Eine Frage an die Förster unter euch

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Ich würde definitiv eine Forstwirtausbildung vor dem Studium empfehlen.
Das ist vergleichbar mit dem Zimmerer und Architekten.

Die Waldbesitzer nehmen dich als Förster anders wahr, wenn du schon selbst ein paar Jahre im Wald gearbeitet hast - man berät auch anders, weiß die Maßnahmen praktischer umzusetzen, etc. In der Branche verdient man sich den Respekt nicht ausschließlich durch Fachjargon, sondern wenn man sich selbst schon die Hände schmutzig gemacht hat und die Waldbauern vor allem mit der aktuellen Kalamitätssituation praxisnah beraten kann. Es hilft einem Waldbesitzer recht wenig, wenn man ihm den ausscheidenen Bestand auszeichnet und er bei jedem zweiten Baum eine technische Entnahme (zusätzlicher Baum fällen) machen muss, damit er den Gekennzeichneten überhaupt auf den Boden kriegt - so als Beispiel.

Die Waldbewirtschaftung hat Bestand, als Urproduktion. Es wird zwar in vielen Bereichen immer ökologischer und naturschutzlastiger, aber Wälder sollten für eine CO2-Bindung und Klimastabilität auch weiterhin bewirtschaftet werden. Bei uns im Schwarzwald steht das im Kommunal- und Privatwald an erster Stelle, der Markt boomt.

Ich würd jedenfalls keinen anderen Job haben wollen, als mich im Privatwald durchzukämpfen. Man kommt viel rum, sammelt jeden Tag neue Erfahrungen mit verschiedenen Charakteren und muss Lösungen für eine sinnvolle Holzbereitstellung im Kleinprivatwald finden.

:cool:
 

z/7

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Wie viel Forsthaus Falkenau Idylle steckt denn noch im Beruf des Försters? Ist das mittlerweile nicht überwiegend ein gewöhnlicher Bürojob als Holzverkäufer mit etwas Verwaltungsarbeit geworden?
Das was Otto N. als Förster wahrnimmt, also der gehobene Dienst, war in großen Betrieben noch nie für mehr als Brennholzverkauf zuständig. Holzverkauf ist traditionell Sache des höheren Dienstes. Wenn er beruflich viel draußen sein möchte, ist der gehobene Dienst die bessere Wahl, auch wenn da die Schreibtischtätigkeit ebenfalls zugenommen hat.

Nach Aufgabe der Einheitsforstämter gibt es neben der Entscheidung zwischen Privatbetrieben und Landesforst inzwischen auch die Wahl, ob er in den Staatsforstbetrieb geht, und da ein Revier organisiert, oder in die Verwaltung, also die Beratung der Waldbesitzer einer Region.

Daneben gibt es noch eine Menge anderer Betätigungsfelder, er kann sich als Forstunternehmer selbständig machen, als Förster für eine FBG oder WBV oder andere forstliche Vereinigung arbeiten, in die Wissenschaft und Forschung (FVA, LWF...) gehen, als Sachverständiger sein Leben fristen oder in anderen Umweltbereichen arbeiten, Wasserwirtschaft z.B.. Und natürlich die gesamte am Holz hängende Wirtschaft, vom Sägewerk bis zum Harvestersoftwareprogrammierer.

Forsthaus Falkenau ist nur ein winziger Ausschnitt der möglichen Betätigungen.
 
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Ich würde mir das mit einer Lehre sehr gut überlegen. Das hilft vielleicht ein kleines bisschen wenn man wirklich im Revierdienst landet (egal ob Staat, Beratung, Kommune), aber es ist nicht notwendig. Wer einigermaßen pfiffig und sozialkompetent ist, seine Ferien und das Praxissemester sinnvoll nutzt, der braucht das IMHO nicht. Wer sich später eher im Versuchswesen, technischen Bereichen wie GIS o.ä. sieht verliert (von eventueller Persönlichkeitsbildung mal abgesehen) 2 - 3 Jahre - das ist äquivalent zu dem Bachelor-Studium. Und jetzt kann man noch besser sagen, wie die Chancen in 4 Jahren nach Studium und Anwärterzeit aussehen, in 6 - 7 Jahren ist das schon wieder sehr viel Glaskugel. Der Sohn vom TS macht aktuell ein FÖJ im Forstamt, das sollte ihm genug Einblick geben wenn er das mit dem FAL entsprechend abstimmt.
 
