Jagd braucht Traditionsbewusstsein

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Interessanter und differenzierter Beitrag in der WuH. Die „Traditionalisten“ haben nun eine Grundlage, bei sich das Eine oder Andere zu hinterfragen.
Dennoch können sie hupen, Knochen aufhängen, Zweige in Mäuler schieben usw. Und einfach sagen „weil ich das so will“. Das reicht aus meiner Sicht völlig, wenn man etwas tun möchte, für das es keinen vernünftigen Grund gibt.
Ja sehr aufschlussreich der Artikel.
Interessant sind folgende Sätze zu den bis dahin gelebten Traditionen:

"Diese fachlichen und regionalen Unterschiede sind oder besser waren Kennzeichen einer hohen,lebendigen Jagdkultur .Doch das gefiel den Funktionären des Dritten Reiches nicht."

und weiter:

"Das NS-Regime bevorzugte in allen kulturellen Fragen,insbesondere der Jagdkultur, Einfalt vor Vielfalt, denn diese konnte von den unkultivierten Parteifunktionären leichter kontrolliert werden".

Besonders wenn man Frevert mal gelesen hat und in der Lage ist zu reflektieren merkt man dass das was heute viele als Tradition empfinden sehr zweifelhaften Ursprung ist.

Und an alle : nein das ist keine Nazikeule und auch kein Mainstream und auch Claudia Roth hat damit nichts zu tun.
 
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Doch das ist die Nazikeule.
Die Nazis haben die Traditionen nicht erfunden, sie haben sie vereinheitlicht. Genauso wie mit dem Reichsjagdgesetz.
Adolf hat auch die Autobahnen nicht erfunden, sondern vorhandene Planungen aufgegriffen, sondern nur umgesetzt.

Dir würde ich vorschlagen keine mehr zu benutzen.
 
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Die Frage ist aber doch: ist etwas, das vor 80 Jahren vereinheitlicht wurde, gleichzusetzen mit Brauchtum. Vor allem wenn die Bräuche in der eigenen Region nicht existierten und gelebt wurden. Mir ist unwohl bei dem Gedanken etwas tun zu müssen, nur weil sich das eine Einzelperson so ausgedacht hat.
 
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Die jagdlichen Gebräuche waren und sind immer regional gewesen, zumindest da wo sie heute noch gelebt werden. Frevert hat zwar ein Buch geschrieben, nur danach gehandelt haben die wenigsten. Die meisten Jäger unter uns finden die Brauchstumspuristen genau so bescheuert, wie die absoluten Brauchstumsablehner. Nur die gesunde Mitte schreibt zu wenig und überläßt das Feld den Extremisten. Hier im W&H-Forum wunderbar nachzuverfolgen!
 
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Die Frage ist aber doch: ist etwas, das vor 80 Jahren vereinheitlicht wurde, gleichzusetzen mit Brauchtum. Vor allem wenn die Bräuche in der eigenen Region nicht existierten und gelebt wurden. Mir ist unwohl bei dem Gedanken etwas tun zu müssen, nur weil sich das eine Einzelperson so ausgedacht hat.
Vorsicht vor eindimensionalem Denken!
Versuch´ vielleicht zunächst einmal die grundsätzliche Frage vom Thema "Jagd" und v.a. der Nazi-Keule abzukoppeln.
Wie und warum entsteht ein "Brauch" - warum verschwindet er wieder - oder wandelt sich zur reinen Gewohnheit? Ist etwas ein Brauch, nur weil eine Person gesagt hat, dass es einer ist und ist er deswegen "gut" oder "schlecht", weil er von dieser Person initiiert wurde (die alte Frage: Warum war das angeblich von Herrn Meier eingeführte Reichsjagdgesetz schlecht, das tatsächlich aber von ihm veranlasste Reichsnaturschutzgesetz aber nicht?)? Wird ein Brauch deswegen "besser" oder "schlechter", weil er in eine Region gebracht wird, wo es ihn bislang nicht gab - und ist es dort überhaupt ein solcher?

Fragen über Fragen...
 
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Mein Denken ist da total entkoppelt. Mir geht es in dieser Frage zunächst einmal nicht um Personen und ihre politische Einstellung. Ich hinterfrage nur, ob das, was einem als Brauchtum verkauft wird, wirklich eine Verwurzelung in sich trägt, die länger als 80 Jahre zurückreicht. Die Frage muss ganz unabhängig von anderen historischen Zusammenhängen erlaubt sein und ich konnte sie mir bislang nicht befriedigend beantworten. Der bloße und unbelegte Hinweis anonymer Forenmitglieder, das habe alles einen jahrhundertelangen Hintergrund und Frevert habe das nur emsig zusammengetragen, reicht für MEINE Überzeugungsbildung nicht aus. Dafür sind die Fragen und Zweifel zu groß.

