Mein schönster jagdlicher Gegenstand

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#1
Zwar gibt es weiter unten in diesem Unterforum den Faden "Jagd und Kunst" schon.

Aber manche schönen jagdlichen Dinge sind weniger "bildhaft" als einfach dekorativ, stimmungsvoll, nobel, anheimelnd, beeindrucken .... und nicht immer auf Papier oder Leinwand gedruckt oder gemalt.

Daher, und um dieser dunklen Jahreszeit etwas schönes entgegen zu stellen, möchte ich mit diesem Unter"fädchen" mal dazu einladen, Gegenstände zu zeigen, die Ihr im Bereich Jagd mit besonderer Freude betrachtet, die Euch etwas bedeuten oder eine interessante Geschichte haben.

Ein alter Schrank mit jagdlichem Dekor, eine mit Rehdecke und -Schalen verzierte alte Jagdtasche, ein besonderes Kleidungsstück oder ein Horn des Großvaters, eine edle Bronzeskulptur oder ein alter Hut, Erbstücke vielleicht, bestoßen, angedellt, ausgerissen ... und voller Geschichten.

Ich habe vor einiger Zeit einen silbernen Sturzbecher auf einer Auktion ersteigern können. Einen Sturzbecher kennt man von alten Parforce Jagden zu Pferde und den Reitern wurde darin ein Schluck gereicht, während diese noch hoch zu Ross im Sattel saßen.

In Analogie gab es dann in Jagdschlössern und später auch Jagdstuben und Hütten, teilweise weiter gereicht und mitsamt etwaiger Rituale gepflegt über Generationen, mehr oder weniger prunkvolle Jagdbecher oder gar Pokale, die bei Erlegung eines besonderen Stückes oder bei besonderen Feierlichkeiten verwendet wurden.

Als "Hirschbecher" findet man diese Dinge gelegentlich auch in der Literatur beschrieben.

Als ich mich bereits vor einigen Jahren anfing danach umzusehen, fand ich ganz unterschiedliche Qualitäten, was Material und künstlerische Ausarbeitung betrifft. Bis in die heutige Zeit werden diese Dinge gefertigt, allerdings in oftmals weniger anspruchsvioller Form als früher, meine ich.

Antike, silberne Gefäße mit einer zarten, erhaltenen Innenvergoldung und einer möglichst naturnahen Tiergestaltung gefielen mir am besten.
Allerdings sind die Preise durchaus bedenkenswert, denn trotz eines vermutlich überschaubaren Interessentenkreises sind diese Dinge zumeist aus höherlötigem Silber gefertigt, was ja bei einigen hundert Gramm Gewicht solch eines Bechers ebenfalls einen gewissen Wert darstellt.

Vor einiger Zeit nun hat es geklappt und ich habe einen "Hirschbecher" erwerben können, der dem hier dargestellten aus einer anderen Auktion 1:1 entspricht.
Er hat, im Gegensatz zu dem abgebildeten (mit russischer Punze) eine deutsche Punze aber gleiches Gewicht, 800.er Silber und bis ins Detail des Geweihes und der Decke etc gleich gearbeitet, so dass ich denke, dass es hier jemanden gab, der diese Teile gegossen und dann zur Endausarbeitung an unterschiedliche, regionale Silberschmiede weiter gegeben hat. Für letztere stehen dann die Punzen.

Mein Glück war, dass das Silber des Bechers etwas oxidiert war und er daher, bei ansonstem allerbestem Erhaltungszustand, keinen offenkundigen Glanz versprühte. Ich habe ihn für einen sehr guten Preis auf einer Auktion bekommen und aktuell ist er bei einem Silberschmied meines Vertrauens, um wieder vorsichtig zum Leben erweckt zu werden und dann zukünftig erfolgreiche Jäger in meinem Reiver als Becher zu dienen. Wenn ein Stück tot getunken werden kann (was hier einen guten Becher voll Wein oder Champagner heißen soll - alles in Maßen).

