Weniger Jagd - weniger Verbiss?

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#31
Theoretisch vielleicht, praktisch hat es nie funktioniert und das ist auch logisch, denn wir schaffen es ja nicht mal ohne Fütterung, wirklich niedrige Rehwildbestände herbeizuschießen (oder nur ganz wenige "Hardcore-Culler"). Wer füttert, erhöht die Biotopkapazität noch weiter und müsste folglich noch mehr schießen - macht das jemand? ;)
Doch, was man vorher schießt braucht man nachher nicht füttern. Im übrigen ging es bei dem Beitrag der diese Fütterungsdiskussion jetzt wieder ausgelöst hat um Rotwild und nicht um reine Rehwildreviere.


Ja, das ist es vermutlich, was die meisten Jäger mit Fütterungen erreichen wollen, eine "gewisse Lenkung".....
.....heraus aus dem "gefährdeten Bereich".......
.....aus dem gefährdeten Bereich des Nachbarreviers hinein in die Sicherheit des eigenen Reviers! :D
Das ist wieder eine der miesen Verallgemeinernden Unterstellungen.
Aber wie heißts im Sprichwort: Wie der Schelm denkt so ist er auch......

Leute wie du können sich wohl schwer vorstellen das man zig Jahre mit den selben Jagdnachbarn am Wirtshaustisch sitzt und keiner dem anderen was neidig ist?
 
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#32
Und dann rechne weiter wie das mit Rotwild aussieht.
Ich denke dass ich nach 43 Jahren im Rotwildkerngebiet schon ein bisschen Einblick habe. Ein Großteil unseres Rotwildes wird an drei freien Fütterungen überwintert. Dort haben wir so gut wie keine Schälschäden. Insgesamt liegt der Anteil frischer Schälschäden bei vorherrschend Fichte bei etwas über 1 % im Jahr.
Es wird nach einem Rotwildkonzept gejagt, mit Kernzone, da liegt auch eine Ruhezone drin, dann schließt sich ein sommerliches Streifgebiet an und in einem Wanderkorridor zu anderen Vorkommen unterbleibt der Abschuss männlichen Wildes.
Kernpunkt sind u. a. keine Drückjagden im Januar, bis Weihnachten soll der Abschuss erfüllt sein. Wir haben festgestellt dass Wild in den Fütterungseinständen eben k e i n e n Schaden macht. Die Schäden entstehen in einigen Revieren am Rande wo jeder durch Kirrung bis zum 31.1. ein Stück vom Knochen abhaben möchte.
Eine tragbare Wilddichte ist ja hier im Forum durchaus ein Thema, meist kommt es zum "Schlagabtausch". Angeblich gibt es überall nur überhöhte Bestände und um einigermaßen trockene Füße zu bekommen, bedarf es einer "Ökojagd".
Hier ein paar Bilder aus den Revieren wo ich jagen darf:
Privatrevier mit Rehwild, ein kleiner Tannenzaun, weil es eben Zuschuss gab. Einige Tannen stehen außerhalb des Zaunes ohne Verbiss, im Hintergrund ist die Fütterung zu sehen... Bild 118.jpg
Hätte noch mehr Bilder der Örtlichkeit. Eine andere Fütterung. Ein Bergahorn hat doch der Waldbesitzer übersehen. Der einzige weit und breit. Neben der Fütterung samt sich der Ahorn im Straßengraben an. Und hier stehen Rehe!
Bild 1818.jpg
Trotz reiner Fichte und vergleichsweise gut Rehwild kommt überall die Vogelbeere als ökologische Beimischung
pic 313.jpg n
Ein paar Bilder aus meinem ehemaligen Pirschbezirk (BAYSF) Blick vom Hochsitz nach unten...
Im letzten Jahr wurden auf 180 ha 12 Stück Rotwild erlegt, nur so als Anhaltswert
IMG_5332.JPG
Tannennaturverjüngung im Rotwildkerngebiet.. IMG_5447.JPG
Ein Schäfer hat jahrelang beim Durchtrieb entlang der Straße alles "vom Laubholz gesäubert". Nicht das Wild! Seitdem er nicht mehr durchtreibt schaut es so aus:
IMG_4517.JPG
Heuer auf der Drückjagd, ca. 500 m von einer freien Fütterung entfernt: Zaun, aber den hätte es nicht gebraucht, trotz Kanaleffekt... IMG_7537.jpg
IMG_7538.JPG
IMG_7539.JPG
Um zum Schluss noch ein Waldbild eines Großprivatwaldes wo der Satz "Wald und Wild" Teil des Firmenlogos ist. bild 001.jpg
Solten diese Bilder nicht in das eine oder andere Weltbild passen, ich fühle mich wohl dort und habe meine Hochachtung vor Förstern, die Waldbau nicht nur mit der Kugel betreiben.
 
