Rebhühner zum Auswildern

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#76
Ich hol den Faden mal wieder hoch. #72 zeigt ein Brutpaar mit Küken in der Voliere. Die Küken sind jetzt drei Wochen alt und sollten in die Grünvoliere. Nachdem dort schon 4 Junghühner laufen, gäbe es Mord und Totschlag, trotz der Deckung. Nur mal für die Liga: "Wo bekomme ich Rebhühner her? Eine Kiste hab ich schon."

Das Elternpaar ist hochaggressiv, weiß nicht wie ich füttern soll. Die Futterschüssel wird regelmäßig aus der Hand geschlagen, da man ja aufpassen muss das die Alten nicht entgegengeflattert ausbüchsen. Würden vermutlich aber wieder zu den Küken in der Voliere laufen. Riskieren will ich nichts.

Damit will ich aufzeigen was für eine Hundsarbeit dahintersteckt, die ganzen Schmalspuraktionen verlaufen ja gerneralstabsmäßig im Sand.
In einer Buntbrache steht ein geschlossener Käfig mit 1,5 x 1 x 1 Meter (Regenschutz, überdacht). Daran angebaut wurde jetzt eine Kleinvoliere mit 2 x 2 x 1,2 Meter. Mit Klappen kann ich regeln wer wo sich aufhalten darf: Es ist geplant die beiden Althühner in der Voliere zu belassen, über eine seitliche Klappe können aber die Junghühner raus in die Buntbrache. IMG_8407.jpg
Blick von oben in die 2x2-Meter Voliere
IMG_8408.jpg
Hier sichtbar die seitliche Öffnung, Türe kommt noch...
Und natürlich alles mit Stromlitze gesichert.. Hoffentlich kommt das Gerät die Tage..
IMG_8409.jpg
 
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#78
Man steckt nie drin wie sich so eine Sache entwickelt. Deshab immer Gas geben bis das Pedal unterm Bodenblech verschwindet. Wer eine "Sparversion" fährt, kann sich den ganzen Zirkus sparen. Es gilt alle Unwägbarkeiten möglichst gering zu halten:
1. Auswahl der Elterntiere nach Herkunft, keine Volierenzuchten, möglichst Naturbrut mit Rebhenne selbst, am besten aus Wildgelegen.
2. Beobachten wie sich die Henne verhält: 1. Ei wird nicht abgedeckt, auch das 2. oft nicht. Dann muss die Henne abdecken. Wenn eine das nicht kann, Finger weg.
3. Selbstbrut mit Rebhenne, Elterntiere müssen Verteidigungsbereitschaft zeigen, meine sind hoch aggressiv wenn ich in die Voliere will.
4. Artgerechte Ernährung, nicht nur Putenstarter, Ameisenpuppen und Mehlwürmer, Heuschrecken, viel Grünfutter
5. Bewachsene Voliere mit Deckung und Äsung.
6. Auswilderungsvoliere im künftigen Lebensraum
Wenn 2015 die Agarbürokratie nicht so einen Murks gemacht hätte, gäbe es in unserem Revier den ganzen Zirkus nicht. Der Hühnerbestand ist fast komplett zusammengebrochen. Der geringe Besatz ist von Inzucht bedroht.

Vielleicht gibt es nach mir hier keine Rebhühner mehr? Oder sie überleben aufgrund irgendwelcher Veränderungen? Aber so lange ich auf dieser Welt noch mitspielen darf, will ich mir den Steichelzoo erhalten.
 
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#81
(y)(y)(y)Dann halte ihn wie einen Edelstein. Einmal weg ist es unheimlich schwer, wieder Hühner zu etablieren.

Ich bin mit meinen Hühnervögeln dankbar für alle Momente. Im Jahr 2003 sind wir von Null gestartet. Nur 18 Junghühner waren es, die den Bestand begründen sollten. In einer aufwendigen Aktion dann rausgelassen und sie sind verschwunden. Ich hatte sie offensichtlich gut vorbereitet.

