Umschalter für Stöbern und Nachsuche gesucht...

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MSP

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Hallo zusammen,
ich hatte letzten Freitag ein eindrückliches Erlebnis, dass mich sehr nachdenklich macht:
Ich führe eine 6 Jahre alte RHT, mit Brauchbarkeit auf Schweiß und Stöbern. Sie ist eine extrem erfahrene Stöberhündin, die in der Saison mindestens wöchentlich einmal im Einsatz ist. Hin und wieder Todsuchen, sie hat aber auch schon anspruchsvollere Nachsuchen auf Rehwild mit schnallen und binden und auf Schwarzwild gemeistert. Auf Suchen war sie bisher todsicher, ich konnte mich immer auf ihre Nase verlassen. Richtungskorrekturen meinerseits erwiesen sich immer als falsch. Mir ist schon aufgefallen, dass sie unmittelbar nach dem Stöbereinsatz nicht gut zur Kontroll- oder Nachsuche einzusetzen ist, weil sie dann immer wieder ins Stöbern verfällt.
Nun war ich am Freitag auf einer DJ, ohne dass der Hund eingesetzt wurde (ungeeignetes Gelände) im Anschluss setzte ich mich in meinem Revier in der Dämmerung auf Rehwild an. Nachdem gegen 16:30 noch ein Mountainbiker mit Licht unter meinem Sitz anhält und nach dem Weg fragt (freundlich geblieben), tritt 10 min später 50m entfernt(!) ein Reh aus. Ohne den Schuss erkennbar zu quittieren, verschwindet das Schmalreh im Wald. Die Anschusskontrolle verspricht eine Todsuche. Es wird dunkel und ich setze meinen Hund am Anschuss an. Ich leuchte dabei mit einer starken Lampe, die einen scharfen Lichtkegel hat (LED). Nach etwa 10m kein Schweiss mehr, nach 100m Suche gbt der Hund Hetzlaut und zieht weiter. Aufgrund Dunkelheit traue ich mich nicht zu schnallen. Es geht mehrere 100m durch die Kusseln, immer wieder Hetzlaut. Ich vermute Streifschuss an Brust, obwohl der Anschuss eigentlich gut aussieht.
Nach erneutem Ansetzen das gleiche Theater.
Ich setze mich mit befreundetem Schweisshundführer in Verbindung. Wir entscheiden anhand der vielversprechenden Anschussbilder (Anhang) nochmal am gleichen Abend mit Schweisshund zu suchen. Nach kurzer Heimfahrt/Pause treffen wir uns im Revier und rödeln wir uns für eine lange Suche voll auf. Jetzt wird es peinlich: Der Schweisshund findet das Reh mausetot mit gutem Kammerschuss nach etwa 250m…
Was ist da bloß passiert? Nach Rekonstruktion hat mein RHT die Schweissfährte verfolgt und ist dann an dem verendeten Reh nur wenige Meter vorbeigelaufen. Ich habe es außerhalb des scharfen Lichtkegels nicht ausmachen können. Sie war dann wohl im Stöbermodus, wusste dass man erlegtes Wild nicht anschneidet und freute sich, dass Herrchen jetzt auch mal mitkommt beim Stöbern. Sie fing an Hetzlaut zu geben und los ging es mit mir durch die Kusseln…
Jetzt habe ich natürlich ein bisschen das Vertrauen in die Suchenfähigkeiten meines Hundes verloren. Klar ist, dass ich mit dem Hund daran arbeiten muss, ihn wieder findesicher zu machen. Ich denke, ein Ritual zu Umschalten zwischen Stöbern und Suchen könnte eine Lösung sein.
Habt ihr schonmal sowas erlebt? Vorschläge zur weiteren Ausbildung?

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Hunde sind auch nur Menschen und haben mal einen schlechten Tag. Sie ist ja anscheinend 5-6 Jahre gut auf Fährte gegangen, da würde ich jetzt nicht wegen einem schlechten Tag alles in Frage stellen.

