Grundgehorsam

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So wurde es im ersten Kurs in dem ich war ausgebildet. Genau wie Schlagen bei nichtgehorsam, an der Halsung rumschleudern wenn die Hunde aufstehen, Behang verdrehen/kneifen um das Halten zu festigen, 5 Tage vor dem Training hungern lassen, etc.
Eben die gute alte Schule wie uns immer wieder gesagt wurde. Wenn der Hund das nicht aushält dann taugt er halt nix.
Das ist keine alte Schule sonder Bullshit...

Ich bin jetzt knapp über 50 Jahre alt und habe mit der hilfe der alten Jäger mit 12 Jahren unseren ersten Dackel ausgebildet. Es war vielleicht früher etwas härter, und man war Hunden gegenüber anders eingestellt.
Aber so einen Mist hab ich nicht erlebt.
 
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Hog Hunter an alle:

Vielen Dank an alle dafür, dass sich eine rege Diskussion entwickelt hat. Ich wollte auf keinen Fall erreichen, dass sich die Foristen hier an die Köppe gehen. Offensichtlich gibt es immer noch recht kontroverse Ansichten bzgl. der Hundeerziehung/Abrichtung. Immerhin lässt sich feststellen, dass die "alten Zeiten", zumindest hier im Forum, vorbei sind.

Zum Labbiwelpen meines Sohnes möchte ich noch nachreichen, dass es nicht geplant ist, diesen jagdlich zu führen. Ich bin derzeit der einzige Jäger in meiner Familie. Dennoch lese ich mit großem Interesse Eure Ansichten zur jagdlichen Erziehung. Und bin auch ein bisschen darüber beruhigt, dass ich mit meinem Dackel nicht ganz soviel falsch gemacht habe. Zu ihm komme ich aber später noch.

Als ich den Welpen diese Woche für vier Tage in Pflege hatte, kam es zu einer stressigen Situation, als er sich nicht wieder anleinen ließ. Er war gerade im Spielmodus und nutzte meine Versuche ihn anzuleinen für ein lustiges Krieg-mich-doch-Spiel. Das war zum Glück im Revier an einer selten befahrenen Straße. Krieg mich doch, da kann er mich mal kreuzweise, solange ich mit dem Spiel nicht anfange.

Meinen bisherigen Hunden, inkl. des Dackels, habe ich als erstes anerzogen, mir auf Zuruf zuzustehen. Dabei habe ich sie belohnt, wenn sie kamen und getadelt, wenn sie versuchten, mich zu verarschen. Die Bestrafung bestand nicht aus Prügel! Wie ich hier bereits schrieb, nutze ich, wenn ich keinen direkten Zugriff habe, dazu einen Wurfgegenstand in Form eines nassen Stoffteils oder ggf. die Leine, wenn ich im Revier unterwegs bin. Der Welpe wird dadurch in seinem Spiel unterbrochen. Vielleicht jifft er auch mal kurz, weil er damit nicht rechnet und verunsichert ist. Danach weiß er aber, dass sein Spiel nun vorbei ist. Hat auch in diesem Fall funktioniert und alles war wieder gut.

Ich werde mit meinem Sohn nicht darüber diskutieren, wie er seinen Hund erziehen soll, sehe hier aber einmal mehr, dass es, nur mit dem Zuckerbrot, zumindest einmal sehr viel Ausdauer fordert. Und am Ende bin ich dann als Hundeführer auf das Wohlwollen meines Hundes angewiesen, wenn es darum geht, schnell und sicher zu gehorchen. So hart, wie mein Vater seine Hunde erzog, mache ich es ja nicht. Aber so ganz ohne spürbare Konsequenzen für den Hund, sofern er tut was er will, finde ich, geht es auch nicht.
 
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Hundeausbildung besteht immer aus den Quadranten Positive Verstärkung, Negative Verstärkung, Positive Strafe, Negative Strafe. Es werden immer alle Quadranten gebraucht. Je nach Rasse, Individium und Alter in unterschiedlicher Zusammensetzung und Dosierung, aber sie werden alle gebraucht.

PS. Wer die Erkenntnis, daß man Hunde, die auf Zuruf nicht wiederkommen, nicht verprügeln darf, als Megaerkenntnis verkauft, der ist gut in Marketing, aber unbedarft in Sachen Hundeausbildung.
 
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PS. Wer die Erkenntnis, daß man Hunde, die auf Zuruf nicht wiederkommen, nicht verprügeln darf, als Megaerkenntnis verkauft, der ist gut in Marketing, aber unbedarft in Sachen Hundeausbildung.
Wüsste nicht, dass ich da eine Megaerkenntnis vermarktet hätte. Aber vielleicht würdest du mir deine diesbezüglichen Erkenntnisse ja mitteilen.
 