Dann stand ich eines Abends mit einem Menschen der mir damals sehr nahe stand einfach am Feldrand und schaute in den Sonnenuntergang des kalten Novemberabends. Da plötzlich hinter uns das vertraute Terreck - Terreck und 17!! Hühner strichen über unsere Köpfe ins Abendrot, ich konnte sie erst Tage später bei einer anderen Gelegenheit zählen. Das sind Momente, da verblassen irgendwelche Trophäen, zumindest bei mir.
 
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#82
In meinem damaligen Pachtrevier gab es auch noch ein paar wenige Rebhühner; nicht aus Aussetzungsaktionen sondern Überlebende aus besseren Zeiten.

An Hege habe ich eigentlich relativ wenig gemacht - Winterfütterung in den Heckenstreifen mit Sonnenblumenkernen und "Ausputz" aus dem Körnertank der Mähdrescher, den ich von wohlgesonnenen Landwirten oder Mähdrescherfahrern geschenkt bekommen habe. Zudem gab es einen befreundeten Mitarbeiter eines landwirtschaftlichen Lagerhauses, der Reste und Abfälle nicht (wie ihm angewiesen) in der nächsten Biogasanlage verklappte, sondern mir für die Rebhuhnhege überlassen hat.

Die absolut wirksamste Maßnahme jedoch war die Prädatorenkontrolle. Im Revier standen zwei Dackel, die beschäftigt werden wollten, und so kamen wir auf Jahresstrecken von 20 bis 40 Füchsen pro Jahr auf 700 Hektar Fläche. Und noch mal so vielen Hauskatzen, die im Rahmen des Jagdschutzes aus der freien Wildbahn dauerhaft entnommen wurden.

Nach Inkrafttreten des württembergischen Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes im Jahre 2015 war es vorbei mit der Prädatorenkontrolle. Der Jagdschutz ist abgeschafft, und die Baujagd auf den Fuchs ein juristisches Risiko. Die Jagd am Naturbau in Ba-Wü ist verboten; es ist jedoch weder im Gesetz noch in seinen Durchführungsverordnungen beschrieben oder geregelt, was als Naturbau und was als Kunstbau zu gelten hat. In der Praxis bedeutet das, dass einen baujagenden Jäger jeder Nabu-Fuzzi, jede grenzdebile Tierschutztante vor Gericht bringen und kriminalisieren kann. Und bekanntlich ist man auf hoher See und vor deutschen Richtern in Gottes Hand.....
Aus diesem Grund wird die Baujagd in Ba-Wü in den nächsten Jahren vollends zum Erliegen kommen, dann regeln eben Staupe und Räude. Aber diese regeln nur zyklisch, alle paar Jahre mal zieht eine Seuche durchs Land - in den Jahren dazwischen gehen die Rebhühner drauf.

idS Daniel
 
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#83
Wenn ich "gefällt" gedrückt habe, dann nicht wegen Deiner Situation. Aber Du beschreibst das Hauptproblem des Artenschutzes im Offenland: Wir stehen zunehmend Gesetzen und Regelungen gegenüber die artenschutzfeindlich sind, obwohl sie den Arten eigentlich helfen sollten. Fuchszucht und Rebhuhnerhaltung funktioniert eben nur in grünspanverseuchten Gehirnen von Balkonbiologen.

Hauskatzen sind ein Riesenproblem. Rebhuhngesperre findet man im Sommer nicht so schnell, aber man"sieht" zwei mal eine andere Katze in dem Gebiet, dann kann man sicher sein da sind oder waren:)cry: :sad:) welche. Wo es dem Rebhuhn gut geht, kann auch Wachtel und Lerche gut leben.

Dazu ein Agarbürokratismus, angezettelt von der Lobby die es auch einem wohlgesonnen Landwirt schwer macht, Sinnvolles für den Artenschutz zu tun.

Es reden in allen diesen Dingen Blinde von der Farbe.

Die Reduktion von Fuchs durch Staupe und Räude ist gegeben, aber längst nicht in dem Ausmaß wie duch die Tollwut, welche eben in Abständen zu einem "Kahlschlag" im Bestand geführt hat.