Hast Du mit Schweißriemen nachgesucht oder mit der Führleine, weil die gerade da war und eigentlich "nur" eine Totsuche zu erwarten war?

Ansonsten ist meine bescheidene Erfahrung, dass die Hunde die verschiedenen Einsatzarten sehr wohl und sehr gut auseinanderhalten können.
 

MSP

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Suche wie gelernt mit Ablegen und Anschussuntersuchung begonnen und dann Schweissriemen umgelegt.
 
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Lieber MSP,

auch Hunde sind nur Menschen ;-). Ein Fehler in 5-6 Jahren? Das ist immer noch eine Premium-1A-Top-Leistung und alles, nur kein Grund Nachzuarbeiten

Zu Deiner Frage: Während der DJ Saison geht meiner oft bis eher (DD/ Vorstehertypisch) mit hoher Nase auf der Wundfährte und ist offener für Verleitungen. Das macht mich unsicher, deshalb warte ich manchmal trotz Zug auf der Leine, ob er die Nase wieder runter nimmt. Erst dann geht es weiter.... Ist aber auch leichter bei einem hochläufigen Hund. Aber so sehe ich, ob er konzentriert arbeitet
 
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Also du bist nicht der einzige dem das so geht. Wenn meiner bei der Nachsuche seine Fährte verliert, kippt er auch in den Stöbermodus (DW). Ich glaube daran bin auch ich schuld, ich glaube ihm beigebracht zu haben, wo ein Stück Wild ist sind auch noch mehr.
Merkt man deutlich beim Finden. Er findet ein Stück von mir erlegtes Wild, kurze Freude, Bewinden....dann will er direkt weiter.
Wenn ich vorher Fährten geübt hab und der Hund nicht unter Strom steht geht es einwandfrei, hat mein Hund allerdings noch zuviel Dampf an dem Tag macht er den Stöberausflug.

Ich versuche aus dem Finden aktuell ein "Event" zu machen. Also Stück gefunden - dann große Spielkiste aufmachen. Es zeigt erste Erfolge, er will dann nicht mehr direkt weiter, sondern erwartet jetzt von mir, dass ich mit ihm über die Wiese tobe. Ob`s hilft?! Wir werden sehen
 
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Eigentlich ist es ungewöhnlich, dass der Hund bislang bei der Schweißarbeit noch nie begonnen hat zu stöbern. War das bei der Ausbildung auf der künstlichen Fährte auch schon so oder arbeitet er nur auf der echten Wundfährte so konsequent? Das Annehmen von Verleitfährten ist in der Regel das größte Problem bei der Ausbildung für die Schweißarbeit. Fast alle Hunde nehmen mehr oder weniger oft Verleitungen an.

In der Regel besteht die Kunst dann darin, dass der Hundeführer seinen Hund gut lesen kann und ihn korrigiert. Wenn er Hetzlaut gibt kann man fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Hund auf einer Verleitung ist. In diesem Fall empfiehlt es sich ihn abzutragen und ihn runterkommen zu lassen, anschließend auf der Fährte (wenn Schweiß gefunden) erneut ansetzen.

Ich habe allerdings auch schon mal von Hunden gelesen, die bewusst das letzte Stück zum Wild nicht arbeiten. Dafür gibt es auch einen Fachbegriff, der mir momentan nicht einfällt. Dieses Verhalten tritt auf, wenn der Hund negative Erfahrungen am erlegten Stück gemacht hat. Dann kann es vorkommen, dass er die letzten Meter zum Wild meidet und dich in die Irre führt. Hört sich jetzt für mich aufgrund deiner Schilderungen (Hetzlaut) nicht unbedingt so an.
 
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Umschalter ist ja lustig! Ich fürchte man sollte sich in der Hinsicht entweder für das eine oder das andere entscheiden. Dazwischen darf etwas Zeit verstreichen.

