Einfluss vom Wolf auf die Jagdpraxis

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15 Dez 2013
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#1
In unserem 1000ha (2/3 Wald 1/3 Feld einsam gelegen ohne grossen Publikumsverkehr) Revier haben wir Wölfe bestätigt. Seit 5 Jahren eine Vermutung seit 2 Jahren regelmäßige Sichtungen ( KEIN RUDEL !).
Auf der Kamera war noch keiner. Aus den Sichtungen ergibt sich mindestens das Bild von 2 unterschiedlichen Wölfen. Sie kommen nie gleichzeitig.
Seit 5 Jahren vermuten wir es lediglich .
Folgendes Bild ergibt sich :

Rehwildsichtbarkeit nimmt ab
Dam und Rotwild kommt in GRÖSSEREN Gruppen vor die sich sehr unruhig verhalten.
Generell gibt es Tage da läuft einen ALLES fast um .... im wahrsten Sinne des Wortes...
Dann gibt es aber Tage fast Wochen da sieht mann generell NICHTS !!!!!

Wir haben seit 2 Jahren die Möglichkeit auch in der Nacht grosse Flächen mit Thermalsicht abzuleuchten. Dies tun wir gezielt ohne Jagdabsicht -um das Wildvorkommen nicht nur so zu vermuten - sondern auch um uns ein Bild zu machen was denn bei uns an Schalenwild läuft.
Nie war es so ernüchternd wie im Mai letztens Jahres bzw Mai diesen Jahres.

Ab Mitte April wurde bei uns der Versuch gemacht Schalenwild /Rehwild zu bestätigen.

Wenn wir in einer Woche mit 8 Jägern gemeinsam sitzen und 3 weibliche Stücke in Anblick kommen dann ist das für unsere Verhältnisse zu wenig.
Um es im Vornherein auszuschliessen : Wir schiessen sehr wenig Rehwild vielleicht 15 bis 20 Stück p Jahr auf 1000ha ( 2/3 Böcke sonst weiblich)
Allerdings hat im Vergleich zum Vorjahr der Damwildabschuss zugelegt.

Gibt es eine Empfehlung wie wir mit dem Wolf jagen könnte bzw wie mann die Strategien der Jagd anpassen könnte?

Bis heute haben wir nochnichtmal einen Bock gesehen-bei günstigsten Rahmenbedingungen...
 
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16 Dez 2012
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#2
Du beschreibst die Situation mit den Wölfen sehr gut.
Sollten sich die Theoretiker hier genauer durchlesen, die bisher nur von Wölfen aus der Ferne hörten.

Nicht alles Wild wird aufgefressen, aber vertrieben!

Habe neulich mit einem Reviepächter nicht sehr weit von meinem Revieres gesprochen, der immer Damwild als Standwild hatte, seit die Wölfe da sind (2015) kommt Damwild prakrisch nicht mehr vor.

Warte mal ab, bis Eure Wölfe ein Rudel mit Nachwuchs haben. Dann muss viel mehr Futter her und dann müssen die Wölfe viel mehr jagen.

Deine Jagdstrategie: Schieß wenn du etwas siehst, ob du es noch einmal wieder siehst ist ungewiss.

TH
 
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#3
..... genau , das sind die Symptome , so hat es hier auch angefangen, wenn du dann abends auf Ansitz bist und gar nichts siehst..... bist im fortgeschrittenen Stadium , :evil: ...
ho61
 
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#4
Damwildbrunft wirst du auch kaum noch erleben bzw Hirsche bestätigen können.Ist ja auch klar was sollen die Tagelang in ihren Kuhlen warten bis der Wolf die auffrisst.Was er nicht bekommt wandert ab bzw wird sehr heimlich.
Wir hatten den Wolf jetzt ein paar mal in unserem Revier,jeweils nur ein paar Tage,aber alles Wild war über Wochen verschreckt und das Rotwild schälte dadurch in den Beständen stark.Rudel mit 15Stück + gab es vorher auch eher selten.Jetzt eher die Regel als irgenwo Einzelstücke zu sehen.
 