Entscheidend ist für meine Akzeptanz: hat sich eine Handlungsweise autonom aus den Menschen heraus etabliert und wurde sie mit Freude aus einem inneren Gefallen etabliert, oder wurde sie von einer wie auch immer gearteten Autorität vorgegeben und ungefragt übernommen.
 
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Mein Denken ist da total entkoppelt. Mir geht es in dieser Frage zunächst einmal nicht um Personen und ihre politische Einstellung. Ich hinterfrage nur, ob das, was einem als Brauchtum verkauft wird, wirklich eine Verwurzelung in sich trägt, die länger als 80 Jahre zurückreicht. Die Frage muss ganz unabhängig von anderen historischen Zusammenhängen erlaubt sein und ich konnte sie mir bislang nicht befriedigend beantworten. Der bloße und unbelegte Hinweis anonymer Forenmitglieder, das habe alles einen jahrhundertelangen Hintergrund und Frevert habe das nur emsig zusammengetragen, reicht für MEINE Überzeugungsbildung nicht aus. Dafür sind die Fragen und Zweifel zu groß.

Entscheidend ist für meine Akzeptanz: hat sich eine Handlungsweise autonom aus den Menschen heraus etabliert und wurde sie mit Freude aus einem inneren Gefallen etabliert, oder wurde sie von einer wie auch immer gearteten Autorität vorgegeben und ungefragt übernommen.
Einiges ja, Enderes nein, Einiges ist wesentlich älter, Anderes gibt´s erst seit ein paar Jahren. Vielleicht solltest Du für Deine Akzeptanz vielmehr die Frage stellen, ob Du einen Sinn in einer bestimmten Handlungsweise erkennen kannst - oder zumindest deren "Unschädlichkeit".

Nicht alles, was "von einer wie auch immer gearteten Autorität vorgegeben und ungefragt übernommen" wird, entbehrt ja schließlich eines tieferen Sinnes - und nicht alles, worin KEIN konkreter und praktischer Sinn zu erkennen ist, muss man nur deswegen ablehnen.

Brauchtum und Traditionen dienen ja schließlich auch der Identitätsstiftung.
 
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Entscheidend ist für meine Akzeptanz: hat sich eine Handlungsweise autonom aus den Menschen heraus etabliert und wurde sie mit Freude aus einem inneren Gefallen etabliert, oder wurde sie von einer wie auch immer gearteten Autorität vorgegeben und ungefragt übernommen.
Das sehe ich genauso.
Wenn man Frevert (Jagliches Brauchtum) mal gelesen hat (wie viele haben das hier ?) kommt man zu dem Schluß das Brauchtum schlicht und einfach verordnet wurde.
Das was damals passiert ist ist leider die klassische Gleichschaltung des Nationalsozialismus.
Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht das einzelne Bräuche keine alte Tradition haben oder hatten.
Nur muss sich Brauchtum als ganzes entwickeln und dazu gehören eben auch regional starke Unterschiede.
Dies wurden damals aber unterbunden.
Es gab Jahrhunderte kein einheitliches "Reichsgebiet".
"Deutsche " Regionen waren je nach Lage stark durch andere Nationen geprägt (z.B. linksrheinische Gebiete, Schleswig, Friesland, Ostpreussen etc)
Noch 1866 wurde unter den deutschen Staaten Krieg geführt.

Wenn man also dem ganzen jagdlichen Brauchtum auf den Grund geht wird man zweifellos feststellen ,das unter der NS-Zeit ein wesentlicher Teil des jagdlichen Brauchtum einfach verlorenging weil es schlicht untersagt wurde.

Oder wie schreibt es Prof.Dr. Johannes Dieberger in der neuesten WuH-Ausgabe treffend:

"Dafür wurde in den 1930er Jahren ein sehr einfaches,leicht zu kontrollierendes einheitliches Deutsches Jagdliches Brauchtum bindend für alle jagdlichen Veranstaltungen vorgeschrieben, das wir heute noch - kaum verändert und völlig unkritisch - gerne vollziehen."
 
