Hasenbesatz/ Gärsubstrat Erfahrungen

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#1
Hallo miteinander,
ich habe mich schon etwas durchgelesen aber trotzdem möchte ich dieses Thema noch einmal neu aufgreifen.
Wir haben bei uns im Revier die Beobachtung gemacht das in Ecken wo auf Grünland regelmäßig Gärsubstrat ausgebracht wird keine Feldhasen mehr zu sehen sind.
Zusätzlich hat mich ein Landwirt angesprochen er hätte im Nachbarrevier einige tote Hasen gefunden diese waren in einem begrenzten Umkreis. Bei uns gab es keine Totfunde, Tularämi schließe ich mal aus. Hat jemand Erfahrungen oder gibt es Messergebnisse zu diesen Thema. Dann bitte hier rein schreiben.

Vielen Dank Ihr Niederwildheger!
 
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#2
Wiesen kann ich nichts dazu sagen, weil wir die praktisch nicht im Revier haben und auf die wenigen kommt kein Gärsubstrat. Allerdings wird bei uns Gärsubstrat mit Schleppschläuchen im Revier auf Gerste u. Weizen im Frühjahr gefahren - da sitzen die Hasen wieder drinnen, sobald der Brei angetrocknet ist - teilweise am selben Abend.

Warum sollte das auch anders sein? Es ist ja nur pflanzlicher u. tierischer Rückstand nach einer "Verdauung" durch Methanbakterien...
 
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#5
Hier eine kurze Doku im Pop-Format Xenius, nichts desto Trotz informativ.

Multifaktorielle Keime (MRSA) durch die Viehwirtschaft und Massentierhaltung treffen auf die
mit Herbizid aufgeräumte Feldflur.. der Hase hat ein geschwächtes Immunsystem, d ihm wichtige Nahrungsbestandteile fehlen, und der MRSA tut den Rest.

https://www.arte.tv/de/videos/086130-001-A/xenius-feldhasen/
 
Zuletzt bearbeitet:
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#6
Was ein Blödsinn. Staphylococcus aureus ist ubiquitär, also überall vorhanden. Ob der gegen Methicillin resistent ist, ist bei Hasen völlig egal, weil man bei Hasen kein Antibiotika einsetzt. Für Wild ist es schon rein logisch irrelevant ob es Antibiotikaresistenzen gibt. Erinnert mich an die Diskussion um das Hasensterben in den Neunzigern. Da sollte es der 00-Raps gewesen sein, alles Blödsinn. MRSA heißt korrekt Methicillin resistenter Staphylococcus aureus.
 
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#7
Abgesehen davon sind die höchsten Hasendichten in Deutschland im Münsterland und im Oldenburger Münsterland, die Regionen die traditionell die höchsten Viehdichten haben. Wenn man schon ein Problem mit der Gülleausbringung sehen will, dann ist es nicht die Gülle, sondern die Ausbringungstechnik. Die gesetzlich vorgeschriebene Boden nahe Ausbringung mit Schleppschlauch und ganz besonders mit Schleppschuh im Gegensatz zum Schwenkverteiler, reduziert die Ammoniakverluste deutlich, man hackt den Getreidebestand allerdings gleichmäßig durch, das kann für kleine Junghasen und Gelege ein Problem darstellen. Das gleiche gilt auch für das Striegeln der Flächen im Ökologischen Landbau. Das Hauptproblem ist meiner Meinung nach ein anderes. Mal ein Gedankenspiel: In einer Feldmark wirtschaften drei Bauern. Bauer A hat Kühe und damit Feldfutterbau mit Mais und Feldgras, Bauer B ist ein klassischer Marktfruchtanbauer mit Raps/Weizen/Gerste und Bauer C hat Hackfrüchte wie Kartoffeln Möhren Zwiebeln. Zusammen sorgen die für eine bunte Feldmark. Jetzt schmeißt Bauer A wegen der Milchpreise das Handtuch, Bauer C hat keinen Hofnachfolger, weil die Kinder keine Lust haben immer der Buhmann der Nation zu sein.Bleibt Bauer B. B hat nichts an seiner Fruchtfolge geändert und trotzdem hat das Niederwild ein Problem. Strukturwandel ist das größte Problem des Niederwildes. Aber solange Bauern wegen schlechter Preise oder mieser gesellschaftlicher Stimmung ausscheiden werden wir den nicht bremsen. Solche Artikel wie oben befeuern den noch. Ach so die Rauchschwalben die bei Bauer A gewohnt haben, haben ein noch größeres Problem, die verschwinden vollständig ohne Kühe oder Pferde.
 
