Reh im Schlamassel

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#1
Auf der Fahrt ins Revier haben meine Holde und ich von der Autobahn aus im vorbeifahren ein Reh entdeckt, welches offensichtlich in einem verlandeten Bachlauf im Schlamm feststeckte. Wir sind in die nächste Abfahrt abgebogen und haben uns einen Weg zurück durch den Wald zu dieser Stelle gesucht. Vor Ort stellten wir fest, dass sich auf Grund der verheerenden Trockenheit eine eingetrocknete Schicht auf dem mittlerweile verlandeten Boden des Baches gebildet hatte. Darunter befand sich allerdings sehr flüssiger Schlamm. Das Reh war beim Versuch der Querung des Bachbettes dort eingebrochen und kam nicht mehr heraus.
Wir haben dann Äste zusammengesucht und auf der trockenen Schicht des Bachbettes aufgestapelt, um eine Plattform zusammenzubauen, auf der man an das Reh auf allen Vieren herankriechen konnte. Ich bekam einen Hinterlauf des strampelnden und klagenden Stückes zu fassen. So konnte ich es vorsichtig zu mir hin aus dem Schlamassel ziehen. Es war abgekommen, die Wirbelsäule stand deutlich hervor. Wahrscheinlich war es schon geraume Zeit in dieser Situation gefangen. Ich hoffe, dass es sich wieder erholt. Alles wird gut. :)

IMG-20180817-WA0011.jpg


Videolink :cool:
 
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#4
Super reagiert, sowas hätten glaube ich die wenigsten gemacht (y) Hoffe Diana gibt dir dafür was zurück ;)
 
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#6
Sehr gut reagiert, spitze das du nicht einfach weiter gefahren bist und das ganze ignoriert hast👍wer weiss ob es sonst noch lebend aus der Situation herausgekommen wäre!
 
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#7
Hi,
gut, dass Du geholfen hast!
Mein Jagdherr meint, dass die meisten geretteten Rehe nachher trotzdem wegen Stress zugrunde gehen. Hat da jemand Erfahrung dazu.
Peter
 
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#8
Wie sollte man zu dieser Erkenntnis gelangen? Wenn man zuweilen an erlegten Stücken sieht, welch schwere Verletzungen Wild nach Verkehrsunfällen ausheilt, bin ich guter Hoffnung. :)(y)
 
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#9
Hi,
gut, dass Du geholfen hast!
Mein Jagdherr meint, dass die meisten geretteten Rehe nachher trotzdem wegen Stress zugrunde gehen. Hat da jemand Erfahrung dazu.
Peter
warum soll das reh mit dem stress einer rettung nicht zurecht kommen? es überlebt ja auch angriffen von luchs, hund etc (vorausgesetzt es kann flüchten).... als flucht- und beutetier kann es mit streß umgehen.
 
K

Knut

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#12
Großartige Sache! Danke für diese Story!

Ich habe diesen Mai mit meinem Vater ähnliches erlebt. Auf dem Weg zum Morgenansitz blitzten plötzlich am Ortsausgang zwei Lichter im Scheinwerferkegel. Kurz zurück gesetzt und schon sahen wir das Schlamassel. Ein Schmalreh hing im Zaun des Friedhofes fest. Ein Zierzaun aus Eisenleitern und die vertikalen Stäbe haben vielleicht knapp 20cm Abstand. Haupt und Blätter hatten durchgepasst, die Hüfte nicht mehr. Warum es den vielleicht 80cm hohen Zaun nicht einfach übersprungen hat, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben, Rehwild geht halt gern mit dem Haupt durch's Dicke.

Das Schmalreh kann noch nicht sehr lang festgehangen haben, denn es hatte weder Abschürfungen an der Decke, noch war viel Boden zerschlagen.

Der erste Versuch, die Hüfte durch den Zaun zu drehen, wurde mit heftigem Klagen quittiert. Also rückwärts. Während mein Vater an den Hinterläufen zog, hab ich die Blätter an den Körper gedrückt, damit diese sich nicht verhaken, dann das Haupt vorsichtig durchgefädelt und schon war das Schmalreh frei.
Als wir es los ließen, blieb es noch ein paar Sekunden still liegen, um sich dann ruckartig aufzurichten und in vollen Fluchten dem Wald zuzuspringen.

