Schadwild und Jagdethik

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Ältere Frischlinge, die autark sind, neigen m. E. nach Erlegung der Bache verstärkt dazu, dieselben Flächen wiederholt anzunehmen. Natürlich habe ich nur einen super kleinen Vergleichskreis. Aber bei besagten 25kg+ Frischlingen war es so, dass diese dieselben Flächen regelrecht geplündert haben und sich ihr Aktionsradius verkleinert hat (Ein BGS-Inhaber hatte 2 Bachen erlegt). Wildschaden hat also eher zugenommen nach Erlegung der Leitbache.
 
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Ich verstehe den Grund für den vermeintlich höheren Schaden in der Flur nicht, wenn eine Leitbache entnommen wird. Der Rest der Rotte muss doch trotzdem weiter Äsung aufnehmen und der Hauptgrund für den Wildschaden ist doch das Äsungsverhalten des Schwarzwildes.
Aus welchem Grund sollte der Schaden ohne Leitbache also höher sein? Kann mir das jemand erklären? Wird die verbliebene Rotte durch den Abschuss der Leitbache standorttreuer erhöht sich natürlich der Schaden am betroffenen Standort. Wechselt die verbliebene Rotte hingegen großräumig, sollte der Schaden in Summe zwar gleich bleiben, aber sich über die Fläche verteilen?
Ja, genau das meinte ich mit Post #5. Aber wie gesagt, ist halt nur das, was wir da beobachten konnten, kann ja jeder in seinem Revier gerne anders vorfinden/beurteilen :)
 
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Meine Meinung dazu:
Ethisch ist es eher nicht angedacht die Leitbache zu erlegen. Natürlich spielt der Zeitpunkt eine entscheidende Rolle. Solange abhängige Frischlinge geführt werden, ist es eigentlich tabu. Es unterscheiden sich halt die Ansichten darüber, wie lange die Frischlinge abhängig sind. Manchmal wird davon gesprochen, dass mit dem Verlust der Streifen, diese Abhängigkeit verloren geht. Dies würde bei uns bedeuten, dass die Frischlinge 10-12 kg haben, was nach meiner Ansicht deutlich zu früh ist.

Wenn es um den Wildschaden geht sehe ich aus meiner Erfahrung es so, dass die geschädigten Flächen durch den Abschuss der Leitbache eher weiter geschädigt werden. Allerdings kommt es auf den Rottenverbund an. Sehr schnell wird eine andere Bache, sofern vorhanden, die Rolle der Leitbache einnehmen und ebenfalls die "verlustträchtigen Bereiche / Zeiten" meiden. Gibt es keine erfahrene Bache im Restverbund wird der geschädigte Bereich eher weiter angelaufen. In beiden Fällen (egal ob Leitbache oder Frischling erlegt wurde) bleiben aber erstmal gleich viele Stücke über und müssen sich weiter ernähren, sodass es beim Verbleib der Leitbache eher zu Verlagerungen kommt.

Der Rottenverbund wechselt nach meinen Erfahrungen im Jahresverlauf durch unterschiedliche Einflüsse. Momentan beginnen die ersten Bachen sich abzusondern um erneut zu frischen. Der Rest der Rotte ist dann ggfs. etwas führungsloser und als "Überläuferrotte" unterwegs, sofern keine weitere Bache vorübergehend die Führung übernimmt. Dieser Zustand wird sich in den kommenden Monaten ausdehnen, bis die Bachen mit den neuen Frischlingen wieder zur Rotte zurückkehren und dann die männlichen Stücke des Vorjahres i.d.R. abschlagen. Diese bilden dann, sofern mehrere vorhanden sind die Überläuferrotten.
Bei uns sind bis zum Herbst selten mehr als zwei Bachen gemeinsam mit ihrem Nachwuchs unterwegs. Erst ab Oktober scheint es vermehrt zu größeren Rottenstrukturen zu kommen. Ich vermute, dass dies mit der verstärkten Bejagung zusammenhängt, kann es aber nicht belegen.

Auf Grund der "Nachwuchspyramide" ist es i.d.R. effektiver Frischlinge zu erlegen wenn der Bestand flächig gesenkt werden soll.

Durch die bereits erfolgte und in Aussicht stehende Nutzungsmöglichkeit der NZT dürfte in Feldbereichen aktuell die Bejagung besonders effektiv sein/werden. Zumindest bei uns muss man aber quasi ab jezt bereits mit neuen Frischlingen rechnen und dementsprechend vorsichtig bei einzelnen Stücken sein, die ggfs. bereits Frischlinge im Kessel liegen haben. Diese trifft man aber meist im Wald oder Waldrand an und nicht mitten in der Flur.