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Die Forstwirtschaft unterliegt zur Zeit einer Dynamik und immer schnelleren Veränderungen als jemals zuvor.
Jede Prognose über 3 Jahre hinaus würde ich als unseriös einschätzen.
Es gibt eine Aussage, Holz wird gebraucht.

Wo und wie das produziert wird und ob man das in annähernd nachfragedeckenden Mengen zur Verfügung stellen will entscheiden andere.

Mein Blick in die Glaskugel sagt mir, der klassische Förster hat mittelfristig ausgedient.
Auf Ökosystemmanager wirds rauslaufen
 

z/7

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Auch dafür hätte er mit diesem Studium ne gute Grundlage.

Besser imho, als viele dieser neuschickschen Studiengänge für fachübergreifendes Ressourcenmanagement und wie sie alle heißen. Und zwar deshalb, weil er lernt, über große Zeiträume vorauszudenken. Ein Vielzahl unterschiedlichster Faktoren bei Entscheidungen zu berücksichtigen. Und weil er lernt, wie Natur im Ganzen funktioniert.
 
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Ich würde mir das mit einer Lehre sehr gut überlegen. Das hilft vielleicht ein kleines bisschen wenn man wirklich im Revierdienst landet (egal ob Staat, Beratung, Kommune), aber es ist nicht notwendig. Wer einigermaßen pfiffig und sozialkompetent ist, seine Ferien und das Praxissemester sinnvoll nutzt, der braucht das IMHO nicht.

Ein kleines bisschen? Man lernt viel besser aus Erfahrungen, die man selbst gemacht hat. Wenn man auf einer Funktionsstelle auf der Förderung landet, da geb ich dir Recht. Da braucht man nicht zwingend eine vorherige Ausbildung. Sobald du aber Holzernteeinsätze koordinieren sollst, wirst du von erfahrenen Waldarbeitern (sei es kommunale Rotte oder eingefleischter Unternehmer) gefrühstückt, wenn du spontan keine fundierten Entscheidungen treffen kannst. Auch bspw. bei der Sortenbildung hilft eine Ausbildung deutlich mehr, wenn man jahrelang Holz vermessen hat und eine Schätzung von anfallender Menge nicht im Taschenrechner vor Ort nachgerechnet werden muss. Ich hab genug Kollegen, die im Studium richtige Überfliegerabiturienten waren, im Gegenzug auch 3er Kandidaten, welche sich zuvor im Wald einen abgeschafft haben. Wer letztendlich auf der Fläche liefert steht außer Frage. :)
Sobald man in den Revierdienst möchte, ist der Forstwirt m.M.n. unabdingbar.
 
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Wer nie fürs eigene Geld gearbeitet hat, wer nie am Ende des Geldes zuviel Monat hatte, wer immer nuir von Papas Kohle gelebt hat, der wird es schwerer haben, die Sorgen "seiner" Waldbesitzer nachzuvollziehen.
Und deswegen ist eine Ausbildung nicht nur aus fachlichen, sondern auch aus Gründen der Persönlichkeitsbildung ausgesprochen hilfreich.
 
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Sorry, aber das ist Glorifizierung der eigenen Vergangenheit, aber nicht zielführend oder generalisierbar. ;)

Wer als Studi an Papas Füllhorn hing und nicht mit wenig BAFöG und Nebenjobs über die Runden zu kommen gelernt hat, der hat da natürlich Pech. Für die von @busker geforderte berufliche Performance in Sachen Entscheidungsfindung gibt es die Anwärterzeit und wäre ich FAL und "meine" Waldarbeiter "frühstückten" einen jungen, sich einarbeitenden Kollegen, der sich redlich bemüht, dann träte ich die, und Gelegenheiten dazu findet man als FAL genug, wenn man will.
 