Unsere Enkel werden vielleicht anders über die ganze Sache denken. Ob es das Rebhuhn so lange aushält? :unsure:

Mit meinen Beispielen will ich aufzeigen: Es ist zu schaffen und manchmal ist auch der Weg das Ziel. Und so freue ich mich über jeden kleinen Teilerfolg. Landwirte in ihrer Einstellung umzustimmen ist oft eine harte Nuss. Das Problem ist, zu den auswärtigen Pächtern findet man schwer "Zugang". Der Jagdgenosse welcher auf dem Traktor sitzt ist aber leider Seltenheit.

In unserem tschechischen Revier ist das wieder ganz anders: Wir haben einige deutsche Pächter. Mit denen kommen meine tschechischen Jagdfreunde zumindest bei uns besser klar als mit den Tschechen. Wildschaden ist dort keine zusätzliche Einnahmequelle und die deutschen Bauern wissen das Engagement der einheimischen Jäger zu schätzen, vorallem was das Schwarzwild angeht.
 
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#84
In baden württemberg geht die niederwildhege systematisch den Bach runter - auch wenn der LJV langsam etwas umdenkt aber zu langsam und ohne Durchsetzungskraft!

bezüglich katze : bei mir im Revier ein Riesenproblem insbesondere für die vogelwelt - füchse habe ich einigermassen im Griff- Katzen schwierig seit ich keinen DD mehr habe.

eine katze ist schlimmer als 5 Füchse sagte Behnke - dem ist nichts hinzuzufügen
 
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#85
In baden württemberg geht die niederwildhege systematisch den Bach runter - auch wenn der LJV langsam etwas umdenkt aber zu langsam und ohne Durchsetzungskraft!

bezüglich katze : bei mir im Revier ein Riesenproblem insbesondere für die vogelwelt - füchse habe ich einigermassen im Griff- Katzen schwierig seit ich keinen DD mehr habe.

eine katze ist schlimmer als 5 Füchse sagte Behnke - dem ist nichts hinzuzufügen
Die Misere dem Landesjagdverband in die Schuhe schieben zu wollen, ist aber schon sehr sehr einfach und simpel gedacht. Der Landesjagdverband hat 30.000 Mitglieder, der NABU mehr als 100.000 in Ba-Wü. Somit ist klar wessen Wählerstimmen für die Landesregierung wichtiger sind.
Im Nachbarlandkreis waren sich die Jäger eines ganzen Hegerings nicht zu blöde, aus Protest gegen das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz geschlossen aus der Jägervereinigung auszutreten! Das ist in etwa so, als wenn als Folge der Absatzkrise bei AUDI die Angestellten aus Protest gegen die Kurzarbeit aus der IG Metall austreten.........

Zu den Katzen: selbst in Fachkreisen (www.vogelforen.de) wird die negative Wirkung der Freilaufkatzen nicht mehr ernsthaft bestritten. Nach Angaben des B.U.N.D sind es hierzulande mittlerweile zwölf Millionen Stück. Aber so ist das nun mal in der Politik - Tierschutzvereine sind eine zuverlässige Anhänger- und Wählerklientel der Grünen, insbesondere die lieben Katzenomis (erinnert sich noch wer an den letzten Fernsehauftritt von Barbara Rütting? Genau diese Klientel meine ich). Deshalb musste der Jagdschutzparagraph aus dem Jagdgesetz verschwinden, das war eine der zentralen Forderungen des Tierschutzes.

Aber nachdem sich diejenige politische Kraft, auf die sich die Jäger jahrzehntelang verlassen haben (warum eigentlich?) nunmehr mit den Grünen ins Bett steigt, scheint mir das Schicksal des Rebhuhns in unseren landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen besiegelt.

idS Daniel
 
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#87
Dompfaffen oder Stieglitze habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Amseln, Sperlinge und Elstern. Mehr gibt es hier nicht mehr....
 
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Das liegt dann aber nicht nur an den Katzen.
Richtig, da spielt die Nahrung im Herbst bei diesen Strichvögeln eine große Rolle. Sie brauchen ungemulchte Wildpflanzenbestände. Nicht nur Disteln, auch Nachtkerze, Wilde Karde, Flockenblume. Dort wo es diese gibt, sind auch Stieglitze und andere Finken.
Der Hammer war 1,0 ha Hanf, da ging richtig die Post ab.
 
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