Generelle Empfehlungen aus der Jagdliteratur

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#31
Ah, schwelge gerade in Erinnerungen meiner diesjährigen Nordlandexpedition - und schon stellt sich schlimmes Fernweh ein. Leider ist kein Norrlands Djup Bocköl im Kühlschrank und ich muss insoweit mit einem frischen Veltins vorlieb nehmen, aber immerhin stehen:

von Koppys "Jagderlebnisse in Norwegen"

und

Oberländers "Durch norwegische Jagdgründe"

im Bücherregal. Beide Bücher sind heutzutage kaum noch bekannt, insofern ein Wink mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl.
 
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#32
Hallo,

bleibt ja leider nix anderes übrig. Schau dir z.B. mal die Bücherliste in den Katalogen der gr. Jagdausstatter von vor 20 oder 30 Jahren im Vergleich zu der von heute an.
An öko-faschistischer Gesinnungsliteratur oder gefühlten 173 "Fachbücher" wie man in der tiefsten Wildnis, sprich 125ha Wirtschaftswald, zwischen Kleinmannshausen und Traumweiler "survieved" und sich den selbstgerösteten Eicheln/Bucheckern-Kaffee durch die seit 14 Tagen getragene Unterhose filtert, habe ich und wohl viele andere jagdl. Interessierte, wohl weniger Interesse.
Aber was und wo soll man heute auch was erleben? Als der Großteil der von mir genannten Bücher geschrieben wurde, bestanden Osteuropa und die dort so ergiebigen Jagdgebiete praktisch aus gerade mal 4 Ländern (und damit auch nur vier Jagdgesetzen): Deutschland, Österreich-Ungarn, Rußland und Osmanisches Reich. Wenn man sieht, wie problemlos und unbehelligt man damals teilweise "bewaffnet" um die halbe Welt reisen konnte, das ist heute selbst im eigenen Land nicht mehr möglich. Außerhalb der landwirtschaftl. stark genutzen Gebiete, fand die Jagd im großen Stile so gut wie nicht statt, was auch mit der damligen Infrastruktur und der weniger fortgeschrittenen Motorisierung zusammenhing. Was hätte man da "Survival-Bücher" schreiben können...
Auch war das Leben und die Jagd dort echtes Abenteuer und das Leben in der Wildnis nicht ganz ungefährlich (Wechselfieber (Malaria) in Sumpfgebieten, ja sowas gab´s in Mittel- und Osteuropa noch bis in die 20er/30er Jahre. Typhus, Lepra, Cholera in den wirtschaftl. schwachen Regionen Osteuropas, primitiv, kriegerische Volksgruppen in entlegenen Regionen auf dem Balkan und in Kleinasien.) Und heute? Allenfalls Dünnpfiff wer das scharfe Essen nicht verträgt oder Hütchenspieler die einen abzocken. Nix, was irgendeine literar. Erwähnung verdient hätte.
Eine Aneinaderreihung von nüchteren 3-7tägige Abschußberichten langweilt halt auch schnell.
Florstedts Jagdexpedition in den Kleinen Taurus im Jahre 1906 geschah durch Vermittlung des dt. Reichskanzlers Bernhard, Fürst v. Bülow mit dem Sultan des Osmanischen Reiches Abdül Hamid II. Das waren zwei Persönlichkeiten zu ihrer Zeit und das unterstreicht auch die Bedeutung Florstedts als Jäger und Ornitologe.
Wer ist heute ein "Florstedt", daß die weniger großen Nachfolger Angela Merkel und Recep Tayyip Erdogan sich für eine entsprechende Expedition einsetzen würden?
Oder welcher österr. Landwirtschaftsminister würde heute noch solche Fach- und Erzählbücher über die Jagd sowie Forst- und Parkpflanzen verfassen wie Ernst Emanuel, Graf Silva-Tarouca?
Es waren halt andere Zeiten und ein anderer Schlag Menschen. Die haben wirklich was erlebt und das dann auch, Gottseidank, zu Buche gebracht.

