SZ: Die Rettung von Rehkitzen ist Greenwashing

Anzeige
Registriert
7 Jul 2019
Beiträge
2.912
Zuallererst spreche ich Dir mein Lob und meine Anerkennung für Deine fachlich stets sehr versierten Beiträge aus 👍🏻
Zum zitierten Beitrag: Ich frage mich ob Du bei den Tätigkeiten der Wiesenbewirtschaftung nicht das Düngen vergessen hast oder ob Du wirklich nicht düngst?
Bei uns wird im Frühjahr einmal Kunstdünger gestreut und dann nach jeder Mahd sofort Gülle gefahren.

Ja, noch ein paar Pflegemaßnahmen mehr sogar... aber Du hast Recht mit dem Düngen, vollkommen.

Wir nutzen unseren Wirtschaftsdünger.
 
Registriert
21 Jan 2002
Beiträge
68.364
Also Gülle. Schreib das dann auch. Wirtschaftsdünger.... :ROFLMAO:
 
Registriert
4 Sep 2013
Beiträge
553
Gerade in diesen Minuten fallen die letzten Halme meines Kleegrases unter dem 9 m breiten Kreiselmäher des Lohners zu Boden. 1 ha,
15 Minuten.
Seit Anfang Mai studiere ich jeden Morgen um 7:30, da bekomme ich den Wetterbericht von Kachelmann, aufdem Handy.
Da wird eine trockene Woche prognostiziert, allein der Aufwuchs des Kleegrases beträgt gerade mal 40 cm. Also kein das Mähen lohnender Aufwuchs.
1 Woche später sieht der Wetterbericht ganz gut aus, Aufwuchs wäre von der Menge her akzeptabel, Lohner bestellt, kommt in 2 Tagen. Nur 1 Tag vorher Wetterbericht total umgestellt. Lohner wieder abgesagt.
Heute vor einer Woche Lohner wieder bestellt, am Vorabend Scheuchen aufgestellt, 2 Jungjäger mit Hund sind abends noch mal durchgegangen, keine Anzeichen von Rehwild gefunden, nachts sturmregen, Lohner morgens wieder abgesagt.
Heute Morgen sind meine Nerven gerissen. Jetzt ist der Lohner fertig. War nichts drin.
Hoffentlich hat das Wetter zugehhört und bleibt die Woche trocken.
 
Registriert
15 Jun 2012
Beiträge
2.910
Der Artikel ist doch richtig. Die Hälfte der Schreiber hier hat die paar Zeilen gar nicht gelesen.
Darum geht's:
Es wird zu früh geschnitten
Es wird zu oft geschnitten
Es wird zu schnell geschnitten (Zeit ist Geld, der Lohnunternehmer gibt Gas)
Es wird weiter von aussen nach innen gemäht
Warum das alles? Grünlandernte ist Hochleistungs-Futterindustrie. Ende. Irgendwas müssen die vielen Viecher halt fressen.

Das ist nicht ökologisch, nur darum gehts in dem Artikel. Kitze müssen "natürlich" (Zitat) weiterhin gerettet werden - steht da genau so drin. Diese Notwendigkeit als Greenwashing zu betiteln ist provokant, aber ich kann dem Gedanken in Ansätzen sogar folgen.
Im eigenen Revier wurden Wiesen von 2x auf 4-5x Schnitt hochgetrimmt nach Neuverpachtung. Das ist inzwischen mehr Golfplatz als Lebensraum. Eine Art spiegelglatte grüne Wimbledon-Wiese, Ansitze kann man da eigentlich abbauen - ausser Krähen ist da nix mehr. Unsere Naturschutzflächen werden erst ab Ende Juni gemäht, da kommt Jungwild in der Regel von allein raus. Große Artenvielfalt bei weniger Bewirtschaftung heisst aber anderes Schnittgut und kleinerer Ertrag. Der Fehler liegt m.E. im "System", der Landwirt ist da drin gefangen, wenn man so will.
Oben hat der Vorredner schon geschrieben, dass je nach Alter des Schnittes Silage oder Heu am Ende rauskommt mit völlig verschiedenen Einsatzoptionen. Ich versteh von all dem nix (die Journalistin wahrscheinlich auch nicht en detail), bei mir diskutieren die Landwirte den Eiweißgehalt der Grünlandernte und Laborantinnen testen die Gülle, weil auch die Biogaserzeugung inzwischen eine echte Wissenschaft ist. Und wenn dann mal, überspitzt gesagt, ein Jäger oder sonstiger Naturfreund mit Hut und Dackel an der Leine neben dem Trecker steht und "schöne blühende Wiesen mit vielen Insekten und Wiesenvöglen" vorschlägt, dann kann man das verständnislose Kopfschütteln ob so viel Träumerei ganz gut nachvollziehen.

