meist die Browning Auto-5, auch da noch durchaus im Kal. 16 anstatt in der kleineren 20er, geführt.
Bei den Bleivorlagen blieb man bei der seit rd. 40 Jahren bestehenden Ansicht, daß "viel auch viel hilft" bei den hohen Vorlagegewichten von 31g bei Kal. 16 und 36g bei Kal. 12.
Beim Verschluß der Schrotpatronen ging man weg vom Bördelverschluß hin zum Sternverschluß, so daß außer zur Jägerprüfung immer weniger wußten, für welche Schrotstärke nun welche Deckelchenfarbe stand.
Auch beim Hülsenmaterial ging man, v.a. bei Sportpatronen von der Pappe zum Kunststoff und vom Filzzwischenmittel zum Kunststoff-Schrotbecher.

Bei den kombinierten Waffen war der klass. Drilling wohl noch die Waffe des Jägers schlechthin. Nur das Kastenschloß war, bis auf teure, ferlacher Spezialanfertigungen, beim Drilling fast komplett aus dem Gedächtnis der Jäger verschwunden.
Die Einsteckläufe gewannen um 1970 auch an Bliebtheit, so daß viele den Drilling nun zur preiswerteren "Triumpfbock" umbauten.
Die Ausrichtung der Machart bei Kipplaufwaffen war noch ganz klar "klassisch", wenn auch, z.B. mit den preiswerten Brünner ZH-Modellen, schon die ersten Baukastenwaffen etabliert waren.
Der letzte Schrei waren Adapterpatronen, die es erlaubten aus den vorhandenen Patronelagern kleinkalibrige Büchsengeschosse bei den Flinten und gleichkalibrige Geschosse kleinerer Patronen aus den Büchsen zu verschießen.
v.a. die Firma Lothar Walther war bei der Entwicklung diese Adapterpatronen und Fangschußgebern sehr rührig.
 
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Sirius fasst alle Fakten dieser Zeit zusammen. Leider reichte es damals bei mir als Schüler nur für eine neue Walther PP in .22lr. 1970 für 312,00 DM bei Frankonia gekauft. 1973 schenkte mir mein Vater eine Krico 600 Luxus in .308 Win.
 
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Ich warja noch ein bisschen früher dabei. 1961 den Schein gemacht. 98er Stutzen 7x57, Querflinte 16/70, dann kam eine Bockflinte für die Tontauben dazu 12/70. In den 70ern dann eine Hornet und LR. Ende der 60er einen 98 er in 8x68S, den hab ich hier oben für die Elchjagd.
Vom Vater erbte ich eine BBF 16/70--7x57 R mit Wechselläufen 16/70. Auch aus der Mitte der 60er. Alle diese alten Waffen habe ich noch und brauche auch nichts moderneres.
 
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bis Mitte der siebziger Jahre, waren viele Jäger reine Treibjagdjäger, die Treibjagden brachten damals gute Strecken und Rehe waren, in den meisten Feldrevieren, nicht sehr zahlreich. Viele Jäger führten deshalb auch nur eine Flinte. Selbst auf unseren Waldjagden, wo Rot-,Dam-Schwarz- und Niederwild bejagt wurde, führten viele Schützen Flinten, oder kombinierte Waffen, meist BBF, oder Drilling. gegen Ende der Siebziger kam die dreißignullsechs, metrische Kaliber wurden out. BBF kamen dann die Winchester hunderteins, Franchi, Büchsen waren Mauser 66, Steyr-Mannlicher, oder Sauer. Verbreitet war die BBF von Sauer&Sohn.N.S. Wer ein Revier hatte, der hatte auch eine Schonzeitwaffe, oft 22 WMR Repetierer von Anschütz z.B.
 
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Anschütz hatte damals auch noch einen guten Namen.

Und bei Ruger konnte man Waffen kaufen, die Waren aus Holz und Metall.

Remington hatte ne Pistole für .221 Remington Fireball

Und von Thompson Center gabs die Contender,... in 7-30 Waters.

Von Santa Barbara gabs einen 98er Repetierer als Bausatz zum selber zusammenbauen.

Und von Brünner gabs die Seitenschloss-Doppelflinte mit englischem oder deutschen Schaft, mit oder ohne Ejektor und mit oder ohne Gravur, und mit 12er oder doch bloß 16er.

Und für die ganz bösen Buben aus der Forstverwaltung gabs den 770er Automaten von H&K.

:cool:


Gruß

HWL
 
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Als Lehrling kaufte ich mir ab 1964 bei Waffen Erdelt in Neustadt an der Weinstraße das Deutsche Waffen Journal .
Meine absolute Traumwaffe war die Mauser 66S Diplomat ( heute immer noch )
 
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Meine erste richtige Waffe ( 1967) war eine Quelle-Mars-Büchse in 7x64, hergestellt von Parker Hale/ England, das ersteGewehr 1960 ein Diana 23!
 
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