Traum oder Wirklichkeit?

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http://www.cleanenergy-project.de/energiewende/bioenergie/5010-biogas-blumenwiese-statt-maiswueste

Ein kurzer Bericht heute im Radio (WDR4) hat mich darauf Aufmerksam gemacht. Wieso wird so etwas nicht gefördert oder "an die große Glocke" gehängt? Laut dem Bericht im Radio seien etwa 30% weniger Ertrag durch diese Wildwiesen zu erreichen was aber ausgeglichen werden könnte.
Wenn sich so etwas durchsetzen würde, wären wohl viele Probleme im Bezug auf Jagd, Wildschaden, Niederwild und Insekten schnell gelöst.
Wie seht ihr das und vor allem die die eventuell schon davon gehört haben oder konfrontiert wurden? Wir haben hier ja auch einige Landwirte und Biogasbetreiber.
Sicherlich noch nicht so Rentabel oder Ergiebig aber für die Zukunft? Ein Traum! :roll:
 
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Hallo Sporti, in dem Revier das ich bejage, hat vor 2 Jahren ein Landwirt auf einem Feld, eine geförderte Versuchsfläche mit Wildpflanzen statt Mais gehabt.
Das war eine tolle Saatmischung und dementsprechend voller Leben. Den Ertragsausfall im Vergleich zum Mais hat er in diesem Jahr erstattet bekommen. Im nächsten Jahr dann leider nicht mehr, worauf hin er natürlich wieder Mais gesät hat. Ich glaube auch das so viele unserer ökologischen Probleme gemildert werden könnten. Das Problem ist dann wohl der Minderertrag und wer den Ausgleich bezahlt.

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Zwar nicht bei uns, aber das Jagdrevier, in dessen Nähe ich wohne wird schon seit längerer Zeit immer Mal wieder anstatt Mais für Biogas solche Wildblumenmischungen gesät. Auffallend dabei ist, dass zwar 30% weniger Ertrag erbracht werden, allerdings, so wie ich das beurteilen kann, spart sich der Landwirt einige Bearbeitungsschritte im Gegensatz zum Mais, was auch zum Vorteil des Landwirts sein kann.
Wenn flächendeckend anstelle von Mais solche Wildblumenmischungen verwendet würden, dann wären viele unserer Probleme gelöst (hört sich doch gerade zu paradiesisch an, nicht?!).
Aber ich schätze, dass dieser Traum kaum Wirklichkeit werden wird, da die Politik, gerade die verzapfte Agrarpolitik, in den rot-grün regierten Bundesländern, eher dagegen arbeitet mit den jetzigen Regelung, obwohl denen ja sowas am Herzen liegen müsste...
also wie so oft ist die Politik Schuld dran, das tolle Möglichkeiten nicht genutzt werden können.

WMH
Ostwestfalen_Jäger
 
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Das müsste man doch den Leuten an richtiger Stelle schmackhaft machen? So stur und einseitig kann doch kein Mensch sein und nur auf Mais setzen wenn es doch andere/bessere und vor allem gesündere Möglichkeiten gibt! Hier sollte man sprichwörtlich das Feld von hinten aufrollen und sämtliche in Europa befindlichen Jagdverbände mit den Naturschutzverbänden in einem Boot holen.
Gut! Bei Biogasanlagen wären das 30% etwa weniger Ertrag. Lies sich dies auch gegen Futtermais durchsetzen? Oder wäre hier der Ertrag noch geringer und könnte man die Mahd überhaupt silieren?
Hier wäre ich mal auf Antworten gespannt!:roll:
 
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Als alternative zu Mais scheint die durchwachsende Silphie an Bedeutung zu gewinnen.Ein Landwirt bei uns will nächstes Jahr das ausprobieren
 
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Teufelsmoorer hat hier schon mal ausführlich erklährt, das der Ersatz von Mais oder auch die Beigabe von Wildblumenmischungen, aus Sicht von Biogasanlagenbetreibern vollig unwirtschaftlich ist. Das gibt die Biologie nach Teufelsmoorers Ausführungen einfach nicht her. Wenn Blumenmischungen verfüttert werden, sinkt der Gasertrag überdurchschnittlich.
Es bleibt also ein Traum der hier wiederholt wird.
 
Zuletzt bearbeitet:
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Was ich nur nicht verstehe, warum man alles niedergespritzt wird, was neben dem Mais noch so hochkommt. Im Prinzip ist das doch keine große Konkurrenz für den Mais und würde für das Niederwild eine Äsungsmöglichkeit bieten und Deckung in einem auf Grund des Maises... Vor etlichen Jahren konnte man bei uns noch nicht durch die Maisreihen durchschauen, weil dort allerlei Grün wuchs. Heute wird vieles niedergespritzt, und man kann durch die Maisreihen bis zum Ende des Feld hindurchschauen...
Meine Frage an die Experten unter euch: warum wird das gemacht bzw. Hat der Mais durch den Grünwuchs doch Nachteile?

