Gams im Allgäu ausrotten?

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Da wird der Millerin (und dem kleinen, sechsbeinigen im Wald lebenden Krabbeltier) der Hut hochgehen. Bin schon gespannt wie sie dieses Projekt in den Dreck ziehen werden. Wissenschaft taugt bei denen nur, wenn das gewünschte Ergebnis dabei herauskommt.......

Moin @Maxl1984 ,

sorry, aber das ist schon immer so gewesen - und da kannst Du gern schauen, wo / bei wem das anders ist. Ich befürchte, falls Du einigermaßen aufgeschlossen bist, wirst Du einige herbe Enttäuschungen hinnehmen müssen. Es gilt immer: "wer bezahlt - bestimmt das Ergebnis". Letztendlich geht es um Geld / viel Geld. Egal ob Klimawandel, "Wald vor Wild", Energiewende, ... es geht vor allen Dingen ums Geld (nur meine Meinung). Und der "gute deutsche Wähler" will gern bezahlen, um sein Gewissen zu erleichtern - die Rattenfänger schaffen beim deutschen Michel eben für Erleichterung (war mit dem Ablasshandel des Mittelalters ja auch nicht anders).

Die Millerin kann ich wissenschaftlich nicht klar einordnen - sprich: ich weiß nicht , inwieweit ihre Qualifikation ausreicht, um sich in der Diskussion ordnungsgemäß einzubringen. Ob Andere besser qualifiziert sind, kann ich auch nicht beurteilen. Von daher beobachte ich das Ganze und warte mal ab, was noch so kommt. Es wäre schon viel erreicht, wenn es der Gams gerecht würde (was auch immer das ist).

munter bleiben!!

hobo
 
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Hallo liebe Mitjäger von der „ökologischen“ Fraktion in diesem Forum!
Entschuldigt bitte diese Anrede, aber Eure richtigen Namen kenne ich leider nicht.
Ich möchte mich nun doch noch in diese Diskussion einmischen. Da ich jagdlich zeitlebens im Umfeld der besagten Adelegg zu Hause war, u.a. auch eine Pachtperiode lang direkt auf der Adelegg auf Baden Württembergischer Seite und zwei Jahre lang bei den BayStF auf bayerischer Seite, bietet sich das ja geradezu an. Gestattet mir bitte dass ich zuerst ein wenig aushole.

Eure Beiträge erinnern mich an die den Wald und das Wild betreffende Einstellung, die auch mir zu eigen war, bzw. die mir beigebracht wurde, als ich 1977 im Allgäu zu jagen begann. Da der Landkreis Lindau zu dieser Zeit einer der Vorreiter beim Modell „Wald vor Wild“ war, gehörte ich vermutlich zu den ersten „ökologischen“ Jägern im Land. Als überdurchschnittlich „passionierter“, junger Jäger, der bald auch Jagdpächter wurde, war ich Feuer und Flamme für diese damals relativ neuen Ideen der jagdlichen Bewirtschaftung. Meine ersten 20 Jahre des Jagens bestanden für mich also fast ausschließlich aus „Reh sehen und bumm“. Dabei hatte ich immer ein gutes Gefühl. Ich spottete sogar über Jäger, die die Jagd sehr traditionell sahen. Irgendwann aber begann ich so manche Dinge zu hinterfragen.
Es waren vor allem meine unzähligen, berufsbedingten Kontakte zu Forstleuten und Berufsjägern aus Bayern und anderen Bundesländern, deren Erfahrungen und persönliche Einstellungen mich nachdenklich werden ließen. Weil deren Aussagen nämlich auch selbstkritisch und damit sehr ehrlich waren. Was meine bis dahin vorherrschende, jagdliche Einstellung dann vollends veränderte, waren die nicht wenigen, persönlichen Erlebnisse im Rahmen „ökologischen“ jagens in anderen Revieren. Einige dieser Erlebnisse hatten schließlich dazu geführt, dass ich das Jagen einige Jahre lang ruhen ließ.
Die Liste dieser bei mir einen Sinneswandel verursachenden Geschehnisse wäre viel zu lang um hier alles aufzuführen. Außerdem möchte ich aus verschiedenen Gründen vieles besser nicht öffentlich machen.

Eines möchte ich aber betonen: Ich kritisiere heute keinesfalls die Forstleute an sich (zumindest die aller meisten von ihnen) und schon gar nicht die staatlichen Berufsjäger. Sie alle sind nämlich Getriebene eines Systems, bei dem der Profit über allem steht. Nicht selten wurde ihnen direkt oder indirekt ein „Maulkorb“ verpasst, der die öffentliche Äußerung eigener Meinungen strikt verbot. Meist war und ist es sogar gerade ihnen zu verdanken, dass nicht immer alles so heiß gegessen wurde wie man es ihnen vorgekocht hat. Sie waren - und sind - manchmal einfach gezwungen Dinge zu tun, von denen sie persönlich nur wenig überzeugt waren.

Verwerflich empfinde ich dagegen das der Kreatur gegenüber gebrachte, völlig gefühllose Verhalten so mancher „ökologisch“ orientierter, williger Erfüllungsgehilfen. Als Beispiel aus jüngster Zeit möchte ich eine Drückjagd auf Rot- und Gamswild im benachbarten Vorarlberg nennen, zu der sich Ende März (!) diesen Jahres trotz extremer Schneelage genügend Schützen eingefunden hatten. Ähnliche Fälle gab es leider auch in Bayern und in einem anderen Bundesland Österreichs.

