Waldzustandsbericht - Lage ist katastrophal

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Das ist für unser Klima falsch.

Bei uns versickert Wasser aus Seen und Flüssen nicht ins Grundwasser, von sehr kurzzeitigen Ausnahmen nach Starkregen oder Schneeschmelze im Einzugsgebiet mal abgesehen; mengenmäßig spielt das keine Rolle.

Der Weg des Wassers geht über Niederschläge, Oberflächenabfluß und Versickerung in die Vorfluter. Und auch aus den Seen fließt das Wasser über Flüsse ab, Ausnahme sind lediglich ein paar Kleinseen in Karen oder anderen eiszeitlichen Seen, wo das Wasser durch die talseitigen Moränen zunächst in den Untergrund versickert, bevor es unterhalb in Quellhorizonten wieder austritt.

Gruß,

Mbogo
Jetzt habe ich mal ein grundsätzliches Verständnisproblem:

Warum sollte z.B. kein Wasser aus einem Flussbett oder Bachbett (-ufer) in den Untergrund versickern können und von der daneben liegenden Wiese schon? Über die Menge kann man im Einzelfall sicherlich diskutieren, aber über die grundsätzliche Möglichkeit sicherlich nicht, oder irre ich mich da komplett.

Es gibt doch in Deutschland auch "Extremfälle" in Karstgebieten, wo Bäche wieder komplett verschwinden, oder?

Und gerade die großen Flüsse haben doch auch gerne in Flussnähe große Brunnen von Wasserversorgern - kein Uferfiltrat, sondern Grundwasser. Da kann ich Dir z.B. aus dem Inntal einige Beispiele zeigen und mir fehlt einfach die Vorstellungskraft, daß dieses Wasser komplett vom Fluss getrennt sein soll.
 
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Selbstverständlich versickert Wasser auch unter Gewässern. Die Menge ist unterschiedlich von „sehr wenig“, wenn z.B. ein Ton darunter ansteht oder massiver Fels mit wenig Klüften bis hin zu “alles“, wie man bspw. bei der Donauversickerung bei Geisingen beobachten kann, die dort im Karst verschwindet und an der Aachquelle wieder hervorkommt um Dennis Rhein zu landen. Das Wasser der Quellflüsse endet also nicht im Schwarzen Meer sondern in der Nordsee.
 
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So ist es. Die Extreme sind das Problem. Es nutzt dir ein Baum nix, der 363 Tage gut verpackt und in den verbleibenden zweien erfriert...

Das ist ja zum Beispiel auch das Problem mit den Esskastanien, die gerade auch modern sind.

Du hast Recht, natürlich ist die Spätfrostgefahr der mediterranen Arten ein Problem. Deshalb schaut man sich auch in ariden Gebirgen um oder in bereits etablierten heimischen Beständen, ob man nicht dort angepasste Arten finden könnte. Kenne da einige sehr spannende Untersuchungen mit sehr frustrierenden Ergebnissen. Wir brauchen uns leider nicht dem Irrglauben hin geben, wir könnten die heimische Evolution überlisten. Brennholz und Industrieholz werden wir vermutlich immer produzieren können, bei Wertholz wird es schon schwieriger.

Da kommt auf das deutsche Saat- und Planzgut Wesen eine große Aufgabe zu: die Modernisierung ihrer Richtlinien, weg vom reinen Qualitätsdenken. Ob das rechtzeitig gelingen wird bin ich skeptisch.

zur Esskastanie: Ich pflanze und sähe sie auch sehr gerne. Allerdings will ich damit meine Bestände nur bereichern, Qualitativ erwarte ich da nicht viel. Aber in reinen Kiefern freue ich mich über jeden Laubbaum und die Wuchsleistungen (Quantität) sind zum Teil sehr gut. Mit der Qualität bin ich noch nicht zufrieden. Ich habe eine Kultur, die ich als Reinbestand angelegt habe, als Waldbrandriegel. Dort haben die Kastanien im Alter von 3 und 4 Jahren zwei mal Frost bekommen und die jungen Triebe sind verfroren. Aber sie haben alle einen guten Johannistrieb ausgebildet, sind nicht eingegangen und standen am ende der trockenen Sommer verhältnismäßig gut da.

