Weihnachtsgeschichten der Gegenwart

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#16
Hab nachgeschaut, es war am 10. Dez. 2016.
Ich sah dass die beiden verzeifelt waren, das kann man nicht so spielen. Sie hatten außerdem gründlich überlegt und nachgedacht mit nach Deutschland zu fahren. Hatten genau soviel Bedenken....
 
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#17
Kleine Geschichte aus dem Herzen Niedersachsens. Ich bin im Vorstand eines Musikvereins und selbst aktiver Musiker. Wir wurden am 1. Advent vor 125 Jahren gegründet, deshalb feiern wir jedes Jahr mit einem konzertanten Festgottesdienst am 1. Advent den Beginn des neuen Kirchenjahres und unser Jahresfest. Noch nie ist das ausgefallen, selbst in beiden Weltkriegen wurde der Gottesdienst gefeiert. Nun kam Corona und die allseits bekannten Regeln... Es gibt in unserem Dorf einen älteren Mann (86), der jedes Jahr von Hand gefertigte Kleinigkeiten für alle Gottesdienstbesucher und uns Musiker macht und das sind immerhin an die 250 bis 300 Menschen. Auch dieses Jahr hat er sich nicht lumpen lassen und hat diese wirklich nette Geste vorbereitet. Dank der Hilfe der Pastorin konnten wir ihm heute eine musikalische Andacht mit zumindest 8 Bläsern auf seinem Hof schenken um einfach mal Danke zu sagen. Wie sehr man einen Erwachsenen Mann mit 3 Liedern und einem prall gefüllten Dankeskorb berühren kann ging den meisten ziemlich nah. IMG_20201129_192810_copy_992x744.jpg IMG_20201129_192649_copy_992x1322.jpg
 
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#18
Ich wurde auf eine Geschichte aufmerksam gemacht die größere Wellen in einem mir bekannten Betrieb schlug und offenbar auch (ich hab es selbst nicht gelesen) in einem sozialen Netzwerk thematisiert wurde.

Ein junger Bursch, kurz vor dem Ende seiner Ausbildung aber schon volljährig (Ausbildung nach Abi) wagt es sich seinem - wie er denkt - besten Freund anzuvertrauen. Er ist schwul, traut sich nicht das zu Hause anzusprechen aber er braucht halt jemanden zum reden. Er wünscht sich halt einen Freund (Partner) aber nachdem halt die gutaussehenden Schwulen Männer nicht wie gesäht auf der Wiese stehen ist er halt etwas melancholisch.

Sein Freund, ebenfalls aus einem bestimmten Kulturkreis kommend, wird wütend, schneidet ihm das Wort ab und beschimpft ihn. Er kann das nicht verstehen, seit dem Kindergarten sind die beiden wie Pech und Schwefel (er hat rein freundschaftliche Gefühle für ihn) und er dachte sein Noch-Geheimnis sei bei dem Freund sicher.

Der vermeintliche Freund schreit weiter, beruft sich auf gewisse Glaubensgrundsätze und lässt ihn stehen.

Der schüchterne Junge ahnt schon, dass das nicht die beste Entscheidung war und geht in die Arbeit, ist etwas abgelenkt. Er macht sich Sorgen, was passiert wenn seine Eltern - gerade der Vater - herausfinden, dass der einzige Sohn schwul ist.

Plötzlich kommt eine WhatsApp seiner Schwester, er solle auf keinen Fall nach Hause kommen. Es sei etwas im Busch, die Mutter des vermeintlichen Freundes sei gerade da und sein Vater habe bereits etwas kaputtgeschlagen und schreie rum, er werde den Jungen erschlagen wenn er denn seiner habhaft würde.

Der Junge, der wohl weiß wie streng sein Vater ist und wohl auch wie unberechenbar gewalttätig, weiß nicht mehr ein noch aus, macht sich Sorgen. Er schiebt ein paar Überstunden und versucht anderswo unterzukommen, hat damit aber keinen Erfolg. Es hilft nichts, er kann nicht nach Hause:

Offenbar hat sein vermeintlicher Freund zu Hause alles seiner Mutter erzählt, die ist sofort zu den Eltern des Delinquenten gefahren und hat es diesen erzählt. Von wegen Familienehre und Sünde usw.