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#5
..... genau , das sind die Symptome , so hat es hier auch angefangen, wenn du dann abends auf Ansitz bist und gar nichts siehst..... bist im fortgeschrittenen Stadium , :evil: ...
ho61
Rehwild wird tagaktiver unter dem Wolf. Man kann einfach so weiter jagen wie vor dem Wolf und dann jammern oder sich mit den Jagdgewohnheiten anpassen. Mehr als 15 Jahre Wolf und wir schießen nicht weniger, nur anders. Wenn wir mal irgendwann weniger Rehwild haben, dann hat der angrenzende Forst sein Ziel erreicht. Der stellt dem Reh gnadenloser nach als der Wolf.

Die Zeiten in denen man die Uhr nach dem Wild stellen konnte sind vorbei. SW kommt in größeren Rotten, ob das am Wolf oder Mais/Raps liegt kann ich nicht sagen. Weniger wirds auf keinen Fall. Damwild und Rotwild habe ich unter dem Wolf mehr als früher, weil der Wolfsdruck dazu führt, daß es weiter nach außen wandert. Der Wolf rottet Wild nicht aus, er verändert nur dessen Aktivitäten und Einstände. Das kann das eine Revier freuen, während das andere weint...
 
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#7
Wieso wird Rehwild tagaktiver, und wieso reduziert sich der Bestand nicht bzw wird weniger sichtbar ?
Ich muss noch ergänzen das wir bei unserem "Monitoring" natürlich nicht nur in der Nacht aktiv sind-sondern auch am Tag- und auch da sehen wir "NIX"
 
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#8
Moin!

Der Wolf ist auch überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Durch eine Umstellung im Tagesrhythmus kann das Rehwild dem Wolf ausweichen. Für das Rehwild funktioniert das solange, wie der Wolf seinen Rhythmus nicht umstellt und es nicht vermehrt in andere Gefahren reingerät, also solange der Wolf genug andere Beute hat (die nicht primär durch Änderungen im Zagesrhythmus reagiert) und nicht auf das Rehwild angewiesen ist (und die Zweibeiner tags arbeiten gehen ;-) ).

und wieso reduziert sich der Bestand nicht bzw wird weniger sichtbar ?
Weil Wild bis zu einem bestimmten Grad auf Jagddruck mit einer höheren Zuwachsleistung reagieren kann und andererseits Wild neben einer zeitlichen Umstellung des Tagesrhythmus auch mit einer Änderung der Aktivitätszonen reagiert. Dazu kommt, dass - und das kannst nur Du beantworten - sich auch die Vegetation so geändert haben kann, in den letzten Jahren, dass der Aktivitätsradius nicht mehr so groß sein muss wie vor 10, 20 Jahren. Sowas beobachten wir hier z.B. in leicht von Sturmwürfen durchbrochenen oder stark durchforsteten Beständen, in denen sich Naturverjüngung und Bodenflora stark etabliert haben. Gerade Rehe sind da zu bestimmten Zeiten fast wie angebunden.

Viele Grüße

Joe
 
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#9
wieso reduziert sich der Bestand nicht bzw wird weniger sichtbar ?
Aus dem gleichen Grund, warum im Forst das Rehwild nicht abnehmen will. Selbst wenn der Wolf jeden zweiten Tag ein Reh reißen würde, wäre das auf die riesige Fläche seines Streifgebietes ein Witz gegenüber den Abschussquoten in den Forsten. Einfach mal nachrechnen was auf >20.000 ha Fläche an Rehwild erlegt wird und sich dann fragen, wie viele Rehe der Wolf am Tag reißen müsste, um ähnlich zu wirken. Er frisst aber bekanntlich nicht nur Reh und reisst auch nicht täglich etwas.

Trotzdem ist es natürlich so, daß sich seine Risse nicht statistisch gleichmäßig im Streifgebiet verteilen. Deshalb wird es immer Gebiete innerhalb des Streifgebietes geben, die im Wildbestand mehr oder weniger oder auch überhaupt nicht leiden. Dazu kommen die schon erwähnten lokalen Einstands- und Wechselveränderungen der einzelnen Wildarten.