Da man gerade beim Schwarzwild mehr in der Fläche und nicht revierbezogen denken und handeln sollte, stellt sich mir die Frage des Abschusses einer Leitbache eigentlich nicht.

wipi´s 2cent
 
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Alte Bachen zum richtigen Zeitpunkt erlegen!

Mehr Schaden kann es nicht geben, da dieser durch Fraßaufnahme entsteht, welche ja durch die fehlende Bache auf jeden Fall geringer ausfallen muss. Ende.
Wenn sich durch geändertes Rottenverhalten (Führung gemindert) diese Fraßsuche lokal verändert oder auch konzentriert, ist dieser Effekt ja ausdrücklich zu begrüßen. Denn der Sinn der Bachenerlegung stellt ja eine Verhaltensänderung dar.
  • Mutti weg
  • Rotte vielleicht aufgeteilt (wenn mehrere Bachen in Rotte)
  • Vorsicht weg (unerfahren, siehe Ü-Trupps im Frühjahr)
  • Mehr Strecke (wenn man am Ball bleibt)
Voraussetzung ist doch lediglich sicherzustellen, dass man keine abhängigen Frösche hinterlässt und die Bejagung der führungsgeminderten Rotte danach sichergestellt ist.
 
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Alte Bachen zum richtigen Zeitpunkt erlegen!

Wann ist denn für Dich der richtige Zeitpunkt?

Mehr Schaden kann es nicht geben, da dieser durch Fraßaufnahme entsteht, welche ja durch die fehlende Bache auf jeden Fall geringer ausfallen muss. Ende.

Unsinn, durch den Abschuss eines Frischlings fehlt genau so ein Stück, welches keinen Schaden mehr anrichtet.

Wenn sich durch geändertes Rottenverhalten (Führung gemindert) diese Fraßsuche lokal verändert oder auch konzentriert, ist dieser Effekt ja ausdrücklich zu begrüßen. Denn der Sinn der Bachenerlegung stellt ja eine Verhaltensänderung dar.
  • Mutti weg
  • Rotte vielleicht aufgeteilt (wenn mehrere Bachen in Rotte)
  • Vorsicht weg (unerfahren, siehe Ü-Trupps im Frühjahr)
  • Mehr Strecke (wenn man am Ball bleibt)
Voraussetzung ist doch lediglich sicherzustellen, dass man keine abhängigen Frösche hinterlässt und die Bejagung der führungsgeminderten Rotte danach sichergestellt ist.

Deine Betrachtung empfinde ich als zu revierbezogen, was leider weit verbreitet, nach meiner Erfahrung aber nicht zielführend ist. Woher sollte es bei Dir aber auch anders sein?

wipi
 
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Meine Meinung als jemand, der ein Revier neben einem Wald von "Sauenzüchtern" betreibt:

Will man Schwarzwild hegen, schießt man von klein nach groß. Möchte man es reduzieren - andersrum (Gesetzeslage beachten, führende Bache usw.).

SW ohne schlaue Alttiere gehen - eine Zeit lang - weniger zu Schaden, sondern finden ihr Futter in "sicheren" Ecken. Dort vermehren sie sich auch, ggfs. massiv. Und so bekommt man riesige Rotten, die eben auch mal unerwartet innerhalb einer Nacht ganze Felder umdrehen können.

Schießt man die Rotte "dumm", kommen die anderen ggfs. bald wieder und gehen wieder zu Schaden. Mit entsprechender Bejagungschance, um die Rotte zu verkleinern. Irgendwann lernen auch die dazu, sind dann aber - je nach Fleiß der Jäger - deutlich weniger.
 
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Meine Meinung als jemand, der ein Revier neben einem Wald von "Sauenzüchtern" betreibt:

Will man Schwarzwild hegen, schießt man von klein nach groß. Möchte man es reduzieren - andersrum (Gesetzeslage beachten, führende Bache usw.).

SW ohne schlaue Alttiere gehen - eine Zeit lang - weniger zu Schaden, sondern finden ihr Futter in "sicheren" Ecken. Dort vermehren sie sich auch, ggfs. massiv. Und so bekommt man riesige Rotten, die eben auch mal unerwartet innerhalb einer Nacht ganze Felder umdrehen können.

Widersprichst Du Dir nicht selbst mit dem fettgedruckten und Deinen vorher gemachten Äußerungen?
Du schreibst von Reduktion in Zusammenhang mit dem Schießen von groß nach klein und führst dann aus, dass ohne die Bachen eine ggfs. massive Vermehrung besteht und riesige Rotten in einer Nacht ganze Felder umdrehen. Irgendwie widerspricht sich das dann auch mit:

Schießt man die Rotte "dumm", kommen die anderen ggfs. bald wieder und gehen wieder zu Schaden. Mit entsprechender Bejagungschance, um die Rotte zu verkleinern. Irgendwann lernen auch die dazu, sind dann aber - je nach Fleiß der Jäger - deutlich weniger.