In seiner Verzweiflung geht er zu seinem Chef und stammelt erst mal rum, bekommt kein Wort raus. Jetzt muss man wissen, dass der Chef eigentlich ein hartes Regiment führt und eher unnahbar ist.

Der Chef fordert ihn recht ruppig auf, sich zusammenzureißen und ordentlich zu sprechen. Er habe schließlich ein gewisses Alter und Weinen sei da nicht angebracht.

Der Bub reißt sich am Riemen, sagt dem Chef, dass er schwul ist, das heute Morgen jemanden erzählt habe und derjenige das seiner Familie gesagt habe. Er könne jetzt nicht nach Hause, Geld reiche nicht für ein Hotel und er habe nichts dabei... keine Zahnbürste, keine Kleidung, nichts. Auto hat er ja keins und wenn er nach Hause ginge überlebe er das womöglich nicht. Er wolle aber seine Familie nicht in Schwierigkeiten bringen indem er mit der Polizei dort aufkreuze ... und überhaupt - er wisse nicht ein noch aus.

Der Chef überlegt kurz und sagt ihm, es sei vielleicht nicht ratsam wenn er das Gebäude verlässt. Er könne einstweilen im Konferenzraum schlafen, er werde selbst kurz fahren und „etwas organisieren“ aber einstweilen sollte der Junge auf jeden Fall dableiben. Er werde dem Spätschichtleiter Bescheid sagen, dass er für die Dauer seiner Abwesenheit in den Verwaltungstrakt kommen soll, damit der Bub nicht allein ist. Die Firma mache erstmal die Schotten dicht, haha... scherzt noch grantig wegen „Gay-Lockdown“

Sprach‘s und war weg.

Spätschichtleiter kommt, ein älterer Herr. Schaut den Jungen neugierig an, fragt in etwa: „Na, Abstand hin oder her. Du schaust aus als sollte man dich mal drücken. Könntest ja vom Alter her von mir sein?!“

Der Junge fängt an zu weinen, heult dem Alten erstmal das T-Shirt patschnass.

Derweil kommen Anrufe und entsprechende Nachrichten auf dem Handy des Jungen. Schwester (nicht begeistert aber akzeptiert es): Komm nicht nach Hause! Er flippt aus!

Vater: Komm du mir nach Hause! (DIV Beschimpfungen)

Chef wird nicht mehr gesehen, er ruft den Spätschichtleiter an, gibt Anweisungen ... der bringt den Jungen in den Konferenzsaal. Es findet sich vom Chef gebracht: Luftmatratze, Bettzeug etc.

Anweisung an die Nachtschicht: Alles zusperren, einer hat Auge auf den Verwaltungstrakt, keiner wird reingelassen! Er lässt ausrichten, er kommt nachher nochmal. Junge in Ruhe lassen. Schnauze halten, geht keinen was an.

Spätschichtleiter bleibt einstweilen da und redet ihm, dem Jungen, gut zu. Der ist fix und fertig...

Chef kommt, wird aber nicht mehr gesehen. Bringt aber Tasche mit Klamotten seines Sohnes, Zahnbürste, Deo, etc. von der Tanke.
Bringt auch Essen, es gibt Pizza, dazu Salat und Limo. Zettel dabei: „Auch wenn heute ein beschissener Tag ist - du weißt wir haben in der Firma Alkoholverbot. Den Gratiswein musste ich beschlagnahmen.“

Der arme Junge pennt also einstweilen in der Firma. Macht sich natürlich Gedanken... Wie komme ich um die Runden? Meinen Kram kann ich nicht holen... Zu Hause ist eine Beruhigung nicht in Sicht.

Offenbar hat sein Vater einen Teil seiner Habe kurz und kleingeschlagen, aber alles dann - mit dem unversehrten Zeug - in große Müllsäcke geworfen und vor das Haus gestellt. Seine Schwester meint, er habe dafür schon den Sperrmüll bestellt. Er sei immer noch fuchsteufelswild.

Offenbar rief der Vater in der Firma an und wollte den Sohn ans Telefon bekommen. Damit ging natürlich auch der Buschfunk los. Jeder trabt an, fragt ihn halt aus... alles ist dem Burschen natürlich peinlich und er weint wieder weil er weder ein noch aus weiß.

