Wer ist zuständig, wenn Wildtiere verletzt sind?: Berliner Spaziergänger telefonieren zwischen Polizei und Feuerwehr hin und her

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Tagesspiegel:
Vielleicht waren es die Kälte oder der Hunger. Vielleicht hatte sich der Graureiher aber auch bei Kämpfen mit Artgenossen verletzt, zu denen es gerade im Februar oft kommt, wenn die Reiher ihre Nester bauen oder ausbessern. Jedenfalls konnte der laut Naturschutzgesetz besonders geschützte Vogel, den Spaziergänger kürzlich am Kleinmachnower See vor den Toren Berlins entdeckten, nicht mehr stehen, geschweige denn fliegen.Da sich nicht angeleinte Hunde auf das Tier stürzten, wollten die Spaziergänger dem Graureiher helfen, doch das erwies sich als gar nicht so einfach: Die Polizei erklärte sich als nicht zuständig und verwies auf die Feuerwehr. Die Feuerwehr erklärte sich als nicht zuständig und verwies auf die Polizei. Das Ordnungsamt erklärte sich als nicht zuständig und verwies auf – na klar: die Feuerwehr oder die Polizei.
Die ehrenamtliche Tierrettung war ständig besetzt und beim Tierheim in Berlin meldete sich nur der Anrufbeantworter. Als die Spaziergänger endlich einen Teltower Tierarzt am Telefon hatten, erklärt der ihnen, dass er nicht helfen dürfe.
Wahrscheinlich hatte er sich vorher von einem Juristen beraten lassen – denn rein rechtlich gesehen wird die Hilfe für einen verletzten Reiher noch komplizierter, wie ein Sprecher des dafür zuständigen brandenburgischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz auf Anfrage des Tagesspiegels mitteilte.

Rein rechtlich handelt es sich bei einem Wildvogel nämlich um ein herrenloses Tier, das im Fall des Graureihers sowohl dem Naturschutz- als auch dem Jagdrecht unterliegt. Laut Bundesnaturschutzgesetz Paragraf 45 kann der Finder „vorbehaltlich jagdrechtlicher Vorschriften... verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufnehmen, um sie gesund zu pflegen.“

Leider unterliegt ein Graureiher gemäß Paragraf 2, Absatz 1 Bundesjagdgesetz aber auch dem Jagdrecht. Deshalb darf er eigentlich nur in Abstimmung mit dem sogenannten Jagdausübungsberechtigten, in dessen Jagdbezirk er gefunden wurde, in Obhut genommen werden.

(vielleicht aber hat besagter Tierarzt einfach seinen Grips eingeschaltet, im Gegensatz zum Verfasser des Artikels. Was ausserdem dass Leider im letzten Absatz soll???)
 
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"...nicht zuständig."

Die Formel der nutzlosen Verwalter dieses Staates für
"Leck mich am Ärmel, Du Armleuchter!"

Drei Mal in meinem Leben habe ich die bayrische Polizei um Hilfe gebeten.
Das letzte Mal hat einen 56jährigen, sehr zuverlässigen, aber schwächlich konstituierten
Mitmenschen für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl gebannt.
Was hätten wir wohl zwölf Stunden zuvor -im Beisein einer wahrhaft am Helfen interessierten
Polizei- noch retten können.

Nein, daß ich irgendeinen Staatsdiener noch einmal um Hilfe bitte, das fällt mir im Traume nicht mehr ein.

Und wer entschlossen ist, das Gute und das Richtige (oder das Notwendige) zu tun, der darf sich in diesem Monster von einem Staat eben nicht erwischen lassen.
Denn irgendeine Drecksverordnung, irgendein Gesetz gibt es immer, das Dir im Nachhinein
reinwürgt, daß Dich die Aufgaben des Staates oder des Landes einen Dreck zu interessieren haben.

