Namibia ich komme!!!

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Der Flug für Ende des Monats ist gebucht, es geht doch nochmal spontan dieses Jahr nach Namibia.
Mein Farmer freut sich, zusätzliche Einnahmen sind herzlich willkommen, ohne nachzufragen gibt es rabattierte Konditionen für mich.
 
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Der Flug für Ende des Monats ist gebucht, es geht doch nochmal spontan dieses Jahr nach Namibia.
Mein Farmer freut sich, zusätzliche Einnahmen sind herzlich willkommen, ohne nachzufragen gibt es rabattierte Konditionen für mich.
Dann geht die 9,5er wieder auf Reise...?

Gruß
2RECON
 
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Dann wünsche ich Dir ganz viel Waidmannsheil in Namibia! Berichte doch mal ein bisschen während Du unten bist.
 
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Liebe Forenkollegen und Namibiafreunde,

hier mein Bericht über unseren Aufenthalt und die Jagd im Nordosten Namibias nahe Grootfontein. Am Sonntag, den 26. September wollten wir in Frankfurt mit Eurowings Discover abheben gen Afrika, aber es kommt immer anders als man denkt und irgendwie hatten wir (speziell ich) während der gesamten Reise die Seuche an der Backe kleben...
Frohgemut legten wir am Check In unser Gepäck aufs Band und die Pässe auf den Tresen, da kam der erste Tiefschlag: Mein Lieblingsjagdcousin und erfahrener Weltenbummler, Lufthansa-Goldkartenbesitzer und Senator auf Lebenszeit, reichte lächelnd seinen noch 5 1/2 Monate gültigen Pass der netten Dame von Eurowings und landete umgehend auf dem Boden der Tatsachen: Mindestdauer für Reisen sind sechs Monate und das war´s mit dem gemeinsamen Flug auf kuschligen Economysitzen, er durfte wieder nach Hause fahren und sich einen vorläufigen Reisepass besorgen; ich dachte ich sei im falschen Film. :eek:
Immerhin wurde er auf einen Flug zwei Tage später umgebucht und, der deutschen Bürokratie sei Dank, funzte das auch mit dem vorläufigen Pass recht unkompliziert.
So flog ich allein nach Windhuk, kam ohne viel Schlaf dort an und wurde von unserem jungen Farmer, bei dem wir schon 2019 gewesen waren, abgeholt. Die beiden Damen an der Waffenausgabe hatten auch ihren guten Tag und so waren wir in Rekordzeit im Wagen und fuhren nach Norden.
Nach einem Essensstop in der Krokodilfarm in Otjiwarongo ging´s weiter und nach fünf Stunden Autofahrt kamen wir auf der Farm an; es fühlte sich an wie ein Nachhausekommen. Farmers Frau, eine junge deutsche Tierärztin, begrüßte mich herzlich, sie hatte inzwischen den zweiten Sohn bekommen, gerade mal 15 Monate alt, der Bruder ein Jahr älter.
Hier Farmhaus und Lapa:
DSC00337.JPGIMG_20211002_134522.jpg
Nach Deponieren der Koffer und sonstigem im Bungalow erfolgte die obligatorische Farmrundfahrt und ich staunte nicht schlecht über den Fortschritt der Entbuschungsbemühungen in den letzten zwei Jahren, große Teile waren überwiegend mit Schleppern und Stahlketten entbuscht und mit Büffelgras bepflanzt worden. Ziel ist es, die nicht gegatterte Farm in großen Teilen so aussehen zu lassen, wie die ersten Kolonialisten das Land vorgefunden hatten: Eine savannenartige Landschaft und kein Dickbusch, wie leider fast überall vorhanden.
Hier ein Foto des Teils, den sie Serengeti nennen und auf dem nun Elands und Hartebeester grasen:
P1000219.JPG