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manchmal zweifle ich, ob „früher“ wirklich alles so gold war. wenn man z.b. im tabel, aktuelle ausgabe, liest, wie das „halt“ mit koralle und gertenhieben angelegt werden soll…
nie vergessen werde ich die drückjagd, bei der ein deutsch drahthaar solch panische angst vor seinem laut „hierher“ brüllenden, durchgehenden führer hatte, daß er jämmerlich versuchte, auf einen drückjagdbock zu einem ihm völlig unbekannten schützen hochzuspringen um schutz zu suchen.
 
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manchmal zweifle ich, ob „früher“ wirklich alles so gold war.
Früher war auch nicht alles gold, früher hat es auch Nichtskönner gegeben. Allerdings haben früher mehr Führer ihren Hund wirklich brauchbar für die Jagd machen wollen und weniger die Welt ständig neu erfinden müssen. Die Nichtskönner früher sind eher mit übertriebener Härte aufgefallen und die Nichtskönner heute mit mangelndem Durchsetzungswillen. Das Ergebnis ist das Gleiche.
 

z/7

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Rohe Gewalt zum falschen Zeitpunkt war früher schon so falsch, wie es heute immer noch falsch ist.

Das erste, was ein Hundeführer lernen muß, ist, auf seinen Hund zu achten. Nicht auf das Bild, das er von seinem Hund hat. Dann ergeben sich viele Handlungen von selbst. @gismo888 hat das mit den Verknüpfungen der Reize wunderbar beschrieben. Mehr muß man für die Grundlagen eigentlich nicht verstehen. Negative Verstärkung und Negative Strafe sind dann schon die höheren Weihen, aber wenn man das mit dem Timing der positiven Verstärkung und Strafe im richtigen Moment kapiert hat, ist auch das kein Hexenwerk.
 

z/7

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Früher war auch nicht alles gold, früher hat es auch Nichtskönner gegeben. Allerdings haben früher mehr Führer ihren Hund wirklich brauchbar für die Jagd machen wollen und weniger die Welt ständig neu erfinden müssen. Die Nichtskönner früher sind eher mit übertriebener Härte aufgefallen und die Nichtskönner heute mit mangelndem Durchsetzungswillen. Das Ergebnis ist das Gleiche.
So ist es. Von einem Extrem ins andere.
 
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Rohe Gewalt zum falschen Zeitpunkt war früher schon so falsch, wie es heute immer noch falsch ist.

Das erste, was ein Hundeführer lernen muß, ist, auf seinen Hund zu achten. Nicht auf das Bild, das er von seinem Hund hat. Dann ergeben sich viele Handlungen von selbst.
Und das zweite ist, nicht in einer zufälligen Situation erzieherisch zu handeln. Diese Situationen muss man schaffen - entweder so, dass der Hund nicht versagen kann oder versagen muss, je nach Ziel der Einheit.
Auf Jagd ist dafür nicht der richtige Rahmen. Das ist praktisch nicht Ausbildung, sondern jedes Mal aufs Neue (Über-)Prüfung... Da erkennt man dann, wo man nochmal nachbessern muss...
 

steve

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Ist nicht das Grundproblem dieser - im Forum ja nun seit Jahrzehnten regelmäßig aufkommenden Diskussion -, dass eigentlich keiner der Teilnehmer übers Gleiche redet? Da werden Retriever, Vorsteher, Bracken aller Art und Schweisshunde in einen Topf gekippt, umgerührt und jedem schmeckt dieser Eintopf dann logischerweise nicht mehr. Und hinzu kommt dann noch die Art der Hundeführung. Prüfungshund, Schwerpunkt Jagd, Familienhund oder was weiß ich; es gibt ja auch bei den Führern dahinter alles mögliche. Das führt letztlich ja immer dazu, dass was dem einen taugt dem anderen unnütz vorkommt und umgekehrt.

Ich habe weiß Gott keine Ahnung von all diesen Hunderassen und ihrer Führung. Wenn ich mir verschiedene Meisterprüfungen für Vorsteher, Wachtel und Schweisshunde anschaue, dann gibt es nur wenige Fächer wo man richtig vergleichen kann. Standruhe wäre ein Gehorsamsfach was wenigstens bei den drei oben genannten bei VGP/GP und HP geprüft wird. Dann muss man noch die Hunde auf einen Nenner bringen und da nehme ich jetzt um mein Beispiel zu bilden den auf allerlei geführten Vorsteher, den im DJ-Einsatz Stehenden Wachtel und den auf Nachsuchen auch wirklich geführten Schweisshund (letzteres dürfte bei der HP wahrscheinlich selbstverständlich sein ;) ). Ich würde bei allen drei meinen, dass der Reiz den Schüsse und das ggf. hinzukommende Standtreiben bei allen doch auf Leistung und Jagdtrieb gezüchteten Hunden größer ist als das zu erwartende Leckerlie. Will sagen, um mit einem so bejagten Hund zu bestehen wird das Leckerli nicht ausreichen. Das kann bei einem völlig unbejagten Hund - und das gibts ja durchaus mal im Vorsteherlager bei der VGP - aber durchaus funktionieren.

