Jäger bei Nachsuche von Sau getötet

Anzeige
Mitglied seit
8 Apr 2016
Beiträge
6.647
Gefällt mir
7.221
O-Ton Oberbootsmann Jan... bei der Sanausbildung: "Sind die Rippen gebrochen, könnt ihr viel länger reanimieren;-)
Wenn ihr schlapp macht, nippelt der Kamarad ab:sad:"
Harte Worte, aber die sind nach 28 Jahren immernoch present.
 
Mitglied seit
9 Aug 2017
Beiträge
105
Gefällt mir
0
2 min HDM und wechseln ist normal. Ein 3er Team kann dann schon die 30 min durchhalten. Auch wenn es richtig Arbeit ist. Infusion, Intubation, Defi kommt ja auch noch dazu.
Wenn du allein bist machst du halt weiter solange es geht. Immer noch besser als nix.
Und falsch gibt es nicht. Nur suboptimal.
 
Mitglied seit
17 Feb 2015
Beiträge
980
Gefällt mir
966
Leider trauen sich eben wirklich die meisten nicht ran.

Früher, so vor 25 Jahren, hab ich jährlich EH- und SAN-Kurse besucht. Hab als Ausbilder beim DLRG Rettungsschwimmer und damit auch die HLW gelehrt. Damals gabs nur einen Einsatz beim benachbarten Tennisheim, der Verunfallte hat es trotz HLW nicht überlebt. Sehr unschöne Situation für die Retter :no:

Durch den damaligen Drill wäre ich wahrscheinlich auch heute noch in der Lage, bei den meisten Unfälle besonnen zu reagieren. Aber damals wie heute gibt es eben eine Unmenge an Menschen die vor ihrem Führerschein so einen Kurs mal besucht haben, das aber nie aufgefrischt haben und sich heute einfach nicht trauen. Beim Tag der offenen Tür durfte jeder mal an den HLW-Dummy ran, kaum einer hat sich getraut und diejenigen die wirklich gedrückt haben waren alle zu zaghaft. Zu langsam, nicht rief genug, nicht entlastet, vom falschen Druckpunkt mal ganz zu schweigen.

Auch die Vorbereitung, ABC-Kontrolle usw. war den allermeisten nicht mehr bewusst.

Also: Einmal den Kurs machen reicht nicht!!!

Und zum Thema Blutverlust im Oberschenkel hab ich noch was. meine Mutter war stationär nach einem Herzinfarkt in einer Klinik, bekam eine Untersuchung per Herzkatheter durch den Oberschenkel und ist danach fast innerlich verblutet. Das bekommen also mitunter nicht mal Profis richtig hin...
 
S

scaver

Guest
Guten Abend in die Sauenrunde,
wenn eine Sau ein entsprechend großes, rotes Gefäß aufreisst, dann wars das. Da helfen keine Kurse, Notfallpacks etc. Wenn es doch geholfen hat, bis das Rettungsteam eintrifft - endlich mal eintrifft - wurde der Schaden unterschätzt. Dabei kann die RTW Besatzung ohne Notzarzt, der gefäßchirurgisch ausgebildet sein sollte auch nichts bewirken. Und wenn das Gehirn einmal 3 Minuten ohne Sauerstoff ist, egal wie kalt der Wald, dann bleibt bei Rettung ziemlich viel unerfreulicher Gehirn-Schaden übrig, den keiner gerne will.
Sagte ein Drückjagdteilnehmer, der Chefarzt einer entsprechenden Spezial-Klinik ist.
Gleiches gilt auch für große venöse Gefäße, die bluten auch säuisch.

Ergo, geht man mit Verstand, Erfahrung und guten Hunden an die Sau und mit dem bestmöglichen Beinkleidrundumschutz, egal wie teuer, oder unbequem das Beinkleid sein mag. Oder man lässt es - besser.

Dann passiert auch nichts und man beneötigt schon gar keine Möchtegernretter, mit 1ste Hilfe Päckchen, die hier nichts taugen. Die War and Battle Bio kits oder gun shot foams dürfte hier sicher keiner kennen oder mitführen.
Es wir zuviel theoretisiert.
scaver
 
Mitglied seit
28 Mrz 2013
Beiträge
2.105
Gefällt mir
441
Guten Morgen,

Scaver, ich bin mit Deinem Beitrag einverstanden, soweit er sich sachlich mit der Schilderung von Verletzungen und dem Hinweis auf bestmöglichen Schutz beschäftigt.
Auch den Hinweis auf bleibende Gehirnschäden und den folgenden Halbsatz finde ich mutig.

Für die -bei mir so ankommende- hintergründig mitschwingende Aussage, das sei eh alles sinnlos, wenn nicht der als Gefäßchirurg ausgebildete Notarzt da ist und kein War and Battle Bio kit oder gun shot foam und -explizit- es würde zuviel theoretisiert, bleibt jedoch unterm Strich ein :thumbdown: übrig.