Ich war ganz froh, dass wir die Aktion so einfach durchführen konnten, bevor der erste Friedhofbesucher an diesem Sonntag auftauchte und das ganze zum Riesendrama geworden wäre.

Im Auto meinte mein Vater dann mit Schmunzeln: "Wolltest Du nicht ein Schmalreh schießen und den Abschuss dieses Jahr früh erfüllen?"

Er hat meine flapsige Erklärung, dass es zur Hälfte noch im befriedeten Bezirk war, lachend akzeptiert.

Ich hab am Ansitz tatsächlich dann noch ein Schmalreh geschossen. Keine Ahnung, warum ich das eine gerettet habe, um dann einem anderen das Leben zu nehmen.
Aber es hätte sich nicht nur völlig falsch angefühlt, das eingeklemmte Reh abzufangen, statt zu befreien, es kam mir auch überhaupt nicht in den Sinn. Zu keinem Zeitpunkt. Die Gedanken drehten sich zu 100% allein um die Rettung und auf die Idee, dass dieses Stück für die Strecke genauso passend gewesen wäre, wie jedes andere Schmalreh auch, bin ich in der Situation nie gekommen.

Das einzige, was ich bereue, ist, keine Fotos gemacht zu haben. Mit der Aktion hätte man im Gemeindeblättchen oder so sehr gut Werbung für das Tun der Jäger machen können.
 
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#13
Großartige Sache! Danke für diese Story!

Ich habe diesen Mai mit meinem Vater ähnliches erlebt. Auf dem Weg zum Morgenansitz blitzten plötzlich am Ortsausgang zwei Lichter im Scheinwerferkegel. Kurz zurück gesetzt und schon sahen wir das Schlamassel. Ein Schmalreh hing im Zaun des Friedhofes fest. Ein Zierzaun aus Eisenleitern und die vertikalen Stäbe haben vielleicht knapp 20cm Abstand. Haupt und Blätter hatten durchgepasst, die Hüfte nicht mehr. Warum es den vielleicht 80cm hohen Zaun nicht einfach übersprungen hat, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben, Rehwild geht halt gern mit dem Haupt durch's Dicke.

Das Schmalreh kann noch nicht sehr lang festgehangen haben, denn es hatte weder Abschürfungen an der Decke, noch war viel Boden zerschlagen.

Der erste Versuch, die Hüfte durch den Zaun zu drehen, wurde mit heftigem Klagen quittiert. Also rückwärts. Während mein Vater an den Hinterläufen zog, hab ich die Blätter an den Körper gedrückt, damit diese sich nicht verhaken, dann das Haupt vorsichtig durchgefädelt und schon war das Schmalreh frei.
Als wir es los ließen, blieb es noch ein paar Sekunden still liegen, um sich dann ruckartig aufzurichten und in vollen Fluchten dem Wald zuzuspringen.

Ich war ganz froh, dass wir die Aktion so einfach durchführen konnten, bevor der erste Friedhofbesucher an diesem Sonntag auftauchte und das ganze zum Riesendrama geworden wäre.

Im Auto meinte mein Vater dann mit Schmunzeln: "Wolltest Du nicht ein Schmalreh schießen und den Abschuss dieses Jahr früh erfüllen?"

Er hat meine flapsige Erklärung, dass es zur Hälfte noch im befriedeten Bezirk war, lachend akzeptiert.

Ich hab am Ansitz tatsächlich dann noch ein Schmalreh geschossen. Keine Ahnung, warum ich das eine gerettet habe, um dann einem anderen das Leben zu nehmen.
Aber es hätte sich nicht nur völlig falsch angefühlt, das eingeklemmte Reh abzufangen, statt zu befreien, es kam mir auch überhaupt nicht in den Sinn. Zu keinem Zeitpunkt. Die Gedanken drehten sich zu 100% allein um die Rettung und auf die Idee, dass dieses Stück für die Strecke genauso passend gewesen wäre, wie jedes andere Schmalreh auch, bin ich in der Situation nie gekommen.

Das einzige, was ich bereue, ist, keine Fotos gemacht zu haben. Mit der Aktion hätte man im Gemeindeblättchen oder so sehr gut Werbung für das Tun der Jäger machen können.
Das Fleisch hätte nicht so gut geschmeckt .
 
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