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#9
Der Artikel ist nicht umsonst schon fast zehn Jahre alt. Ich bin kein Freund von Biogasanlagen, aber die Arbeitshypothese hat sich als falsch herausgestellt. Dr. Hellwig ist ein guter Fachtierarzt für Schweine, ich habe im dritten Lehrjahr ein Jahr mit ihm zusammen gearbeitet, und Versuche für ihn zur Behandlung von Durchfall gemacht. Aber da lag er etwas daneben. In den Artikeln oben wird ja auch ein neuer Keim durchs Dorf getrieben. Oder besser zwei.
 
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#10
Gärsubstrat aus Biogasanlagen stand im Verdacht den Wildbeständen, als auch in den Milchviehbeständen Krankheiten hervorzurufen. Der Verdacht hat sich nicht bestätigt. Bei der Grünlandbewirtschtung ist die häufige Schnittnutzung das Hauptproblem. Wenn in den 7 Monaten Wachstumszeit 4 - 6 Mal das Gras geschnitten wird, dann kann dort kein Hase mehr hochkommen! Desweiteren sind die angebauten Grassorten für die Ernährung von Hasen und auch Pferden völlig ungeeignet.
 
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#11
Aber selbst eine Landwirtschaftskammer hatte ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, wegen der niedrigen Vergärungstemperaturen. Deshalb bringen bei mir viele Landwirte nichts mehr in die Biogasanlagen und keine abzunehmenden Reststoffe mehr auf von ihnen bearbeitete Flächen.
Gruss, DKDK.
 
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#12
Aber selbst eine Landwirtschaftskammer hatte ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, wegen der niedrigen Vergärungstemperaturen. Deshalb bringen bei mir viele Landwirte nichts mehr in die Biogasanlagen und keine abzunehmenden Reststoffe mehr auf von ihnen bearbeitete Flächen.
Gruss, DKDK.
Ok, das ist hier so nicht. Bei uns ist eher die allgemeine Futterverschmutzung wegen der streifenförmigen Ablage im Grünland ein Thema, warum Milchviehbetriebe keine Gärreste mehr auf das Grünland fahren. Wir selbst fahren nur im Herbst eine kleine Menge Gülle auf das Grünland und schneiden erst im Juni, da ist das kein Problem. Auf dem Acker kann es sein, dass die Flächen im Frühjahr nur schwer befahrbar sind, eine frühe Düngung in den Trockenjahren aber signifikant bessere Erträge brachte, was eine mineralische Düngung zur besseren Alternative macht. Man kann Gärreste geschenkt bekommen, wenn man dann aber 10 dt/ha weniger erntet, hätten man besser mit KAS oder AHL gedüngt.
 
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#13
Der Artikel ist nicht umsonst schon fast zehn Jahre alt. Ich bin kein Freund von Biogasanlagen, aber die Arbeitshypothese hat sich als falsch herausgestellt. Dr. Hellwig ist ein guter Fachtierarzt für Schweine, ich habe im dritten Lehrjahr ein Jahr mit ihm zusammen gearbeitet, und Versuche für ihn zur Behandlung von Durchfall gemacht. Aber da lag er etwas daneben. In den Artikeln oben wird ja auch ein neuer Keim durchs Dorf getrieben. Oder besser zwei.