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Wie man solch ein großes Geschiss um eine kleine Sache machen kann, erschließt sich mir nicht wirklich. Vor Frevert hat es jagdliches Brauchtum gegeben und nach Frevert auch! Wer Lust hat, soll da mitmachen, wer keine Lust hat soll es bleiben lassen! Und wer meint, all die jenigen, die jagdliche Bräuche pflegen, mit der Nazikeule kommen zu müssen, der ist nicht ganz bei Verstand.
 
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Jagdliches Brauchtum bindend :LOL: Böser Frevert! Kam bestimmt der Blockwart und dann wurde der Jäger verhaftet. So ein Blödsinn...
 
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Man darf sich auch nicht immer an der Dualität "Drittes Reich" oder nicht festbeißen. Deutschland war ein nicht existierendes Konstrukt bis man ein Großreich aufbieten musste, um Napoleon hier rauszuschmeißen. Da begann die Nationalbewegung, die aus den vielen Regionalgruppen durch vereinheitlichung der kulturellen Identität eine Nation zu machen versuchte. Im Kaiserreich wurde dieser Vorgang durch Bildung eines durch Aristokratie geführten Großreiches etwas relativiert und die Regionalität wieder etwas in den Vordergrund gestellt. Nach Zerfall des Kaiserreiches durch den Ersten Weltkrieg kamen die Nazis mit einer Propagandamaschinerie daher, die das Leben in allen Bereichen möglichst vereinheitlichen sollte, um eine Kollektividentität nach dem Führerprinzip zu schaffen. Die Mechanismen dafür hat übrigens Kleist unter anderem in "Der Katechismus der Deutschen" als Revolutionssteuerung gegen Napoleon entworfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dann die heutigen Bundesländer gebildet, die mit der ursprünglichen regionalen kulturellen Zugehörigkeit nichts mehr zu tun haben. Was zusammen gehört, sieht man in den regional üblichen Bräuchen und der regionalen Küche. Gleiches gilt für jagdliche Bräuche.
Da die Jagdgesetze der Länder aber Verhalten nach Grundsätzen der "allgemeinen deutschen Waidgerechtigkeit" verlangen und diese tatsächlich die vereinheitlichen Grundsätze unter den Nazis meinen (sonst wär das "allgemein" weg), sind natürlich auch im Brauchtum Rudimente davon vorhanden. Die ganzen Traditionen sind aber nicht im Dritten Reich erfunden worden, sondern wurden aus regional bestehendem Brauchtum übernommen. Daher ist eine Reduktion des Brauchtums und der Traditionen auf das Dritte Reich schlicht falsch.
 
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Zum Gruße,
nun bin ich von jeher ein Feind u n n ü t z e r Vereinheitlichung und Gleichmacherei (Gleichschaltung).
Und ich kenne Gegenden, in denen auch der Rehbock ein Geweih trägt, obgleich man durchaus eine präzisere Formulierung in Gehörn und Geweih gefunden hat, denn es ist für den Kundigen klar, was ich gefunden habe, wenn ich von einer Gehörnstange spreche... .
Es mag sich bei Herrn Dr. Dieberger um einen Professor handeln, wie er aber dazu kommt, das generalisierende "wir" zu verwenden, wenn es um unkritische Vollziehung des von Frevert geschriebenen Brauchtums geht, bleibt mir verschlossen - wer ist dieser Mann, der mit "wir" offenbar alle brauchtumsorientierten Jäger meint und ihnen dabei sogleich unkritisches Handeln zuschreibt, s o o einfach geht das nicht, Herr Professor.
 
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Ich frage mich schon seit längerem, warum die ganzen User, die einen Zusammenhang zwischen jagdlichem Brauchtum und Nationalsozialismus konstruieren, nicht den Jagdschein abgeben? Denn eines ist sicher, viele der Nazigrößen waren begeisterte Jäger und denen darf man doch nicht nacheifern, oder?
 
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Es mag sich bei Herrn Dr. Dieberger um einen Professor handeln, wie er aber dazu kommt, das generalisierende "wir" zu verwenden, wenn es um unkritische Vollziehung des von Frevert geschriebenen Brauchtums geht, bleibt mir verschlossen - wer ist dieser Mann, der mit "wir" offenbar alle brauchtumsorientierten Jäger meint und ihnen dabei sogleich unkritisches Handeln zuschreibt, s o o einfach geht das nicht, Herr Professor.
Mit unkritisch meint er die unreflektierten die sofort "Nazikeule" schreien wenn man sich historisch
mit Brauchtum auseinandersetzt und daraus seine Schlüsse zieht.

Solls ja hier auch welche von geben.
 
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