Nach den DJ wo wir gestöbert haben, war ein paar Wochen Ruhe bevor der Hund wieder auf eine Nachsuche gegangen ist. Die Zeit hat er mMn auch gebraucht.


CdB
 
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Die Hündin hatte einmal einen Aussetzer, ich würde das nicht zu hoch bewerten und weitermachen wie bisher! Wenn man seine Hunde zum Stöbern einsetzt, dann muß man damit leben, daß sie in der Riemenarbeit auch mal Schwächen zeigen. Wichtig ist nur, daß eine nichterfolgreiche Riemenarbeit vom bestätigten Nachsuchenführer kontrolliert wird und das ist hier geschehen. Was will man da noch besser oder anders machen?
 
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So einen guten Hund hätte ich gerne!!!! Wenn meiner in 6 Jahren so wenig Fehler macht bin ich froh!!
 
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Etwas OT, aber dazu eine Frage von mir

Aufgrund Dunkelheit traue ich mich nicht zu schnallen.

Ich stelle mir die Frage, ob und unter welchen Bedingungen man einen Teckel überhaupt schnallen sollte (führe selbst einen). Meines Erachtens sind die Möglichkeiten eines Teckels ein Stück abzutun aufgrund der körperlichen Eigenschaften begrenzt. Binden mag er es aber vielleicht, falls das Stück krank ist.
Kann mir zu der Frage schnallen/nicht schnallen eines Teckels jemand mit Praxiserfahrung eine Antwort geben?
 

MSP

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Ich habe meinen Teckel auch nie geschnallt. Bis auf einmal, wo ich mich im Gestrüpp total verfangen habe und der an beiden Vorderläufen getroffene Bock 20m entfernt Anstalten machte, aufzustehen. Hatte keine andere Wahl, als die Leine loszulassen (das macht man eigentlich auch niemals, wusste ich aber nicht). Teckel packte Bock am Hinterteil und hielt ihn bis ich da war. Also: Teckel schnallen macht nur Sinn, wenn das nachgesuchte Wild vom Teckel erreicht werden kann.
 
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Etwas OT, aber dazu eine Frage von mir



Ich stelle mir die Frage, ob und unter welchen Bedingungen man einen Teckel überhaupt schnallen sollte (führe selbst einen). Meines Erachtens sind die Möglichkeiten eines Teckels ein Stück abzutun aufgrund der körperlichen Eigenschaften begrenzt. Binden mag er es aber vielleicht, falls das Stück krank ist.
Kann mir zu der Frage schnallen/nicht schnallen eines Teckels jemand mit Praxiserfahrung eine Antwort geben?
Wenn der Hund die Schärfe hat und an die Kehle des Rehs kommt, wird er es auch abtun. Binden kann ein Teckel eher. Meiner hat vor drei Wochen auf einer Drückjagd eine weich getroffene Sau gestellt. Und dass nach 150 Metern vom Standschützen entfernt. Ich denke, dass Sauen Teckel nicht ernst nehmen und dann eher stehen bleiben. Als ich ankam, stand die Sau still wie festgewachsen, ganz fixiert auf meinen Hund, der sie immer wieder angriff. Naja, ich hab's dann beendet. .
 