Jede Hilfe, und sei sie noch so suboptimal, ist eine Hilfe und kann ggf ein Leben retten!

Wenn ich immer Dinge unterließe, weil nicht die besten Grundbedingungen herrschen, könnte ich das Arbeiten einstellen, die Jagd, das sportliche Schießen, einfach alles, denn es gibt fast nie Top-Bedingungen.

Feuerwehr und Rettungsdienste bräuchten gar nicht erst mehr auszurücken, Team Blau oftmals auch nicht, nein eigentlich auch gar nicht, denn da ist selten alles im grünen Bereich.

Und am wichtigsten ist für mich die Frage, wer denn feststellt und entscheidet, wann der Point of no return mit seinen bleibenden Hirnschäden, die keiner will, erreicht ist.

D a m i t machst du dich zum Herren über Leben und Tod.

Mit der von dir ausgesandten Botschaft demotivierst du noch mehr potentielle Ersthelfer.

Wenn du jemals in die Situation kommen solltest, Erste Hilfe zu benötigen, wünsche ich dir gleichwohl einen beherzten Helfer, der nicht gleich die Waffen streckt, weil aus seiner Sicht keine optimalen Bedingungen herrschen.


Waidmannsheil
mit Einstein


Beuterheinländer,
der schon mehrfach Erste Hilfe geleistet hat, auch mit viel Blut.
 
Mitglied seit
11 Nov 2008
Beiträge
868
Gefällt mir
261
moin,

es gibt auch blöde juristen (als ein solcher weiß ich das), nach vielen jahren, in denen ich mich auch mit der verteidigung von be- und angeklagten ärzten befassen durfte, weiß ich vor allen dingen, dass es zwar auch die vielgeschmähten "halbgötter in weiß" gibt, die überwiegende zahl der ärzte aber verdammt hart arbeiten und sehr oft nicht genug geschätzt werden.
danke!
 
Mitglied seit
20 Dez 2011
Beiträge
15
Gefällt mir
20
Guten Morgen zusammen,

Nach dem hier viel darüber diskutiert wird ob eine Verletzung der Schlagader überhaupt im Feld verarztet werden kann berichte ich jetzt mal aus erster Hand.

Ich hatte vor vielen Jahren bei einem Motorradrennen einen Sturz bei dem ich mit dem Oberschenkel auf irgend nem stumpfen Gegenstand aufschlug.
Das hatte n Loch an der Innenseite des Oberschenkel kurz oberhalb des Knie zur Folge. Aus diesem Loch sprudelte es lustig vor sich hin...
Nach dem die anwesenden Sanitäter keine hauptberuflichen sondern ehrenamtliche waren, waren diese mit der Situation leicht überfordert und erkannten den Ernst der Lage nicht sofort.
Die Ertsversorgung erfolgte mit Druckverband und Infusion und dann sollte ich mit dem Rtw ins nächste Krankenhaus gefahren werden. Erst als dann der Norarzt eintraf wurde der Hubschrauber gerufen und ich kam in die Uniklinik wo wieder alles zusammengeflickt wurde.

Bei mir waren Vene Femoralis und Arterie Femoralis betroffen, eine war aufgerissen und die andere so gequetscht dass es zu ner Inneren Blutung kam.

Deshalb muss keiner, bei so ner Verletzung, den Kopf in Sand stecken weil anscheindend alles zu spät ist. Sonder schnellstmöglich nen Notruf absetzen und dann versuchen die Blutung zu stillen oder zumindest zu vermindern bis die Profis kommen!
 
Zuletzt bearbeitet:
Mitglied seit
25 Jun 2015
Beiträge
838
Gefällt mir
212
Guten Abend in die Sauenrunde,
wenn eine Sau ein entsprechend großes, rotes Gefäß aufreisst, dann wars das. Da helfen keine Kurse, Notfallpacks etc. Wenn es doch geholfen hat, bis das Rettungsteam eintrifft - endlich mal eintrifft - wurde der Schaden unterschätzt. Dabei kann die RTW Besatzung ohne Notzarzt, der gefäßchirurgisch ausgebildet sein sollte auch nichts bewirken. Und wenn das Gehirn einmal 3 Minuten ohne Sauerstoff ist, egal wie kalt der Wald, dann bleibt bei Rettung ziemlich viel unerfreulicher Gehirn-Schaden übrig, den keiner gerne will.
Sagte ein Drückjagdteilnehmer, der Chefarzt einer entsprechenden Spezial-Klinik ist.
Gleiches gilt auch für große venöse Gefäße, die bluten auch säuisch.

Ergo, geht man mit Verstand, Erfahrung und guten Hunden an die Sau und mit dem bestmöglichen Beinkleidrundumschutz, egal wie teuer, oder unbequem das Beinkleid sein mag. Oder man lässt es - besser.

