Parallaxe fest oder einstellbar?

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#1
Moin, wenn ein ZF wie viele Jagdgläser bis auf 100m Parallaxe frei ist, bedeutet das soviel das es nichts anderes ist
wie ein ZF mit einstellbarer Parallaxe das auf einen festen Wert z.B. 100m eingestellt ist?
Hintergrund meiner Frage ist ob es nicht grundsätzlich besser ist ein ZF mit einstellbarer Parallaxe zu haben.
Ich schieße regelmäßig über 100m und mußte feststellen das mein treues 3-12 56 Helia S einfach schon über 300m kein klares Zielbild mehr gibt. Habe es getauscht gegen ein DD 2,5-16 42 mit Parallaxe Einstellrad.
Wenn ich bei diesem Glas die Parallaxe fix auf 100m einstelle ist das Bild auf 100m schärfer wie z.B. mein Zeiss Variopoint und auch auf 50m ist das Bild nicht schlechter. Das beantwortet meine Frage eigentlich von selbst aber ich hätte trotzdem Eure Meinung dazu. Es ist auch merkwürdig das die Hersteller oft angeben bis 100m Parallaxe frei und nicht auf 100m Parallaxe frei fest justiert?! Marketing?
 
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#2
Es ist auch merkwürdig das die Hersteller oft angeben bis 100m Parallaxe frei und nicht auf 100m Parallaxe frei fest justiert?!
Erkläre mir bitte wo du den Unterschied siehst?


Ob man eine Parallaxeverstellung braucht hängt von vielen Faktoren ab. Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Ich maße mir an zu behaupten, dass 95% der deutschen Jäger kein benötigen.
 
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#3
Vergesst mal das Wort "Parallaxeausgleich". Das ist die eigentliche Fokussierung! (Heißt deshalb auch auf Englisch focus.) Der nette Nebeneffekt - wenn das Ziel scharf abgebildet wird, ist die Optik auf diese Entfernung parallaxefrei. Gläser ohne Fokussierungsmöglichkeit müssen über die Krücke der Fehlsichtigkeitskorrektur scharfgestellt werden. Leider sind dann nicht immer Abbildung und Absehen zugleich scharf und Parallaxefreiheit gibt es auch nur bei einer bestimmten Entfernung.
 
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#4
Vergesst mal das Wort "Parallaxeausgleich". Das ist die eigentliche Fokussierung! (Heißt deshalb auch auf Englisch focus.) Der nette Nebeneffekt - wenn das Ziel scharf abgebildet wird, ist die Optik auf diese Entfernung parallaxefrei. Gläser ohne Fokussierungsmöglichkeit müssen über die Krücke der Fehlsichtigkeitskorrektur scharfgestellt werden. Leider sind dann nicht immer Abbildung und Absehen zugleich scharf und Parallaxefreiheit gibt es auch nur bei einer bestimmten Entfernung.
Du hast es zwar verstanden, aber leider falsch. :-(
 
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#5
Es gibt ein paar Sachen zu unterschieden:
- Über den Dioptrin- Ausgleich stellt man das Absehen scharf, nicht das Zielbild. An besten auf einer einfarbigen hellen Fläche und ab 50m aufwärts
- Je nach Lichtbedingungen kann es zusätzlich notwendig sein, dass bei einsetzende Dämmerung der Dioptrinausgleich nachjustiert werden muss, da nahezu jeder in der Dämmerung leicht kurzsichtig wird. Wird nur nicht immer bemerkt.
- Über Parallaxe/ Focus wird unabhängig davon das Zielbild scharf gestellt. Zweites natürlich nur falls am ZF vorgesehen. Das ganze macht sich bei höher vergrößernden ZF's stärker bemerkbar wie bei z.B. einem 1,5-6 oder 3-12 fach. Wer regelmäßig auf 600m mit einem 6-24 arbeitet wird die Option zu schätzen wissen, bei einem DJ- Glas ist es einfach unnötig. Daher ist diese Option nicht immer notwendig und eingebaut, was wiederum den konstruktiven Aufwand reduziert.
 
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#6
äh, sorry wenn ich dumm frage: Bisher dachte ich scharf stellen ist scharf stellen. Was bedeutet "Absehen scharf stellen" vs. "Zielbild scharf stellen". Ich stelle das Glas so ein, dass ich die Sau scharf sehe. Erklärt mir jemand den Unterschied?
 