IMHO: Zu allererst heißt es für jeden, der noch genug Mut und Verstand hat den Wissenschaftlern zu vertrauen, alles dafür zu tun, das es nicht schlimmer wird. Möglichkeiten und Maßnahmen gibt es viele. Das ist vermutlich die schwerste Aufgabe. Wir werden nicht einfach die eine Eiche aus den Kapten, die andere Nuss aus der Türkei und die Tanne aus Kanada nehmen können und alles aussitzen. Den Klimawandel und die anderen menschengemachten lokalen und globalen Umweltprobleme kann man nicht aussitzen und darauf hoffen, dass sich andere kümmern.
 
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Unter den riesigen voralpinen Schotterfeldern von Rhein, Iller, Lech, Isar, Inn, Donau etc. befinden sich enorme Grundwasservorkommen, die oft deutlich unter dem Niveau der Flusspegel liegen und in die von den Gewässern aus grosse Mengen von Wasser einsickern.
Dass auch Niederschagswasser versinkert und den Grundwasserkörper speist, ist doch trivial.

Pauschal kann man sagen, dass Wasser der Schwerkraft folgt. Wenn der Untergrund durchlässig ist, fliesst es vom höheren zum niedrigeren Bereich (hydrostatischer Druck).
Ist der Gewässerpegel höher als das Grundwasser, sickert es von der Oberfläche in das Grundwasser, liegt der Grundwasserpegel höher als das Oberflächengewässer, fliesst es vom Grundwasser in der das Oberflächengewässer. Das kann sich in einer Region mehrfach wiederholen.
Baggerseen in der Ebene werden höhengleich durchströmt, auf der einen Seite tritt das Grundwasser in den See ein, auf der anderen von dort wieder aus.

Dabei belasse ich es jetzt aber auch, das war ausserdem nur ein Randaspekt im Faden.
 
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...wenn ich hier die Beiträge eines lieben und sehr fleißgen Foristi mal zusammenfassen soll:

Mein alter Professor begann seine erste Vorlesung mit dem Satz: "Es gibt zwei Sorten von Männern in Deutschland. Das eine sind die Förster und das andere sind die, die immer Förster werden wollten".
[Setze Experten für Förster und dann stimmts immer].

Gewisse Insekten haben anscheinend sehr große Schwierigkeiten, sich mit dem zweiteren Schicksal abzufinden und auch damit , dass andere (Fachleute!) vielleicht auch mal Recht haben könnten. Ist schon schwer, das Leben mit so nem kleinen Unterschlundganglion...
 
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...wenn ich hier die Beiträge eines lieben und sehr fleißgen Foristi mal zusammenfassen soll:

Mein alter Professor begann seine erste Vorlesung mit dem Satz: "Es gibt zwei Sorten von Männern in Deutschland. Das eine sind die Förster und das andere sind die, die immer Förster werden wollten".
[Setze Experten für Förster und dann stimmts immer]. ...
Du bist offensichtlich Förster und genau solche Vorlesungen wie die deines alten Professors haben zu den Problemen geführt, die wir jetzt haben ...

Was meine Erfahrungen mit Grundwasser angeht, haben die direkt mit meinem "Schicksal" zu tun, weil das nämlich ein ziemlich wichtiger und auch sicherheitsrelevanter Faktor bei vielen Plaungen ist. Da wahrscheinlich sogar noch wichtiger als beim Bäumchenstreicheln.
 
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Nur brauchen die ohne Hilfe, bis die in signifikanter Zahl auf den Flächen vorkommen, wo sie sinnvoll und ökologisch verträglich ihren Job tun können, ewig - also zu lang.

