Waldbau - Austausch ohne Forstbashing und ohne Wilddebatten!

Anzeige
Mitglied seit
10 Jul 2011
Beiträge
10.815
Gefällt mir
10.669
Bei uns hier (Mittelgebirgslage) sind praktisch alle Wälder an Standorten, die man für den Ackerbau und das Grünland nicht nutzen mochte
Das ist generell das Schicksal von Wald. Der steht immer da, wo es zu naß, zu trocken, zu steil, zu tonig, zu steinig, zu sonstwas ist für Landwirtschaft. Waldbewertung orientiert sich zunächst am niedrigsten Bodenwert der Umgebung. So ist das. Wir machen das Beste draus. ;)
 
Mitglied seit
27 Sep 2006
Beiträge
23.593
Gefällt mir
7.156
z/7 hat gesagt.:
Wir müssen glaub ich mal Termini klären, vorhin hat auch jemand Gruppen, Trupps und Horste in einen Topf geschmissen....
Ja, da gehen gerade die Begriffe etwas durcheinander.

Die klassische NESTERpflanzung arbeitet mit 25 Eichen auf einem Quadratmeter (0,2m x 0,2m-Verband) und wurde als Verfahren entwickelt, den Sämlingen einen Vorteil gegen Konkurrenz-Bodenvegetation in Steppengebieten zu verschaffen. Von den 25 sollte eine "dem Äser entwachsen", in dem Fall dem von Weidetieren u.ä. Man hat das in D als MIttel gegen Schlagflora auf Windwurfflächen, Vergrasung unter Kiefer etc. ausprobiert.

Die TRUPPpflanzung hat 19 - 27 Eichen in verschiedenen Schemata, im Prinzip Abstände von etwa einem Meter zwischen den Eichen und ggf. einen Ring dienender Baumart(-en) außenrum. Ziel ist hier, dass eine Eiche pro Trupp (wenigstens) im Altbestand übrig bleibt, also braucht man 80 - 100 Trupps pro Hektar. Das ist für Eiche inzwischen recht gut untersucht, für andere Baumarten ist das ab und an mal ausprobiert worden.

Für Unterbau oder Voranbau sind beide Verfahren eher nicht gedacht. Da wird dann trupp-, gruppen- oder horstWEISE geplanzt, aber in der Regel nicht im Trupp- oder Nesterschema, sondern in Reihenverbänden o.ä.

In dem hier herunterladbaren AFZ/DerWald-Artikel sind die Unterschiede schön erklärt. Eine weitere Auswertung zu den Qualitäten etc. gibt es hier. Eine ganz große Gesamtschau wurde kürzlich veröffentlicht, die habe ich aber im Büro und bin jetzt zu faul zum Suchen im Netz. ;)

Die Nordrhein-Wandalen haben vor Jahren mal eine Anleitung zur Trupppflanzung herausgegeben, die gibt es aber leider nicht als .pdf im Netz.
 
Mitglied seit
27 Sep 2006
Beiträge
23.593
Gefällt mir
7.156
Nee, das ist ein Vortrag von Regina Petersen. Ich meinte die auf dieser Seite, aber da ging der / dem Scannenden nach 6 Seiten die Lust aus. Das wurde damals als Heft IIRC an alle Forstämter und Reviere in NRW verteilt.
 
Mitglied seit
14 Feb 2006
Beiträge
11.302
Gefällt mir
22.934
Also auch von meiner Seite Dank an @Diplomwaldschrat für den Start des Fadens. Die Nesterpflanzung von Eichen war mir bis dahin völlig unbekannt, naja wir haben hier fast keine. (y)
 
Mitglied seit
23 Okt 2018
Beiträge
198
Gefällt mir
321
Habt ihr forstwirtschaftliche Vereinigungen? Maschinenringe? Die stemmen hier einen Gutteil der forstlichen Arbeiten, gibt inzwischen genug Waldbesitzer, die weder das Gerät noch die Zeit und schon gar nicht die Kenntnisse und Fähigkeiten haben, da selbst Hand anzulegen.
Die gibt es.
Aber dies Kosten Geld ohne einen direkten Nutzen davon zu haben. Weitblick gibt es keinen.
Ebenso ist meistens die Qualität dieser Arbeiten überschaubar.
Ein gut ausgebildeter Arbeiter, der sich auch von 3 Dingen die man am Morgen besprochen hat, auch alle 3 merkt und umsetzt ist in vielen anderen Branchen auch sehr beehrt.
Verdient in anderen Bereich wesentlich mehr, ohne körperlich so schwer arbeiten zu müssen.

Meist scheitert es jedoch an der Motivation der Waldeigentümer.
 
Mitglied seit
11 Jan 2006
Beiträge
7.862
Gefällt mir
717
der meiste Wald in NRW ist in Privatbesitz. Welche Auswirkungen hat das auf den Zustand des Waldes?
 