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#9
Du hast verschiedene Ebenen. Das Eine ist zunächst nur das Absehen über den Dioptrinausgleich einzustellen. Damit gewährleistest du, dass das Glas auf deine Augen eingestellt ist.
Ein unscharfes Absehen ist eben keine gute Grundeinstellung für einen sauberen Schuss.
Ob man dann einen Parallaxeasugleich für die Darstellung des Zielbildes braucht, hängt von vielen Faktoren ab.
Klassisch sind Jagdgläser so konstruiert, dass sie den Hauptanwednungsbereich abdecken.
Das ist z.B das klassische 3-12fach und eine Entfernung von maximal 300m. In diesem bereich bleibt man in der Regel in der Komfortzone.
Darüberhinaus kann es erforderlich sein, auch das Zielbild scharf zu stellen. So ein Linsensystem hat ja immer einen Brennpunkt. Das Ziel kann auf diesem, davor oder dahinter sein. Innerhalb gewisser Parameter bleibt alles nutzbar. Je nach Größe der Abweichung vom Brennpunkt kann eine Nachjustierung zur Scharfstellung des Zielbildes sinnvoll sein.
Das ist wie mit der Lupe und der Sonne. Manchmal muss man den Abstand (Brennpunkt) verändern, dass man etwas kokeln kann.
 
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#10
Vielleicht bin ich einfach doof...
Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Du ein ZF ohne Parallaxeausglech hast.
Stelle es auf höchste Vergrösserung und ziele in den Himmel. Jetzt justiere die Dioptrienverstellung am Okular so, dass Du das Absehen scharf siehst.
Nun visiere ein Ziel in 20, 30 oder 40 m an. Du wirst feststellen, dass das, was Du anvisierst, nicht scharf zu sehen ist. Ein Ziel in etwa 100m wirst Du aber sehr wohl scharf sehen. Das ist die Parallaxefreiheit auf 100m. Ein weiter als 100m entferntes Ziel wird auch unscharf sein, wobei man das mit Vergrösserungen bis ca. 12 -fach kaum merkt. Bei höheren Vergrösserungen merkt man das schon deutlicher, weshalb höher vergrössernde Gläser auch mit einem Parallaxeausgleich ausgestattet sind.

Ferner ist es es so, dass bei nicht passender Parallaxeneinstellung das Absehen auf dem Ziel wandert, wenn man nicht 100% zentrisch in die Austrittspupille blickt. Auf kurze Entfernungen merkt man das kaum und hier ist es auch nicht so relevant. Auf grössere Entfernungen hingegen entsteht hierdurch eine nicht unerhebliche Abweichung. Das kannst Du alles ganz leicht selber ausprobieren.
 
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#11
@Mantelträger, @Lone Rider, danke, verstanden. Ich habe in der Tat kein ZF mit Parallaxenausgleich. Aber ich denke, ich habe es verstanden.

Dioptrinausgleich. Quasi "Grundeinstellung" auf meine Augen
Parallaxenausgleich: Nachstellen der Grundeinstellung, wenn es zwar auf meine Augen passt, aber der Brennpunkt des ZF aufgrund der Entfernung nicht mehr passt.

Heisst: Prizipiell kann ich das auch über den Dioptrinausgleich nachregeln, falls nötig (war bei mir noch nie nötig), aber damit versaue ich mir die Grundeinstellung. Richtig?
 
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#12
Jein, du regelst über den Dioptrinausgleich nur das Absehen nach, nicht ob du dein Ziel scharf siehst, beispielsweise in der Dämmerung wenn jeder kurzsichtig wird. Nebeneffekt ist allerdings auch, das sich die Schärfe des Zielbildes ändert.

Was du NICHT machen solltest: Am 300m- Stand die schärfe des Zielbildes nachjustieren, wenn kein Parallaxenausgleich vorhanden ist und das Absehen scharf erscheint. Wenn, dann nur die Schärfe des Absehens nachregeln, falls unscharf.

Die dahinter steckende Problematik ist, dass du mehrere optischen Ebnen zur Deckung bringen musst: Ziel, Absehen, Auge, ggf auch noch Brille. Mit einem Einstellrad, kannst du nur 2 Ebnen zur 100% Deckung abseits der Parallaxenentfernung bringen. Da ist es wichtiger, Auge und Absehen einzustellen. Eine Unschärfe bein Ziel macht sich weniger stark als Abweichung bemerkbar wie wenn das Absehen unscharf ist.

Mit Parallaxenverstellung sind die Aufgaben einfacher zu verstehen, da klar zugeordnet:
- Dioptrinausgleich > Absehen
- Parallaxenausgleich > Zielbild
 
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#14
Ich hab es durch den Vergleich zum Pistolenschießen ganz gut verinnerlicht. Hier sollte auch vorrangig das Korn scharf sein. Korn und Ziel wird Dir nicht gelingen. Analog ist ohne Paralaxenausgleich das Absehen scharf zu stellen. Das wurde aber ja auch schon besser und ausführlicher von einigen Vorrednern bzw. Schreibern erläutert.
 
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#15
#1:
Es ist auch merkwürdig das die Hersteller oft angeben bis 100m Parallaxe frei und nicht auf 100m Parallaxe frei fest justiert?!

Eigentlich müsste es heißen "auf" 100m Parallaxefrei.
Bewegt man das Zielauge hinter dem Okular radial, dann verschiebt sich das Absehen auf dem Ziel, was auf näher als 100m mehr auffällt, als auf weiter.
Ist das Ziel zuuu nahe, kriegt man Absehen und Ziel nicht mehr scharf, was sich mit einem PA eliminieren lässt.
 

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