Grüße
Sirius
Zum Gruße,
völlig richtig auf den Punkt gebracht - andere Zeiten, sie waren sicher nicht generell besser - jagdlich wohl schon.
Und es gab noch Persönlichkeiten, die nicht dem Zeitgeist entsprechen wollten. Sie w a r e n einfach Persönlichkeiten.
Und h e u t e ? Da schreiben Menschen eine Autobiographie, die sind nicht mal 50 Jahre alt, ich will nicht abstreiten, dass die etwas erlebt haben, wie bedeutungsvoll dieses "Etwas" aber ist, das erschließt sich dem denkenden Leser oftmals nicht (nur als Beispiel: Ilka Bessin).
 
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#33
Und h e u t e ? Da schreiben Menschen eine Autobiographie, die sind nicht mal 50 Jahre alt ...
Auf Instagram vermittels mehr oder weniger gekünstelter Fotos sogar schon mit Anfang Zwanzig, natürlich gespickt mit unzähligen Hashtags und einer mehr oder weniger tumben Frage ("to engage your readers", so die seichte Onlinemarketingratgeberliteratur) zum Abschluss eines jeden Kapitels. Und auf Facebook schreibt jeder Teenie und Twentysomething heutzutage sowieso nicht nur seine Autobiographie, sondern auch seine Stasiakte selbst.

Oh happy days...
 
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#34
Auf Instagram vermittels mehr oder weniger gekünstelter Fotos sogar schon mit Anfang Zwanzig, natürlich gespickt mit unzähligen Hashtags und einer mehr oder weniger tumben Frage ("to engage your readers", so die seichte Onlinemarketingratgeberliteratur) zum Abschluss eines jeden Kapitels. Und auf Facebook schreibt jeder Teenie und Twentysomething heutzutage sowieso nicht nur seine Autobiographie, sondern auch seine Stasiakte selbst.

Oh happy days...
Zum Gruße,
vielen Dank für die Bestätigung dessen, was man mir so erzählt - ich bin weder bei fa..b..k noch bei instantkram angemeldet und werde dies auch sicher n i e sein, daher fehlt mir der direkte Einblick.
Was die alles von mir wissen wollten, als ich nur mal reinschnuppern hatte wollen, muss nicht wirklich jeder nachlesen können. Und - ganz ehrlich - wenn mir die schnelle Verbindung zu meinem Kumpel nach Zim nicht so viel wert wäre, ich hätte nicht mal WhatsApp auf meinem cellphone installiert.
 
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#36
Aufgrund der Empfehlung habe ich mir "Waidmannsheil auf allen Wegen" gekauft; gibts bei amazon gebracht. Ein herrliches, supertolles Buch. Ich verschlinge es zur Zeit förmlich. Authentisch, erhrlich, gut. Von einem Jäger für Jäger geschrieben. Vielen Dank für die Empfehlung.
 
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#37
Nachdem es bisher noch niemand erwähnt hat, hier mein absoluter Favourit und zugleich wichtiges und schockierendes Zeitdokument: Wladimir Arsenjew - Der Taigajäger Dersu Usala
 
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#39
Mehrhardt-Ihlow ist klasse!
Alexander v. Bülow "Jägerleben aus dem Vollen" ist sehr unterhaltsam. Leider fehlen mir seine übrigen Bücher noch.
 
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#40
Komplett unterschätzt und leider vergessen:

Erwin Felsmann

Die Bücher gibt es nur noch gebraucht und sie lohnen sich alle. Nix Großes, nix Dramatisches, die kleine Jagd und das Leben drumrum. Das dann aber in hoher literarischer Qualität, ohne in das für mich teilweise unlesbare Wortgeschwurbel einiger jagdlicher "Großschriftsteller" zu verfallen.
 
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#41
Eine kleine Auswahl meiner Favoriten:

Gautschi: Durch Wälder und Zeiten
von Lettow-Vorbeck: Grüne Passion
Grüne Blätter
von Nottbeck: Schüsse und Schicksale
Snethlage: Alle Tage Jagdtag
R.M. Beninde: Jagen und Reiten, Passion maines Lebens
Graf Hoensbroech: Abseits von Lärm
v. Gagern: Birschen und Böcke
 
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#42
Danke mal an alle für die Beiträge:) Hab gerade meine Merkliste auf Booklooker deutlich erweitert:D Da werds wohl statt nem neuem Schrank bald ein neues Bücherregal brauchen;)
Gruss
Werdenfelser
PS: was könnte man einem an Jagdhunden und deren Ausbildung sehr interessierten Jungjäger den empfehlen ( geht in Richtung Vorsteher)
 
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