Topinambur auf Waldschneisen?

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#1
Hallo zusammen,

Wir haben an zwei Stellen im Revier Topinambur. Er steht auf Ackerland und wächst jedes Jahr prima wieder aus.
(Zum Glück eine Sorte, welche sich nicht durch Ausläufer unkontrolliert ausbreitet)
Das Blattwerk und die Knospen werden im Frühjahr und Frühsommer vom Rehwild angenommen.
Im Winter gehen die Sauen und das Damwild gerne an die Knollen.

Wir haben im Wald einige Schneisen, auf denen noch ausreichend Platz für weiteren Topinambur wäre.

Meine Frage an die Experten hier:

Hat jemand Erfahrungen mit Topinambur im Wald?

Bitte keine Empfehlungen für Kalkung, Düngung, Einzäunen im ersten Jahr, usw.
(Bin Landwirt, daher sollte der Anbau als solcher keine Problem sein)

Es geht mir einzig darum, ob jemand schon Erfahrungen gemacht hat wie sich der T. wohl auf Waldschneisen entwickelt - oder auch eben nicht.
Staunässe ist an den vorgesehenen Stellen keine.


Grüße und Waidmannsheil
 
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#2
Meine sehr bescheidene Erfahrung besagt, dass ohne Schutz das Rotwild den Aufwuchs auf 2 cm begrenzt. Und es kommt wohl auf die Sorte an. Aber ich selbst habe keine Kreuzversuche unternommen.
 
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#3
Rotwild ist bei uns kein Thema.

Auf den Äckern funktioniert es hier sehr gut. Wenn der Bestand erst einmal etabliert ist, wächst er jedes Jahr gut an. Die Menge an Trieben welche vom Reh, und Damwild geäst wird, kompensiert sich ohne weiteres.
Seit nunmehr ca. 15 Jahren steht der T. ohne "Beschwerden"
 
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#5
Zum einen geht es um einen ehemaligen, nicht mehr benutzten Sandweg ( 5m breit, 300m lang).

Zum zweiten eine Lichtung an der Nordseite einer Waldwiese, dort fällt also die Sonne relativ gut ein.

Natürlich werden beide Stellen deutlich mehr Beschattung haben, als es auf dem Ackerland der Fall ist.
Hierzu gerne mehr Antworten (y)
 
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#6
Hallo,

als selbst- Topinambur- kultivierender (wenn auch nur im Kleinstrahmen) und Gärtner kann ich zu der Thematik beisteuern, dass Topinambur zwar durchaus an Nordflanken, auf Schneisen etc. gedeihen kann.
Allerdings braucht er zum optimalen, standfesten Gedeihen wirklich regelmäßige, längere Sonneneinstrahlung und idealenfalls stets mild feuchten Boden. Der dafür aber sehr variabel sein kann, von sandig- lehmig bis rein humos (bevorzugter Verwilderungsstandort ehemaliger Auwald/ eigentliche Auwaldstandorte) oder sehr lehmig- humos toleriert er alles. Bei passender Feuchtigkeit.

Schneisen sollten in südlichen Richtungen verlaufen, also Südwest, Süd, Südost. In dem Fall geht lichterer, höherer Bestand ringsum (idealenfalls keine Fichten, die machen zuviel Schatten). Von Ost nach West oder leicht in diesen Richtungen changierende sehr schmale Schneisen wie die infrage stehende würde ich nicht empfehlen, wenn hoher, dichter Bestand ringsum ist. Breite Schneisen wie zB unter Überlandleitungen wären da weit empfehlenswerter.

Hinzu kommt, dass Topinambur in schattigeren Lagen zwar an sich gedeiht, aber sehr lang aufschiesst, um recht viel Licht zu ergattern. Das macht die Stängel sehr windanfällig, der ganze Bestand legt sich dann ab Juni/ Juli bei Starkwind sehr gerne mal hin, oder kreuz und quer. Die Spitzen wachsen dann wieder hoch, aber für die sommerliche Wildäsung kommen dann nur noch die Ränder in Betracht, da innen hinein nur noch Hasen, oder Hirsche und Sauen kommen. Bei viel Licht bleibt der Bestand großenteils aufrecht stehen, und kann jeder (Schalen)Wildart als Deckung und Äsung zugleich dienen.

Falls die im Revier ein Thema sind, möchte ich die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, noch vor Schermäusen zu warnen, die den Topinambur, bzw. dessen Knollen, als Winterfutter sehr schätzen. Die können den Bestand schon erheblich beeinträchtigen, darum eventuell mausende Füchse am Topinambur gewähren lassen. Bzw. dort nur gemäßigt bejagen. Um quasi die biologische Schädlingsbekämpfung zu gewährleisten.

