Ökojäger unter Verdacht

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die "angrenzenden Grundeigentümer" wollen aber ihre Rotwildjagden verpachten und dementsprechend Pachtzahlungen haben.
Eine gute Rotwildjagd von einer Jagdgenossenschaft verpachtet hatte hier bei uns (zwischen Hoch- und Idarwald und Nahe/Rheinland-Pfalz) zu Spitzenzeiten (70er/80er Jahre), bei einer Größe von ca. 500-800ha, im Jahr um die 45 bis 50,--DM/ha gekostet.
Seit den Rotwildreduzierungen im benachbarten Staatswald 1988 und 1994 ist dieser Preis auf nun ca. 12-15€/ha (also rd. 25 bis 30,--DM) gesunken (für die Rotwildjagden, wohl gemerkt), obwohl viel Rotwild vom Staatswald in die "ruhigeren" Gemeinde- und Privatwälder abgewandert ist.
Tja, wenn man nicht gerade Steilhänge mit Eichenniederwald im Eigentum hat, dann ist es für Waldbesitzer ein schlechtes Geschäft, auf Jagdpachteinnahmen zu setzen.
 
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Tja, wenn man nicht gerade Steilhänge mit Eichenniederwald im Eigentum hat, dann ist es für Waldbesitzer ein schlechtes Geschäft, auf Jagdpachteinnahmen zu setzen.
Im Gebirge gibt es so manche Bergflanke wo die Jagdpacht so ziemlich die einzige Einnahme aus dieser Fläche für den Grundbesitzer darstellt. Hier gehen Rotwildreviere teils um >40€ weg und in den Jagdausschüssen tobt ein richtiger Krieg zwischen denen die ihre Flächen unten und am liebsten billigst an die Ökos verpachten würden damit alles abgeknallt wird und denen die die Höhe der Pacht halten wollen.
Wie überall in der heutigen Zeit gibt es nur mehr die extremen Standpunkte und die vernünftige Mitte stirbt aus.
 
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Gibt es eine Erfassung, um wieviel €/ha sich der Holzertrag pro Jahr erhöht hat, nachdem man die Wildbestände abgesenkt hat?
 
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Gibt es eine Erfassung, um wieviel €/ha sich der Holzertrag pro Jahr erhöht hat, nachdem man die Wildbestände abgesenkt hat?

Klar!

Wildbestand auf 75% abgesenkt erhöht Ertrag um 11563€
Wildbestand auf 50% abgesenkt erhöht Ertrag um 26243€
Wildbestand auf 25% abgesenkt erhöht Ertrag um 42760€
Wildbestand auf 0% abgesenkt erhöht Ertrag um 64170€

P.S. I give simple answers to very simply questions!
 
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Klar!

Wildbestand auf 75% abgesenkt erhöht Ertrag um 11563€
Wildbestand auf 50% abgesenkt erhöht Ertrag um 26243€
Wildbestand auf 25% abgesenkt erhöht Ertrag um 42760€
Wildbestand auf 0% abgesenkt erhöht Ertrag um 64170€

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:D:D(y)
Gibt es eine Erfassung, um wieviel €/ha sich der Holzertrag pro Jahr erhöht hat, nachdem man die Wildbestände abgesenkt hat?
Das meiste sind weniger gestiegene Erträge - außer bei der Schäle - sondern gesunkene Ausgaben für Schutzmaßnahmen, also v.a. zaunbau, und Ausgaben für Pflanzungen. Da kommen schon schnell 1000Euro/ha und jahr zusammen. Wohlgemerkt nicht auf die Gesamtfläche in ha bezogen! Von den höheren Ausfällen von Kulturen im Vergleich zu Naturverjüngung auch viele Jahre nach der Pflanzung durch völlig andere Wurzelentwicklung ganz zu schweigen.
Für die Schäle gibt es als Indiz die Entwicklung des Schälschadensprozent. Dabei wird festgestellt, wieviel jedes Jahr an geschälten Bäumen hinzu kommt. In Revieren mit "guten" Rotwildbeständen sind da schnell mal 100% geschält, über einige Jahre. Dies bedeutet z.B. in der Fichte in Konsequenz, wenn man davon ausgeht, dass die ersten 4m ins Dora fallen, das der Durchschnittserlöß schnell mal um ca 30-40€/fm sinkt. (für die Selber-Rechner: ins Gewicht fallen da rund 2 Vornutzung mit je etwa 60fm und Endnutzung nochmal 200fm, nur so übern Daumen... die Umtriebszeit wird man natürlich reduzieren, weil eh keine großen Qualitäten zu erwarten sind...) Nur so mal als Größenordnungen.
Das Schälschadensprozent sollte möglichst unter 1-2% jährlicher Neuschäle liegen und wird auch von Revieren mit durchaus "normalen" Rotwildbeständen bei entsprechender Bewirtschaftung ( kleinräumige Verjüngung, frühzeitige Feinerschließung, Ruhezonenkonzept, keine Nachtjagd uvm.) ziemlich gut erreicht. Wobei wahrscheinlich diese "normalen" Bestände in den Augen einiger auch schon wieder zu wenig sind.
Klar, einigen ist die Waldbewirtschaftung wurscht und man kassiert lieber bequem 50€ Pacht. Aber das ist in den meisten Fällen weder ökonomisch noch ökologisch...
 