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Liebe Förster, streitet euch nicht. Mir und auch meinem Sohn ist klar, dass verschiedene (auch Um-) Wege zu einem guten Ziel führen können.
Das mit der Lehre ist ein sinnvoller Vorschlag und ich halte es immer für hilfreich, ein solides Handwerk gelernt zu haben, sogar dann, wenn man später etwas ganz anderes gemacht hat. Ich selbst hätte gerne eine Schreinerlehre gemacht, aber wie @cast schrieb, war damals mit Abitur kaum ein Betrieb zu finden, der Abiturienten ausbilden wollte. Die Ausbildung hätte mir sicher in manchen Situationen weitergeholfen.
Aber er muss das entscheiden und er wird auch seinen Weg finden.
Ich habe auf jeden Fall den Eindruck, dass fast alle hier ihren Beruf gerne ausüben und ihn als sinnvoll erachten.
Die Aussicht, einen Job zu finden, ist auch nicht schlecht und mehr kann man doch heutzutage kaum erwarten. Wenn man seinen Job gerne macht und seine Familie ernähren kann, ist das doch sehr viel .
Vielen Dank, dass ihr eure Erfahrungen mit uns geteilt habt, das hilft ihm sicher weiter.
Liebe Grüße und Wmh
WW
 
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Ehrlich gesagt ist die Frage nach Ausbildung immer an den Studienwunsch geknüpft.
Aber bevor er Bäcker lernt und dann Jura studiert wäre ein einjähriger Auslandsaufenthalt mit Sicherheit zielführender. Auch wenn Kuchen und Brot zu hause nie schlecht sind. 😁
Work&travel bspw.
Das ist zwar Pandemie bedingt aktuell nicht möglich, aber ich kenne einige junge Leute die das hinter sich haben und eigentlich alle haben davon deutlich profitiert und zwar imho mehr als von einer Ausbildung, bei der man am Besten noch bei den Eltern wohnen bleibt.
Es ist mittlerweile lächerlich in welchem Alter, bedingt durch fehlenden Wehrdienst, Abitur nach 12 Jahren und Bologna manche ein Studium schon beendet haben.
Die jüngste Praktikantin die ich hatte, mit Bachelor in Umwelttechnik war ein 21jahriges Kind. Anders kann man es nicht sagen. Master drangehängt wäre sie mit ca 23 voll ausgebildet. Nur wenn ich mir daß dann auf einer Baustelle vorstelle.:ROFLMAO:
 

z/7

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Pauschal kann man das nicht sagen. Hängt viel davon ab, was das Elternhaus zuläßt bzw. ermöglicht oder vorlebt.
 
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Sorry, aber das ist Glorifizierung der eigenen Vergangenheit, aber nicht zielführend oder generalisierbar. ;)

Wer als Studi an Papas Füllhorn hing und nicht mit wenig BAFöG und Nebenjobs über die Runden zu kommen gelernt hat, der hat da natürlich Pech. Für die von @busker geforderte berufliche Performance in Sachen Entscheidungsfindung gibt es die Anwärterzeit und wäre ich FAL und "meine" Waldarbeiter "frühstückten" einen jungen, sich einarbeitenden Kollegen, der sich redlich bemüht, dann träte ich die, und Gelegenheiten dazu findet man als FAL genug, wenn man will.

Manche Sachen lassen sich in der Theorie wohl gut umsetzen, in der Praxis aber nicht. Das ist in vielen Berufen so. In jedem Fall wertet es deine berufliche Qualifikation um Welten auf. Und wenn ich beobachte, was oftmals nach einem Anwärterjahr oder der Traineezeit raus kommt, bestärkt es meine Einstellung umso mehr, dass man Forstwirtschaft besser Dual oder nach Forstwirtausbildung studieren sollte.
 
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