Freiheit für den Hirsch;

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#31
Ganz einfach: keine Abschüsse (auch nicht vor Rehwild o.ä.) auf diesen Äsungsflächen. Dann lernen die ziemlich schnell, dass sie da sicher sind und stehen nicht furchtsam und vor Hunger schälend im naheliegenden Stangenholz, bis das Jägerlein wieder abgerückt ist.
Das ist keine Antwort auf meine Frage. Wenn die nur noch auf Flächen stehen, wo man sie mit Fleiß nicht schießt oder ebent in der Deckung, denn blöd sind sie ja nicht, WO willst Du sie dann schießen?
 
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#33
Ich denke dass ich nach 43 Jahren im Rotwildkerngebiet schon etwas mitreden darf. Man muss aufpassen dass man vor lauter Einschränkungen nicht über die eigenen Beine fällt. Das Rotwild meidet alle Orte an denen geschossen wurde, egal ob Äsungsfläche oder Wechsel. Nur einen Wechsel kann das Rotwild ändern, eine Äsungsfläche in den meisten Fällen nicht. Rotwild ist im Mittelgebirge eine Wildart mit geringem Unterhaltungswert. Ansitzen vor der Jagdzeit um schauen was wo wechselt ist grundverkehrt. Dafür gibt es Wildkameras. Wenn ich rausgehe, dann um zu schießen und nicht im Wild zu baden. Das kann ich in CZ auf den großen Wiesen machen. Da komme ich in aller Regel später wieder ungestört weg.
Wichtig ist es, dass dem Wild mehrere Äsungsflächen zur Verfügung stehen, ich hatte in meine Pirschbezirk 7 Grünäsungsflächen, 2 km Loipenstreifen und eine Ortsflur. Die Ortsflur mit der guten Äsung war tabu. Aber später im Jahr bin ich dann doch mal hin. Man braucht ein wenig Gespür für das Wild. Bei dem Äsungsflächen hatte ich zwei heilige Hallen, da wurde nur der Wechsel angezapft. Aber in der Brunft bin ich auch dort mal hin mit einem Gast. Aber keine Dauerbelagerung. Es gab bei mir nur wenige Rehe. Die stellten sich nur auf den Äsungsflächen ein, wenn kein Rotwild da war. Plötzlich waren die Rehe da. Nachdem diese für den Verbiss verantwortlich waren, habe ich auf den Äsungsflächen dann auch Rehwild geschossen, wenn die Wildkamera kein Rotwild zeigte.
Eine ganze Reihe von Foristi haben bei mir gejagt und ich denke sie können das bestätigen.
 
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#34
colchicus, mir ist jetzt die quintessenz aus deinen ausführungen nicht klar. in meinem post hast du das als bla bla abgetan und jetzt sagst im prinzip das gleiche, indem du auf genügend grünflächen abstellst, nur dass du geschickt hinten runter fallen lässt, wie zu verfahren ist wenn nicht genug grünflächen da sind.

der typische bjv´ler würd jetzt sagen, ja dann müssen wir die flächen ebend schaffen und holt die bauern und den lieben gott ins boot und schießen ist sowieso keine ausreichende lösung. soll ich dich auch so verstehen?

was das schießen auf diesen flächen anbelangt bzw. das verhalten des rotwildes darauf, hab ich keine erfahrungen, jedoch die geschilderten auch zuhauf beim rehwild gemacht und beim schwarzwild ist es gleich nochmal so. man kann jede schalenwildart von einer fläche vergrämen......

strategien zur bejagung gibts aber mehrere, wie hier auch schon angedeutet wurde. entlang der wechsel anhocken, schneisen nützen und und und. viel entscheidender ist aus meiner sicht doch aber die frage, wieviel rotwild das habitat verträgt und ob es eine korrelation mit der grünfläche geben sollte.

der faden hat das thema "freiheit für den hirsch". also sollte man im auge behalten, wie man das gebacken kriegen könnte oder ob es doch nicht so sinnvoll ist unter der prämisse schadensminimierung.

du hast zwar viel viel praxiswissen, drückst dich aber elegant um konkrete handlungsvorschläge. ;)

eine neue frage hätte ich noch: wieso gibts eigentlich im mittelgebirge so viel nachfrage nach masochistischen rotwildrevieren mit unlustigem unterhaltungswert wie du schreibst? ist das so, wie bei den sauenrevieren, wo sie sich bereits ab 5 oder 6 euros den hektar ehrenamtlich aufopfern? :cool:
 
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#35
... noch ne überlegung bei evtl. freilebendem rotwild ....

könnte man nicht auch im mittelgebirge dem rotwild mehr ruhe auf den flächen gönnen, indem man mit zwei intervallen je 4 sammelansitze in der brunft bzw. feistzeit zuzügl. einer bewegungsjagd in 10/11 die reduktion möglichst effektiv vornimmt?

durch die lange jagdruhe wäre das rotwild wieder vertrauter. alttier, schmaltier, kalb im familienverband liesen sich vielleicht besser ansprechen, verlässlich wildbret zu genau bestimmten zeiten... eigentlich nur vorteile oder?
 