WMH
Ostwestfalen_Jäger
 
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Da gibt es schon viele Untersuchungen zu:

http://www.biogas-aus-wildpflanzen.de/

http://lebensraum-brache.de/projekte/projekt/

http://lebensraum-brache.de/projekte/gruenschatz-nrw/

http://lebensraum-brache.de/projekte/wildpflanzen-geben-gas-niedersachsen/

http://www.lwg.bayern.de/landespflege/natur_landschaft/089725/index.php


Da einfach mal weitersuchen. Da gibt es Infos für alles vom Anbau bis zur Verwertung

Auch in Ostwestfalen (Delbrück) stehen Flächen, mehrere ha die gerade geerntet wurden.
 
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Was ich nur nicht verstehe, warum man alles niedergespritzt wird, was neben dem Mais noch so hochkommt. Im Prinzip ist das doch keine große Konkurrenz für den Mais und würde für das Niederwild eine Äsungsmöglichkeit bieten und Deckung in einem auf Grund des Maises... Vor etlichen Jahren konnte man bei uns noch nicht durch die Maisreihen durchschauen, weil dort allerlei Grün wuchs. Heute wird vieles niedergespritzt, und man kann durch die Maisreihen bis zum Ende des Feld hindurchschauen...
Meine Frage an die Experten unter euch: warum wird das gemacht bzw. Hat der Mais durch den Grünwuchs doch Nachteile?

WMH
Ostwestfalen_Jäger

Der Mais ist zwischen dem 2-4-Blattstadium und dem 8-10 Blattstadium extrem Konkurrenz empfindlich, Da darf außer Mais nichts anderes auf dem Feld sein. Das kostet richtig Ertrag.

We
 
G

Gelöschtes Mitglied 8926

Guest
.....Wieso wird so etwas nicht gefördert oder "an die große Glocke" gehängt? Laut dem Bericht im Radio seien etwa 30% weniger Ertrag .........nicht so Rentabel oder Ergiebig aber für die Zukunft?

Stellt ne Frage, und gibt sich im darauf folgenden Satz direkt die passende Antwort!

1. Passt *30% weniger* und *nicht so rentabel und ergiebig* absolut nicht ins heutige (Land)wirtschaftliche und politische Weltbild.

2. (Frage) Wer / Welcher Politiker oder Landwirt schert sich denn heute noch ums Niederwild?

Außerdem. 30% weniger Ertrag heißt 30% mehr Fläche die benötigt wird um auf eben den gleichen Ertrag zu kommen. Wo sollen die denn herkommen? Verschärft wird das ganze noch durch den absurden und überhasteten Atomaustieg. Nein, ich glaube nicht daran dass die Zukunft diesbezüglich rosiger werden wird....ganz im Gegenteil......
 
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Die 30% weniger Ertrag sind der Grund. Und zwar in mehrerer Hinsicht.

Zum einen müsste der Energielandwirt erstmal 30% mehr Fläche haben und bestellen können um auf den gleichen Gasertrag/Einspeiseleistung zu kommen. Schon dass allein ist ein K.O.-Kriterium. Kein wirtschaftlich handelnder Landwirt kann mal eben 30% herbei zaubern (oder darauf verzichten in dem er 30% weniger Strom einspeist). Gilt analog auch für jeden anderen Unternehmer, niemand verzichtet freiwillig auf 30% Ertrag.

Laut dem Bericht im Radio seien etwa 30% weniger Ertrag durch diese Wildwiesen zu erreichen was aber ausgeglichen werden könnte.
Die Aussage: "[...] was aber ausgeglichen werden könnte." finde ich schon sehr blauäugig. Wie soll denn das ganz konkret gehen? Durch was könnte der Ertragsverlust ausgeglichen werden?! Durch Maisimporte? Oder gleich durch Stromimporte?!
Sicher könnten sämtliche Biogasanlagenbetreiber dazu gezwungen werden, ihr Anlagen ohne Mais zu fahren. Das Energienetz würde dadurch in Deutschland nicht zusammenbrechen. Aber im Hinblick auf den Ausbau der erneuerbaren Energien wäre es nun mal Unsinn. An rechtlichen Hebeln, den Maisverzicht durchzusetzen, fehlt es sowieso.

Zum anderen stehen die Biogasanlagen in Deutschland bereits, Anlagenlebensdauer min. 20 Jahre. Diese sind (leider) auf Mais als Hauptsubstrat ausgelegt. Es ist in den meisten Fällen nicht möglich mit der vorhandenen Technik und bei gleicher Gasausbeute 30% mehr Substrat durchzuschleusen (Einbringtechnik, Rührtechnik, Pumptechnik). Zumal Gras ein eher undankbares Biogas-Substrat ist, da sehr faserig. Mais dagegen ist in vielerlei Hinsicht ideal für die Biogasgewinnung, schon weil er den unangefochten höchsten Gasertrag pro Fläche hat. Aber auch weil er beispielsweise nicht bodennah abgeerntet werden muss, wodurch nur wenig Sand und Erde ins Substrat kommt, im Gegensatz zur Grünland.
Ebenso war die Erntetechnik für Mais, wegen des Milchvieh oft bereits schon auf den Betrieben und in den Lohnunternehmen vorhanden und bestens erprobt, so dass die Maisdominanz hier auch historisch gewachsen ist. Würde auf Blühwiesen umgestellt, müsste auch die gesamte Erntetechnik dafür beschafft werden, auch 30% mehr Siloraum würde gebraucht. Alles Nachteile gegenüber dem Maisanbau die sich niemand freiwillig antut.