Ich war voller Freude auf die folgenden Tage und fest überzeugt, dass mein Wunsch, endlich einen Elandbullen zu erlegen, bei 10 Jagdtagen doch in Erfüllung gehen würde, daneben sollten es den kleinen, oft übersehenen Antilopen wie Steinböckchen und Ducker gelten.
Der tägliche Ablauf war wie folgt:
Morgens Abfährten nach Elandfährten an den Wasserstellen, danach Ausschau nach den Kleinen, die sich oft in Nähe der Pads aufhalten, am späten Nachmittag Ansitz an diversen Stellen, an denen Wasser für Rinder bereitstand und auch vom Wild genutzt wurden.
Schon am nächsten Tag fuhren wir an einem recht ansprechenden Steinböckchen vorbei, hielten 200 m weiter an und pirschten zurück, jedoch hatte sich der Bock bereits aus dem Staub gemacht; wir merkten uns die Stelle und kamen am nächsten Tag nach dem Abfährten wieder. Der Bock war nicht zu sehen, so pirschten wie eine grasbewachsene Seitenpad hinauf.
Keine zwei Minuten später schlüpfte ein Steinböckchen gut 100 m vor uns von rechts durch den Zaun, überfiel den Weg und blieb breit stehend am linken Rand stehen, er war es!
Entfernung gelaserte 102 m, schießen sollte ich über den Schießstock und das mit meiner für die Jagd auf Kleinantilopen prädestinierten Winchester 375H&H...
Ich sah nur Kopf und Hals (von einem Haupt und Träger kann man bei einem Lebendgewicht von 12 kg wirklich nicht sprechen) und zwei Fingerbreit vom Rücken, den Rest verbarg das Gras. Der gute Tipp vom Führer: Denk dir den Rest vom Körper und lass fliegen :rolleyes:
Hätte ich gewußt, wie klein das Tierchen wirklich ist, hätt´ ich´s gelassen. Die Kugel fliegt, der Bock schießt zurück durch den Zaun in den Busch und ist weg o_O
Nach 5 Minuten suchen wir den Anschuss und finden keinen (!), tippen auf unterschossen, aber kurz darauf höre ich ein Rascheln hinterm Zaun unter einem Busch und sehe den kleinen Kerl sich schwerfällig erheben: Die schwere Kugel hat ihn Tiefblatt erwischt und den ganzen Bauch aufgerissen, er legt sich gleich wieder hin und wir lassen ihm die Zeit, die er braucht. Als wir dann bei ihm stehen, ist sowohl die Erleichterung als auch die Freude groß, der stärkste je auf der Farm erlegte Steinbock liegt vor uns:


IMG_20210929_093155.jpg

Tags darauf kommt der Cousin, zum ersten Mal auf Jagd in Afrika; für ihn ist es einfacher als für mich, da er aus dem Vollen schöpfen kann: Oryx, Kudu, Hartebeest, Keiler und sonstnochwas. Morgens pirschen wir ab da gemeinsam, Abends trennen sich die Wege wegen meiner Elandjagd, von der später noch die Rede sein soll.
Morgendliches Abfährten:
DSC00322.JPG
und kleine Rast unter einem stattlichen Kameldorn auf der Pirsch:
IMG_20211001_090207.jpg
Die Tage vergingen, der Cousin erlegte zwei alte Keiler mit jeweils abgebrochenen Waffen sowie seinen ersten Oryxbullen, aber mit meinem Eland wollte es nicht klappen. Wochenlang waren die Bullen auf der Farm gewesen, hatten sich aber anscheinend 10-14Tage vor unserer Anreise aus dem Staub gemacht, keine frischen Fährten waren zu finden. Am Ende des dritten Jagdtages telefonierte unser Gastgeber mit den Farmern der Umgebung, ob auf deren Gelände Bullen vorhanden wären und siehe da, 4 Farmen und ca. 30 km Luftlinie weiter gab es frische Fährten von Bullen und großen Elandherden. Die Besitzer der Farm waren reine Rinderfarmer, die Fleisch nur zum Eigenbedarf schossen, aber wir waren willkommen und durften ab da auf deren Farm unser Glück auf Eland und auch alles andere, was uns zusagte, versuchen. Dummerweise ging keine Pad auf direktem Weg zur Nachbarfarm, der mühselige Umweg betrug einfach 70 km gleich einer Stunde Fahrt und auf der Farm nochmals mind. eine halbe Stunde bis zum ersten Ansitz, die Farmen sind groß...
Zusammengefasst und vorweggenommen sahen wir auf der Farm den Oryx unseres Lebens und Keiler, von denen ich vorher nur geträumt hatte. Kein Wunder, es gab keinen Jagdbetrieb und so konnte das Wild alt und stark werden; nur schießen durfte ich es nicht, aus Angst, die Elands wären in der Nähe und würden vergrämt. Ich darf an die vergebenen Chancen nicht denken, aber ich komme wieder ;)
Und dann schlug das Schicksal (die erwähnte Seuche) gnadenlos zu. Am Abend des ersten Tags auf der Nachbarfarm will mein Farmer den Bakkie holen, kommt aber zu Fuss zurück und ich höre ihn das erste Mal im Leben lauthals fluchen; die Batterie hat den Geist aufgegeben, nix zu machen. Es ist dunkel, wir kennen uns nicht aus, die Farm ca. 6 km entfernt und kein Handyempfang :whistle:
Gottseidank machen sich die Besitzer irgendwann aber doch mal Sorgen und so erscheint der Sohn, der gerade dabei ist, die Farm zu übernehmen, und bietet Überbrückungshilfe.
Und so geht´s weitere fünf Tage, staubige Hin- und Rückfahren, zwei Tage später fahren wir auf felsigem Gelände länger als geplant und fast nur mit Untersetzung durchs Revier und stellen an der Farmgrenze fest, dass der Tank fast leer ist, wieder mal kein Empfang und als wir endlich per Handy zur Farm durchkommen, ist dort kein Benzin mehr, weil die Arbeiter alles verbraucht hatten. Aber kurz vor der Farm kommt uns doch einer der Vorarbeiter mit bei der Nachbarfarm geborgtem Sprit entgegen und wir kommen mit Ach und Krach nach Hause. Am nächsten Tag läßt sich die Innenbeleuchtung des Bakkies nicht mehr ausschalten...
Jagdtechnisch macht uns die Wetterlage zu schaffen: Regen ist angesagt, kommt aber nicht, dafür ein ständig wechselnder Wind; an einem Tag wechseln wir dreimal den Ansitz und es passte immer noch nicht.
Vier Tage vergingen und an den drei Ansitzen, die wir gezeigt bekamen, ließ sich weder ein Eland sehen noch eine Fährte, mein junger Farmer wurde zunehmend angespannter :D
Tags drauf blieben wir nachmittags auf der Farm, weil ich wenigstens einen Keiler erlegen wollte; was kam war ein Oryxbulle, dem ich nicht widerstehen konnte, anscheinend der Platzbulle, denn als er an der Wasserstelle ankam, deckte er erstmal eine Kuh, ließ sich fallen und begab sich an den Leckstein. Die 375H&H tat ihren Dienst, fasste den Bullen am Blatt und er fiel wie ein Stein. Mein bislang stärkster Oryx, beidseitig 87 cm mit starker Basis:
P1000419.JPG
Als wir im fast Dunklen heimfuhren, stand noch ein Keiler am Rande der Pad; vom Gastgeber als stark angesprochen, fuhren wir vorbei, pirschten zurück und aufgelegt auf einen Weidezaunpfahl konnte ich ihn erlegen, leider doch schwächer als erwartet, aber die Situation war es wert.
Beim Haus angekommen sahen wir, dass auch der Cousin Weidmannsheil hatte; zu seinen zwei alten Keilern hatte er nun endlich einen Trophäenkeiler erlegt:
DSC00408.JPG
Das soll es aber für heute gewesen sein, es ist schon spät und morgen folgt der Rest des Berichts!
 