Für Leute, welche sich für dieses Thema etwas tiefer interessieren:

Die Hypothese vom chronischen oder viszeralen Botulismus, auch als Faktorenkrankheit, hat sich recht schnell im Nebel der wilden Spekulationen um dieses Syndrom aufgelöst; es gibt und gab keinerlei wissenschaftlich fundierten Ergebnisse, die die Hypothese der Existenz eines chronischen Botilismus untermauerten; und das, obwohl viel Geld in diese Richtung in die Hand genommen wurde!
Man muss dazu sagen, das Herr Hellwig mit seiner AVA1 damals in seiner Akademie eine sehr große Veranstaltung zu diesem Thema mit allen wichtigen Protagonisten der Hypothese organisert hat, die ich auch persönlich besucht habe. Auch damals gab es bei dieser Veranstaltung für mich keinerlei wissenschaftliche Basis für die Theorie, es waren in erster Linie Spekulationen untermauert durch einige Wissenschaftler (Prof. Böhnel-Miprolab, Prof. Krüger ehem. Vet-Med Leipzig), welche sich eher "durch nicht neutral Darstellungen" auszeichneten.
Als Folge dieser Diskussion wurde eine große Feldstudie durch die TiHo Hannover initiert, welche eindeutige Ergebnissse zu dieser Hypothese erbrachte.

https://www.bmel.de/SharedDocs/Down...richt-Hannover.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Seit dieser Studie ist es sehr still geworden um das Thema chronischer oder viszeraler Botulismus durch Gärsubstrate!
Aber alle paar Jahre wird dann wieder "eine neue Sau durchs Dorf" getrieben, und wenn es nur gilt neue "Forschungs-Gelder" zu akquirieren, eine gewisse Grundskepsis ist also immer angebracht bei "neuen und fundamentale Erkenntnissen"!

Prinzengesicht
 
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#14
Für Leute, welche sich für dieses Thema etwas tiefer interessieren:

Die Hypothese vom chronischen oder viszeralen Botulismus, auch als Faktorenkrankheit, hat sich recht schnell im Nebel der wilden Spekulationen um dieses Syndrom aufgelöst; es gibt und gab keinerlei wissenschaftlich fundierten Ergebnisse, die die Hypothese der Existenz eines chronischen Botilismus untermauerten; und das, obwohl viel Geld in diese Richtung in die Hand genommen wurde!
Man muss dazu sagen, das Herr Hellwig mit seiner AVA1 damals in seiner Akademie eine sehr große Veranstaltung zu diesem Thema mit allen wichtigen Protagonisten der Hypothese organisert hat, die ich auch persönlich besucht habe. Auch damals gab es bei dieser Veranstaltung für mich keinerlei wissenschaftliche Basis für die Theorie, es waren in erster Linie Spekulationen untermauert durch einige Wissenschaftler (Prof. Böhnel-Miprolab, Prof. Krüger ehem. Vet-Med Leipzig), welche sich eher "durch nicht neutral Darstellungen" auszeichneten.
Als Folge dieser Diskussion wurde eine große Feldstudie durch die TiHo Hannover initiert, welche eindeutige Ergebnissse zu dieser Hypothese erbrachte.

https://www.bmel.de/SharedDocs/Down...richt-Hannover.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Seit dieser Studie ist es sehr still geworden um das Thema chronischer oder viszeraler Botulismus durch Gärsubstrate!
Aber alle paar Jahre wird dann wieder "eine neue Sau durchs Dorf" getrieben, und wenn es nur gilt neue "Forschungs-Gelder" zu akquirieren, eine gewisse Grundskepsis ist also immer angebracht bei "neuen und fundamentale Erkenntnissen"!

Prinzengesicht
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#15
Bei Temperaturen unter 50Grad geht nicht viel kaputt. Und das hatte ich zum Anlass genommen, dass auf Flächen, für die ich die Verantwortung habe, halt nix aus Biogasanlagen drauf gefahren wird.
Dass der Rückgang der Hasenbestände mit den Biogasanlagenrückständen nichts zu tun hat, ist ja unbestritten: Ziel mehrerer Betriebe sind ja 7 Schnitte pro Jahr. Da bleibt kein Auge trocken. Wie es heuer wird, kann ich noch nicht abschätzen, der vierte aber steht an und bis Dezember ist es ja nich lang. Hat auch schon einer gemacht.
Gruss, DKDK.
 
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