Wandel in der Jagd

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Wie meinen?

Benutzer von Nachsichtgeräten machen keine schlechten Schüsse? :ROFLMAO:
 
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7 Dez 2012
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d
Hier liest man immer wieder, dass es früher waidgerechter zuging.
Würde sagen das ist ein reines Gefühl, das nichts mit der Realität zu tun hat.
Die Wahrheit ist früher gab es genauso Sauereien am Wild wie heute.
Auch wahr ist, dass sich früher wie heute die grosse Mehrheit der Jäger vernünftig verhalt.

Dass sich der jagdliche Fokus verschiebt, wenn es Veränderungen an den Bedienungen gibt (kaum noch Niederwild, mehr Schalenwild) ist jawohl logisch. Das kann man nicht schön finden, aber es ist nun mal die Realität.
Dass es früher waidgerechter zuging als heute kann ich hier nicht so absolut rauslesen. Ein Schwarzkittel wird es schwerer haben heil übers Jahr zu kommen, wenn der Jäger nicht mehr auf den Mond angewiesen ist, sondern mit Technik jeden Tag rausgehen kann. Das ist wohl logisch! Wenn mit Hilfe dieser Technik weniger schlechte Schüsse vorkommen ist das aber wieder im Sinne der Waidgerechtigkeit. Ist halt nicht nur schwarz/weiß und beides konnte man lesen.

Womit ich mich nicht so einfach abfinden möchte, ist die lakonische Feststellung "kaum noch Niederwild, mehr Schalenwild". Der Satz stimmt und die Gründe dafür sind vielfältig. Aber es müßte nicht so krass sein, wenn es noch mehr Niederwildhege geben würde. Bei mir in der Gegend hat keiner mehr die Strecken wie vor 50 Jahren. Aber es gibt durchaus noch Reviere mit ganz ordentlichen Besätzen und unweit daneben Reviere mit kaum noch Niederwild. Den Unterschied hier macht die Hege. Bei 10 km Luftlinie ist weder die Landwirtschaft eine andere, noch die Umweltbedingungen. Viele Jäger (und auch Pächter) scheinen da einfach kein großes Interesse mehr zu haben. Nicht zuletzt, weil es halt mit viel Arbeit verbunden ist. Dabei stellen wir und unsere Verbände uns aber bei jeder Gelegenheit als aktive Naturschützer dar!
 
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7 Jan 2016
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Früher ging es keinen Deut waidgerechter zu als heute.
Früher hat man einfach die Klappe gehalten wenn irgendwas schief gelaufen ist.

Ich habe 'ne Lodenjacke, aber keinen Drilling. Bin ich damit in Jägerkreisen "divers"?
 
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Ganz genau, jede Neuerung ist immer das Ende aller Waidgerechtigkeit und raubt dem Wild die letzte Chance. Es glaubt doch niemand hier, dass man mit Nachtsichttechnik die Sauen ausrottet.
Es kommt nur immer drauf an wie man es nutzt.
Durch Bejagung wurde noch nie eine Art ausgerottet und wird es auch künftig nicht.

Ich persönlich verstehe dich sehr gut und finde die Idee der Jagd als Teil der Natur auch super und würde am liebsten auch so jagen. Ich habe leider nicht die Möglichkeit und finde das schießen auf schwarze Schatten, wo ich mit Glück vorne und hinten unterscheiden kann, sehr wenig ansprechend. Daher bleiben mir 3 Optionen:
1. nicht jagen (keine echte Option)
2. auf Schatten schießen und hoffen
3. Technik nutzen und wissen, was ich erlege
(4. der Traum vom Tagrevier)
Du siehst, dass Dilemma ist nicht ausschließlich der Wille, sondern auch den jagdlichen Möglichkeiten geschuldet.
An den Möglichkeiten kann man nach meiner Überzeugung arbeiten, dauert aber schon etwas, bis es sich ändert. Bis dahin braucht man nicht auf schwarze Schatten zu schießen, sondern schießt dann wenn es passt. Jährlich wurden auch vor der NZT 6-stellige Sauenstrecken bei Mondansitzen erzielt. Wenn es passt ist´s gut, ansonsten bleibt die Kugel im Lauf. Neben dem erforderlichen ausreichenden Licht gehört halt auch eine gewisse Erfahrung dazu. Die kann dann auch schon mal dazu führen, dass man garnicht erst rausgeht. Ist für diejenigen weniger lukrativ, die über´s Wochenende ein paar hundert Kilometer ins Revier gefahren sind und mit dem vorhandenen Licht entscheiden müssen, hoffen oder schlafen gehen.
Also, Punkt 1 und 2 sind keine Optionen, Punkt 3 dort wo es zulässig ist und anderes Wild nicht zu sehr stört in Ordnung und Punkt 4 funktioniert ja auch nicht das ganze Jahr.