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#33
Ich denke dass ich nach 43 Jahren im Rotwildkerngebiet schon ein bisschen Einblick habe. .........
Sollten diese Bilder nicht in das eine oder andere Weltbild passen, ich fühle mich wohl dort und habe meine Hochachtung vor Förstern, die Waldbau nicht nur mit der Kugel betreiben.
(y) Klasse Arbeit! Hier sieht man wie es richtig geht!
 
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#34
.....Aber wie heißts im Sprichwort: Wie der Schelm denkt so ist er auch......
Nö, so bin ich absolut nicht, weil ich es richtig blöd finde und eben deshalb Fütterungen und andere Lockmittelchen so strikt ablehne. Meine Meinung dazu hat sich leider aus vielen solchen negativen Erfahrungen gebildet. Aber vielleicht lebst Du ja wirklich in einem selten harmonischen Jagdumfeld - dann chapeau!

.....Leute wie du können sich wohl schwer vorstellen das man zig Jahre mit den selben Jagdnachbarn am Wirtshaustisch sitzt und keiner dem anderen was neidig ist?
Vorstellen kann ich mir eine Menge, aber Jäger, die gänzlich frei von Jagdneid sind, habe ich in meinen >40 Jägerjahren leider sehr selten getroffen, die es von sich behaupten, viel öfter. ;)
 
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#36
Nö, so bin ich absolut nicht, weil ich es richtig blöd finde und eben deshalb Fütterungen und andere Lockmittelchen so strikt ablehne. Meine Meinung dazu hat sich leider aus vielen solchen negativen Erfahrungen gebildet.
Das es Leute gibt die das missbrauchen steht ausser Zweifel. Aber wenn du zb. einen Hang hast wo hauptsächlich Kiefern stehen und gegenüber mehr Laubholz, Fichte, Lärche und Tanne hochkommt hilft es schon eine Fütterung in den Kiefern zu platzieren und dort auch Ruhe zu halten
Aber vielleicht lebst Du ja wirklich in einem selten harmonischen Jagdumfeld - dann chapeau!
Wenn das nicht so wäre, hätte ich vermutlich schon aufgehört.
 
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#37
@ waldameise Geht auch :LOL:
Hatte ja 7 Jahre Rehe im Gatter am Haus und hab verschiedene Versuche angestellt, u. a. -Tannenpflanzung im Minigehege. Wurden nicht verbissen, Fütterung mit Waldsilage
-Gehörnentwicklung durch Winterfütterung, wie man wechselweise einen "Zukunfts-" und einen "Abschussbock" herbeifüttert. Niemand glaubt anhand der Abwurfreihe das es der gleiche Bock ist. Zum Thema Wiedererkennen von Böcken :rolleyes:
-Jährlingsböcke verursachen locker das 10-fache an Fegeschäden gegenüber alten Böcken
 
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#38
.....Ein Großteil unseres Rotwildes wird an drei freien Fütterungen überwintert. Dort haben wir so gut wie keine Schälschäden.. Anhang anzeigen 98579
Ist das im Hochgebirge? Da könnte ich die Fütterung noch verstehen und was ist das für ein Zaun rechts im Bild?

....... und habe meine Hochachtung vor Förstern, die Waldbau nicht nur mit der Kugel betreiben.
Naja, "Waldbau nicht nur mit der Kugel" ist ja bereits gegeben, wenn man ein stimmiges Jagdkonzept mit Ruhezonen, unbejagten Äsungsflächen und Intervalljagd erarbeitet, da muss man noch nicht hochachtungsvoll sein.
Waldbau mit Fütterungen habe ich noch nie als erfolgreiches Konzept in der Realität erleben können, auch wenn es immer wieder mal von Einigen behauptet wurde. Vor Ort war es dann doch kein Gold, was da hätte glänzen sollen. Dagegen habe ich einige Exkursionen mit beeindruckenden Waldbau-Bildern erlebt, die IMMER sehr scharf bejagt wurden. DAS scheint dann doch relativ sicher zu funktionieren. ;)

Aber ich gebe Dir zum Rotwild recht, das ist jagdlich eine ganz andere Nummer als in reinen Reh-/Schwarzwildrevieren. Rotwildvorkommen bestimmt jedenfalls als Leitwildart das Jagdkonzept und verlangt nicht nur Pulver und Blei. Aber eben auch keine Fütterung.
 
