Suhler und Ferlacher Vorkriegswaffen Fanclub

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#1
Hallo zusammen,
es soll ja eine gewisse Gemeinde von Fans alter Suhler und Ferlacher Waffen geben. Ich finde, dass das einen Fanclub wert ist. Ich selber habe leider keine Waffe aus der Zeit, was sich aber ändern kann. Da ich die Schränke aber schon ziemlich voll habe, will ich mich erstmal vernünftig schlau machen.

Zwei Fragen an die Leute, die in dem Thema drin sind: 1) welche Literatur ist empfehlenswert? 2) was ist von dieser Burgsmüller-Doppelflinte mit Seitenschlossen zu halten? https://www.egun.de/market/item.php?id=9650372#img Die sieht zumindest vom Bild her noch ziemlich gut aus und ist m. E. mit 1.300 € Startgebot auch nicht völlig überteuert gewesen. Warum ist die wohl nicht weg gegangen?

WH, Bo
 
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#3
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Ich könnte Mitglieder werden da ich der Besitzer bin einer Repetierbüchse Kaliber 11,2x72 hergestellt 1923 von August Schüler in Suhl.

Sonst bin ich auch der Besitzer einer Büchse Kaliber 500 Schüler , eine Patrone die auch von Schüler aus Suhl konzipiert wurde. Die Waffe dafür wurde aber Ende der Neunziger von Herrn Ritterbusch aus Seehausen am Staffelsee hergestellt. Trotzdem ist ein leichter Hauch von Barock an der Waffe erkennbar was durchaus mit Ferlach zu vereinbaren wäre.

Von der Patrone 404 Magnum Schüler , von der es nur eine leere Hülse gibt und nie eine originale Waffe dafür aufgetaucht ist , werde ich weiter träumen.
 
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#4
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Originales Vorkriegs-Modell. Normalerweise hergestellt auf Basis eines Mauser 98 Standardsystem.

Heutzutage werden überwiegend Mauser Magnum Systeme verwendet.
 
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#5
Burgsmüller saß in Kreiensen... nicht Suhl, oder ?

Was man so hört, waren die Püster so dolle nicht...
 
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#7
Ludwig Krieghoff saß anfänglich in Suhl.

Das interessante an meiner Büchse von Schüler ist das das Mauser 98 System von Krieghoff stammt. Das ist an dem typischen Stempel , einen Anker auf der Hülse , erkennbar. Die Waffe wurde auf Grund einer anderen Markierung für Lyon & Lyon in Calcutta hergestellt , aber nach ihrem guten Zustand nie ausgeliefert.
 
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#8
Burgsmüller saß in Kreiensen... nicht Suhl, oder ?

Was man so hört, waren die Püster so dolle nicht...
Der hieß auch bei manchen "Murksmüller" - hat wohl auch Restposten u. a. in Belgien aufgekauft und dann seinen Namen drauf geschrieben. ;)
In Suhl und Zella Mehlis gab es zeitweise über 100 kleine Büchsenmacherbetriebe die teilweise für die großen Suhler Firmen zugearbeitet haben, aber auch (als Vertragspartner von Waffengeschäften/Büchsenmachern im Rest Deutschlands) selbst Waffen hergestellt haben.
 
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#9
Burgsmüller in Kreiensen war ein Handelshaus wie Stukenbrock im benachbarten Einbeck.
Waffen wurden von außen (Suhl, Lüttich etc.) zugekauft und mit eigenem Firmenstempel versehen.
Ich habe einen Burgsmüller Hahndrilling mit rückliegenden Schlosse, Linsenverschluß und seitl. Rouxhebel in 16/9,3x72R, also typische "suhler Machart" wie sie z.B. von Kessler, Meffert, Krieghoff Kerner u.a. gefertigt wurden, Baujahr 1922 mit "Nitro"-Laufbündel von 1927.

Desweiteren eine klass. BBF mit Blitzschlosse und seitl. Greenerverschluß von Eduard Kettner/Suhl in 16/65-9,3x72R, Baujahr 1926 und einen Repetierer mit M88-System (Zivilfertigung), Halbachtkantlauf mit durchgehender Laufschiene in 8x57J von C.G.Haenel, Bj. so um 1905.

Der Hahndrilling war meinem Urgroßvater. Er führte ihn als einzigeste Jagdwaffe von 1922-1973. In der "jagdlosen" Zeit von 1945-51 wurde er in einem Bienenstock versteckt. Daher, trotz blanker Innenläufe, ist das Laufbündel außen an einigen Stellen recht narbig. Der Schußpräzision tut´s aber keinen Abbruch (Rottweil Tiger, 9,3x72R-Handladung mit S&B 12,5g TMF reproduzierbare Streukreis 30-35mm/100m aus dem Schießgestell über Kimme und Korn).

Die beiden anderen Waffen scheinen von ihren Vorbesitzern klimagünstiger aufbewahrt worden zu sein, denn bis auf teilweise abgegriffene Brünnierung und die üblichen Gebrauchsspuren im Schaftholz sind sie in einem nehazu neuwertigen Zustand.
 
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#10
Hallo zusammen,
es soll ja eine gewisse Gemeinde von Fans alter Suhler und Ferlacher Waffen geben. Ich finde, dass das einen Fanclub wert ist. Ich selber habe leider keine Waffe aus der Zeit, was sich aber ändern kann. Da ich die Schränke aber schon ziemlich voll habe, will ich mich erstmal vernünftig schlau machen.

Zwei Fragen an die Leute, die in dem Thema drin sind: 1) welche Literatur ist empfehlenswert? 2) was ist von dieser Burgsmüller-Doppelflinte mit Seitenschlossen zu halten? https://www.egun.de/market/item.php?id=9650372#img Die sieht zumindest vom Bild her noch ziemlich gut aus und ist m. E. mit 1.300 € Startgebot auch nicht völlig überteuert gewesen. Warum ist die wohl nicht weg gegangen?