Sie wollten die Macht -oder den sicheren Arbeitsplatz-, und jetzt leugnen sie die Verantwortung.

Viva Las Vegas!

derTschud
 
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Der Jagdausübungsberechtigte möchte ich in diesem Beispiel dann auch nicht sein. (ohne jetzt die Landesgesetzgebung dort näher zu kennen, wird in Berlin aber gewiss nicht besser als in anderen Bundesländern). Die Diskussionen hier auf dem Platten Land (was Heilungschancen verletztes Reh z.b. angeht) werden da schon immer doller, im Stadtgebiet dieser failed City möchte ich mir das nicht vorstellen.
 
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"Dem Graureiher vom Kleinmachnower See konnte übrigens nicht mehr geholfen werden, wie Kerstin Müller, Oberärztin in der Tierklinik Düppel, erzählt. „Das Tier war sehr geschwächt, bekam zwar eine Infusion, eine Antibiose und Schmerzmittel, überlebte die Nacht aber dennoch nicht.“
 
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"Dem Reiher muß man doch helfen!"
"Kein Problem, dann machen sie mal ihren Geldbeutel auf"
"Aber doch nicht meinen!"
Das ist das Grundübel aller Tierschützer...eine Freundin ist Tierärztin in einer Klinik und wenn dann Beträge genannt werden, die ja der Auftraggeber zu bezahlen hat, wird es immer gleich ganz leise bei den "Findern", "Helfern" und Co.
 
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So eine traurige Geschichte 😢

In ganz seltenen Fällen nennt man das Natur, ein Tier kann durchaus bei Rangkämpfen so stark verletzt werden, dass es eingehen kann (das steht zumindest in den Büchern der ehrwürdigen Alten... also früher gab es das zumindest als der Mensch noch wusste was Natur ist... und der Graureiher keinen Namen hatte und die Tiere untereinander noch ganz arg böse waren).

Als Jagdausübungsberechtigter würde ich mich natürlich um das Wild kümmern, auch in Berlin. Pflege und Hege, aber ohne Handy oder irgendwelche Gutmenschen dabei.
 
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Wenn du aber anders herum fragst, von wo kommen denn viele Leute und wo arbeiten denn viele Leute die hier wohnen schließt sich der Kreis
 
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Neulich war eine Bekannte zu Gast und im Hintergrund lief eine Tierdoku. Eine Herde Zebras (oder Gnus, ich weiß es nicht mehr genau) wollte einen stark strömenden, z.T. reißenden Fluß überqueren. Auf der anderen Seite warteten jedoch ein paar Krokodile (oder Alligatoren). Die Kamera hielt unbarmherzig drauf und auch der Sprecher aus dem Off, begleitet mit entsprechender Musik, dramatisierte immerfort. Die Bekannte war schon ganz außer sich, weil das OT: "Verdammte Arschloch" von Kameramann filmte und nicht durch den reißenden Fluß schwamm um den armen Herdentieren zu helfen...

Nach 2 Minuten spektakulären Szenen war übrigens kein Tier auf der Strecke geblieben. Aber seither redet die Bekannte nicht mehr mit mir weil ich ihr während ihres Ausbruches einfach zu sachlich geblieben bin o_O
 
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"Dem Graureiher vom Kleinmachnower See konnte übrigens nicht mehr geholfen werden, wie Kerstin Müller, Oberärztin in der Tierklinik Düppel, erzählt. „Das Tier war sehr geschwächt, bekam zwar eine Infusion, eine Antibiose und Schmerzmittel, überlebte die Nacht aber dennoch nicht.“
Wunderbar was für ein Aufwand getätigt wird, Infusion etc...ist ja auch nicht gerade billig.

Wenn ich sehe was meine Kasse übernimmt und wie die medizinische Versorgung vieler Menschen hier im Land aussieht....

Eine schnelle Erlösung wäre wohl besser gewesen, so hat der Vogel nur lange unnötig gelitten
 
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