Grüße,
Andreas

PS: Ich spreche hier vom allgemein verbreiteten, wilden Topinambur mit den spindelförmigen Knollen. Die Kultursorten verhalten sich oberirdisch sehr ähnlich. Eventuell kann man aber mal Topinambur- Sortenlisten durchschmökern, ich kann mir vorstellen, dass es da auch kompakter wachsende oder schattenverträglichere Selektionen gibt, die für absonnigere Standorte dann passender wären. Falls die vorhandene nicht befriedigt.
 
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#7
Moin!

Wir haben im Revier an den verschiedenen Stellen topi stehen.
Als im Gartenbau tätig in den letzten Zig jahren hat sich ebenfalls dahingehend Wissen angesammelt:

Im Wald folgende Erfahrung gemacht:

-Nasse/dauerfeuchte Standorte gehen GARNICHT.
-Selbst in den letzten Trockensommern auf ehemaligen Fichtenäckern, Sonnenexponiert= Wuchshöhe 1,5 bis 2 Meter und ordentlich Knollen.
-Ideal waren Waldlichtungen mit einigen Stunden Stunden Sonne , halbwegs gutem WaldBoden, die übers Jahr gesehen ETWAS feuchter waren. hier locker 2,5 Meter
Gedüngt haben wir garnicht, außer eher Spaßenshalber mal ein paar gefundene Pferdeäpfel an ein paar Stellen draufgelegt.

Lichtanspruch im Wald würd ich daher mal sagen:
Wo Brombeeren /Adlerfarn und ähnlicher Aufwuchs noch genug abbekommen dürfte Topi auch gehen, solange der Boden nicht wie erwähnt zu Nass oder evtl. zu verdichtet ist.

Allerdings haben WIR festgestellt:

-Rehwild verbeißt lediglich den frischen Austrieb im Mai /Juni, danach ists denen zu hart.
deshalb haben wir beschlossen, testweise kommenden Sommer mal im Saisonverlauf "Topinamburrasen" zu machen, also 2-3 mal im Sommer mit der Heckenschere 50 cm drüber
zu rasieren um frischen Austrieb zu provozieren.

-Sauen haben wir zwar genug, die wühlen auch unmittelbar daneben nach Engerlingen etc., aber haben NOCH KEINE KNOLLE verputzt, auch nicht offen liegende/ Test-köderknollen auf den Kirrungen.

ENTWEDER liegts an der falschen Sorte (obwohl die Hegestolz heißt) oder die Sauen haben zuviele bessere Alternativen, die den Bedarf voll decken (Eicheln, Wiesenbodenfauna usw)
 
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#8
-Sauen haben wir zwar genug, die wühlen auch unmittelbar daneben nach Engerlingen etc., aber haben NOCH KEINE KNOLLE verputzt, auch nicht offen liegende/ Test-köderknollen auf den Kirrungen.

ENTWEDER liegts an der falschen Sorte (obwohl die Hegestolz heißt) oder die Sauen haben zuviele bessere Alternativen, die den Bedarf voll decken (Eicheln, Wiesenbodenfauna usw)
@FSK 300 und ich hatten vor eineinhalb Jahren das Glück, vom Oberjäger des ungarischen Jagdparadieses Lábod (SEFAG Hunting) eine ausführliche Revierführung zu bekommen. Auch dort wurden, bei guten Boden und noch besseren Lichtverhältnissen auf den entsprechenden Äckern, auf Topinambur gesetzt.
Allerdings sagte man uns, dass das Wild erst lernen müsste, das Grün und im Verlauf dann auch die nahrhaften Knollen anzunehmen. Und das habe in Lábod über die verschiedenen Wildarten hinweg einige Jahre gebracht. Dann aber sei der Zuspruch umso größer und inzwischen müsse er die Topinambur Kulturen aufwändig sichern, um im Herbst/Winter dann überhaupt noch etwas davon zu haben.

Vielleicht gilt zunächst, auch beim sonst so gewitzten Schwarzwild, die norddeutsche Volksweisheit: " Watt de Buer nich kennt, datt frett he nich !"
 
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#9
@FSK 300
Vielleicht gilt zunächst, auch beim sonst so gewitzten Schwarzwild, die norddeutsche Volksweisheit: " Watt de Buer nich kennt, datt frett he nich !"
Das dürfte die Quintessenz sein!

der Revierpächter meint das auch, Er selber hatte vor 10 Jahren Topi gesetzt und die Sauen haben den noch vor dem Winter entdeckt und radikalst abgeerntet.

deshalb war er auch der Meinung, daß wir zumindest einen Teil davon schützen müssen/sollen ( alte Zaunmatten am Boden festgetackert...)