Zur Provenienz war leider nichts zu erfahren, was ich bei Antiquitäten immer besonders bedauere, denn dieser Becher hätte sicher so manches berichten können. Seine Entstehungsgeschichte wird vermutlich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, ggf auch etwas davor, ihren Anfang genommen haben.
Mein Silberschmied versucht das über die Meistermarke zu entschlüsseln.

So ist es nun an mir dafür zu sorgen, dass neue Geschichte und Geschichten um diesen Becher entstehen und er endlich wieder seinem alten Bestimmungszweck zugeführt wird !
 
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#2
Sehr schön, ich hoffe du wirst uns auch ein Bild deines Bechers nicht vorenthalten, wenn er wieder im alten Glanze erstrahlt.

Das Geweih des Hirschen finde ich übrigens markant, es ist hier kein Prunkgeweih und "Erntehirsch" verewigt worden, sondern - wie ich spekuliere- einer mit besonderer Geschichte.

Viel Spaß damit und Weidmanns Heil

CdB
 
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#4
Ist zwar nicht meins auf dem verlinkten Bild, aber so eines habe ich:

https://www.bing.com/images/search?view=detailV2&ccid=dbLo073/&id=B5CE0EA5A28B3E56BBC9291B950EE2616D689FEB&thid=OIP.dbLo073_Mi1sgynrGEeqIwHaG4&mediaurl=https://www.nipon-scope.com/images/products/collectables/binoculars/M.E.Solomons_Dublin1.jpg&exph=1394&expw=1500&q=fernglas+antik&simid=608035315528106813&selectedIndex=4&ajaxhist=0

Vergrößerung 3x oder 3,5x, Objektivdurchmesser 38mm, Höhe 82mm (mit komplett raufgedrehter Schärfeeinstellung: 104mm), Breite 117mm, Gewicht 285g.
Gekauft vermutl. in den 1890er Jahren von meinem Ururgroßonkel, der schenkte es um 1910/12 seinem Neffen (meinem Urgroßvater) und von dem erbte ich es 1977.
Hat mich als Bub oft nach draußen begleitet und heute nehme ich es noch gerne an trocknen Tagen mit in den Wald.
 
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#5
Sehr schön, ich hoffe du wirst uns auch ein Bild deines Bechers nicht vorenthalten, wenn er wieder im alten Glanze erstrahlt.

Das Geweih des Hirschen finde ich übrigens markant, es ist hier kein Prunkgeweih und "Erntehirsch" verewigt worden, sondern - wie ich spekuliere- einer mit besonderer Geschichte.

Viel Spaß damit und Weidmanns Heil

CdB
Bin ewig nicht dazu gekommen, aber jetzt: Wie versprochen ;)

Habe den Becher nicht "überputzt". So ist das Silber kontrastreicher.

IMG_1356.jpg
 
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#7
Da macht die Berufsgenossenschaft nicht mit... enorme Verletzungsgefahr nach intensivem Becher-Gebrauch...:LOL:
 
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#8
Naja, @Busch, man könnte ja die nicht umsonst "Augsprossen" genannten Spitzen vor dem Genuss seitlich biegen - der "Augsprossenzehner" würde zum potentiellen "Einwachser":giggle:
 
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#9
Ich habe den Eindruck, dass der ein- oder andere Forist nicht die nötige Ehrfurcht vor Hirschhorn in geweihter Form hat:whistle:
 
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#10
Ein wirklich sehr schöner Becher! Ich kenne ähnliche, aber Deiner ist schöner, als die meisten, die ich bis jetzt gesehen habe. Es sieht übrigens so aus, als ob man ihn auch umgedreht abstellen könnte. Bei den gut gemachten ist das Geweih so gestaltet, dass der Becher auch "auf dem Kopf" abgestellt werden kann.

Edit meint noch: das dürfte auch der Grund für die ziemilch ausgeprägten Augsprossen sein!
 
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#11
Ich denke,

man trinkt den Becher in einem Zuge leer und dreht ihn dann, Öffnung nach unten, und setzt ihn ab - daher Sturzbecher, man stürzt ihn nach dem Austrinken.