wipi
 
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Es glaubt doch niemand hier, dass man mit Nachtsichttechnik die Sauen ausrottet.
Nöö, wie auch, wenn immer fleißig weitergefütt...äh, gekirrt wird.
Hätte man das von Anfang an unterlassen, oder nur in weit begrenzterem Maße ausgeübt, gäbe es wohl das heutige Problem mit Nachtjagd, "überheimlichem Wild" und immensen Wildschäden nicht.
Nur dann müßte man sich in 80% der Schalenwildreviere mit Rehwild als einzigem, standortfesten Schalenwild arrangieren und SW nur als gelegendlichen Durchszügler akzeptieren, das nicht mittels Wilduhr/Wildtierkamera auf die Minute genau an den Kirrungen im Revier zu orten, und eher (dafür aber weniger heimlich, bei besseren Lichtverhältnissen und ohne NS-Technik) auf dem Einzelansitz oder der klass. "Klepperjagd" mit 5-8 Schützen, 3-5 Treibern und 3 Hunden zu erlegen ist. Zudem noch Jahre ohne Eichel/Eckernmast im Vorjahr sehr "magere" SW-Jahre sein würden mit vielleicht noch keinen 5 Stk. geschossenem SW auf 300ha.
Kein "Event", keine "Performance", keine "Action".
Dann könnte man auch bei unverhältnismäßig starkem Anstieg der SW-Bestände den Biogasbauern und den Subventionsgebern alleine den Schwarzen Peter zuschieben, den sie dann auch alleine verdient hätten.
Damit könnte man dann mithilfe der Jagdverbände gegen die immer irrwitzigere Jagd- und Landwirtschaftspolitik von Bund, Ländern und EU vorgehen (inkl. der Wildschadens-Ersatzpflicht) und hätte wohl auch noch ordentl. "feedback" in der Öffentlichkeit.
Aber so wie´s jetzt (also eigendl. die letzten 20-30 Jahre) läuft, läßt es sich vergleichen, daß man sich über ein Bordell in der Nachbarschaft auffregt, da aber jeden Abend Schnittchen und Kaffee en masse vorbeibringt. :sneaky:
 
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@Sirius
Das kommt drauf an aus welcher Gegend man kommt.
Hier wo ich wohne wurden in den 60 er Jahren fast genau so viele Sauen erlegt wie heute noch.
Niederwild gab es hier mit Ausnahme von Hasen noch nie in dem Sinne und das abwohl wir damals wie heute keine grosse Landwirtschaft haben, im Gegenteil heute wächst alles mit Dickungen zu wo früher der Ziegenhirte ging.
 
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Die Schwarzwildbestände haben sich nicht dermaßen stark vermehrt weil in einem Revier gekirrt wird . Bei uns sind pro Kirrung 2 KG.zulässig .
Da ist die Menge bei 1 qm Futtermais höher.
Und Maiswüsten an jeder Ecke . Zudem macht sich die Klimaerwärmung bemerkbar.
Kalte Winter und somit natürliche Reduktion ist auch vorbei .
Schwarzwild ist halt extrem anpassungsfähig und fruchtbar. . Zudem ist ihr Nahrungsangebot extrem gestiegen . Das hat nichts mit Kirrungen für Schwarzwild zu tun .
Auch wenn sie verboten wären, würde die Anzahl nicht geringer werden .
Bei uns und unseren Nachbarn wird nicht gekirrt.
Seit 3 Jahren jagen wir sehr intensiv auf Schwarzwild. Früher mit Lampe und Wärmebildkamera . Heute mit Vorsatzgerät.
Die Abschüsse sind gefallen . Die Schäden gehen fast gegen Null. In den Nachbarrevieren auch .
Zudem wird jeder Fuchs mitgenommen dessen Erlegen möglich war. Hat die Borstentiere nie gestört . Schalldämpfer sei Dank .
Also. Alles richtig gemacht .
 