Um nun aber auf die bayerische Seite der Adelegg mit ihrem seit langer Zeit sehr überschaubaren Gamswildbestand zu kommen: Der dort von den BayStF angestellte Berufsjäger hat vor nicht allzu langer Zeit aus Frust über diverse Vorgaben das Handtuch geworfen, wofür man ihm nur Respekt zollen kann. Er wurde jetzt durch einen jungen Quereinsteiger aus Berlin ersetzt. Man kann sich nun fragen warum niemand in Bayern für diesen Traumjob zu finden war.

Wenn ich heute durch „meine“ ehemaligen Reviere spaziere, in denen teilweise noch immer nach rein “ökologischen“ Gesichtspunkten gejagt wird, ist ein Unterschied zu Revieren in der Region, die einen höherem Wildbestand aufweisen, nur schwer auszumachen. Wenn überhaupt, oder wenn nicht sogar mit ganz anderem Ergebnis. Denn die im Schichtbetrieb laufenden Vollerntermaschinen haben nämlich vielerorts ganze Arbeit geleistet.

Wenn man all diese Dinge hautnah miterlebt hat versteht man auch warum Dr. Christl Miller immer wieder scharf angegriffen wird. Sie ist nämlich eine der Wenigen die nicht nur über sehr viel Detailwissen verfügt, sondern die auch den Mut hat, gewisse Dinge öffentlich beim Namen zu nennen. Das machen eben leider nicht Viele. Zu oft nämlich stehen der mutigen Auseinandersetzung ganz andere Interessen entgegen. Mancher der Dr. Miller nur schwerlich plausible Argumente entgegen setzten kann, versucht es eben mit Diffarmierung.

Die profitorientierte Forstwirtschaft jedenfalls wird weiter machen wie bisher. Vor allem da der Klimawandel auch in den Medien gerade so aktuell ist, hat sie der Öffentlichkeit gegenüber nun ein neues Argument für ihre Jagdstrategie an der Hand. Denn falls der Öffentlich doch einmal bewusst werden sollte was „ökologische“ Jagd wirklich bedeutet und wie sie oftmals ausgeführt wird (selbst ein Peter Wohlleben mag in seinen Büchern ja nicht schreiben, dass die Jäger viel mehr schießen sollen) ist das Argument Klimawandel ein Joker, dem nur schwer zu widersprechen sein wird. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.
Dennoch, liebe „Öko-Jäger“ hier: Vielleicht geht es Euch in vielen Jahren auch mal so wie mir und ihr seht dann auch so Einiges ein wenig anders als heute. Ich wünsche es Euch jedenfalls. Glaubt mir, man fühlt sich wirklich nicht schlechter dabei.
 
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In dem von mir kommentierten verlinkten Bericht wird die Situation der Gamspopulation in Bayern vorerst als nicht gefährdet dargestellt. Wie es auf dem Adelegg ausschaut weiß ich nicht, ich kenne das Gebiet nicht, darum spare ich mir einen Kommentar dazu. Was mich aber stört ist diese permanente Anpazerei von uns Förstern von Pseudofachleuten wie es die Miller zu sein scheint. Sie baut ihre eigene Welt auf und ignoriert jegliche Fakten und Rahmenbedingungen, frei nach Pipi Langstrumpf: Ich bau mir die Welt wie sie mir gefällt! Wer austeilt muss auch einstecken können. Interessant wäre wie die Kritiker der staatlichen Forstbetriebe negative wirtschaftliche Zahlen kommentieren. Verschleuderung von Steuergeldern, Zerstörung von Volksvermögen, etc. Geld im Wald verdienen wird immer schwieriger. Früher wars auch leichter, was hat man für einen Festmeter Blochholz bekommen und was war der Gegenwert? Da ist sich leicht die Einzäunung gepflanzter Kulturen finanziell ausgegangen. Doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Mittelfristig scheint kein Holzpreisanstieg in Sicht zu sein. Und das ich mir als Förster nicht meinen Job von (aus forstlicher Sicht) überhöhten Wildbeständen wegfressen lasse, muss auch einleuchten. Das hat nix mit Profitgier zu tun! Wild wird immer seinen Platz im Wald haben, aber zuviel (was sich halt sehr viele Jäger wünschen) ist halt auch nicht gut. Bei intensiver Bejagung vom Schalenwild kommt, dann reflexartig immer die selbe Leier von Jagdseite: Ausrottung! Wurscht ob Reh, Gams oder Hirsch. Ich versteh nicht warum man gleich in die Ökoecke gedrängt wird, nur weil man gerne und viel schießt und das nachhaltig jedes Jahr!!!!!! Aber das ist ein anderes Thema!
P.S. Tschuldigung für den kurzgefassten Beitrag, ich warte auf die "letzten" Rehe in meinem Revier und muss mich wegen der vielen Naturverjüngung so konzentrieren, damit ich keines übersehe😂
 
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Ich find's immer lustig, wenn Leut, die offensichtlich mehr Geld haben, als sie brauchen, anderen, die in der Branche mit der niedrigsten Rendite überhaupt arbeiten, Profitgier vorwerfen. Wer im Glashaus sitzt etc.
 
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