Rehwild: Anzahl erlegter Stücke / Fläche

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#32
Ich will den TS ja nicht frustrieren, aber wurde hier schon mal über das Konzept der kompensatorischen Mortalität gesprochen?

Falls nein, in zwei Absätzen: In der Natur herrscht ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Kommen und Gehen. Eine Art produziert nachhaltig soviel Zuwachs, daß die von den Habitatanforderungen mögliche Population angesichts der im Lebensraum vorhandenen Sterblichkeitsfaktoren erhalten bleibt. Egal, wieviel man erlegt, der Jäger ist nur ein Sterblichkeitsfaktor unter vielen, was der nicht nimmt, bekommt die Straße oder Parasiten oder irgendeine Seuche oder der Hunger oder der Schnee oder der Wolf oder der Kreiselmäher etc.

Eine Übernutzung des Zuwachses führt damit zunächst dazu, daß die Wahrscheinlichkeit sinkt, einem der anderen Sterblichkeitsfaktoren zum Opfer zu fallen. Die Gesamtpopulation wächst wieder. Eine Unternutzung des Zuwachses hingegen hat zur Folge, daß die Gesamtpopulation steigt. Damit steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit, einem der anderen Sterblichkeitsfaktoren zum Opfer zu fallen. Die Gesamtpopulation sinkt wieder.

Das gilt für abgeschlossene Räume. Ein Revier ist nur bedingt als abgeschlossen zu betrachten. Je kleiner das Revier, desto unerheblicher ist die Abschußhöhe, Prinzip der kommunizierenden Röhren, Zu- und Abwanderung regeln die Verteilung in erster Linie. Die Festlegung von Abschußquoten dient ursprünglich dazu, daß alle gleichermaßen den vorhandenen Bestand nutzen. Das Konzept der Gerechtigkeit.

Die entscheidende Größe für eine nachhaltige Bewirtschaftung ist die Biotopkapazität und der sich daraus ergebende Zuwachs. Die Biotopkapazität für Rehwild ergibt sich aus dem Standort (Leistungsfähigkeit der Böden plus Klima) und den Mitessern. Am einen Ende Auenlandschaften, am andern Dünensande. Die landwirtschaftliche Nutzung ist in der Beziehung nicht eindeutig, da mit Kunstdünger und Bewässerung Verhältnisse geschaffen werden können, die denen im benachbarten Wald nicht entsprechen.

Störungsfaktoren spielen für Rehwild bei der Biotopkapazität nicht die Rolle wie z.B. bei Rotwild. Rehe werden einfach unsichtbar, fertig.

Die höchsten tragbaren Populationsdichten hab ich im Ries erlebt, da dürften nachhaltig um die 30 auf 100ha möglich sein, die geringsten in der Lüneburger Heide, dort ist es grade noch für Rauhfutterverwerter wie Rotwild attraktiv, Rehe tun sich schwer, 3 auf 100 ha dürfte viel sein.

Angesichts der kompensatorischen Mortalität ist in vielen Bereichen sehr viel mehr möglich an Abschöpfung des Zuwachs, als man meint. Die Grenze wird eher durch die Bejagbarkeit gegeben, irgendwann stehen Aufwand und Ergebnis in keinem Verhältnis mehr. Daher wird der TS vllt feststellen, daß die Höhe des Abschusses in seinem Revier langfristig völlig anderen Parametern folgt, als von der Natur vorgegebenen. Vermarktbarkeit, verfügbare Zeit für Ansitz- und Verarbeitung, Verhältnis zu Nachbarn und Verpächter, Verfügbarkeit von Mitjägern etc.
 
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#33
Reines Waldrevier, sehr strukturreich, ca 400 ha, 50 Stk. pro Jahr (ca.12,5 Stk. pro 100 ha)
Anderes Revier: reines Waldrevier, ähnlich Strukturreich (aber zusammengefressen, weil von Zoodirektor übernommen), ca 300 ha, 40 Stk. pro Jahr (ca. 13,3 Stk. pro 100 ha)

Im ersten Revier sind die 50 Stück das absolute Maximum, was mit Einzel- und Drückjagd machbar ist (dafür jedes Jahr annähernd konstant).
Im anderen Revier haben wir jetzt schon mehr als die Hälfte, weshalb mit dem gleichen maximalen Aufwand wahrscheinlich das Doppelte oder Dreifache möglich wäre - allerdings wohl nicht langfristig.

Was schließen wir daraus? Richtig! Solche Zahlen sind Schall und Rauch. Sowas über Deutschland hinweg zu vergleichen ist Blödsinn und sagt genau überhaupt nichts aus.
 
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#34
Sehr großflächiges Forst Revier. Kiefer und Heide. 1/100ha. Mehr ging dort nie. Jetzt mit dem Grauen geht es auf 0,6-0,8/100ha runter.

Bei uns auf 75 ha Wald sehr viel und gute Vegetation 6-15 Stücken.

Im reinen Feld Revier 850 ha etwa 3/100ha. Tun dort viel für das Biotop. Früher 1,5/100ha.
 