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Hier liest man immer wieder, dass es früher waidgerechter zuging.
Das wurde wahrscheinlich (zumindest in D) schon behauptet, als man von Faustkeil auf Speer und dann auf Pfeil und Bogen wechselte. Und danach bei jeder Neuentwicklung auch...
Ach stimmt, "D" zu Zeiten des Faustkeils :ROFLMAO:

... machen wir uns mal nichts vor: mit sinkender Relevanz des jagdlichen Erfolges für die eigene Existenz, entwickelten sich wohl erst viele dieser Gedanken. Nicht, das nicht schon Naturvölker die Bedeutung der Umwelt achteten; aber was für uns z.B. Tierschutz bedeutet, das war den Menschen sicher in vielerlei Hinsicht fremd.
Man muss dafür noch nicht einmal Gefühlslosigkeit unterstellen. Zumal die Natur es ja vormacht: da ist kein Platz für "Waidgerechtigkeit". Das erfüllt keinerlei Funktion. Das ist bestenfalls zufällig einhergehend mit "der Beute schnell und sicher habhaft werden". Nur das bestimmt die Methode! Allerhöchstens, wenn man es komfortabel hatte, ergaben sich noch zusätzliche Verbesserungen, weil man herausgefunden hat, dass ein waidwundes oder ein adrinalinverseuchtes Tier nicht gut schmeckt; aber nicht, weil es dann weniger leidet. Und wenn wir 10.000 Jahre später, also vor 40 Jahren immer noch auf Treibjagd unterwegs gewesen sind, dann hat natürlich jeder gezuckt, wenn auf einen Schuss hin ein Hase klagt - wohl wissend, dass genau dieses einem in den nächsten fünf Minuten ganz genau so passieren kann:
DAS mache ich dann ganz alleine mit mir selber aus! ... nicht mit irgendeiner Gesellschaft. Wenn die Gesellschaft dafür irgendwann Grenzen gefunden haben will, und vorschreibt, sowas darf nur genau alle 625 Reh-Entnahmen einmal passieren, dann muss man sich dem zwar fügen - aber das entspringt ja keiner Abwägung, die dem Wesen von Natur (und Jagd!) entspräche. Und @icorvusi es wird halt "Die Waidgerechtigkeit" immer wider als ebensolche Norm bemüht, oder, weil man sich gerne über Waidheilige lustig macht, durch moderne Begriffe getarnt, um dir eine Ethik aufzuschwatzen: das ist nicht deine Willenserklärung und das würde ich auch nicht zu einer solchen erklären wollen, bei den vielen Deutungshoheiten, die dahinter auf lauern, was ich wohl so tue. Zum Beispiel: auf Treibjagd gehe ich noch heute gern :)
 
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Servus,

zum Thema Technik und ggf. "auf Schatten schießen": War gestern Abend draußen und für mich war klar bei dem bewölkten HImmel war es mir ab 20.15 Uhr einfach zu dunkel zum "verantwortungsvollen" Schießen (ohne irgendwelche "Nachttechnik), trotz meiner sehr guten "Normal-Optik"..... Habe dann noch bis 20.30 Uhr gesessen und dann halt abgebaumt...

Ich war vor einigen Wochen schon sehr nahe dran mir eine WBK (Helion 2) zu kaufen, habe es aber vorerst für mich doch noch "verschoben". Einige Meinungen haben mich zögern lassen. Wenn ich es "plastisch" ausdrücke ging es in die Richtung "die Instinkte verkümmern, die Aufmerksamkeit, das Reinhören in die Natur geht flöten, der Ansitz wird viel unruhiger weil man ständig die Umgebung abscannt" u.s.w.
Hat sicherlich auch was für sich, möchte mir die Sache jetzt nochmal in Ruhe überlegen und die für mich richtige Entscheidung treffen.