Weil sich aber kein Jäger beim Wolf öffentlich bedanken wird, daß er jetzt für Niederwildpacht auch Rot- oder Damwild im Revier hat :lol: kommt öffentlich immer nur zu Gehör, daß im Revier XY immer weniger erlegt werden kann. Wenn das Nachbarrevier aber plötzlich mehr Strecke macht, hängt man das jedoch nicht an die große Glocke.

Das ist der Grund, warum die Gesamtstrecken in der großen Fläche halber oder ganzer Bundesländer trotz teilweise 200 streifender oder fest verorteter Wölfe nicht wirklich signifikant sinken.
 
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#10
Wir profitieren momentan vom Wolf in den Nachbarrevieren :trophy: Deutlich mehr Rot und sogar Dammwild, Rehe haben wir eh mehr als genug! Das ist aber nicht wirklich schön, denn den Wolf interessieren keine Reviergrenzen und nur wenige Km von hier gibt es immer wieder Sichtungen und Risse!
Das ist großer Mist
 
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#11
Also wenn der Wolf mal wieder bei uns im Revier war, hat man das ganz einfach daran erkennen können, dass man überhaupt keinerlei Anblick hatte und es im Wald so still war das man ne Nadel hätte fallen hören!
Wenn er beim Nachbarn unterwegs war hat man plötzlich sehr viel Anblick gehabt und wenn er in ner ganz anderen Ecke unterwegs war ist alles beim alten.
Deswegen hatte ich beschlossen wenn ich 2 Stunden ohne irgendwelchen Anblick gehabt zu haben saß wieder Heim zu fahren und ein paar Tage später erneut zu sitzen.
 
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#12
.... und genauso ist es , alles andere ist mehr als dämlich , und wenn einer da behauptet , das die Reproduktionsrate bein Rehwild durch den Einfluss des Wolfes erhöht , der gehört in Zoo , integriert ins Rudel ... soviel Idiotie wie hier in diesem Forum hab ich noch nicht erlebt ,....
einfach erschreckend.... das deutsche Waidwerk ist dem Untergang geweiht .... ganz schlimm
ho61
 
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#13
Weil sich aber kein Jäger beim Wolf öffentlich bedanken wird, daß er jetzt für Niederwildpacht auch Rot- oder Damwild im Revier hat :lol: kommt öffentlich immer nur zu Gehör, daß im Revier XY immer weniger erlegt werden kann. Wenn das Nachbarrevier aber plötzlich mehr Strecke macht, hängt man das jedoch nicht an die große Glocke.

Das ist der Grund, warum die Gesamtstrecken in der großen Fläche halber oder ganzer Bundesländer trotz teilweise 200 streifender oder fest verorteter Wölfe nicht wirklich signifikant sinken.
Tja dann hat man ein Revier gepachtet. Da ist Rotwild nur Wechselwild, es wird alle zwei Jahre ein Stück erlegt. Soweit so gut. Und dann taucht nach der Jagdzeit ein 80!!!köpfiges Rudel auf, keiner weiß woher. Das stellt sich dann jeden Abend auf einen Rapsacker ein, tagsüber schält es dann das angrenzenende Fichtenstangenholz....keine fiktive Geschiche sondern Anruf eines Pächters bei mir, was er machen soll.
Da stellt sich zum wiederholten Mal die Frage....? Die kann jeder für sich dann selbst weiterspinnen und beantworten.Wir befinden uns im Zustand der galoppierenden Ver****ung und Wohlstandsverwahrlosung.
 
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#14
Ist immer blöd, wenn die Revierpacht über die Jahre nicht so läuft, wie in der Planwirtschaft festgelegt. Plötzlich sind die Muffel weg, dafür stellt sich Rotwild ein und statt nur überschaubarer Schäden, drehen die Sauen plötzlich so richtig auf. Der Land- oder Forstwirt, der jahrzehntelang ein verlässlicher Partner war, vererbt oder verkauft seine Scholle und der Nachfolger schreibt fleissig fette Rechnungen. So ein Revier kann wie ne Wundertüte sein.