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#35
Wir haben eine seit vielen Jahren relativ konstante Strecke von ca. 20-25 Stück Rehwild auf 350 ha (220 ha Wald/gut 100 ha Feld/Rest Gewässer). Sandige Böden mit durchgängigen, relativ alten Kiefernbeständen. Mittlerweile sehr viel Naturverjüngung und erste forstliche Anpflanzungen (Buche, Eiche?, Douglasie, Küstentanne). Keine nennenswerten Probleme.
Bejagnung im Wald schwierig aber wenn nicht heute dann eben morgen. Schwerpunkt Mai und Blattzeit bei den Böcken, weibliches Rehwild September/Oktober und bei der Drückjagd Mitte November. Alles ohne Druck und bei Bedarf wird noch ein Gruppenansitz Anfang Dezember die fehlenden Stücke liefern.
Da die Verbisssituation ok ist brauchen wir auch im Wald nicht auf alles schießen.
Die Schwankungen bei Gehörn und Gewicht sehe ich eher abhängig von der Witterung, als von der Bestandsdichte. Diese Jahr überdurchschnittliche Gehörne und Gewichte. Vielleicht durch das Wasser im Revier beim letzten trockenen Sommer.

wipi
 
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#36
Anderes Revier: reines Waldrevier, ähnlich Strukturreich (aber zusammengefressen, weil von Zoodirektor übernommen), ca 300 ha, 40 Stk. pro Jahr (ca. 13,3 Stk. pro 100 ha)
Hut ab, den hohen Jahresabschuss schon zu Wissen wenn man ein Revier erst ein paar Tage bejagt,
Ich würde über eine pro Jahr Zahl erst was aussagen wenn ich sagen wir mal 3 Jahre dort gejagt habe
 
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#38
Wenn Abschuss auf einem bestimmten angenommenen Bestand beruht, müssen bei einem Abschuss von 1 Drittel, vorher 3 Drittel da sein, oder 2 Drittel übrig bleiben. Grob gerechnet.
Wer an wildreiche Waldgebiete angrenzt, tut sich leichter als mittem Wald oder mitten in der Flur.
Von 100ha auszugehen, was ein qkm ist, ergibt nur für den betreffenden PB eine Aussage und womöglich nicht einmal dort.
 
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#42
Man kann ein Revier nicht leerschiessen, was Rehe angeht - das hatten wir schon geklärt.
Es reicht, wenn man schwache Stücke auch schiesst. Wenn man ein eigenes Wolfrudel hat oder bekommen kann :), braucht man sich da nicht mehr drum kümmen.
sca
 
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#43
Man kann ein Revier nicht leerschiessen, was Rehe angeht - das hatten wir schon geklärt.
Es reicht, wenn man schwache Stücke auch schiesst. Wenn man ein eigenes Wolfrudel hat oder bekommen kann :), braucht man sich da nicht mehr drum kümmen.
sca
Whow - eigenes Wolfsrudel.
Im Ernst: schwache Stücke braucht man da nicht mehr gezielt zu bejagen, denn die sind sicher als erstes "gewolft".
In welcher Zahl welches Wild auf einer Fläche ist, beruht in aller Regel auf Schätzungen und Annahmen. Gilt für Wölfe und Luchse wie auch für Rehe.
Im Winter bei einer "Neuen" noch am ehesten herauszufinden.
 
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#44
Hut ab, den hohen Jahresabschuss schon zu Wissen wenn man ein Revier erst ein paar Tage bejagt,
Ich würde über eine pro Jahr Zahl erst was aussagen wenn ich sagen wir mal 3 Jahre dort gejagt habe
40 Stück stehen im Abschussplan. Da wir bis jetzt mehr als die Hälfte davon geschafft haben, gehe ich davon aus, dass der Rest in den verbleibenden sieben Monaten auch noch machbar sein sollte - mit entsprechendem Einsatz (Drückjagd,...) wohl sogar noch deutlich mehr. Aber wie gesagt, da ist der Abschussplan der begrenzende Faktor.
Dass diese Zahlen nicht viel aussagen habe ich ja schon geschrieben.
 
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#45
In einer kleinen 180ha Eigenjagd (guter Biotop) haben wir heuer seit 1.5. 12 einjährige Rehe ohne große Mühe erlegt. 9 weibl/3 männlich. Mit der Erlegung keines dieser Stücke hätte ich aufgrund des Gewichtes/der Trophäe Probleme in einer der angrenzenden (konservativen, schießen ca.5/100ha) Gemeindejagd bekommen. Seit nunnehr 10 Jahren schießen wir jährlich zwischen 35 und 45 Rehen auf der Fläche, ohne eine Reduktion zu spüren oder, dass die Wildbretgewichte steigen. Mir ist klar, dass ein wesentlicher Teil unserer Strecke von den Nachbarn zuwandert. Also wie viele Rehe müssen die haben, dass sie uns laufend bis zum Überfluss versorgen können? Als wir vor 10 Jahren begonnen haben beim Abschuss Gas zu geben, glaubte ich noch, dass die Strecken nach 3-5 Jahren einbrechen. Was ich sagen will, was beim Abschuss möglich ist (wenn man will) ist nur durch Ausprobieren heraus zu finden.
 
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