Zum neuen Katalog von Frankonia:

Den hatte ich mir bei meinem kürzlichen Besuch vor einigen Wochen in der Aschheimer Filiale mitgenommen. Als ich wieder zu Hause war hatte ich noch einen im Briefkasten... Der war aber stabil gebunden und trug die Aufschrift "Schutzgebühr 5€". Hatte ich noch nie diese "feste" Ausführung. Diese stabile Version gefällt mir besser....;) Einige Veränderungen sind mir auch aufgefallen. Trotz "der Nähe" von F zu Merkel ist zum Beispiel keine einzige Flinte mehr von Merkel drin. Wollte mal schauen was z.B. meine geliebte 2002C jetzt kostet.... Stattdessen fast nur noch türkische u.a. Billigflinten im Katalog..... Aber wie schon von einigen Foristen bemerkt in einen Katalog kommt das rein was sich am besten verkauft oder was verkauft werden soll/muß....

Auch ist nochmals der "Trend" bei Frankonia zum Push der Eigenmarke "Parforce" verstärkt zu beobachten. Ich muß gestehen ich mag generell nicht unbedingt Zweitmarken oder Hausmarken. Ist für mich oft halt nur die Kopie, die halt günstiger ist. Aber zurück zur Jagd bzw. dem Katalog. Bei Messern inzwischen riesige Auswahl von Parforce aber z.B. fast keine Puma-Messer mehr bzw. nur noch eine Handvoll aus der Billiglinie. Bei anderen Produkten ähnlich. Viele Klamotten von Parforce sehen inzwischen fast wie eine "Zweitmarke" von Merkel Gear aus..... Kann als Kaufmann schon den Push von Parforce nachvollziehen, aber mich als Kunde sprechen diese Dinge nicht an. Aber ich bin halt an dieser Stelle wahrscheinlich auch nicht die Regel. Wie immer gilt jeder wie er mag!

Gruß
 
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Durch Bejagung wurde noch nie eine Art ausgerottet und wird es auch künftig nicht.



An den Möglichkeiten kann man nach meiner Überzeugung arbeiten, dauert aber schon etwas, bis es sich ändert. Bis dahin braucht man nicht auf schwarze Schatten zu schießen, sondern schießt dann wenn es passt. Jährlich wurden auch vor der NZT 6-stellige Sauenstrecken bei Mondansitzen erzielt. Wenn es passt ist´s gut, ansonsten bleibt die Kugel im Lauf. Neben dem erforderlichen ausreichenden Licht gehört halt auch eine gewisse Erfahrung dazu. Die kann dann auch schon mal dazu führen, dass man garnicht erst rausgeht. Ist für diejenigen weniger lukrativ, die über´s Wochenende ein paar hundert Kilometer ins Revier gefahren sind und mit dem vorhandenen Licht entscheiden müssen, hoffen oder schlafen gehen.
Also, Punkt 1 und 2 sind keine Optionen, Punkt 3 dort wo es zulässig ist und anderes Wild nicht zu sehr stört in Ordnung und Punkt 4 funktioniert ja auch nicht das ganze Jahr.

wipi
Ich finde die Antwort sehr interessant, vor allem, wenn man die Revierverhältnisse nicht kennt :unsure:
 
