Werde ich alt?

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#1
Ich bin Jäger in einem Feldrevier. Bretteleben, mit Sicht bis zum Horizont.
Böcke gibt es nicht viele, aber das andere Niederwild kommt noch reichlich vor. In jungen Jahren fieberte ich jedesmal meinem Bockabschuss entgegen, zumal man bei uns nur alle 2-3 Jahre drankommt und die Böcke "im Rad" vergeben werden. Ein Jährling, dann ein Älterer, dann ein Jährling. Für zwei alte Böcke braucht man im Schnitt also 5 Jahre im Heimatrevier.

Als Jagdaufseher bin ich viel draussen, erlege Füchse, Krähen, Raubzeug und bei den Gesellschaftsjagden reichlich Niederwild.

Nun liegt wieder ein Bock auf der Decke, und es kommt keine rechte Jagdfreude auf. Ich bin zwar viel angesessen, habe ihn gestern mit der alten Steyr 7x64 auf knapp 200m vom Hochsitz aus sauber die Kugel angetragen und er lag nach zwei Fluchten. Er hat das Alter, das Krickerl ist gut und die Leber ist auch schon verzehrt.
Lange bevor ich abgedrückt habe, wusste ich, dass er sein Leben lassen wird.

Ich bin ein guter Kugelschütze und hätte ihn auch auf 250m sicher erlegt. Wäre ich mir nicht sicher gewesen, hätte ich nicht geschossen. Auf Reh habe ich noch nie einen Hund gebraucht, auch nicht bei Geiß oder Kitz, weil ich keine unsicheren Kugelschüsse mache. Ansprechen kann man auf solche Entgernungen problemlos. Ein gutes Spektiv und das Gehabe des Stückes vermeiden Fehlabschüsse. Krähen haben auf 200m noch einen gewissen Reiz, da geht auch mal ein Schuss daneben und im Vorjahr war eine abgekommene Geiß zu erlegen, die ich auf über 160 m mit Trägerschuss von ihrem Leid erlöste (war situstionsbedingt nicht anders möglich) - da hatte ich nachher Jagdfieber... Aber die "normale Ansitzjagd" hat für mich jeden Reiz verloren.

Nun denke ich darüber nach, warum mir die Rehjagd von Hochstand aus keinen Spaß mehr macht. Für mich hat es mit Exekution zu tun als mit Jagd. Wäre es reizvoller, wenn man ein unsicherer Schütze ist? Liegt es daran, dass man immer ans Limit gehen will? (Sollte ich nicht jährlich mehrere hundert Schuss am Schiesstand abgeben?)
Trophäenjagd, auch im Ausland, habe ich hinter mir, aber ich würde heute kein Geld mehr dafür ausgeben.
Beim Schrotschuss kenne ich solche Bedenken nicht. Schnell, eher aus dem Instinkt heraus wird da das Wild erlegt. Über jeden rollierenden Hasen freue ich mich, jeder Gockel, den ich vom Himmel hole, ist reine Freude und eine Doublette ist ein Grund, beim Schüsseltrieb gerne eine Runde zu spenden.

Haben andere Jäger ähnliche Entwicklungen bei sich beobachtet?
Es grüßt ein grübelnder
Mayer
 
A

anonym

Guest
#2
drei Fragen und drei ehrliche Antworten, dann kannst eine exakte Antwort ( die Dir wirklich hilft ) erhalten.

1. Dein Lebensalter
2. Wie viele Jahre jagst Du aktiv ?
3. Deine Lebens-Strecke.

Gerne per PM, aber ehrlich, sonst schade für die Mühe.

WmH SHG
 
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#3
Herr Mayer,ganz genauso gehts mir auch,wenngleich ich im Gegensatz zu Dir auch am Rehwild schon ziemlich sattgeschossen bin...........

und ja,ich glaub,ich werde alt!!!!
 
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#4
Das wären so "Hubertusgedanken"

Der Rehbock mit der 7x64 auf 200 m ist Routine und auf 250 auch kein Problem, wenn man sich selbst als guten Schützen sieht.

