Landkreis sieht Wolfsschutz vor Weidetierhaltung

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Ist ein ursprüngliches Landschaftsbild ursprünglich, wenn es Nutzvieh bedarf um dieses Landschaftsbild aufrecht zu erhalten ?
Denn ursprünglich war da ja auch Wald.



Rhetorische Frage, klare Antwort!
Was bedeutet denn "ursprüngliches Landschaftsbild", meinst du Landschaftsbilder vor der Einflussnahme von homo sapiens oder was?
Es gibt doch nirgendwo mehr ein "ursprungliches Landschaftsbild" in unserer Republik, alles ist "Kuturland", also menschgemacht( vielleicht die extremen Felsregionen in den Bayr. Alpen mal ausgenommen)!
Wie das von dir gewählte Wort "Nutzvieh" auch schon klar ausdrückt, ging und geht es in unserem Land immer um ein "Nutzen", sprich bewirtschaften, der verschiedensten Landschaftsformen.
In der Heide ist aktuell das Nutzungsziel, ich denke mal auch mehrheitlich von der Gesellschaft genau so gewollt, nun mal die offene Heidelandschaft.
Wir könnten mit der gleichen Argumentation auch alle unseren bewirtschafteten Forste mal wieder in (ursprünglichen) Wald zurückfallen lassen; Peter Wohlleben lässt grüßen!

Prinzengesicht
 
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Denn ursprünglich war da ja auch Wald.
Da bin ich mir nicht sicher. Es wird geschrieben, dass auf Sandböden nicht besonders viel gewachsen sei, überwiegend halt nur Heide. Davon geblieben ist nur noch die „Lüneburger Heide“.
Aber man kann ja entscheiden, was man schützen will. Schwerpunkte verschieben sich halt, in 20 Jahren wird man vielleicht ganz andere Landschaften oder Tiere für schützenswert erachten. Gruss und Waidmannsheil, DKDK.
 
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Rhetorische Frage, klare Antwort!
Was bedeutet denn "ursprüngliches Landschaftsbild", meinst du Landschaftsbilder vor der Einflussnahme von homo sapiens oder was?

Ich meine erst mal gar nichts. Die Frage nach der "Ursprünglichkeit " einer Landschaft hatte
ich nicht aufgebracht nur hinterfragt.
Nach meinem Kenntnisstand ist die Lüneburger Heide erst knapp 1000 Jahre alt und wäre ohne Entkusselung durch Nutzvieh längst nicht mehr vorhanden.
Insofern Kulurlandschaft. Davor nur Wald.
Deshalb meine Frage nach der "Ursprünglichkeit".
 
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Wie dieser Wald aussah ist aber der springende Punkt. der muss zeitweise und lokal ähnliche Strukturen aufgewiesen haben wie die Heide und andere Offenländer, sonst wären die entsprechenden Arten heute nicht zumindest reliktisch über Mitteleuropa verteilt zu finden, sondern nur an der Waldwanderungsgrenze im Norden.

Zu der VO:
In Nds. wird anderenorts geregelt, wann Wölfe geschossen werden dürfen und das hat deswegen in der VO auch garnichts zu suchen. Diese doppelte und dreifache Regelung überall ist kontraproduktiv und tunlichst zu vermeiden.
 
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Dann wird eben aus der Lüneburger Heide der Lüneburger Erholungspark und danach der Lüneburger Birkenwald. Und dann der Lüneburger Nutzwald mit viel zu vielen Rehen.

Die weitsichtigen Wolfsschützer werden irgendwann umschwenken und gegen den sinnlosen Niedergang der wertvollen Heide protestieren. Und es bedauern, dass die Heidschnucke ausgestorben ist.
 
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Ich kenne den Verordnungstext nicht. Die Heidebauernwirtschaft an sich ist Mittel zum Zweck, aber kein Naturschutzziel (man könnte da auch als "Denkmalpflege" sehen) und steht damit unter / neben den Naturschutzzielen i.e.S. Man kann den Passus dann so interpretieren, dass es eben keine Abwägung innerhalb des Naturschutz ist, wenn ein Wolf zu Gunsten der Heidebauern entnommen werden soll, sondern diese Abwägung in einem anderen Rahmen getroffen werden muss.

Da der bundesdeutsche Naturschutz in der Realität Landschaftsschutz ist, kann die bäuerliche Tätigkeit doch wohl auch Naturschutzziel sein, oder? Die Bezeichnung Naturschutz ist in der BRD doch nur Propaganda, nichts weiter.

Mbogo
 
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Ich habe grad mal "Der Grosse Brockhaus" (16. Auflage, S. 336 linke Spalte, Ausgabe 1954) bemüht.

"Heide (altnord. XXXX, wüste Hochfläche) eine meist baumlose Landschaft, gekennzeichnet durch viele dürftige Pflanzengesellschaften....
Die Lüneburger Heide wird atlantische Heide bezeichnet."

XXXX Für den altnordischen Ausdruck gibt es auf meiner Tastatur keine Zeichen.
Viehwirtschaft und Plaggenhieb hat die Ausbildung von Wäldern verhindert.
Also ich denke, dass dort halt nicht wirklich ein dichter Waldbestand war, weshalb "ursprünglich" vielleicht nicht ganz falsch ist. Erst ab dem 19.Jahrhundert sind weite Teile der Heide verändert worden, die Lüneburger Heide blieb aber erhalten.
Das aber nur zur Erläuterung, besser weiss ich es nicht, tut mir leid.
Gruss und Waidmannsheil, DKDK.
 