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@Sirius
Das kommt drauf an aus welcher Gegend man kommt.
Hier wo ich wohne wurden in den 60 er Jahren fast genau so viele Sauen erlegt wie heute noch.
Niederwild gab es hier mit Ausnahme von Hasen noch nie in dem Sinne und das abwohl wir damals wie heute keine grosse Landwirtschaft haben, im Gegenteil heute wächst alles mit Dickungen zu wo früher der Ziegenhirte ging.
Unsere langdschaftl. Gegebenheiten im südl. Hunsrück zwischen Hoch-/Idarwald und der Nahe (viel Niederwald mit Traubeneichen, kleine, aber zahlreiche Hochwaldbestände an Traubeneiche/Buche, viele, kleine Fichtendickungen ehem. aufgeforsteter Ackerflächen, sehr häufige Schwarzdornhecken als Tageseinstände, frische bid pseudovergleyte Tonböden die in kl. Senken Suhlen zulassen) sind eigendl. ideale SW-Bestände und haben sich seit den 60er/70er Jahren auch kaum verändert. Trotzdem war SW hier nicht häufig.
Die Bestandesexplosion erfolgte erst nach den Windwürfen von Vivian/Wiebke im Feb./März 1990.
Aber mit solcher Vehemenz, daß bereits ab 1993/94 man beim SW von der "Hauptwildart" sprechen konnte, was vorher mit sehr großem Abstand das Rehwild war.
SW als "Teilzieher", d.h. rel. festern Standort kannte man eigendl. nur an den Grenzrevieren zum Staat (die sich den Höhenrücken Hoch- und Idarwald) etwa zu 1/3 : 2/3 teilen.
Da beim Staat eh nur äußerst zurückhaltend bejagt, konnte sich das SW da in den frühen 90ern sicher auf die noch nicht aufgearbeiteten oder neu angepflanzten Windwurfflächen zurückziehen und nur zur Nahrungsaufnahme in die weiter darunter liegenden Gemeindewälder (meist Niederwald mit guter Eichelmast) oder die damals noch mehr als heute angebauten Hackfrüchte (Steckrüben, Futterüben, Kartoffeln) auf den Feldern, ziehen.
Ohne die schlagartig neuentstandenen, ideale Dickungen im Staatswald, wären die Bestände in den 90ern also lange nicht so explodiert.
Dazu kamen dann noch mehrere gute Mastjahre in den 90ern. Die "überzähligen" Schwarzkittel wanderten aus dem "sicheren" Hoch- und Idarwald ab und wurden in den Gemeinden- Privatwäldern sesshaft. Um sie darin noch zu bestärken, wurde dort von den Jagdpächtern gekirrt, was das Zeugs hielt, was die Reproduktionsrate dann nochmals ansteigen ließ.
Die Reglemetierung zur Kirrmenge kam in etwa mit dem vermehrten Anbau von Biomais, zuungunsten der weniger lukrativen, subventionierten und fürs SW weniger kohlehydrathaltigen Hackfrüchte.
Also wieder künstl. herbeigeführte "Populations-Booster".
Dazu dann immer die ab den 2000er Jahre milderen Winter mit ihren reichhaltigen Mastjahren.
Das kam halt alles zu spät.
Zwichen 1990 und 1993 hätte man rigoros in den SW-Bestand eingreifen müssen um die Bestandesexplosion zu verhindern, die vielen damals auch schon bewußt war.
Man wollte es aber zugunsten des "HW des kleinen Mannes", das auch weit weniger zeit- und kostenintensivere Arbeit als Rotwild macht nicht wahrhaben.
Im Nordpfälzer Bergland (Gegend um Kusel) kenne ich Revierleiter, die noch anfang/mitte der 2010er Jahre gemeint haben: "Wir wollen SW unbedingt als Standwild, zuungunsten des NW, haben und setzten alles dafür dran."
Dann zwei/drei sehr üppige Mastjahre (Nordpfälzer Bergland ist noch besser "ausgestattet" mit Eichen/Buchen als wir hier) und ihre Reviere hatten ausgesehen als hätten dort Nato-Großmanöver stattgefunden. Die Jagdgenossenschaften (meist Landwirte) drohten teils mit "Polizeijagden" und entzug des Pachtvertrages.
Das "nasse" Jahr 2017 brachte dann eine erneute Wende. SW im Herbst/Winter kaum da (großflächig). Auf DJ auf denen sonst 20-30 Sauen lagen, noch keine 10, teilweise soger 0.
Dabei waren die Sauen nicht heimlicher geworden, man sah es an den Wiesen; es waren keine Brechschäden vorhanden, der extrem trockene "Jahrhundertsommer" 2018 hielt dann den Bestand auf niedrigem Niveau.
Letztes Jahr dann wieder deutl. feststellbarer Zuwachs.
Mal sehen, was es diesen Herbst gibt, wenn ich mir die über und über voll hängenden Buchen hier angucke, schwant mir nix gutes für nächstes Jahr. :oops:
 
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10 Jan 2018
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Gut beobachtet, @rangerover
Und dieser Drang zur "Hausmarke" ist durchaus entlarvend, wenn man bedenkt, dass die großen Supermarkt und Drogerie-Ketten mit ihren z.T. durchaus nicht schlechten Eigenmarken ebenfals in diese Richtung gehen. Frankonia ist nicht mehr als ein

Hatte früher auch mal einige Parforce Sachen, aber die schienen mir in Funktionalität und Haltbarkeit den später erworbenen, sicherlich auch teureren Ausrüstungsstücken skandinavischer Herkunft (Härkila oder Fjällräven) oder Blaser Klamotten nicht ebenbürtig.

Vor allem die Parforce Messer, die man dann hin und wieder als Werbeangebot angepriesen bekam, hatten eher "Single use" Charakter... totaler Schrott.