Oder hab ich einen Knoten beim Lesen Deines Beitrags?

wipi




wipi
 
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Beziehst Du das auch auf die Leitbache oder "nur" auf nachrangige Bachen?
Ich bin zwar nicht direkt gefragt - aber nach meinem Verständnis (vor allem) auf die Leitbache.
Die unerfahrenen Mitglieder der Rotte wissen u. U. nur wo man im Sommer gut was findet. Kommt dann die erfahrene Leitbache im November/Dezember zur Strecke sind sie eher geneigt eine Kirrung anzunehmen.
Wer den größten Teil seines noch jungen Lebens im Maisfeld verbracht hat kriegt einfach ein Problem wenn die erfahrene Leitbache beim herannahenden Winter zur Strecke kommt wo grade alle Maisfelder "verschwunden" sind.
 
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Wenn man hier sich das alles durchliest kommt man auf folgendes Ergebnis:

1.Würde man nur Männliche Stücke erlegen, dann wäre der Wildschaden ja Quasi auf null. Denn Wildschaden ensteht ja angeblich nur bei nicht intakten Rotten.

2. Erlegt man eine Bache, dann werden die Frischlinge richtige Fressmonster. Sie flüchten nach der Erlegung der Bache nicht mehr weit weg und wenn der Jäger die erlegte Bache geborgen hat kommen sie wieder aufs Feld und drehen den gesamten Acker um, aus Rache.

3. Hätte ich eine große wenmöglich eingezaunte Eigenjagd ( Jagdgatter) dann wäre es für mich besser wenn viele alte/ältere Bachen erlegt werden, denn dann würden sie sich ja unkontrolliert vermehren (fehlende Rauschsynchronisation).

4. Zieht anscheinend eine beschossene Rotte mit Leitbache sofort viele Kilometer weit weg um beim "faulen Nachbar" sich "die Bäuche voll zu schlagen" und kommen eigentlich nur um immer einen Frischling zu opfern, um die Götter zu beruhigen. ( Warum sonst kommt die erfahrene Leitbache mit Anhang da hin wo es gefährlich ist)


Meine Erkenntnis und Erfahrung:

1. Wenn ich eine Bache wie eine "heilige Kuh" behandle dann brauche ich mich nicht wundern wenn sich die Bestandszahlen und Einstandsgebiete von Jahr zu Jahr erhöhen.

2. Reduktion erfolgt unter anderem auch durch den Abschuss der älteren weiblichen Stücke. Ist doch bei jeder Wildart so. Sie sind ja auch noch Erfahrungsträger und Nachwuchsbringer

3. Wenn ich um diese Jahreszeit keine Bachen entnehmen darf, wann den dann? Wenn die Frischzeiten noch in Ordnung sind, und es gibt Gegenden wo das noch so ist, dann gibt es jetzt keine säugenden Bachen mehr. Führend ist eine Bache 11,5 Monate oder ihr werden alle Frischlinge weggeschossen.

4. Bei uns gibt es keine Notzeit mehr für´s Schwarzwild. Mast, Mais, Weizen und keine strengen Winter. Natürliche Auslese gibt´s keine, alle kommen durch.

5. Wie kann man denn eine Rottenstruktur bei einer Riegeljagd erkennen? Werden da nicht auch mehrjährige Bachen erlegt? Jagden mit Größenlimits wollen anscheinend den Sauenbestand künstlich hoch halten, egal ob Keiler oder Bache. Da geht´s dann nur mehr ums Geld.

6. Kommt es bei dieser Diskussion stark darauf an ob man im Wald oder Feld jagt.

7. Eine Bache schmeckt genau so gut ;)

Wmh
 
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@mogelmaus

Vielleicht verstehst Du jetzt das Problem. Feldjägern ist die Ethik egal. Sauen sind Schadwild.
 
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@florian:

Das hat mir auch noch keiner erklären können. Im übrigen habe ich auch noch keinen getroffen oder gesprochen, der eine Leitbache mit abhängigen Frilis schießen würde. Denkbar allenfalls dann, wenn keine gestreiften mehr dabei sind und mindestens eine weitere Bache in der Rotte steht.
Meine Erfahrung mit z. B. totgefahrenen oder fahrlässig geschossenen Bachen mit Frischlingen tendiert dahin, dass die nun Verwaisten sich eine ganze Zeitlang nur in dem Bereich bewegen, den sie bislang kannten, also eher standorttreu sind und relativ gut entnommen werden können.
 
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