Dann passiert auch nichts und man beneötigt schon gar keine Möchtegernretter, mit 1ste Hilfe Päckchen, die hier nichts taugen. Die War and Battle Bio kits oder gun shot foams dürfte hier sicher keiner kennen oder mitführen.
Es wir zuviel theoretisiert.
scaver


Cast und ich werden noch beste Freunde...darum muss ich ihn gleich mal zitieren:


Unsinn!



"Ergo, geht man mit Verstand, Erfahrung und guten Hunden an die Sau und mit dem bestmöglichen Beinkleidrundumschutz, egal wie teuer, oder unbequem das Beinkleid sein mag. Oder man lässt es - besser."


Damit hast du Recht! Aber : Hier war vor kurzem ein Bericht, dass jmd seine tote Sau aus dem Busch ziehen wollte und nebenbei noch ein Keiler mit raus kam.
Was willst du dann machen? Dem Keiler sagen er möge bitte warten damit du dich umziehen kannst und gute Hunde besorgen kannst?



Dann haust du mit Begriffen -Die War and Battle Bio kits oder gun shot foams- um dich und ignorierst die Tourniquets die genau dafür da sind!
 
Mitglied seit
25 Jun 2015
Beiträge
838
Gefällt mir
212
Gibt es denn eine konkrete Empfehlung für ein feldgerechtes Torniqut Set?
Ich meine zu wissen, dass es so verboten ist! Zumindest wurde uns das bei der Ausbildung mitgeteilt aber die ist schon ne Weile her. Ich weiss leider nicht ob sich da was verändert hat!


Ich habe das von Cast verlinkte bzw sieht meins genau so aus. Dazu auch noch ein Israeli und man ist super ausgestattet!
 
Mitglied seit
21 Jan 2002
Beiträge
56.562
Gefällt mir
9.464
Also wenn es verboten wäre, würde man davon was lesen.

Die Dinger sind bei schwersten Verletzungen der Extremitäten so gut, daß sie immer weitere Verbreitung auch in der zivilen Notfallmedizin bekommen.

Da wo der Druckverband nicht ausreicht hilft das Tourniquet.

Wenn man manche Abhandlungen dazu liest gibt's zwar Gefahren wenn es zu lange angelegt bleibt, aber die sind in den ersten 1-2 Stunden wohl eher selten.
Aber es ist wohl die letzte Möglichkeit bei einer eine extremen Verwundung die Blutung zu stoppen.
Deswegen gibt's die Teile laut wiki erst seit 2016 auf bayerischen RTWs, im übrigen Land zivil wohl noch nicht so verbreitet.
Bombenanschläge und die daraus resultierenden Verletzung sind wohl die gleichen wie im militärischen Bereich....

Ob man jetzt unbedingt eines auf der Jagd mitführen sollte?
Keine Ahnung. Ich kenne persönlich keinen Fall wo es gebraucht worden wäre, die Einzelfälle stammen alle aus der Presse.
Wo hingegen das Israeli Verbandspäckchen in zwei Breiten mir als lohnende Investition erscheint.
 
Mitglied seit
7 Jul 2013
Beiträge
501
Gefällt mir
102
Aus medizinischer Sicht ist das Stillen einer Blutung im Grunde nur eine Frage der Kompression. Mehr Druck von außen als von innen stoppt jede Blutung. Und da reichen auch die bloßen Hände. Notfalls stellt man sich da drauf, aber es gilt Druck, Druck, Druck auf das Gefäß. Das ist bei Arterien bei höherem Innendruck viel schwieriger aber die Physik dahinter ist die selbe. Aber es braucht Gewalt, kein halbherziges Handauflegen, da muss richtig Gewicht drauf. Und man sollte sich grob den Verlauf der Arterien mal ansehen. Zudem bereitet das dem Patienten erhebliche Schmerzen, nicht nur wegen der Wunde selbst sondern auch aufgrund der sich einstellenden Blutarmut und des damit verbundenen Sauerstoffmangels in der abgepressten Extremität, das wird er nicht tolerieren, man wird ihn vermutlich zwingen müssen. Und keine Angst, ein Bein kann lange ohne Blutversorgung.

Also alles in allem eine Tortur für alle Beteiligten aber die halbe Stunde bis zur Versorgung durch Rettungskräfte, naja, muss man halt irgendwie durch, bleibt ja sonst nichts...

Ich würde diese ganzen fancy Emergency Room Artikel vergessen, das klappt meistens nicht wenn man das nicht regelmäßig macht. Dabei haben ok, ist besser als nicht dabei haben, wenn man damit umgehend kann auch top, aber im Zweifel lieber drücken als schäumen. Und nur gar nichts tun ist verkehrt.
 
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Oben