Die mediterranen Arten und Herkünfte müssen nicht nur die Wintertemperaturen aushalten, die müssen vor Allem die Spätfröste im Frühjahr vertragen.

zu A:
"Ewig Lang" würd ich da nicht sagen.
Das hat doch auch die vieldiskutierte Fichte nicht gebraucht, um sich seit Mitte des 19Jhds hier auszubreiten.
erst mit Hilfe des Menschen war die plötzlich da und von Dampf-Eisenbahnhilfe abgesehen ging das damals alles sehr händisch.
Da hätten wir heute viel schnellere mittel zur Hand, bis hin zur Saatausbringung mit Drohnen.

Die Fichte Gabs von höchsten Mittelgebirgslagen und Alpenraum abgesehen nirgends, aber wurde als "Brotbaum" des Forstes binnen weniger Jahrzehnte flächendeckend eingesetzt und ab 30 Jahre setzt dann ja die Selbsaussaat dazuein.

Ich war gestern Brennholz machen im Roteichenschlag.
Hat der Förster selber vor 35 Jahren gesetzt als 10 cm Bleistifte.
die Dinger sind aktuell in der Höhe von 15-20 Meter, die besten bis zu25cm im Durchmesser und werden aktuell "gelichtet"(Brennholz) , der Boden liegt voller Eicheln und am lichten Rand stehen schon Mannshohe Sämlinge.
Da nebenan Stieleichen stehen, wäre auch das Thema "Bastarde" nicht uninteressant.

Zu B:
Das ist nicht von der Hand zu weisen, denn wenn die kaputtfrieren=untauglich

man muß natürlich längere Testspflanzungen mit verschiedenen selektionen /Herkünften probieren und vergleichen, was in anderen Weltgegenden mit halbwegs vergleichbarem Klima, wie es für uns als Option vorhergesagt wird, zu holen ist..

Auch, wie oft und wie heftig die Pflanze reagiert und ob ein Spätfrost sie nur um 2 Wochen oder gar für 2 Jahre in der Entwicklung hemmt muss man natürlich wissen, bevor man große auswilderungen macht.

Kenne ich aus dem Garten.
Spätfrost im april/Mai wirkt sich- je nach Winterverlauf- auf die eine Art verheerend aus, die brauchen ein ganzes Jahr fürs regenerieren, andere sind nach 3 wochen wieder voll dabei.
Auch die Blüte und damit die Frucht kann dann ja für dieses Jahr futsch sein.

So hab ich auch mal mitbekommen, daß die - eigentlich extrem winterharte- sibirische Lärche außerhalb ihres Verbreitungsgebiets tatsächlich mickert, weil sie Spätfröste und den eher langsamen übergang von winter zu Sommer und umgekehrt schlecht abkann.

die ist es gewöhnt, 8 Monate mit Voll-Winter, 2 Wochen Frühling, 3 monate Sommer und dann wieder 2 Wochen herbst und dann wieder Winter...

gleichermaßen gibt es genügend Arten, die hier voll hart sind, aber aus warmen Weltecken stammen von denen man das nicht vermuten würde, dass die hier mit den Bedingungen klarkommen..
Ob die dann schnell und qualitativ genügend Holz liefern, wie es der Forst oder besser der Verbraucher in ca. 100 Jahren gerne hätten= wird man dann sehen...

nun, muß man eben(wie früher ja auch) testen und Vergleichen und sich nicht wie bei der Fichte auf eine oder 2 Arten in Massenanbau festlegen sondern eben auf 10 Hektar Fläche mehr Arten laufen lassen.

Heimische und Sonstige, das würde auch das Problem abdämpfen daß sich Krankheiten und schädlinge allzu fix ausbreiten.
die demnächst wieder stattfindenenden Eichenprozessionsspinner/Nonne etc-Plagen mal bedenken.

Selbst der Borkenkäfer würde in einem Hektargroßen Wald mit nur 15 anderen Fichten weniger Chancen haben als in einer monokultur, die wir ja eigentlich seit den Stürmen der 1980er und 90er nicht mehr wollen, die aber nach wie vor da sind, zumindest die, die nicht vor 1-3 Jahren verdurstet sind.
 