Quintessenz: Nur wenn man richtige Vergleichsgruppen bildet kann man das Thema eigentlich einigermaßen sinnvoll vergleichend diskutieren. Und da ich erst Jäger und dann Hundeführer bin ist mir halt Jagd sehr wichtig. Ob mindestens mal die klassischen Jagdhunde deutsche Vorsteher, Wachtel, Teckel und Terrier hierfür aber ohne Zwang - damit sind nicht die dann immer angeführten Exzesse gemeint - vorbereitet werden können, vermag ich mangels umfangreicher Erfahrung nicht zu beurteilen. Ich bezweifle es aber.
 
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Und das zweite ist, nicht in einer zufälligen Situation erzieherisch zu handeln. Diese Situationen muss man schaffen - entweder so, dass der Hund nicht versagen kann oder versagen muss, je nach Ziel der Einheit.
Auf Jagd ist dafür nicht der richtige Rahmen. Das ist praktisch nicht Ausbildung, sondern jedes Mal aufs Neue (Über-)Prüfung... Da erkennt man dann, wo man nochmal nachbessern muss...
Optimal sind kleine Jagden, extra zum einjagen der jungen Hunde. Nur braucht es dafür Jagdmöglichkeiten und Mitjäger, die das Einjagen des jungen Hundes über ihren eigen Jagderfolg stellen. Das gilt für alle Jagdarten gleichermaßen.
 
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Das ist keine alte Schule sonder Bullshit...

Ich bin jetzt knapp über 50 Jahre alt und habe mit der hilfe der alten Jäger mit 12 Jahren unseren ersten Dackel ausgebildet. Es war vielleicht früher etwas härter, und man war Hunden gegenüber anders eingestellt.
Aber so einen Mist hab ich nicht erlebt.
Dann muss man definieren was denn diese "alte Schule" ist.

Der besagte Kurs was Stolz darauf zu besagter alter Schule zu gehören und mit dem hier angesprochenen weichen, neumodischen Kram nix am Hut zu haben. Bei einem Jagdhund hilft nur Härte und dann noch mehr Härte. Wenn der das nicht aushält dann taugt er nix und sollte in eine Nichtjäger-Familie abgegeben werden oder die Kugel kriegen.

Tja und die Truppe hat seit bald 30 Jahren hier Gebrauchshunde abgerichtet, also war das schon alte Schule.
Der Senior der manchmal dabei war und früher die Leitung hatte erzählte immer Stolz, wie er seinen DD beim Schützenfest mal in der prallen Sonne ins Down gebracht hat und da blieb der bis Abends liegen und wagte es nicht sich zu rühren. Da war er dann so dehydriert das er kaum noch hoch kam, was für ein feiner Kerl und so Gehorsam.
Bei deren Ausbildung kamen schon sehr gute Hunde raus, es blieben halt nur jede Menge verstört und verbrannt auf der Strecke.

Inzwischen haben die es dran gegeben, da wollte zum Schluss keiner mehr hin, ist zumindest für die Hunde auch besser so.
 
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24 Feb 2021
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Bei einem Seminar vom JGHV zum Thema Verhalten vor und nach dem Schuss sowie Nachsuche war ein Vortragender aus Bayern da, der damals einen Weimaraner führte. Der hat ausführlich erzählt, wie er für einen Kollegen einen DK "hergerichtet" hat. Mit Leine, Koralle, einer starken Astgabel und einer Gerte. Und wie toll der Hund noch Jahre später zu ihm angekrochen kam, wenn er ihn irgendwo sah.

Und genug im Saal haben sich darüber beschwert, dass sodas bei uns verboten ist.
 

z/7

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Das ist bei uns auch verboten. Mit recht.

Wie war das noch? Das Zuchtziel des DD ist, den toitschen Jäger auszuhalten?

Allerdings muß man eines sagen, die Sensibelchen, die heute durch so manche Prüfung geflüstert werden, haben im Jagdbetrieb recht eigentlich auch nichts verloren.

Ein guter Mittelweg wär's halt.
 
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