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Na ja, seit 1954 haben wir etwas genauere Kenntnisse:

Die Heidelandschaft der Lüneburger Heide ist anthropogen. Sie entstand durch Beweidung, Plaggen und andere Maßnahmen aus einem "Wald" heraus, und zwar über Jahrunderte. Sie ist floristisch und in der Struktur aber Vegetation ähnlich, die es in der nacheiszeitlichen Wiederbewaldung auch gab (nicht so großflächig wahrscheinlich, nicht in genau der Artzusammensetzung, aber - ähnlich genug). Da gab es verschiedene "Wiedereinwanderunswellen", zu denen dann noch der Einzug des Ackerbaus kam, was die menschliche Landnutzung revolutionierte. Ich habe gerade gestern einen Artikel weggeräumt, nach dem die Vegetationszusammensetzung in Mitteleuropa (in relativ broben Einheiten gemessen, nicht die einzelnen Pollenprofile) ab ca. 2000 v.Chr. bis zum Mittelalter relativ gleich blieb. dann kamen die bekannten Rodungs- und Aufgabewellen und seitdem ist die Waldbedeckung wiede relativ gleich, auch wenn der Wald selber sich starkl verändert hat.

Die Heide ist da also nur insofern ursprünglich, als sie einem Sukzessionsstadium nach der Entgletscherung ähnlich ist, aber nicht im Vergleich zu dem "Wald", der da früher - auch als Sukzessionsstadien - mal stand.
 
Zuletzt bearbeitet:

z/7

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Die Heide ist da also nur insofern ursprünglich, als sie einem Sukzessionsstadium nach der Entgletscherung ähnlich ist, aber nicht im Vergleich zu dem "Wald", der da früher - auch als Sukzessionsstadien - mal stand.

Denke mal, Sukzession nach mehr oder weniger regelmäßigen Bränden dürfte auch eine Rolle gespielt haben / spielen.
 
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Aussage einer Schäferin aus der Heide
>>Am liebsten wäre es dass sich niemand mehr im NSG bewegt ausser Privilegierte die alles dürfen. Diese haben uns vor 2 Jahren schon gesagt dass wir uns abfinden müssen dass es die Schnucken hier bald nicht mehr gibt.<<

Entwurf Begründung Naturschutzgebiet Lüneburger Heide
Dateibezeichnung:Entwurf Begründung Naturschutzgebiet Lüneburger Heide
Dateiendung: .pdf
Dateigröße: 223 kB
Stand: 16.03.2020
https://www.landkreis-harburg.de/do...lcm9yZG51bmdfc3RhbmRfMjUuMi4yMDIwX3BkZl8ucGRm

https://www.landkreis-harburg.de/po...gebiet-lueneburger-heide-901001918-20100.html
 
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die lüneburge heide als einmalige kulturlandschaft hätte schon wert an sich, vielleicht noch mal hinfahren bevor es den bach runter geht
 
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Die Lüneburger Heide, sowie viele andere Heidelandschaften sind natürlich anthropogenen Ursprungs, dies aber zum Teil seit der Jungsteinzeit, also >12000 Jahre.
https://naturpark-lueneburger-heide...ung-heide/entstehung-der-heide-als-zeitleiste

Kann man also diskutieren wie ursprünglich diese sind.

Wie viele extensiv genutze Kulturlandschaften haben diese positiv zur Biodiversität beigetragen, da in unseren vorherrschenden Cfh Klimaten ( Köppen & Geiger ), natürlich mit einem gewissen Einfluß des Standorts, Buchenwäldergesellschaften vorherrschen würden. ( Also ziemliche Monotonie )

Jahrhundertealte Naturlandschaften wie z.B. der Spreewald, hohe Rhön, Weinbaugebiete und Heidelandschaften mit ihren Feuchtbiotopen, Steinmauern, Offenlandflächen, Trockenrasen , vielen Grenzlinien etc. haben erste vielen Arten ( Vögeln, Reptilien, Insekten... ) ein Habitat ermöglicht, daß sie in der "reinen Naturlandschaft" gar nicht vorgefunden hätten.

Diese zu erhalten ist ja gerade der Ansatz von Biospärenreservarten und Naturparks - Nutzung aber extensiv um den Charakter der Landschaft und Ihre Vielfalt zu erhalten.

Heidschnucken sind wohl kaum als Nutzvieh zu bezeichnen, Tierische Produkte wohl eher nebensächlich, Hauptnutzen ist sicher das offenhalten der Heidelandschaften.

Dieses nun hinter die ( in Europa sowie so nicht gefährdete ) Wolfspopulation hinten anzustellen, halte ich für einen Fehler.

Dies ist leider der urbanen Mehrheitsmeinung geschuldet, die sich mangels Bezug viel mehr mit "Wolfi und Lupi" identifiziert als mit Feldlärche, Rebhuhn, Mauereidechse, Kreuzotter oder Wiesenweihe.
 
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