Hat der Landwirt zu viel Zeit? :)

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#1
Von meinem Büro aus habe ich direkten Blick auf ein Feld, das der Landwirt neuerdings als persönliches Hobby entdeckt haben muss... :)

Normalerweise war da immer Mais oder Weizen drauf. Letztes Jahr dachte sich der Landwirt wohl er probiert was neues und versuchte es mit irgendeinem Getreide für seine Biogasanlage. Das kam zur Milchreife wieder weg und war da ca 1,60-1,70m hoch. Keine Ahnung, was das war.

Nach der Ernte hat er dann Gras eingesät. Letzte Woche kam dann der erste Grasschnitt. Dann gings zackig:

- Zwei Tage später ging er mit dem Gülle-Grubber über die Wiese. Hat mich da schon gewundert, wieso er die Gülle in einer Wiese mit dem Grubber ausbringt, aber ok, sein Land.

- Gestern hat er die Wiese gepflügt.

- Jetzt ist er grade dabei, mit der Bodenfräse drüber zu gehen

- Wahrscheinlich drillt er morgen dann Mais ein... :)

Ich bin jetzt echt kein Agrar-Fachmann, aber erst düngen, dann pflügen? Und wieso düngen, wenn noch gar nichts eingesät/gedrillt ist? Und wieso Gülle eingrubbern, wenn er eh pflügen will?

Irgendwie geht das alles bei mir nicht ganz zusammen... Aber immerhin: Der Mann ist gründlich! Oder eben, er hat sein Feld als Hobby entdeckt. :)
 
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#2
Die Wiese ist tragfähiger, als der frisch gepflügte Boden. Somit kann man ohne große Verdichtung mit der gülletonne fahren.
Die gülle wurde zum Emissionsschutz direkt eingearbeitet, das heißt weniger Emissionen in die Luft und mehr Nährstoffe im Acker.

Zum Abschluss gepflügt damit er kein böses glyphosat gebracht.
Eigentlich eine schöne Fruchtfolge mit ganzjähriger Begrünung

Edit: gülle braucht auch eine weile bis sie pflanzenverfügbar ist, erst recht wenn sie dann noch "stabilisiert" ist. Die Nährstoffe sind erst in einigen Wochen verfügbar, also dann wenn der Mais ihn braucht
 
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#4
Wenn das Getreide für seine Biogasanlage die blühende Silphie war, dann hat er vermutlich versucht Wurzeln zu zerkleinern da das ein mehrjähriges Unkraut ist. Erklärt zwar noch nicht ganz das Ausbringen der Gülle, aber wat weg mut dat mutt weg.
 
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#5
Ah ja, danke, wieder was gelernt.

Ich habe nur noch nie einen Bauer derartigen Aufwand für Mais treiben sehen... Wir haben hier an sich sehr gute Böden.
 
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#6
Machen bei uns auch viele.
Somit hat er einmal Grassilage in der Zeit wo der Mais noch nicht raus kann und wenn er dann Silomais anbaut hat er die Masseernte im Herbst.
 
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#8
Wenn das Getreide für seine Biogasanlage die blühende Silphie war, dann hat er vermutlich versucht Wurzeln zu zerkleinern da das ein mehrjähriges Unkraut ist. Erklärt zwar noch nicht ganz das Ausbringen der Gülle, aber wat weg mut dat mutt weg.
Wenn es Silphie gewesen sein sollte, dann wird die sicher nicht gepflügt - Einmal säen, bis zu 10x ernten...

Und die Gülle wird nicht entsorgt (...wat weg mut...), sondern in Folge der Fruchtfolge sinnvoll verwertet!

Meine Ferndiagnose:

- Grünroggen über Winter und jetzt gehäckselt

-Düngung für die Folgefrucht mit direkter Einarbeitung in den Boden wegen Emissionsminderung

- Pflugfurche um sauberes Saatbeet zu bekommen

- Maisaussaat für die Ernte im Herbst
 
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#11
Ok, danke für die Aufklärung. Ich war nur so verwundert, weil er eine Wiese gegrubbert hat. Als auf dem Land aufgewachsener Mensch aber ohne landwirtschaftl. Hintergrund denkt man sich halt, dass er da eher nicht den "Rasen vertikultieren" will...

Als er dann gepflügt hat eben die nächste Frage, warum er de Gülle zunächst eingrubbert, wenn er doch dann eh pflügt, aber ok, Emission ist ein gutes Stichwort.

Ist einem als Laie nicht so transparent.

Zum Niederwild: Wir reden hier über eine Fläche von ca. 0,7ha - ich denke das war letztes Jahr ein Biogas-Getreide Versuchsballon auf einer kleinen Fläche und jetzt stellt er wieder auf konventionell um. Ist nicht so, dass hier wie wild gegrubbert, gepflügt und gefräst wird bis alles kurz und klein ist. Bodenfräsen sehe ich eher selten, Pflüge auch. Sonst grubbern die hier hauptsächlich.

Ich sagte ja, dass wir im Augsburg Westen ("da wo i im Büro sitz") sehr gute Böden haben: https://www.augsburgwiki.de/index.p...opographie#Die_westliche_H.C3.BCgellandschaft

Interessantes zum Schluss: Dass Krähen oder im Norden auch Möwen hinter dem Pflug herfliegen und schauen, was da so nach oben kommt kennt man ja. Vorgestern lief hier unser lokales Storchenpaar (neben den Krähen) die ganze Zeit eifrig hinter dem Pflug her. :)
 
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#12
Aus Erfahrung sind die Senffelder, die jetzt gekreiselt werden für Mais das schlimmere Übel.

Der Senf ist trocken, da hält sich hier das Niederwild viel lieber auf als im nassen Grün...
Naja, dafür war da jetzt seit letztem August Ruhe auf dem Acker!
Mein Mais liegt seit 14. April - da brüten jetzt die Kibitze unbehelligt (wenn keine schwarzen Vögel in der Nähe sind)
Vielleicht mach ich mal ein paar Fotos...
 
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#13
Kein Bauer fährt mit seinem Trecker auch nur 1 mm ohne Grund. Gülle entsorgen ist ein Problem und bringt auch noch Geld, wenn man die Suppe von anderen entsorgt. Will man mehr los werden als man darf, muß bei gutem Wetter und passendem Boden das Zeugs ausgebracht werden und mit geeigneten Methoden von der Oberfläche Richtung Erdkern gepflügt weden, mit möglichst wenig Dieselstunden und Verbrauch. Würde sagen, der beobachtete Bauer hats drauf. Es gibt natürlich auch Dussels, die spritzen aus Versehen den Weinberg des Nachbarn, anstatt den eigenen, wie es meine entfernten Verwandten passiert ist, das ganze Dorf hatte 1 Jahr lang ihren Spass gehabt.
sca
 
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