Eine Kollegin, mit der er im Büro sitzt, fragt ihn nach seiner Privatadresse. Er meint sie solle nicht hingehen, das macht alles nur noch viel schlimmer. Die Kollegin gibt auf - holt sich aber offenbar aus der Personalabteilung die Info.

Besagte Kollegin geht in die Produktion, anschließend offenbar zum Chef (und bekommt grünes Licht) und packt aus der Produktion mal schnell ein paar tatkräftige junge, gut aussehende Männer in drei Firmen-Kastenwägen und beschlagnahmt kurzer Hand mal die Müllsäcke mit den Habseligkeiten des armen Tropfes. Gerüchten zufolge soll der Vater etwas Schwulenfeindliches gerufen haben und angedeutet haben, die Herren im Garten seien selbst homosexuell. Einer der Herren muss ihm knallhart ins Gesicht gesagt haben, er sei zwar mit einer Frau verlobt aber bei seinem Sohnemann... naja so gut wie der aussehe... da könne man schon mal schwach werden. Ein bisschen bi Schadet Ja nie! Er sei nur verwundert wie ein * wie er so einen schönen, attraktiven und anständigen Jungen Mann gezeugt haben könne.

Die Sachen werden also eingeladen und in der Firma mal abgestellt.

Leider bewegt sich der Bursche vorwiegend in einem Freundes- und Bekanntenkreis der aufgrund eines gewissen kulturellen Hintergrundes wenig bis kaum bis gar kein Verständnis für ihn hat. Die die ihn aufnehmen würden, haben selbst kaum Platz oder wohnen selbst noch bei den Eltern. Der Rest kehrt sich von ihm ab.

Es herrscht also weiterhin Ratlosigkeit. Der Junge schläft nochmal im Büro, Frau des Chefs bringt was zu Essen. Er könne auch bei ihnen zu Hause aufs Sofa, aber der Bub will (verständlicherweise) allein sein.

Chef sieht und hört man kaum.

Am nächsten Tag, der Junge kommt wohl gerade aus der Dusche im Produktionsbereich, gibt es Tumulte in der Firma. Ihm wird gesagt, er solle mal bleiben wo er ist.

Sein Vater sieht ihn trotzdem und schreit etwas, er will ihn sich kaufen und er habe sofort nach Hause zu kommen, damit er ihm „den Scheiss austreibt“ o.ä.

Er versucht an den Jungen ranzukommen und vier Mann einschl. Produktionsleiter müssen ihn mit Gewalt rauswerfen.

Der Chef der das mitbekommen hat wird sauer und kommentiert das nur mit „Allmählich wird mir die Scheisse zu blöd“ o.ä.

Der Junge merkt, dass seine familiären Probleme schön langsam zu extremen Problemen in der Firma führen und macht sich Sorgen.

Chef ist den ganzen Tag recht gereizt. Schließlich muss der Bub beim Chef im Büro antreten.

Der Junge rechnet damit, dass er die Kündigung bekommt.
 
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#19
...

Chef, an sich recht unnahbar, sagt, er habe sich Gedanken gemacht. Er habe die Firma von seinem Vater übernommen, der konnte noch ganz anders schalten und walten, denn die Leute brauchten ja Arbeit. Er musste dahingehend umstecken, die Leute stehen nicht mehr auf der Straße und gute Leute zu bekommen sei schwer genug.

Er werde sich noch Gedanken machen wie er das finanziell darstellen könne, aber ihm sei klar, dass der Junge nicht mit einem Azubi-Gehalt um die Runden komme. Er habe in einem seiner Miethäuser noch eine nicht renovierte Hausmeisterwohnung. Der Junge solle da einstweilen mal einziehen, das Elend sei ja schließlich nicht mit anzusehen.

Schweigen. Chef stellt von sich aus noch klar, mit Elend sei das erbärmliche Verhalten seines Vaters gemeint. Chef fragt nach einer Rechtsschutzversicherung damit der Junge Unterhalt usw. einklagen könne. Wird verneint.