WH, Bo
Zu 1. Um sich einen Überblick über die Technik zu verschaffen
Antiquarisch:
Marholdt/Lampel Waffenlexikon (möglichst Ausgabe aus den 50ern)
Konrad Eilers: Jagd und Sportwaffenkunde (5 Auflagen bis 1943)
Albert Preuß: Jagdwaffen

An neuerer Literatur findet sich leider eher etwas aus den englischen Sprachraum als aus Deutschland.
Die German Gun Collectors Association (www.germanguns.com) ist da sehr rührig - da gibt es viele Fachleute, Veröffentlichungen und Nachdrucke von alten Katalogen - der Vereinssitz ist aber in USA. Ich finde aber es lohnt sich da Mitglied zu sein.

Ein tolles Buch ist "Gamla fina Vapen" von Frederik Franzen - leider nur in dänisch und schwedischer Sprache. Wenn man es findet ist es meistens sehr teuer.
Mal bei www.eurobuch.com oder direkt in Schweden danach suchen.

zu 2.
Dazu muß man die mal in der Hand haben - es gibt da auch viele Roßtäuscher
 
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#11
Von der Patrone 404 Magnum Schüler , von der es nur eine leere Hülse gibt und nie eine originale Waffe dafür aufgetaucht ist , werde ich weiter träumen.
Die Hülse ist glaube ich vom alten Ziegenhahn in Zella Mehlis gefunden worden oder ist damals an ihn gegangen. Das war im alten Buschußamt Zella Mehlis, das sind auch noch andere Sachen gefunden worden. Eine sehr seltene Hülse aus diesem Hort ist auch in meinem Schank, anderes Kaliber.
Wenn ich richtig erinnere und Ziegenhahn das war, einfach noch mal anrufen, die haben eine neue Reibahle und jeder 98er in 10,75x73 läßt sich ohne Probleme auf 404 Schüler Mag aufreiben.
Hülsen macht man aus 460 Weatherby.
dein Traum könnte Wirklichkeit werden...

einfach so etwas nehmen https://www.naturabuy.fr/CARABINE-HUMBERT-SAFARI-calibre-404-10-75-73--item-2278485.html
 
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#12
Ich hatte diesbezüglich auch schon Kontakt mit einem Jäger aus Südafrika der auch sehr am Projekt interessiert ist. Er wäre dort auch nicht der Einzige , hat er gesagt. Die Reibahle ist zu Zeit in irgendeinem Privatbesitz , könnte aber besorgt werden. Die Reaktivierung oder eher der Beginn der Produktion dieser Patrone wäre aber trotz allem sehr aufwendig und natürlich teuer. Die Maße sind die der Patrone 416 WBY-Magnum , die Leistung auch , so das man Magnum Systeme verwenden muss wenn man was richtiges bauen will. Eine Waffe vorgesehen für die Patrone 404 Jeffery kann dafür nicht benutzt werden. Das alles wird sehr kostspielig , auch wenn es in Südafrika gebaut wird , und das alles nur für Liebhaber , ohne das es einen Markt , geschweige ein Bedürfnis für eine solche Patrone gibt. Ich fürchte es bleibt ein Traum.

Die Waffe von Naturabuy wollte ich kaufen , da Humbert gute Waffe für Afrika hergestellt hat. Der Anbieter ist zwar ein Profi , aber nicht bereit außerhalb Frankreich zu verkaufen. Zu viel Papierkram hat er mir geantwortet.
 
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#13
Hier zum Vergleich die Patrone , wie sie unter aller Wahrscheinlichkeit aussehen sollte , zwischen den Hülsen der Patronen 404 Jeffery und 416 WBY-Magnum.

Sicher ist nichts da es nur eine leere Hülse als Vorbild gibt.

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#14
dieses bild vom bodenstempel zeigt es ist ziegenhahn


ich hatte mit denen mal telefoniert wegen irgend einer sache und das gespräch kam dann darauf. aussage war jede 11,2x73 kann problemlos aufgerieben werden und natürlich war das ein ganz normales system 98 damals. ich denke nicht das patrone und waffe nur im katalog existierten, mindestens 1 stück ist auf jeden fall gebaut worden.
 
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Burgsmüller in Kreiensen war ein Handelshaus wie Stukenbrock im benachbarten Einbeck.
Waffen wurden von außen (Suhl, Lüttich etc.) zugekauft und mit eigenem Firmenstempel versehen.
Ich habe einen Burgsmüller Hahndrilling mit rückliegenden Schlosse, Linsenverschluß und seitl. Rouxhebel in 16/9,3x72R, also typische "suhler Machart" wie sie z.B. von Kessler, Meffert, Krieghoff Kerner u.a. gefertigt wurden, Baujahr 1922 mit "Nitro"-Laufbündel von 1927.
In dem Buch "German Hunting Guns Of The Golden Era1840-1940" von Hans Pfingsten steht nichts davon, dass Burgsmüller nur ein Handelshaus war sondern, dass er ein Büchsenmacher war, verschiedene Patente hielt und diverse Adelshäuser beliefert hat. Von Handel steht da nur, dass er "also a dealer in new, used, and obsolete military arms and equipment" war. Nun ja, das Pfingsten - Buch scheint mir allerdings auch mehr Boulevardliteratur zu sein. Der Krieghoff- Neptun Doppelbüchsdrilling vom Cover stammt jedenfalls nicht aus der Zeit bis 1940, sondern eher aus den 1990ern/2000ern. Dass er es trotzdem auf das Cover eines Buchs über Waffen aus der Zeit von 1840-1940 schafft, sagt über das Buch schon einiges aus.
 
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