Die andere Möglichkeit: man stürzt den Trank in sich hinein und dann vom Pferd. Es wurde ja schließlich kein Softdrink wie Burgunder darin serviert, sondern irgendein Leberkleister - äh, Jägermeister...

Gruß,

Mbogo
 
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#12
Ein wirklich sehr schöner Becher! Ich kenne ähnliche, aber Deiner ist schöner, als die meisten, die ich bis jetzt gesehen habe. Es sieht übrigens so aus, als ob man ihn auch umgedreht abstellen könnte. Bei den gut gemachten ist das Geweih so gestaltet, dass der Becher auch "auf dem Kopf" abgestellt werden kann.

Edit meint noch: das dürfte auch der Grund für die ziemilch ausgeprägten Augsprossen sein!
Weil ich den Becher sehr schön finde und deshalb ein wenig gegoogelt habe. Es gibt auf jeden Fall Becher, bei denen das Geweih zum Abstellen gedacht ist:
8C45FE57-DAF2-4779-A9F6-5E173F1EE77F.png
 
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#13
Vielen Dank für Eure Beiträge hier - ja der Becher kann "stehen" (siehe unten) - in der o.a. Form (das Foto auf meinem Gartentisch) war er nach meinem Verständnis "gestürzt".

IMG_1404.jpg IMG_1403.jpg

Heute war hier so lausiges Wetter, dass ich die Bilder mal im Jagdzimmer gemacht habe und nicht draussen. Daher die suboptimale Beleuchtung -sorry.

Was muss man machen um daraus zu trinken ? Einen Hirsch schießen (wobei ich nur Damwild im Revier habe) oder einen Keiler. So ist der Plan... aber manche Traditionen wachsen auch in Reichtungen, die man zunächst gar nicht angedacht hat...

Und einen Kuss auf den Äser ? Well, why not ? Aber das ist eher das kanadische bzw. Nordamerikanische "Cabin" Ritual des "Kiss-the-moose" ;) Dazu könnte sicherlich @markswoman etwas beitragen. Ich kenne diese Tradition aus dem nördlichen Minnesota/ Headwaters
 
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#14
Ach wie schön was so auf dem jagdlichen Weg manchmal am Wegesrand zu finden ist.Hätte mich nie interessiert.Generell mag ich es wenn vermeintlich totes, wieder zum Leben erweckt wird und nicht sein dasein ungebraucht in einer Vitrine fristet!
 
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#15
Ganz einfach: Du nimmst einen Korkenzieher (stilecht den am Puma 3591 "Waidmesser für Schalenwild") und eine Flasche richtig temperierten Tokajer ("der König der Weine und Wein der Könige", gerade der richtige Tropfen für das edle Gefäß ).
Dann entfernst du mit dem Messer die Manschette vom Flaschenhals und setzt die Spitze des Korkenziehers auf die Mitte des Korkens und drehst den Korkenziher ganz hinein.
Mit einem kräftigen Ruck ziehst du den Korken nun aus dem Flaschenhals.
Damit der Wein "seine edle Blume entfalten kann" läßt du ihn noch einige Minuten in der offenen Flasche. Einen Dekander (mehr oder weniger bauchige Glaskrug) brauchst du eigendl. nur bei einem recht jungen Wein und dann sollte der Dekander bauchiger sein, je jünger der Wein ist.
Aber da Weine wie Tokajer (oder bei dt. Weißweinen, vornehmlich Riesling der Stufen Auslese, Beerenauslese und Trockenbeerenauslese) bei richtiger Lagerung (dunkel, bei ca. 6-8°C) besser werden, je älter sie sind, kann man ihn auch in der geöffneten Flasche "atmen" lassen.
Dann füllst du den Tokajer ganz vorsichtig in den Becher, aber bitte nicht randvoll, sondern halb bis 2/3 und genießt ihn (z.B. als Nachtisch nach einem üppigen Essen, oder abends in deinem Lieblingssessel) langsam, in kleinen Schlücken. :D:giggle:
 
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