Chef sagt, daran soll’s nicht scheitern. Das könne man darlehensweise regeln bis Prozesskostenhilfe genehmigt sei. Wenn er einstweilen Geld brauche, die Personalbuchhaltung wisse Bescheid, das ginge klar. Für den Umzug / Einzug solle er sich einen Firmen-Kastenwagen nehmen. Möbel würde man schon finden. Die Wohnung sei Bj 70er aber nichts kaputt, nur halt nicht gereinigt.

Junge bedankt sich überschwänglich und es ist - weil der Chef eigentlich so unnahbar ist - eine komische Situation.

Gespräch wird wegen der ruppigen Art des Chefs ersteinmal etwas flott mit „muss jetzt weiterarbeiten“ beendet. Das leuchtet dem Chef wohl selbst ein, er sagt noch kurz, wohl um die Situation etwas wieder geradezurücken, der Junge soll noch warten.

Er sagt, er habe die Flasche Gratiswein zu Hause stehen... in der Firma sei zwar Alkoholverbot aber das gelte natürlich nicht für die eigenen 4 Wände des Jungen. Er werde die Flasche mitbringen wenn er es nicht vergesse.

Und zuletzt wird der Junge ermahnt: Zur Weihnachtsfeier wird immer mit Partner eingeladen - ob er denn schon jemanden mitbringt?

„Nein“, sagt der Bursch. Er sei noch single.

„Naja“ heißt es. Mit Corona sei die Weihnachtsfeier ohnehin schwierig, aber nächstes Jahr...

Der Junge bedankt sich nochmal und fragt wie er‘s vergelten kann. Der Chef trocken: „Ach, lass mich nach der Lehr’ halt nicht einfach stehen...“
 
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#25
@äsungsfläche Es tut mir leid dass sich keine vorweihnachtliche Stimmung einstellt. Aber ich denke immer an die Menschen die in derselben Situation sind wie wir, aber denes es noch schlechter geht. Vielleicht hilft meine Weihnachtsgeschichte von diesem Jahr
Werter @colchicus , ich wollte nicht auf hohem Niveau jammern, aber mir fehlt eine ganze Menge, was mir nicht fehlt sind die ganzen Einladungen zu Weihnachtsfeiern, aber unser Weihnachtmarkt, auch einfach das Treffen mit Freunden dort, eine Bratwurst, 2 Glühwein und reden bei Duft nach Bratwurst, Punsch, Fichtenharz, gebrannten Mandeln und leisen Weihnachtsliedern aus den Lautsprechern;) die Schüsseltreiben, der Austausch von Jagderlebnissen und das Hören von Erlegergeschichten, meine Jagdhornbläsergruppe und einiges mehr, was neben Familie , Arbeit und Jagd sonst stattfinden durfte und konnte.
 
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#26
Wer macht eigentlich so was? Weihnachtsbaum im Wald mit den beiden Enkeln. War immer ein Highlight. :)
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Schon klar, die Ökos würden höchstens Patronenhülsen hinhängen..
In Tschechien ist das ein absolutes Muss dass am am Hl.Abend am Nachmittag ins Revier geht, ohne Waffe aber mit Futter....
Nein, es herrscht keine Notzeit und man braucht Wild nicht füttern, aber es ist ein jagdlicher Brauch der niemand weh tut.
 
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#27
Wer macht eigentlich so was? Weihnachtsbaum im Wald mit den beiden Enkeln. War immer ein Highlight. :)
Anhang anzeigen 143541
Schon klar, die Ökos würden höchstens Patronenhülsen hinhängen..
In Tschechien ist das ein absolutes Muss dass am am Hl.Abend am Nachmittag ins Revier geht, ohne Waffe aber mit Futter....
Nein, es herrscht keine Notzeit und man braucht Wild nicht füttern, aber es ist ein jagdlicher Brauch der niemand weh tut.
Stichwort füttern.

Meine Mutter erzählt immer gern wie sie als kleines Mädchen immer am Heiligen Abend in den Stall ist, klammheimlich... ihr wurde immer gesagt das ist der einzige Tag im Jahr an dem die Tiere sprechen können.

Sie konnte noch so hartnäckig versuchen die Tiere mit Futter zu bestechen. Kein Wort war ihnen zu entlocken...

Wer kennt die Fabel auch aus Kindertagen?
 
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