Mitglied seit
23 Okt 2018
Beiträge
198
Gefällt mir
321
der meiste Wald in NRW ist in Privatbesitz. Welche Auswirkungen hat das auf den Zustand des Waldes?
Bei sieht das meist so aus, dass auf irgendein Waldbaukonzept gesetzt wurde. z.B. in den 60ern Feuchtwiesen aufackern und Fichten setzen. Alle weiteren Pflegeeingriffe unterbleiben. Es fehlt meist der Plan (was soll wann passieren)

Unabhängig von der Baumart ist meiner Einschätzung nach die Stammzahl pro ha höher als im Großwald. Ich begründe das mit mangelndem Wissen in Ertragskunde. Frei nach dem Motto: Mehr ist mehr!
Weiters kann man im Großwald Blößen oder unbestockte Flächen (<0,1ha) finden. Aufgrund der Kleinstrukturiertheit im Kleinwald gibt's das nicht, da manchmal das Grundstück nicht mal so groß ist wie die Blöße im Forstbetrieb.
 
Mitglied seit
27 Sep 2006
Beiträge
23.593
Gefällt mir
7.156
der meiste Wald in NRW ist in Privatbesitz. Welche Auswirkungen hat das auf den Zustand des Waldes?
Das ist total unterschiedlich. Du hast vom Kleinprivatwald, in dem viele Eigentümer nichtmal wissen, dass sie Wald besitzen oder wo der liegt bis zum Großprivatwaldbesitzer, der von seinem Wald lebt, alles.

Die Struktur in NRW kannst Du hier ansehen, die genauere Aufteilung in Eigentumsgrößenklassen hier. Die Tabellen zeigen jeweils die Anteile an einem ideellen Hektar der entsprechenden Kategorie. Spiel mal einfach etwas damit rum. ;)

In der zweiten Tabelle sind Kommunal- und Privatwald zusammengefasst, u.a. weil es da einen fliessenden Übergang gibt (Gemeinschaftseigentum mit ideellen Anteilen).
 
Mitglied seit
1 Feb 2015
Beiträge
1.829
Gefällt mir
970
Das ist total unterschiedlich. Du hast vom Kleinprivatwald, in dem viele Eigentümer nichtmal wissen, dass sie Wald besitzen oder wo der liegt bis zum Großprivatwaldbesitzer, der von seinem Wald lebt, alles.

Die Struktur in NRW kannst Du hier ansehen, die genauere Aufteilung in Eigentumsgrößenklassen hier. Die Tabellen zeigen jeweils die Anteile an einem ideellen Hektar der entsprechenden Kategorie. Spiel mal einfach etwas damit rum. ;)

In der zweiten Tabelle sind Kommunal- und Privatwald zusammengefasst, u.a. weil es da einen fliessenden Übergang gibt (Gemeinschaftseigentum mit ideellen Anteilen).
Schau nochmal: da stimmt was nicht mit den zwei Links/kann sie nicht öffnen.
 
Mitglied seit
14 Apr 2018
Beiträge
447
Gefällt mir
602
Ich fände es z.B. als Landwirtschaftslaie auch interessant einen vergleichbaren Faden für die Landwirtschaft zu haben. Und wenn es ganz gut läuft, könnte man hier innerhalb des Forums vllt. sogar mal an eine entsprechende Rubrik denken, damit die Suche nach entsprechenden Themen innerhalb der Forst- bzw. Landwirtschaft einfacher wird.
Sorry dass ich jetzt so mitten in die Fachdebatte reinplatze, der Faden hat mich sowas von überholt...(y)
Ich wäre auch geneigt den Themen Forst und Landwirtschaft Jeweils eine Rubrik zu gönnen. Beide Themen sind in Deutschland untrennbar und auch gesetzlich zementiert mit der Jagd verbunden.
Selbst habe ich den TS auch schon mit forstlichen Fragen konfrontiert wo sich dann gezeigt hat, dass zum Teil doch reichlich naive Vorstellungen dominieren.

Waidmannsheil und Gruß concolor
 
Mitglied seit
12 Nov 2014
Beiträge
1.751
Gefällt mir
1.486
Ja, da gehen gerade die Begriffe etwas durcheinander.
...
Ich greif das mal auf, um die Begrifflichkeiten zu erklären (Bitte korrigiert mich, wenn ich mich irre oder was durcheinander bringe):

Bei der Einteilung von Trupps, Gruppen, Horsten und Beständen orientiert man sich meist an der zu erwartenden Höhe der Bäume. Um es vereinfacht darzustellen nehmen wir für die Höhe mal 30m an.
Trupp: Der Trupp ist i.d.R. die kleinste Einheit und macht etwa eine halbe Baumhöhe aus (etwa 15m Durchmesser). Mischungen (in der Jugendpahse), die deutlich kleiner wie "truppweise" sind, werden i.d.R: als "Einzelmischungen" bezeichnet.
Einzelmischungen versucht man in der Verjüngung zu vermeiden, da sie i.d.R. zu hohen Pflegekosten führen. Es müssen dort meistens starke Eingriffe erfolgen, damit die gewünschte Mischung erzielt werden kann. Funktionieren tut sie nur, wenn die zu mischenden Baumarten in der Jugend und möglichst bis zum Erntealter ein deutlich unterschiedliches Wachstum zeigen, dies auch gewünscht ist und zu unterschiedlichen Erntezeitpunkten (Mischung auf Zeit) oder zu unterschiedlichen Schichtungen innerhalb der Verjüngung führen sollen. Also entweder zu Vorwaldstrukturen, wo vorwüchsige Pionierhölzer die eigentliche Verjüngung schützen sollen, oder wo sich unter der eigentlichen Verjüngung eine zweite Schicht an unter- und zwischenständigen Schattlaubhölzern etablieren soll.
Gruppe: die nächst größere Einheit über dem Trupp ist die Gruppe. Sie hat etwa eine (zu erwartende) Baumhöhe als Durchmesser (+/- 30m).
Ein Horst hat 2 bis 3 Baumhöhen als Durchmesser (50 - 100m). Alles was darüber ist, wird bereits als (Klein-) Bestand bezeichnet.