Ein Stück Wild möglichst im Schuss zu töten ist das eigentliche Bestreben des jagdlichen Schusses.
Wieso sollte man ein "unsicherer Schütze" sein der ans Limit geht.
Der unsichere kennt sein "Limit" ja gar nicht.
Auf 200 m auf die Krähe hinblitzen geht aber schon. Auch so einen Vogel kann man mit der Kugel ständern oder flügeln, was seinen Ludertod bedeutet.

Wenn dir die "Exekutuion" vom Hochsitz keinen "Spaß" macht, dann lass das Wild halt laufen.
Oder du pirscht deine Rehe an, am besten im hohen Gras, Farn oder Brombeerkraut. Freihändig an Limit gehen, kann vielleicht wieder Spaß machen
Erfreu dich an desen Anblick, ist doch auch was schönes, wenn du dich schon "satt" geschossen hast.

Jagd ist Jagd - auf was auch immer.
In einem anderer Dredd wird über TJ gepostet. Wenn es dir reicht, den Hasen rollieren zu lassen, geht das auf 10 oder 30 m.

Aber bis zu Hubertus ist es noch etwas hin.
 
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#5
Dann lasse do gerade solche "Weitschüsse" bleiben und setzte dir bei den wohl geringen Abschusszahlen zB die Grenze nicht weiter als 50m oder sowas in der Art....
Ich finde ja auch es hat mehr Reiz bei Dj vorm Hund oder ebne bei einer Pirsch auf kurze Entfernung (und nach körperlicher Anstrengung) ans Wild zu kommen...
Mit dieser 200m Distanz wird wohl auch selten die Gefahr aufkommen, dass das Stück dich mitbekommt. wenn du aber bis auf 50m ranwillst musst du da schon aufpassen, wenn der Bock dann erst mal sichert und das Scheinäsen beginnt, sollte das Blut in den durch die verharrende Position verkrampften Beinen wieder brodeln...
 
A

anonym

Guest
#6
In solchen threads zeigen sich die extremen Unterschiede zwischen Jägern, die bedauern, daß das Erlebnis sie nicht mehr berührt, und Schießern, denen Emotionen bei der Jagd weitestgehend fremd sind.

Mein lieber Waidgenosse Mayer,
es ist ein bekanntes Phänomen, daß irgendwann einmal das Beutestreben, der "Hunger" nachlässt.
Scherping hat einmal sehr treffend formuliert: Um ein guter Jäger werden zu können, muß man ein wilder Jäger gewesen sein.

Ich glaube aber nicht, daß das ausschlaggebend ist.

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich durch Dekadenz und Perversion auszeichnet, in der man Tiere ebenso ermordet wie Menschen, in denen der Tod eines Wildtieres den gleichen Stellenwert hat wie der Tod eines Menschen.
Wie soll man in einer solchen Gesellschaft noch froh sein an Beute, noch ohne Scham dem "atavistisch - rohen" Jagdtrieb nachgeben, ohne gesellschaftliche Ächtung seine Büchse in den Wald tragen? Wenn man nicht so verlogen ist und sich als Jäger aus Gründen der Ökologie, des Naturschutzes, des Waldbaus an die Hurenhäuser der zuständigen Behörden oder Institutionen verkauft?.

Edit Admin
Der Unterschied zwischen riskanten Schüssen auf Krähen und riskanten Schüssen auf Rehwild ist nämlich einzig und allein folgender:
Ich esse keine Krähen, ärgere mich also nicht, wenns Wildpret versaut ist.
Rehe hingegen pflege ich zu essen und lege Wert auf sch nell und ohne größere Wildpretzerstörung tötende Schüsse.

Jagd ist ein tierisches Vergnügen und um nicht völlig unseren Trieben zu verfallen, hat irgendwann einmal jemand den Begriff der Waidgerechtigkeit geprägt. Wenn uns die Gesellschaft nicht mehr erlaubt, unsere ganz persönliche Grenze zwischen menschlicher, ethisch vertretbarer und tierischer, beuteorientierter Jagdpraxis herauszufinden, dann kann Jagd keine Freude mehr machen.

Man hat uns ganz einfach die Freiheit und damit die Freude an der Jagd genommen.