Es schwirren auch Meinungen herum, die behaupten, es könnte an den Sorten liegen.

Ich hab nen Eimer "gute Gelbe" hier stehen, die soll rel. süß schmecken.
Wird im Frühjahr -mit anderen bis dahin beschaffbaren Sorten- dann gesetzt mit Schutz und mal schauen, ob den Herrschaften das dann genehmer ist.

zum Thema "nicht kennen und verschmähen" kann ich auch noch beisteuern:
Auch Kastanien/Maronen, wo die Sauen in der Pfalz z.B angeblich soooooo scharf drauf sein sollen= probiert, die Testkirrungen damit verrotten noch immer. Bäume gibts hier nicht, ergo unbekannt und darum=Rüssel weg.

Hab extra mehrere aufgeschnitten, Maggi und teils ein wenig Salz mit Anis drauf (auch beim Topinambur getan) und das Resultat war:
Nix....

die fressen hier kein Fallobst, der Mais in den Kirrboxen ist auch in aller Regel SEHR langlebig( evtl. weil auch kein Mais angebaut wird in der Ecke...)....

Das Einzige, mit dem man sie im Prinzip locken kann ist Rehaufbruch, Eicheln/Bucheckern und Bodenfauna in Form von engerlingen/Regenwürmern etc.
 
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#10
Man kann nicht jede Pflanze einfach dorthin setzen wo am sie grad haben will. Waldschneisen bieten nur wenigen Pflanzen Standortmöglichkeiten. T. würde ich da nicht anbauen. Er braucht doch eher lockeren Boden. Wie tief kannst da auf der Schneise den Boden bearbeiten? Hauptdefizit wird das Licht dort sein. Was meinst würde dort die Kartofffen wachsen?
 
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#11
Man kann nicht jede Pflanze einfach dorthin setzen wo am sie grad haben will. Waldschneisen bieten nur wenigen Pflanzen Standortmöglichkeiten. T. würde ich da nicht anbauen. Er braucht doch eher lockeren Boden. Wie tief kannst da auf der Schneise den Boden bearbeiten? Hauptdefizit wird das Licht dort sein. Was meinst würde dort die Kartofffen wachsen?

Vom Boden her ist es an der Stelle keine Problem: tiefgründiger Sandboden ohne Staunässe.
Klar - es muss gekalkt und aufgedüngt werden, aber das bekomme ich hin.
Die große Unbekannte wird wohl der Punkt mit den Lichtverhältnissen sein.
 
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#12
Versuch macht klug aber meist scheitert es daran. Wenn vorher nicht viel dort gewachsen ist, wird es meist nicht besser.
Persönlich halte ich ja vom Topinambur nicht viel. Für Reh- und Rotwild ist eine Grünlandeinsaat mit Kräuteranteil für mich die erste Wahl.
Positiv ist es dass der T. dort vermutlich nicht genug Potenzial entwickeln wird, das der sich invasiv ausbreitet. Die Landwirte in Nachbarschaft der Jagdhütte meines Jagdfreundes führen seit 20 Jahren einen Krieg gegen T. auf den Feldern. Dort war mal ein T.-Acker. Da bleibt ein kleines Rhizom an einer landwirtschaftl. Maschine hängen und das Radl dreht sich anderswo weiter. Hab vor vielen Jahren auch damit experimentiert. Der Neugier/Seltenheitsverbiss war so stark dass er nicht Fuß fassen konnte. War ein großer Wildacker im Wald. Einmal bin ich in den Wahnsinn verfallen, sogar Sachalinknöterich auf einer Rückegasse zu pflanzen, als Sichtschutz vom Weg aus. innen war ein Altholzrest da standen immer die Feisthirsche. Die haben mit dem Knöterich kurzen Prozess gemacht. Anderswo wird er nicht angerührt.
 
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#13
Hallo,
ich denke du willst den Topinambur ja nicht anbauen, um riesige Erträge zu erzielen. Von daher teste es doch mit einigen Knollen aus, die du auf den Äckern ausgräbst. So haben wir vor ein paar Jahren einen Erdhaufen bepflanzt, der beim Wegebau aufgeschoben wurde. Da wächst der Topinambur seitdem jedes Jahr und wird vom Rehwild immer gern angenommen.
Und wenn es an dem ein oder anderen Standort nicht funktioniert so hast du ja keine riesigen Verluste dadurch.
 
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