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16 Apr 2008
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Hallo zusammen,
ich hatte letzten Freitag ein eindrückliches Erlebnis, dass mich sehr nachdenklich macht:
Ich führe eine 6 Jahre alte RHT, mit Brauchbarkeit auf Schweiß und Stöbern. Sie ist eine extrem erfahrene Stöberhündin, die in der Saison mindestens wöchentlich einmal im Einsatz ist. Hin und wieder Todsuchen, sie hat aber auch schon anspruchsvollere Nachsuchen auf Rehwild mit schnallen und binden und auf Schwarzwild gemeistert. Auf Suchen war sie bisher todsicher, ich konnte mich immer auf ihre Nase verlassen. Richtungskorrekturen meinerseits erwiesen sich immer als falsch. Mir ist schon aufgefallen, dass sie unmittelbar nach dem Stöbereinsatz nicht gut zur Kontroll- oder Nachsuche einzusetzen ist, weil sie dann immer wieder ins Stöbern verfällt.
Nun war ich am Freitag auf einer DJ, ohne dass der Hund eingesetzt wurde (ungeeignetes Gelände) im Anschluss setzte ich mich in meinem Revier in der Dämmerung auf Rehwild an. Nachdem gegen 16:30 noch ein Mountainbiker mit Licht unter meinem Sitz anhält und nach dem Weg fragt (freundlich geblieben), tritt 10 min später 50m entfernt(!) ein Reh aus. Ohne den Schuss erkennbar zu quittieren, verschwindet das Schmalreh im Wald. Die Anschusskontrolle verspricht eine Todsuche. Es wird dunkel und ich setze meinen Hund am Anschuss an. Ich leuchte dabei mit einer starken Lampe, die einen scharfen Lichtkegel hat (LED). Nach etwa 10m kein Schweiss mehr, nach 100m Suche gbt der Hund Hetzlaut und zieht weiter. Aufgrund Dunkelheit traue ich mich nicht zu schnallen. Es geht mehrere 100m durch die Kusseln, immer wieder Hetzlaut. Ich vermute Streifschuss an Brust, obwohl der Anschuss eigentlich gut aussieht.
Nach erneutem Ansetzen das gleiche Theater.
Ich setze mich mit befreundetem Schweisshundführer in Verbindung. Wir entscheiden anhand der vielversprechenden Anschussbilder (Anhang) nochmal am gleichen Abend mit Schweisshund zu suchen. Nach kurzer Heimfahrt/Pause treffen wir uns im Revier und rödeln wir uns für eine lange Suche voll auf. Jetzt wird es peinlich: Der Schweisshund findet das Reh mausetot mit gutem Kammerschuss nach etwa 250m…
Was ist da bloß passiert? Nach Rekonstruktion hat mein RHT die Schweissfährte verfolgt und ist dann an dem verendeten Reh nur wenige Meter vorbeigelaufen. Ich habe es außerhalb des scharfen Lichtkegels nicht ausmachen können. Sie war dann wohl im Stöbermodus, wusste dass man erlegtes Wild nicht anschneidet und freute sich, dass Herrchen jetzt auch mal mitkommt beim Stöbern. Sie fing an Hetzlaut zu geben und los ging es mit mir durch die Kusseln…
Jetzt habe ich natürlich ein bisschen das Vertrauen in die Suchenfähigkeiten meines Hundes verloren. Klar ist, dass ich mit dem Hund daran arbeiten muss, ihn wieder findesicher zu machen. Ich denke, ein Ritual zu Umschalten zwischen Stöbern und Suchen könnte eine Lösung sein.
Habt ihr schonmal sowas erlebt? Vorschläge zur weiteren Ausbildung?

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!Herr! hilf ihnen! Denn Sie wissen nicht was sie tun. :rolleyes:
 
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16 Apr 2008
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Wenn der Hund die Schärfe hat und an die Kehle des Rehs kommt, wird er es auch abtun. Binden kann ein Teckel eher. Meiner hat vor drei Wochen auf einer Drückjagd eine weich getroffene Sau gestellt. Und dass nach 150 Metern vom Standschützen entfernt. Ich denke, dass Sauen Teckel nicht ernst nehmen und dann eher stehen bleiben. Als ich ankam, stand die Sau still wie festgewachsen, ganz fixiert auf meinen Hund, der sie immer wieder angriff. Naja, ich hab's dann beendet. .

Ging hier aber um ein Reh, das stellt sich keinem Teckel und auf der Hatz kriegt er es nicht (sind schlicht die Haxen zu kurz)!
 
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