Willkommen im Club, lieber Mayer.

Waidmannheil
G.C.
 
A

anonym

Guest
#7
Grand Canon hat gesagt.:
Jagd ist ein tierisches Vergnügen und um nicht völlig unseren Trieben zu verfallen, hat irgendwann einmal jemand den Begriff der Waidgerechtigkeit geprägt. Wenn uns die Gesellschaft nicht mehr erlaubt, unsere ganz persönliche Grenze zwischen menschlicher, ethisch vertretbarer und tierischer, beuteorientierter Jagdpraxis herauszufinden, dann kann Jagd keine Freude mehr machen.

Man hat uns ganz einfach die Freiheit und damit die Freude an der Jagd genommen.
Das muss man mal festhalten und am besten jedem hier zur Pflichlektüre geben. Passt auch gut zu den neuen Forumsregeln. - BRAVO!
 
A

anonym

Guest
#8
@Henry, Henry tztztz, das alte Dilemma, sie konnten zusammen nicht kommen ...

Sehen wir mal von der Feigheit etc ab, und von der Krähentötung etc. hat G:C: sehr recht.

Man kann alles mißverstehen, muss es aber nicht. :wink:
 
A

anonym

Guest
#9
Scherping hat gesagt.:
Um ein guter Jäger werden zu können, muß man ein wilder Jäger gewesen sein.
Das ist alt bekannt, aber heut zu Tage gibt es kaum noch sogenannte "Wilde Jäger", sondern nur noch...Abknaller, Kammerjäger, JS-Inhaber ohne Herz für das Wild.

Wilde Jäger machten Strecke, mußten oft auch "Blut sehen".
Jagden aber trotzdem ...waidgerecht.......

WmH SHG
 
A

anonym

Guest
#10
boarhuntingdogs hat gesagt.:
@Henry, Henry tztztz, das alte Dilemma, sie konnten zusammen nicht kommen ...

Sehen wir mal von der Feigheit etc ab, und von der Krähentötung etc. hat G:C: sehr recht.

Man kann alles mißverstehen, muss es aber nicht. :wink:

Edit Admin
Aber
es ist feige, nicht zu seinem evolutionär bedingten Jagdtrieb zu stehen u nd sich stattdessen unter das Mäntelchen des Wildtier-Managements , dem der forstlichen Interessen, dem des Naturschutzes zu verstecken.

Da lobe ich mir den beutegierigen jungen Jäger, der in seiner Unerfahrenheit jede Contenance verliert und den Schuß auf die Krähe riskiert. Der ist wenigstens ehrlich. Der lernt irgendwann aus eigener Erfahrung, aus selbst gefühltem Mitleid, aus eigenen Empfindunge, anstatt sich Normen einer Gesellschaft unreflektiert unterzuordnen, die nicht mehr weiß, wovon sie redet.
 
A

anonym

Guest
#11
Grand Canon hat gesagt.:
...........es ist feige, nicht zu seinem evolutionär bedingten Jagdtrieb zu stehen u nd sich stattdessen unter das Mäntelchen des Wildtier-Managements , dem der forstlichen Interessen, dem des Naturschutzes zu verstecken.

Da lobe ich mir den beutegierigen jungen Jäger, der in seiner Unerfahrenheit jede Contenance verliert und den Schuß auf die Krähe riskiert. Der ist wenigstens ehrlich. Der lernt irgendwann aus eigener Erfahrung, aus selbst gefühltem Mitleid, aus eigenen Empfindunge, anstatt sich Normen einer Gesellschaft unreflektiert unterzuordnen, die nicht mehr weiß, wovon sie redet.
D'accord.
 

admin

Administrator
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#12
Meine Herren,

ich denke wir haben es geschafft, um nicht noch weiter an die Grenzen der Forumsregeln zu gelangen, mache ich jetzt mal zu.

@Grand Canyon
Deine Beleidigungen gegenüber Sir Henry sind absolut fehl am Platz, vielleicht versuchst Du es das nächste Mal etwas sachlicher, dann können wir die Themen auch weiterführen ohne uns gegenseitig zu beschimpfen.

Gruß Admin
 
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