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Waidmannsheil! Ein super Oryxbulle und auch der Keiler ist ordentlich, ohnehin sind ja die Bestände an Warzenschweinen durch die Dürre brutal zusammengebrochen.

Warzenschweine leiden unter der Dürre ganz besonders, es war furchtbar was da für Gerippe rumliefen, wie Leichen auf Urlaub 😥😥😥
 
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Warzenschweine leiden unter der Dürre ganz besonders, es war furchtbar was da für Gerippe rumliefen, wie Leichen auf Urlaub 😥😥😥

2019 kamen wir abends bei der Pirsch an ein Erdferkel, das völlig apathisch vor sich im völlig ausgetrockneten Boden vergeblich nach irgendwas Essbarem suchte. Es war nur noch Haut und Knochen und selbst als einer der Pirschführer drei Meter neben ihm stand hat es nichts mitbekommen. Es tat mir so Leid, ich hätte damals heulen können. Ein richtiges Bild des Jammers. Die Natur ist halt brutal....

Vielen Dank für den tollen Bericht bisher! Ich warte gespannt auf mehr!
 
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Schöner Bericht. Danke. Hört sich alles noch nicht so über kommerzialisiert an.
Wie ist die wirtschaftliche Lage vor Ort? Wie groß ist die Farm?
 
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Waidmannsheil! Ein super Oryxbulle und auch der Keiler ist ordentlich, ohnehin sind ja die Bestände an Warzenschweinen durch die Dürre brutal zusammengebrochen.

Warzenschweine leiden unter der Dürre ganz besonders, es war furchtbar was da für Gerippe rumliefen, wie Leichen auf Urlaub 😥😥😥
Ich weiß, wir waren 2019 drüben, im Erongo haben wir gerade mal noch 2 Schweine gesehen, die Grasfresser sterben immer zuerst.
 
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2019 kamen wir abends bei der Pirsch an ein Erdferkel, das völlig apathisch vor sich im völlig ausgetrockneten Boden vergeblich nach irgendwas Essbarem suchte. Es war nur noch Haut und Knochen und selbst als einer der Pirschführer drei Meter neben ihm stand hat es nichts mitbekommen. Es tat mir so Leid, ich hätte damals heulen können. Ein richtiges Bild des Jammers. Die Natur ist halt brutal....

Vielen Dank für den tollen Bericht bisher! Ich warte gespannt auf mehr!
Wir haben auch vor 2 Jahren im Erongo unser erstes Erdferkel am helllichten Tag gesehen, der Führer meinte, das sieht man tags nur, wenn´s überhaupt nichts mehr zu fressen gibt.
 
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