Frankonia wird, nach seiner Übernahme durch einen großen, deutschen Versandhandelskonzern, scheinbar zunehmend von einem Management geleitet oder zumindest im Einkaufsbereich dominiert, für die die Jagdleidenschaft ihrer Kunden eine etwas ferne und vielleicht sogar unverständliche Angelegenheit zu sein scheint. Man geht mit einigen bzw vielen Trends mit, aber kann sie mangels Verständnis für die Zielgruppe markttechnisch nicht dominieren, geschweige denn lenken oder weiter entwickeln.

Erinnere mich, an die vielen Jägergestalten, die sich um die damals noch mit edlen Waffen gefüllten Vitrinen in der an der Friedrichsstraße in Berlin Mitte gelegenen Frankonia Filiale gedrängelt haben. Auch wenn sie danach "nur" Munition oder eine preiswertere Waffe gekauft haben, so war das doch etwas jagdliches Fluidum in Mitten Berlins. Menschen hatten ihre HUnde mit, man sah schlammige Gummistiefel, rote Gesichter, es wurde laut gelacht, wenn man mal einen alten Bekannten wieder traf und sich an lustige und spannende Jagdabenteuer erinnerte. Die Büchsenmacher waren noch "alte Schule" und wußten um Dinge, die sich vielen ihrer heutigen Nachfolgern nicht erschließen. Fast alle Verkäufer waren selber passionierte Jäger, man konnte fachsimpeln und sich austauschen.

Doch dann setzten sich die Interessen des Versandhändlers als neuem EIgentümer durch. Die edlen Jagdwaffen verschwanden, die alten Büchsenmachermeister ließen sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden, die Filiale verlor, trotz stark wachsender Zahl von Jagdscheinbesitzern in der Hauptstadtregion, ihren jagdlich authentischen Charakter und wurde leerer und leerer und schließlich geschlossen um in kleinerer Fläche dann irgendwo an einer Autobahn, angeschlossen an ein Outlet-Center wieder eröffnet zu werden.

Was macht der Berliner oder Speckgürtel-Brandenburger Jäger ? Bestellt im Internet in Shops, die zumindest was das Sortiment und die Interaktion zu den angebotenen Produkte jagdliche DNA ihrer Besitzer verraten. Und derer gibt es inzwischen einige auf dem deutschen Markt. Sowohl was Kleidung und sonstige Ausrüstung betrifft.

Waffen besorgt man sich beim BüMa in Neuruppin und sonst ggf direkt beim Spezialhändler nach Orientierung im Netz.

Das es durchaus anders geht mit Jagdgroßhandlungen zeigt m.E. nach zB Waffen Schrum in Dithmarschen. Kennt irgendwie jeder im Norden und sogar aus MeckPom oder NRW fahren Leute dort hin um sich was anzusehen und sicher auch zu kaufen. Auch viele lokale Händler die sich aus Büchsenmachergechäften entwicklet haben, stoßen in Marktbereiche vor, die früher m.E. nach eher von Frankonia abgedeckt wurden.

Ich habe das Gefühl, dass Frankonia vieles von seinem Gespür für die sicher nicht einfache Kundengruppe verloren hat. Unternehmensberatungen können das Engagement versierter Filialleitungen und Mitarbeiter nicht ersetzen.

Der aktuelle Geschäftsführer war vorher bei Mediamarkt/Saturn - sein Vorgänger wechselte zur Walbusch Gruppe (das sind die Leute mit den Opa Hemden Beilagen in den zweitkassigen Fernsehzeitungen und dem ADAC Mitgliedermagazin...). Noch Fragen ?? :oops:

Denke, wenn die nicht zeitnah ein komplettes Reboot ihres Konzeptes machen, werden sie sich mit ihrer Produktpalette und ihrem aktuellen Konzept nicht lange als größerer Player im deutschen Markt behaupten können.

Seis drum - mich freut es für andere Onlinehändler aus deren Katalogen ein gewisser Jagdverstand spricht sowie für die fleissigen "Kleinen" und "Mittelständler", Büchsenmacher und Jäger mit Herz und Seele, die auf Basis gewachsener Kundenbeziehungen hoffentlich auch im Kreise der "neuen Jagdscheinbesitzern" ihr Auskommen finden und vielleicht sogar ausbauen können.
 
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