Die Mischung erfolgt auf der Fläche i.d.R. trupp bis gruppenweise. Ziel ist es, dass die Bäume einer Baumart innerhalb des Trupps/ der Gruppe / des Horstes nahezu rein erwachsen (ggf. mit Schattlaubholz darunter) und durch innerartige Konkurrenz die Vitalsten übrig bleiben. Die Eingriffe können sich dabei (Zumindest beim Laubholz) auf die negative Auslese beschränken (Zwiesel, Protzen etc.) Muss zusätzlich die Mischwuchsregulierung durchgeführt werden (z.B. das Laubholz gegenüber dem Nadelholz gefördert werden) werden die Pflegeeingriffe intensiver und kostspieleiger. Im Nadelholz will man meist lange grüne Kronen um stabile und schnell wachsendes Holz zu produzieren. Dazu muss man meist frühzeitig den Standraum auch für die Vitalen erweitern, immer dann, wenn die Nadelhölzer sich nicht selbst in Höhen und Dickewachstum selbst differenzieren.

Die von Mohawk angesprochenen "Eichennester" sind eigentlich keine waldbauliche Einheit, sondern vielmehr eine waldbauliche Technik. Erwachsen aus einem Trupp noch bis zu drei Bäume in der Endstellung, kann es aus einem Nest sehr bald nur noch einen geben (Highländerprinzip) Dazu werden auf engstem Raum vergleichsweise viele Eichen gepflanz, damit diese im Jugendstadium sich gemeinschaftlich gegenüber der Konkurrenz durchsetzen können. Das Pendant dazu wäre die Plätzesaat. Auch da werden auf kleinster Fläche relativ viele Individuen ausgebracht. Waldbilder aus einer solchen Nesterbegründung hab ich noch keine gesehen, wär mal interessant, solche zu sehen...

Ähnlich verfährt man im Hochgebirgswaldbau durch sog. "Rottenpflanzungen". Hier werden auch auf kleiner Fläche (3 bis 7m durchmesser, evtl. Ttropfenförmig) mit verdichteter Pflanzenzahl einzelne Verjüngungskegel geschaffen, mit dem Ziel, kleine Kampfgemeinschaften zu begründen. Wir haben (vor langer Zeit) mal gelernt, dass man diese Rotte mit Pflanzverbänden von 0,5x0,5m begründet. Möglichst auf Gunststandorten (Köpferln) mit geringerer Schneelast. Darum bleiben Flächen bewußt ausgespart, um eine ungleichmäßige Schneeablagerung zu begünstigen. Vllt. können die Kollegen aus den Bergen genaueres schreiben und mich Flachlandtiroler verbessern.

Weitere (pflanzensparende) Verjüngungsverfahren sind beispielsweise das Nalderrad. Wobei es da eher darum geht, die gewünschte Zielbaumart in der Stückzahl zu reduzieren und durch "billigere" oder weniger verbissbelastete baumarten zu ersetzen.
 
Mitglied seit
12 Nov 2014
Beiträge
1.751
Gefällt mir
1.486
der meiste Wald in NRW ist in Privatbesitz. Welche Auswirkungen hat das auf den Zustand des Waldes?
Hier ist es so, dass durch die Kleinstparzellierung und die unterschiedliche Bewirtschaftung ein Mosaik von kleinräumigen Strukturen entsteht, bzw. entstanden ist. Der Borkenkäfer sorgt aber leider dafür, dass viele dieser Strukturen in den kommenden Jahren erstmal verschwinden werden.

Von den Größen, die hier kommuniziert werden, kann ich nur träumen. Abseits vom Kommunal und Staatswald haben wir hier fast überall die fränkische Realteilung. Über Jahrhunderte wurden die Grundstücke immer wieder geteilt und zwar i.d.R. von Berg zu Tal. die Folge sind heute Flickerlteppische mit Grundstücken zwischen 100 bis 500m länge und Breiten zwischen 2 und 8m. Krassestes Beispiel sind 9 Grundstücke, die am westlichen Ende auf einer Länge von 30m auf zwei Grenzsteine hin spitz zulaufen. Geordnete Waldwirtschaft funktioniert hier nicht!
Wer hier 2ha Wald hat, hat ziemlich sicher mehr wie 8 Flurnummern. Nur seltenst mit fortlaufender Nummer...
 
Gefällt mir: z/7
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Oben