Es wird allmählich mal Zeit, das sich Landwirte, wir Jäger und gerne auch Naturschutzverbände im Kleinen und über die Verbände auch überregional vorbehaltsfrei zusammentun und gemeinsam für "die Natur" Lösungen entwickeln und versuchen politisch umzusetzen. Landwirtschaft ist eine Industrie und was früher ein Bauer war ist heute ein Agrar-Unternehmer. Der arbeitet hart für sein Einkommen und nicht für Schmetterlinge. Rebhühner, Häschen und Heuschrecken stehen da nun mal nicht unbedingt primär im Zentrum des Interesses. Wer kann's ihnen verübeln?
Der gesellschaftliche Diskurs ist immerhin angestoßen, das ist mal ein Anfang.
 
Registriert
21 Aug 2008
Beiträge
1.812
Es wird allmählich mal Zeit, das sich Landwirte, wir Jäger und gerne auch Naturschutzverbände im Kleinen und über die Verbände auch überregional vorbehaltsfrei zusammentun und gemeinsam für "die Natur" Lösungen entwickeln und versuchen politisch umzusetzen. Landwirtschaft ist eine Industrie und was früher ein Bauer war ist heute ein Agrar-Unternehmer. Der arbeitet hart für sein Einkommen und nicht für Schmetterlinge. Rebhühner, Häschen und Heuschrecken stehen da nun mal nicht unbedingt primär im Zentrum des Interesses. Wer kann's ihnen verübeln?
Der gesellschaftliche Diskurs ist immerhin angestoßen, das ist mal ein Anfang.
Der gesellschaftliche Diskurs wird an Dynamik noch zulegen.

Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann besteht das Einkommen des durchschnittlichen Landwirtschaftsbetriebs zu ca. 65% aus den Steuergeldern anderer Menschen. Wenn diese anderen Menschen daraus ein gewisses Mitspracherecht ableiten wollen bei der Art und Weise der Bewirtschaftung ihrer/unserer Lebensumwelt, dann ist das nachvollziehbar.

Neulich hat ein Landwirt öffentlich verkündet: "wenn ihr mich dafür bezahlt, dann baue ich Gänseblümchen an" - glaube ich ihm persönlich zwar nicht, weil ich andere Erfahrungen mit Landwirten gemacht habe. Aber es zeigt doch schon mal die Richtung auf - wenn wir, die absolute Bevölkerungsmehrheit, einen Umbau der industrialisierten Landwirtschaft hin zu umweltverträglicherer Bewirtschaftunsgform wollen, dann müssen wir die Subventionspraxis danach ausrichten. Dann bekommt eben nur noch der Landwirtschaftsbetrieb unser Geld, der nach unseren Maßgaben wirtschaftet.
Ich habe allerdings berechtigte Zweifel daran, ob dieser Umbau unter der Ägide welt- und realitätsfremder Grüner Politiker gelingen kann. Im Unterschied zu anderen Politikfeldern genügt eine Politik der Ankündigungen und Willenserklärungen eben nicht, um Änderungen herbeizuführen. So kann man vielleicht ein Außenministerium führen, aber sicher kein Landwirtschaftsministerium.
Die EU auf diesen Landwirtschaftskurs zu bringen müßte uns, dem größten Netto-Beitragszahler der EU, doch gelingen.
 
Registriert
10 Jan 2016
Beiträge
1.082
Der gesellschaftliche Diskurs wird an Dynamik noch zulegen.

Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann besteht das Einkommen des durchschnittlichen Landwirtschaftsbetriebs zu ca. 65% aus den Steuergeldern anderer Menschen. Wenn diese anderen Menschen daraus ein gewisses Mitspracherecht ableiten wollen bei der Art und Weise der Bewirtschaftung ihrer/unserer Lebensumwelt, dann ist das nachvollziehbar.