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#39
Ist das im Hochgebirge? Da könnte ich die Fütterung noch verstehen und was ist das für ein Zaun rechts im Bild?
.
Das ist im Mittelgebirge. Wir haben schon manchmal mehr als 50 cm über einen längeren Zeitraum. Selbstverständlich verhungern da die Rehe nicht gleich, aber es gibt eben Schäden wenn man nicht füttert.
Das Bild stammt aus unserem Privatrevier. Der Waldbesitzer wurde vom AELF in Richtung Tanne beraten. Der Zaun lief über den Zuschuss. Zuerst wurde gepflanzt und dann der Zaun gebaut. Da standen dann einige Tannen außerhalb des Zaunes, weil der nicht so gebaut wurde wie ursprünglich geplant.
Gutachten: "günstig"
 
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#40
Beim Rehwild haben wir eine klare Bejagungsstrategie: Im Feld mit den Hecken wird Rehwild nicht bejagt, da kann es verbeißen und wird niemals dem Ahorn Herr. Es sind Geißen die sich an einen hohen Besucherdruck gewöhnt haben. Sie liegen in den Hecken, verwilderten Gärten oder Buntbrachen. Erst wenn der Schnee höher wird, zieht es sie in den Wald. Beim Hasenzählen wundert man sich, wo diese Rehe tagsüber liegen. Gejagt wird im Wald und am Waldrand. Dort auch spät im Jahr an Kirrungen oder auf Raps, der aber immer seltener wird bei uns (Biobetriebe). Es klappt vorzüglich, wir haben im einen Revier "günstig" und im anderen Revier "tragbar". Bei Schnee wird gefüttert mit einer Mischsilage und wir überwintern teilweise hohe Dichten pro 100 ha in den Waldstücken.
Wir haben so gut wie keine Zäune im Revier. Tannen haben Einzelschutz aber der Rest wächst, auch sogar die Hähersaateichen.
Sind Sauen fest oder mit hoher Wahrscheinlichkeit da, dann wird auch mal gedrückt, da wird dann das Rehwild mitbejagt. Ansonsten gibt es keine Probleme, den Abschuss zu erfüllen. Wir jagen dort nicht wo hoher Besucherdruck ist. Von dort kommt dann immer Rehwild nach. Funktioniert seit 20 Jahren gut.[/QUOTE]

Ebenso mit einer Ausnahme. An einer vielbefahrenen Straße wo sonst der gummibeschuhte Mitjäger einen zu hohen Wegezoll erhebt. :cry: :sad:
Und wird sicher auch die nächsten 20 Jahre so funktionieren. (y)
 
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#41
...sonst wissen einige kluge Bachen und Alttiere schon auf 500m an Deinen typischen Fahrzeuggeräuschen, dass sie besser liegenbleiben oder wo anders auswechseln, weil der "menschliche Wolf" wieder umherschleicht. Sichtbar werden ja nur die Dummen.
Ich möchte dir da nicht vollkommen widersprechen, zu viel Präsenz kann sicher kontraproduktiv sein.
Besonders wenn die Anwesenheit im Revier mal wieder der Bestätigung des 5ten Zukunftsbocks dient, denn man vielleicht in 4 Jahren ( ganz sicher ) ernten wird und man ansonsten heroisch sich in Enthaltsamkeit übt.

Dennoch, ich war in Tälern auf der NI Neuseelands ( 98% Wald ), da kommt 2mal im Jahr ein Mensch hin, trotzdem tritt das RW nur zur Dämmerung aus, sichert laufend etc.

Auf der anderen Seite habe ich Sauen 80m vom Auto beim Angehen erlegt und 10 Minuten nach einem Fuchs ( ohne Schalldämpfer ) wechselte ein Rudel RW aus der gleichen Richtung an, so daß man auch noch ein Kalb strecken konnte.

Fazit: Man sollte schon sehr aufpassen beim Angehen und auswählen der Sitze/Pirschwege, bzw. effektiv seine Anwesenheit nutzen, aber nur weil Wild einmal schlechten Wind bekommen hat, ist das Revier nicht gleich leer.
 