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So ist es. Die Extreme sind das Problem. Es nutzt dir ein Baum nix, der 363 Tage gut verpackt und in den verbleibenden zweien erfriert...

Das ist ja zum Beispiel auch das Problem mit den Esskastanien, die gerade auch modern sind.
Bei uns im Südwesten gibt´s Esskastanien, sprich Käschde, schon seit dem späten 19. Jahrhundert in der Haardt. Jetzt gibt es bei uns zwar nicht gerade sibirische Temperaturen im Winter, aber ein paar Minusgrade können die schon ab.
 
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Esskastanie als kleine Beimischung, warum nicht. Dort wo sie häufiger ist, entwickelt sie einen Rindenkrebs, gut zu sehen schon am Lago Maggiore.
 
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Esskastanie hat mit FRost Probleme, weil sie dann RIngrisse bekommen kann. Damit ist der Stamm dann nur noch Brennholz. Kann man in den Bergen unweit des Lago Maggiore auch live sehen. ;)


zu A:
"Ewig Lang" würd ich da nicht sagen.
Das hat doch auch die vieldiskutierte Fichte nicht gebraucht, um sich seit Mitte des 19Jhds hier auszubreiten.

Es ging um die Ausbreitung von alleine, ohne Hilfe. Dass die Baumarten mit entsprechender menschlicher Unterstützung in drei Tagen aus der Baumschule in Süditalien nach Norwegen kommen können ist doch nicht strittig.

Die Fichte Gabs von höchsten Mittelgebirgslagen und Alpenraum abgesehen nirgends, aber wurde als "Brotbaum" des Forstes binnen weniger Jahrzehnte flächendeckend eingesetzt und ab 30 Jahre setzt dann ja die Selbsaussaat dazuein.

Wobei man ja auch nicht vergessen sollte, dass die Abwesenheit der Fichte in vielen Regionen auch anthropogen gewesen sein kann. Hinweise darauf gibt es jedenfalls.


Zu B:
Das ist nicht von der Hand zu weisen, denn wenn die kaputtfrieren=untauglich

man muß natürlich längere Testspflanzungen mit verschiedenen selektionen /Herkünften probieren und vergleichen, was in anderen Weltgegenden mit halbwegs vergleichbarem Klima, wie es für uns als Option vorhergesagt wird, zu holen ist..

Läuft alles ...

... hätte man schon viel früher und viel ausgreifender machen können und müssen, wurde aber nicht bezahlt.

nun, muß man eben(wie früher ja auch) testen und Vergleichen und sich nicht wie bei der Fichte auf eine oder 2 Arten in Massenanbau festlegen sondern eben auf 10 Hektar Fläche mehr Arten laufen lassen.

Niemand setzt heute auf ein, zwei "Superarten". Höchsten die Buchen-dogmatischen Naturschützer. ;)
 
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das problem vieler "klima"-Baumarten sind spätfröste. Starke Fröste im Winter machen den wenigsten Baumarten Probleme
 
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Ein Freund, Förster, hat seit etlichen Jahren eine Gruppe Mammutbäume in seinem Feldrevier stehen, die kommen wohl gut, mit unserem Klima, klar;)
Enttäuscht bin ich, von aller forstlicher Forschung. Niemand hat klare Aufforstungsvorschläge, alles nur vielleicht und eventuell.
 
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Ein Freund, Förster, hat seit etlichen Jahren eine Gruppe Mammutbäume in seinem Feldrevier stehen, die kommen wohl gut, mit unserem Klima, klar;)
Enttäuscht bin ich, von aller forstlicher Forschung. Niemand hat klare Aufforstungsvorschläge, alles nur vielleicht und eventuell.
Wir haben hier im Märkischen Kreis ein Forstgut, die haben über 100 Baumarten im Bestand und die meisten in einem Umfang, dass man auch wirklich was daraus ableiten kann. Die Bestände müssten so in den Achtzigern etabliert worden sein. Das ist echt sehenswert.
 
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