Nur bei den Sauen setzt es im Forum schnell den Spruch, der Pächter wäre ja selbst so blöd gewesen sich das Revier auf den Buckel zu laden oder keine Pauschale vereinbart zu haben. Andere Reviere versuchen ALLES erlaubte oder nicht erlaubte, um sich Rot- oder SW ins Revier zu ziehen...

Ließ mal im Forum die Fäden über Vergrämung von Rotwild oder frag im Erzgebirge nach. Da hat man das Rotwild aus ganzen Gebieten verdrängt, damit der Weißtannenanbau dort keinen Schaden nimmt. Einen Wolf hats dazu nicht gebraucht und da sich das RW nicht in Luft auflöste, hatten andere Reviere plötzlich den Schaden. Da war nur Schulterzucken oder Grinsen von Verursacher bis Jagdbehörden.

Ich will das nicht kleinreden, aber mal ehrlich. Warum ist beim Wolf immer alles Katastrophe, was bei anderen Verursachern oder Ereignissen nur Schicksal oder "blöd gelaufen" ist?
 
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#15
In unserem 1000ha (2/3 Wald 1/3 Feld einsam gelegen ohne grossen Publikumsverkehr) Revier haben wir Wölfe bestätigt. Seit 5 Jahren eine Vermutung seit 2 Jahren regelmäßige Sichtungen ( KEIN RUDEL !).
Auf der Kamera war noch keiner. Aus den Sichtungen ergibt sich mindestens das Bild von 2 unterschiedlichen Wölfen. Sie kommen nie gleichzeitig.
Seit 5 Jahren vermuten wir es lediglich .
Folgendes Bild ergibt sich :

Rehwildsichtbarkeit nimmt ab
Dam und Rotwild kommt in GRÖSSEREN Gruppen vor die sich sehr unruhig verhalten.
Generell gibt es Tage da läuft einen ALLES fast um .... im wahrsten Sinne des Wortes...
Dann gibt es aber Tage fast Wochen da sieht mann generell NICHTS !!!!!

Gibt es eine Empfehlung wie wir mit dem Wolf jagen könnte bzw wie mann die Strategien der Jagd anpassen könnte?
Ähnliche Grundsituation: 900ha, (2/3 Wald, 1/3 Feld), allerdings ist der Feldteil recht ortsnah mit doch einigem Publikumsverkehr.
Wolf sporadisch seit knapp 10 Jahren, dauerhaft (Rudel inkl. Wurfhöhle "um die Ecke") seit 5-6 Jahren.

Aktueller Erkenntnisstand ist, dass das Verhalten des Wildes sich dem Verhalten des Wolfes anpasst (was ja keine große Überraschung ist).

Im Sommerhalbjahr halten sich die Wölfe meist in den großen Waldgebieten auf, wo unser Waldanteil praktisch am Rand liegt. Wenn man die Wildkamera-Fotos an der Wurfhöhle ansieht, stellt man fest, dass die Altwölfe als Nahrung für die Welpen hauptsächlich Kleingetier (also tatsächlich Mäuse, Ratten, Nutria, Hasen), seltener mal ein Kitz, Reh oder Frischling und in nur Ausnahmefällen auch was Größeres antragen. Sie scheinen dann auch eher einzeln zu jagen und nicht oder weniger im Rudel. Entsprechend verhält sich das Wild:

Rehwild sehr heimlich im Wald, "normal" im Feld
Rotwild im Wald und Feld in Kleinrudeln unterwegs wie in den Zeiten vor dem Wolf; die scheinen gelernt zu haben, dass sie in dieser Zeit nicht die Hauptbeute sind.
Schwarzwild analog zum Rotwild; auch die scheinen zu wissen, dass von den vornehmlich einzeln jagenden Wölfen keine allzu große Gefahr ausgeht.