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#36
colchicus, mir ist jetzt die quintessenz aus deinen ausführungen nicht klar. in meinem post hast du das als bla bla abgetan und jetzt sagst im prinzip das gleiche, indem du auf genügend grünflächen abstellst, nur dass du geschickt hinten runter fallen lässt, wie zu verfahren ist wenn nicht genug grünflächen da sind.

der typische bjv´ler würd jetzt sagen, ja dann müssen wir die flächen ebend schaffen und holt die bauern und den lieben gott ins boot und schießen ist sowieso keine ausreichende lösung. soll ich dich auch so verstehen?
Als typischer BJV-ler sage ich ja dann müssen sie eben geschaffen werden. Und damit meine ich im Waldrevier. Ich habe hier vor einigen Jahrzehnten gewaltige Bemühungen zur Äsungsverbesserung erlebt, dilletantisch durchgeführt von Forstleuten. Tausende Weidensteckhölzer wurden in den saueren Boden gerammt, ein Auge schaute raus. Proßholzflächen sollten es werden.
Dazu noch ein völlig überhöhter Bestand und da nützt die ganze Äsungsverbesserung nichts, außer man man das ganze Revier "zum Wildacker".
Also wenn es sein muss den Bestand runtersenken. Und dann Äsung und Ruhe mit einem Bejagungskonzept.
was das schießen auf diesen flächen anbelangt bzw. das verhalten des rotwildes darauf, hab ich keine erfahrungen, jedoch die geschilderten auch zuhauf beim rehwild gemacht und beim schwarzwild ist es gleich nochmal so. man kann jede schalenwildart von einer fläche vergrämen......
Richtig, jeder "Beschuss" macht die Fläche hinterher erst mal "schlecht". Aber anders ist der Abschuss nicht zu erfüllen.
strategien zur bejagung gibts aber mehrere, wie hier auch schon angedeutet wurde. entlang der wechsel anhocken, schneisen nützen und und und. viel entscheidender ist aus meiner sicht doch aber die frage, wieviel rotwild das habitat verträgt und ob es eine korrelation mit der grünfläche geben sollte.
da stimme ich Dir zu..
der faden hat das thema "freiheit für den hirsch". also sollte man im auge behalten, wie man das gebacken kriegen könnte oder ob es doch nicht so sinnvoll ist unter der prämisse schadensminimierung.
Mit den bestehenden Gesetzen und Regelungen sehe ich ehrlich gesagt schwarz. Nachtabschussverbot wird bei uns nicht wegen Schäden aufgehoben, sondern weil die armen Reviere sonst kein Rotwild erwischen...Die private Jägerschaft hat im Durchschnitt bewiesen, dass sie mit dem Rotwild nicht umgehen kann und eigene Interessen - nicht die des Rotwildes - in den Vordergrund stellt. Wo sind denn die alten Hirsche auf den Hegeschauen? Wie viele Rotwildgebiete haben wir wo es einigermaßen passt?
du hast zwar viel viel praxiswissen, drückst dich aber elegant um konkrete handlungsvorschläge. ;)
eine neue frage hätte ich noch: wieso gibts eigentlich im mittelgebirge so viel nachfrage nach masochistischen rotwildrevieren mit unlustigem unterhaltungswert wie du schreibst? ist das so, wie bei den sauenrevieren, wo sie sich bereits ab 5 oder 6 euros den hektar ehrenamtlich aufopfern? :cool:
Weil ich eh schon zu lange Romane schreibe. Rotwildgemeinschaftsjagdreviere in den Mittelgebirgen verfügen hier zumindest bei uns nicht über einen hohen Rotwildbestand. Es reicht halt grad für die eine oder andere geringe Trophäe. Die Mädels dürfen eh überleben. Vielleicht klappt es ja doch mit Klein-Rominten und jedes Jahr einen Dicken.
Den Unterhaltungswert versucht man schon rauszuziehen und das klappt ja aus Sicht der Pächter auch. In Abwandlung eines guten Spruches hier: Jagdverstand ist das Einzige auf der Welt was gerecht verteilt wurde. Ist wie mit Saufang und was weiß ich noch: Der Vorgänger war ein Depp. Ich schaffe da wesentlich mehr, denn ich bin der bessere. Ich erwisch jedes Jahr meinen Hirsch.
 