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Klar, einigen ist die Waldbewirtschaftung wurscht und man kassiert lieber bequem 50€ Pacht. Aber das ist in den meisten Fällen weder ökonomisch noch ökologisch...
Ich meinte damit nicht Bequemlichkeit sondern Flächen die einfach nicht wirtschaftlich bearbeitbar sind. Motormanuelle Fällungen und Seilkran oder Hubschraubertransport ist bei jetzigen Holzpreisen ein Verlustgeschäft
 
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Ich meinte damit nicht Bequemlichkeit sondern Flächen die einfach nicht wirtschaftlich bearbeitbar sind. Motormanuelle Fällungen und Seilkran oder Hubschraubertransport ist bei jetzigen Holzpreisen ein Verlustgeschäft
Das hat ja der Oberförster schon angesprochen, dass hier die Jagdpacht sicher die lukrativere Einnahmequelle ist. ABER: Die frage ist, ob gerade in solchen Lagen ein hoher Wildstand nicht andere Gefährdungen mit sich bringt. Wenn in diesen Lagen - bei weitem nicht nur in den Alpen - zu lang geschludert wird, langfristig die Verjüngung ausbleibt, dann kommt genau das, was man jetzt in den Sanierungsflächen erlebt. Überaltete Wälder, welche zusammenbrechen, ohne dass bereits Verjüngung dasteht, Vergrasung und damit ein zusätzliches Verjüngungshindernis, kostenspielige Verjüngung, schwieriger Schutz etc... ein Teufelskreislauf. Dann lieber von Anfang an drauf achten, das es zumindest halbwegs läuft. Dann spart man sich die extreme... den ein Extrem bedingt das andere
 

z/7

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Dies bedeutet z.B. in der Fichte in Konsequenz, wenn man davon ausgeht, dass die ersten 4m ins Dora fallen, das der Durchschnittserlöß schnell mal um ca 30-40€/fm sinkt.
Das muß man ergänzen um die Verluste bzw. Schäden am gesamten Bestand, wenn man die durch Schäle erhöhte Anfälligkeit für Schneebruch und Windbruch und was sonst noch so alles geschwächte Bäume befällt berücksichtigt.

Außerdem hat Schäle je nach Standort unterschiedliche Auswirkungen auf die Holzentwicklung. Bei hohem pH ist der Schadverlauf sehr viel gravierender.
 
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Das ist dem Großprivatwald herzlich egal.
Ja, dem GPW ist das egal und es finden sich unter den Technikern auch sehr gut ausgebildete, gute Forstleute. GPW mit eigener Verwaltung sind jetzt aber nicht so häufig und da der Techniker dann gerne mal ein 3.000 ha Revier betreuen darf, kann man sich ausrechnen, welche Tätigkeit er selbst machen kann und welche nicht.
Bei uns macht ein Techniker die Forstwirtsausbildung und macht das ausgesprochen gut.
 
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Danke für die Verlinkung. Nun ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Allerdings anders, als insinuiert.

Das ärgerliche ist jedoch, dass die Millersche "Öffentlichkeitsarbeit" bei einem Großteil der Bevölkerung hängen bleiben wird und nicht die sachliche Stellungsnahme des NP. Bleibt zu hoffen, dass der NP rechtliche Schritte einleitet und dem Verein der "Wilden Bayrischen Dreckschleudern" etwas den Spaß verdirbt.
 
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