Neulich hat ein Landwirt öffentlich verkündet: "wenn ihr mich dafür bezahlt, dann baue ich Gänseblümchen an" - glaube ich ihm persönlich zwar nicht, weil ich andere Erfahrungen mit Landwirten gemacht habe. Aber es zeigt doch schon mal die Richtung auf - wenn wir, die absolute Bevölkerungsmehrheit, einen Umbau der industrialisierten Landwirtschaft hin zu umweltverträglicherer Bewirtschaftunsgform wollen, dann müssen wir die Subventionspraxis danach ausrichten. Dann bekommt eben nur noch der Landwirtschaftsbetrieb unser Geld, der nach unseren Maßgaben wirtschaftet.
Ich habe allerdings berechtigte Zweifel daran, ob dieser Umbau unter der Ägide welt- und realitätsfremder Grüner Politiker gelingen kann. Im Unterschied zu anderen Politikfeldern genügt eine Politik der Ankündigungen und Willenserklärungen eben nicht, um Änderungen herbeizuführen. So kann man vielleicht ein Außenministerium führen, aber sicher kein Landwirtschaftsministerium.
Die EU auf diesen Landwirtschaftskurs zu bringen müßte uns, dem größten Netto-Beitragszahler der EU, doch gelingen.
warum glaubst du es nicht, dass dieser Landwirt Gänseblümchen anbauen würde?
Ich glaube es meinem Landwirt. Es gibt doch nicht deswegen zu wenig Gänseblümchenwiesen, weil der Landwirt es nicht will, sondern weil die Politik will, das es der Landwirt macht, ohne diesen bezahlen zu wollen.
 
Registriert
16 Mrz 2011
Beiträge
1.699
@Hauendes Schwein du hast das alles sehr genau erklärt, nur mal
noch soviel dazu , außer den Futterparametern spielt auch das Wetter noch eine ganz entscheidende Rolle.
@Alligatorin hat schon zu tun um 1ha zu mähen, kann sich einer vorstellen wenn da 300 - 400 ha geerntet werden müssen.
Am Rande mal noch, soviel Kitzretter mit Drohne gibt es hier gar nicht die solche Flächen in kürzester Zeit abfliegen können.

Gruß Seppel
 
Registriert
7 Jul 2019
Beiträge
2.912
@Hauendes Schwein du hast das alles sehr genau erklärt, nur mal
noch soviel dazu , außer den Futterparametern spielt auch das Wetter noch eine ganz entscheidende Rolle.
@Alligatorin hat schon zu tun um 1ha zu mähen, kann sich einer vorstellen wenn da 300 - 400 ha geerntet werden müssen.
Am Rande mal noch, soviel Kitzretter mit Drohne gibt es hier gar nicht die solche Flächen in kürzester Zeit abfliegen können.

Gruß Seppel

Jo, das die Leute wissen, dass unsere Arbeit vom Wetter abhängig ist, setze ich auch bei dem größten Malbregen klar voraus.

Auch das die Leute eigentlich wissen sollten, was "Vegetationsfreie" Zeit bedeutet, auch wenn diese mittlerweile immer kürzer wird.
 
Registriert
8 Nov 2015
Beiträge
1.336
War doch auf der ersten Threadseite schon alles gesagt.
Es ist ein unlösbares Dilemma, dass aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten ist.

bspw. Granite hat richtigerweise fest gestellte, dass in dem Artikel nicht viel Falsches drin steht und es für die "Natur" natürlich besser wäre wenn später gemäht werden würde. Aber es wäre für den Wald auch besser es würde überhaupt kein Holz eingeschlagen und für die Meere besser es würde überhaupt nicht gefischt etc. etc.

u.a. Hauendes Schwein hat völlig korrekt die Seite der Landwirtschaft beleuchtet. Es ist betriebswirtschaftlich einfach nicht machbar wesentlich später zu mähen. Man verlöre durch späteres mähen eben nicht "nur" einen Monat und hat ja dann noch zwölf. Sondern man verliert einen Monat in der Vegetationsperiode. Die hat hierzulande eh schon nur sieben Monate. Dazu kommt das Grünland zur Verwertung rechtzeitig geschnitten werden muss da es sonst zu sehr an Inhaltsstoffen verliert. Und fatalerweise ist dann nicht nur der erste zu späte Schnitt von minderer Qualität, damit könnte man vielleicht noch leben, sondern mindestens der darauf Folgende ist dann ebenfalls nicht zu gebrauchen. Dann sind von sieben Monaten Vegetationszeit schon mehr als drei rum bis man endlich zum ersten Mal im Jahr verwertbares Grünfutter erntet. Das reicht hinten und vorne nicht um wirtschaftlich zu arbeiten.
Ergo: unter den derzeitigen Bedingungen völlig unrealistisch, da hat jeder Landwirt mein vollstes Verständnis.