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#37
... noch ne überlegung bei evtl. freilebendem rotwild ....

könnte man nicht auch im mittelgebirge dem rotwild mehr ruhe auf den flächen gönnen, indem man mit zwei intervallen je 4 sammelansitze in der brunft bzw. feistzeit zuzügl. einer bewegungsjagd in 10/11 die reduktion möglichst effektiv vornimmt?

durch die lange jagdruhe wäre das rotwild wieder vertrauter. alttier, schmaltier, kalb im familienverband liesen sich vielleicht besser ansprechen, verlässlich wildbret zu genau bestimmten zeiten... eigentlich nur vorteile oder?
Ich bin über Sammelansitze mit max. 3 Leuten auf 5 Ansitze pro Stück Schalenwild im Jahresdurchschnitt gekommen. Zu Beginn der Jagdzeit (Intervalljagd) deutlich weniger.....Hirsche hatte ich eh nur zur Brunft ein paar Junge. Wenn ich da den Aufwand für eine Bewegungsjagd sehen.....hab da meine eigene Einstellung.
Bewegungsjagden müssen sein, wenn der Einzelabschuss in der nötigen Höhe versagt. Aber sie sind ein Medikament mit Nebenwirkungen. Nicht richtig den Beipackzettel gelesen, schon muss ständig die Dosis erhöht haben.
Es gibt keine andere Jagdart, die dem Rotwild innerhalb eines Tages vermittelt, was Auto, Hund, Mensch alles mit sich bringt. Ich hatte einen Bereich übernommen wo vorher zur Bestandsabsenkung geriegelt wurde auf Teufel komm raus. Das Rotwild stellt sich auf die Bewegungsjagden ein und kommt auch irgendwann gut damit zu Recht. Aber die Sichtbarkeit fällt rapide ab. Die ersten zwei Jahre hatte ich sehr scheues Wild. Störungen beim Angehen des Hochsitzes wurden sehr übel genommen. Später ist das Wild 10 Min. später über meine Fährte, zwar etwas vorsichtig aber keine Panik. So kenne ich das auch aus CZ, wo ein hoher Ansitzjagddruck auf den Wiesen herrscht. Aber bei 50 % Grünlandanteil und 50 % Wald kein Problem.
Wenn hier eine Drückjagd über die Fläche gelaufen ist, sinkt der Jagderfolg auf der Einzeljagd dramatisch ab. Und das nicht weil alles Wild erlegt wurde.
Jeder denkt bei der Jagd an sich und nicht an das Rotwild.
 
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#38
@fasan : Wir denken ans Wild, schonen und haben das Rudel aus dem zusammengeschossenen Lützelsoon ( 25%eines tragfähigen und gesunden RW Bestandes gibt's lt Zählung und Wildbiologen noch auf 8000ha !!!!) bei uns stehen , nur, rundrum interessiert sich keiner für den Bestand ! ....was ist bei der RHG Sitzung ,(?) "ich will,... der hat auch, ....aber letztes Jahr " usw usw usw, oder Sprüche wie "ich bezahle, dann will ich auch schiessen " ......es ist ein Trauerspiel. .....die Empfehlung des Wildbiologen hat dort keinen interessiert ....!
Wir kommen uns vor wie Don Quichote. ...
Grüße +WMH Olli
 
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#39
Hatten wir auch. In unserem Rotwildgebiet wurde vor Jahrzehnten der Bestand radikal zusammen geschossen. Am Schluss lagen im gesamten Rotwildgebiet von über 40.000 ha grad noch 96 Stück auf der Jahresstrecke. Aber dann kamen doch einige ins Nachdenken. Heute noch sind große Teile eigentlich rotwildfrei.
Zu dem oft angeführten Schüsselbodeneffekt habe ich so meine eigenen Erfahrungen. Umverteilungen des Rotwildes gibt es bei uns auch durch die Drückjagden, auch wenn das manche nicht wahrhaben wollen. Dann steht das Wild draußen in den Privatjagden. Dort wird gekirrt bis Ende Januar und eine neue Baustelle ist offen.
Man darf beim Kahlwild nicht so zimperlich sein, sonst läuft der Bestand wieder davon. Jedes Schmaltier was im Mai erlegt wird, muss nicht im Januar erdrückt werden.
Schmaltiere und Spießer zusammen mit den Rehböcken bis Mitte Juni.
Dann Jagdruhe bis Ende Juli, auch nicht ein paar Tage früher wegen der Blattzeit.
Ab August auf Tiere mit Kälbern was hergeht, möglichst Doubletten. Da geht es noch einfach.
September mal eine kurze Pause bis zur Brunft.
Nach der Brunft max. eine Bewegungsjagd, ich hatte meinen Abschuss immer bis Ende Oktober und hätte überhaupt keine gebraucht. Aber höhere Jagdpolitik.
Bis Weihnachten ist der Tanz vorbei und im Januar herrscht Ruhe, vorallem keine Drückjagden. Nur Einzelabschuss wenn Wild irgendwo absteits steht.
Ein Verfahren dass sich zumindest hier bewährt hat und 1 % frische Schälschäden sind tolerierbar. Für den Oberförster nicht, aber der ist nicht der Maßstab.
 
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