Leider muss man sagen, wäre vieles vermeidbar gewesen, wenn die Politik schon vor 15 Jahren so viel Weitblick bewiesen hätte und die Maisdominanz gar nicht erst hätte aufkommen lassen. Erst durch spätere EEG's wurde dieses Problem erkannt und versucht zu kaschieren (Güllebonus, Deckelung Maisanteil etc.). Das galt dann allerdings erst für die danach erstellten Anlagen, nicht für die davor in Betrieb gegangenen.
So gesehen ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen.

Besser wird's wohl frühestens in ca. 10-15 Jahren, wenn die garantierten, hohen Einspeisevergütungen für die Altanlagen auslaufen und die Energiewirte zum Umdenken gezwungen werden (können). Die Höhe der Einspeisevergütung kann dann noch stärker an das verwendete Substrat gekoppelt werden. Die Anlagen sind dann eh längst abgeschrieben und einem Umbau auf Substrate aus Blühwiesen etc. stünde dann nichts im Weg.

Insgesamt wurde das Thema schon oft durchgekaut. Schlussendlich gibt es keine Maismafia oder irgendeine Verschwörung weshalb das "nicht an die Große Glocke gehängt wird".
Wenn man sich mit der Thematik befasst wird schnell klar, dass den Energielandwirten auch nichts anderes mehr übrig bleibt als Biogas-Mais anzubauen. Ihre Anlage wurde darauf ausgelegt. Auch die gesamte Rentabilität, insbesondere die Substratkosten, wurde daraufhin kalkuliert. Natürlich auch um letztendlich damit Gewinn zu erwirtschaften, wo kämen wir da hin wenn es plötzlich nicht mehr erlaubt wäre rentable Unternehmungen zu gründen. Trotzdem muss man bedenken, dass so eine Biogasanlage von keinem Landwirt aus der Portokasse bezahlt wurde. Die stehen oft mit Haus und Hof bei der Bank in der Kreide und müssen schauen, dass die Anlage in maximaler Auslastung läuft und die Zinsen getilgt werden. Zugegeben funktioniert das mit Mais so gut, dass die Biogasanlage üblicherweise ein einträgliches Zubrot darstellt, heutzutage aufgrund des niedrigen Milchpreises oftmals sogar das Hauptstandbein. Mitleid muss man mit denen also nicht unbedingt haben. Aber mit 30% weniger Gasertrag pro Fläche sähe das wieder komplett anders aus und jede Anlage würde unweigerlich zum Eurograb.
Das ist auch der Grund weshalb solche Experimente, wie mit der durchwachsenen Silphie oder ungarischem Riesengras (Hirschgras) praktisch nur von "Versuchsanlagen" an Hochschulen u.ä. gefahren werden, da diese nicht zwingend wirtschaftlich arbeiten müssen.

Würde den Energielandwirte der Ertragsausfall bei der Verwendung von Gräsern aus Blühwiesen gegenüber der Verwendung von Mais kompensiert werden (also letzendlich 30% mehr Vergütung gegenüber Maisanlagen), dann bin ich überzeugt würden etliche Biogasbauern zeitnah ihre Anlagen umbauen und darauf umsteigen. Den meisten ist der Anbau von Mais ja selbst unangenehm, da sie ganz genau wissen, dass sie ihre Böden mittelfristig auslaugen.
Aber die Zeche würden letztendlich wir Stromkunden über die EEG-Umlage bezahlen müssen!
 
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Moin!

Nicht vergessen darf man auch, dass Änderungen in der Landnutzung bei uns Auswirkungen auf die Landnutzung "woanders" haben, wenn nicht gleichzeitig das Konsumverhalten geändert wird. Eine Einbuße bei der Energieerzeugung ist dann kein Problem, wenn weniger Energie gebraucht wird. Sonst wird - hatten wir ja schon - die fehlende "Biodiesel"-Menge über die Anlage von Palmölplantagen in den Tropen herangeschafft, was dann bedeutet, dass wir unser Niederwild auf Kosten der Natur anderer Länder fördern. Sollte man IMHO im Hinterkopf haben ...

Viele Grüße

Joe
 
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Bei dem derzeitig hohen Pachtpreisniveau ist der Energielandwirt auf hohe Flächenproduktivität angewiesen und die ist mit Mais am ehesten zu erreichen. So lange keine weitergehenden Vorgaben vom Gesetzgeber kommen, wird sich da nur wenig verändern.
 
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