Im Winterhalbjahr nähern sich die Wölfe zunehmend den Kühlschränken und Drive-Ins in Siedlungsnähe (also Wildgatter, Schafhaltungen, aber auch das eine oder andere Haustier soll schon "Beifang" gewesen sein...) und dass dann auch in Rudelstärke. Auch im Wald sieht man die Wölfe im Gegensatz zum Sommer im Rudel, allerdings tatsächlich deutlich mehr in Feldnähe als im Sommer. Dann ändert sich das Verhalten des Wildes massiv:

Rehwild überall kaum sichtbar.
Rotwild in großen bis sehr großen Rudeln mit häufigen teilweise sehr großräumigen und kurzfristigen Standortwechseln und fast ausschließlich im Wald; die früher üblichen Ausflüge zur Nachlese ins Feld unterbleiben fast vollständig.
Analog zum Rotwild das Schwarzwild; große Rotten im Wald, deutlich weniger Aktivität im Feld als früher.

Jagdlich bedeutet das: im Sommer annähernd "Jagd wie immer", allerdings mit teilweise deutlich geringeren Rehwildstrecken im Wald.
Im Winter wird die Jagd zum Glücksspiel. Rehe sind nur sehr schwer zu bejagen, Rotwild und Sauen muss man eben Glück haben, dass sie bei passender Witterung / Wind etc. im eigenen Revier stehen. Schon ein paar Tage später können sie dann wieder für Wochen verschwunden sein. Wenn das gerade zur Brunft in einem ehemals hervorragenden Brunftrevier passiert, ist das dann natürlich Pech...

Auch auf den großen revierübergreifenden Drückjagden merkt man das: in einigen Revieren enorme Strecken, in anderen nix. Und das kann sich dann ein Jahr später wieder komplett gedreht haben. Die Gesamtstrecken gehen in den letzten Jahren zurück, über die Gründe dafür streiten aber die Gelehrten noch ;)
Auf den Drückjagden hat sich vor allem das Verhalten der Sauen massiv geändert: größere Rotten, die sich nicht mehr sprengen lassen und die Hunde aggressiv angehen. Die "Experten" hier im Forum behaupten zwar, dass das nix mit dem Wolf zu tun hat, aber da kann man wohl geteilter Meinung sein.

Was noch passiert: die jagdliche Disziplin geht den Bach runter. Immer mehr Jäger argumentieren mit "wenn ich jetzt nicht schieße, frisst es der Wolf". Einen stark aufhabenden 3jährigen Bock lässt kaum mehr jemand noch 2-3 Jahre laufen, weil das Risiko, dass der vom Wolf gefressen wird, zu hoch ist. Die "alte" Vorstellung von Hege (tatsächlich hat ja manch einer noch seine persönliche Freude an einem alten, starken Bock, den er über Jahre beobachtet und geschont hat) kann man vergessen.

Das sind aber alles nur subjektive Erfahrungen ohne Anspruch auf irgendwas!

Was kann man nun jagdlich tun? Keine Ahnung! Wir jagen im Sommer weitgehend normal wie früher, und im Winter hoffen wir auf unser Glück und das Pech des Nachbarn. ;-) Einige mittlerweile pensionierte Förster, die auf den entsprechenden Truppenübungsplätzen und Schießbahnen die ersten Wölfe hier in der Region hatten, zeigen heute gerne bei Vorträgen Fotos, die ein wenig wie Serengeti aussehen: vorne liegt das Wolfsrudel in der Heide, hinten zieht das Rudel Rotwild vertraut äsend vorbei. Aussage: das spielt sich ein. Das mag auf den zigtausenden Hektar dieser Reviere stimmen, wo die Jagd eher ein notwendiges Übel ist; am Ende des Jahres passt dann auch die Gesamtstrecke.

Aber wer sein Revier nicht nur für 2-3 möglichst effektive Drückjagden, sondern auch für ein ganzjähriges jagdliches Erleben gepachtet hat, muss sich auf eine deutlich veränderte Jagd einstellen und wahrscheinlich damit leben.
 
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