Wenig Verständnis hab ich aber wenn nicht von innen nach außen gemäht wird und so innovative Technik wie Pöttinger Sensosafe kaum eingesetzt bzw. nachgefragt wird. Da kauft man doch lieber das billigere Mähwerk, das tuts ja auch. Dabei ist es mir egal, dass das System noch nicht 100% funktioniert (welche neue Technik tut das schon) aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung und wird nur weiterentwickelt wenn es auf Resonanz bei den Bauern stößt. Aus meiner Sicht sollte das ruhig bei Neuanschaffungen verpflichtend werden. Die Landwirtschaft hat schon oft bewiesen, dass sie solche Dinge umsetzen kann, wenn sie nur will (oder gezwungen wird), siehe Gülleausbringung nur noch bodennah u.ä..


Klar werden mit dem "Retten" der Kitze nur Symptome bekämpft statt der Ursache, aber wenigstens geschieht überhaupt was. In Zeiten in denen sich andere auf die Straße kleben und bejubelt werden ist es schon ziemlich frech den unbezahlten Aufwand der Kitzretter so herabzuwürdigen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Registriert
21 Jan 2002
Beiträge
68.364
@ cast. Saag mal, findest du deine Beitrage eigentlich lustig? Oder zielführend? Oder bist du Masochist weil du deine unsägliche Ahnungslosikeit ständig öffentlich machen mußt?
Mann,Mann, Mann(n)
(n)(n)(n)
Also ist Wirtschaftsdünger keine Gülle? :ROFLMAO:

Sorry, das übliche von den Bauern. Greenwashing vom feinsten. Die Förster verkaufen uns ja auch Forstwirtschaft als Naturschutz. :sick:
 
Registriert
4 Sep 2013
Beiträge
553
@ cast. Was ist Wirtschaftsdünger, wann. wie, wo, warum wird soetwas eingesetzt? Ich fang mal an.
Mist: tierische Ausscheidungen flüssig und fest( Pisse und Kacke, oder Urin und Kot) vermischt mit Stroh , Sägespänen, Torf etc. Düngewirkung sicher, abhängig vom Verhältnis Auscheidungen zu Trägermaterial, sehr langsame Wirkung, uU über mehrere Jahre, auf jeden Fall nicht kalkulierbar
Gülle: Mischung von Fest und Flüssig, Nährstoffgehalt durch Analyse bestimmbar, gut in Düngerplanung einzubeziehen, sehr genau und gezielt ausbringbar, Nährstoffe relativ schnell verfügbar(innerhalb der Vegperiode), muß innerehalb kürzester Zeit, ca 1-4 Std, Witterungsabhängig, kalt eher 4 Std, feuchtwarm eher 1 Std, eingearbeitet werden bei unbewachsenem Boden um Gasförmige N Verluste zu minimieren.
Separierte Gülle; Trennung von fester und flüssiger Phase. Flüssige Phase sehr schnelle Wirkung, muß nicht eingearbeitet werden da regenähnlich schnelle Versickerung, feste Phase mehr organische Masse fürs Bodenleben, transportwürdiger
Jauche: nur die Pipi, entweder direkt ins Jaucheloch geflossen oder durch Regen aus dem Misthaufen ausgewaschen, bedingt durch Regenwasseranteile meist nur minimale Nährstoffgehalte die aber ähnlich einer Düngung mit flüssigem Blumendünger sofort wirksam ist
Biogasgülle: enthält alle Nährstoffe des angelieferten Gärsubstrates minus des C Gehaltes, sofort Pflanzenverfügbar
Kompost: eigentlich Zentraler Bestandteil des Recyklinggedankens, sehr große Qualitätsschwankungen abhängig vom Eintragsmaterial, Nährstoffgehalt oft Unirdisch, auf jeden Fall nur über Jahre und sehr hohe Mengen wirksam
Klärschlamm: grundsätzlich der richtige Ansatz für Recykling, aber absolut nicht kalkulierbar in der Wirkung, es sei denn eine garantierte Analyse liegt vor,Problem vor allem Schadstoffbelastung, Haftungsfragen vorprogrammiert
Pilzsubstrate: relativ Nährstoffarm, vor allem organische Düngung
Das sind die Wirtschaftsdünger die mir auf die Schnelle einfallen.
Bedeutend, effektiv, Kreislaufwirksam
Nu bist du dran.:)
 
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Online-Statistiken

Zurzeit aktive Mitglieder
119
Zurzeit aktive Gäste
394
Besucher gesamt
513
Oben