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#42
.... aber nur weil Wild einmal schlechten Wind bekommen hat, ist das Revier nicht gleich leer.
Das Revier ist nicht leer, das Wild wird nur immer vorsichtiger, wenn es häufig die Anwesenheit seiner Todfeinde wahrnimmt und im Extremfall zum Teil "unsichtbar". Das ist aus vielen Gründen sehr nachteilig, nicht nur für die Bejagung, auch wegen höherer Wildschäden.

Kluges Wild lernt sehr schnell, wie seine Feinde jagen. Deshalb reagiert es z. B. auf den Wolf anders als auf "menschliche Kanzelhocker", vor denen es sich ganz leicht verbergen kann. Vorm Wolf nicht, da hilft nur entweder rasante Flucht, Bildung von Großrudeln/-rotten oder vorübergehender Einstandswechsel aus dem aktuellen Streifgebiet mit Raubtierwitterung.

Wenn man öfter Nachsuchen auf Rotwild begleitet, stellt man erstaunt fest, dass erwachsene Stücke offenbar die meisten Jagdeinrichtungen kennen, denn ganz oft knicken Krankfährten genau vor Schussschneisen ab und verlaufen weiter im Dunkeln, während andere Schneisen geradlinig überquert werden. Man kann das als aufmerksamer Jäger erkennen, staunen und etwas über die Wildarten lernen, oder man ignoriert es und jagt weiter so vor sich hin wie bisher. ;)
 
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#43
Kluges Wild lernt sehr schnell, kennt die Ansitzeinrichtungen, usw.
Aber dass eine Fütterung keinen Effekt darauf hätte WO sich das Wild hinstellt und man es damit steuern könnte darf nicht in Dein Weltbild?

Wie Colchicus jage auch ich im Rotwildgebiet. (Manchmal hab ich den Eindruck wir wären räumlich vielleicht gar nicht ewig weit auseinander, zumindest wenn es um die Beschreibungen von Winter usw. geht.)
Du, Stöbi, wärst sehr gut beraten mal auf ihn (und andere) zu hören statt ein paar jugendlich-freche Sprüche zu dem abzulassen was Du bisher nicht machst oder nicht machen willst.

Ich kenne die "Strategen" wie Dich. Das Wild versorgt sich schon selber. Bis zum Ende der Schusszeit wird aber doch gerne die Lenkungswirkung von Futter genutzt. Am Ende der Schusszeit geht das Futter aber dann "leider" aus.
Der Schaden der danach dann entsteht ist dann nur noch ein Zeichen dafür dass man immer noch zu wenig geschossen hat. Was erdreistet sich das Wild auch nach Ende der Schusszeit weiter was in den Magen bekommen zu wollen und nicht gleich weiter zu ziehen?
Ist aber alles nicht wahr, sowas macht ja keiner. Und weil es nicht wahr ist hab ich auch jedes Jahr nach Ende der Schusszeit deutlich mehr Rotwild an den Fütterungen wenn die Schusszeit rum ist. :rolleyes:
 
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#44
Wenn man öfter Nachsuchen auf Rotwild begleitet, stellt man erstaunt fest, dass erwachsene Stücke offenbar die meisten Jagdeinrichtungen kennen, denn ganz oft knicken Krankfährten genau vor Schussschneisen ab und verlaufen weiter im Dunkeln, während andere Schneisen geradlinig überquert werden. Man kann das als aufmerksamer Jäger erkennen, staunen und etwas über die Wildarten lernen, oder man ignoriert es und jagt weiter so vor sich hin wie bisher. ;)
Und offensichtlich auch das Gegenteil. Rotwildnachsuchen über größere Entfernungen führten bei uns oft in die Fütterungseinstände, wo nie gejagt wurde. Es gab schon öfters Fangschüsse im engen Fütterngsbereich, bzw. das Wild ist dort verendet.
 
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#45
Und offensichtlich auch das Gegenteil. Rotwildnachsuchen über größere Entfernungen führten bei uns oft in die Fütterungseinstände, wo nie gejagt wurde. Es gab schon öfters Fangschüsse im engen Fütterngsbereich, bzw. das Wild ist dort verendet.
Ja, das hat aber nix mit Fütterungen zu tun, sondern mit Ruheräumen und Sicherheitszonen, auch ohne Fütterungen. Mein Reviervorgänger nannte einen solchen bekannten Einstand "Lazarett-Dickung".
 
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