Wie sehr mich die Jagd erfüllt

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#1
WMH liebe Waidkameraden!

Wie war das bei Euch so..?

Ich selbst komme aus keiner Jäger Familie habe aber dennoch jetzt vor 1 Jahr mit 21 Jahren den Jagdkurs gemacht.

Ich merke mehr und mehr wie mich die Jagd fasziniert und ausfüllt sowie sehr entspannt.

Ich denke oft daran was ich im Revier machen kann und möchte, wie ich das am besten umsetzen kann usw..

Ein Jagderfolg erfreut mich viele Wochen lang... Egal ob Trophäenträger oder nicht.. Das Erlebnis und das Wildbret machen mich glücklich.

Auch das Zerwirken und Kochen macht mich stolz... Gutes Fleisch für mich und meine Familie..

Selbstverständlich erfreue ich mich auch an einer Trophäe welche ich liebevoll und individuell aufsetze...

Jedes Stück hat eben eine Geschichte :)

Ich habe einen eher stressigen Job der mich voll auslastet und da ist die Jagd eine Sache die mich sehr entspannt.

Ich war ohnehin nie der Typ der in den Urlaub fährt etc..diesen Verbringe ich meist in meinem Revier.

Man kann sagen die Jagd hat mich voll in Ihren Bann gezogen...

Wie war das bei Euch so?
Bzw. wie ist das Bei Euch so?

Ich kann abschließend nur sagen es war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben den Jagdkurs zu machen.
 
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#2
Ich muss sagen dass „Jagd“ seit ich selber gepachtet hab einiges von der „blaserprospekt-Romantik“ verloren hat die sie anfangs als jj noch hatte. Es ist ein Handwerk. Und je mehr Verantwortung man durch die pacht eines Reviers übernimmt desto mehr facetten erscheinen nicht mehr so verklärt. Was mich immer mehr erfüllt ist die Jagd mit dem Hund. Das hat ne ganz andere Qualität als das rumhocken in der totschiesskiste. Auch aktive Jagd im weiteren Sinn ist spannend. Aber Wildschadensverhütung und -Erstattung sowie abschussplanerfüllung und die Bürokratie etc sind eher notwendiges übel und Pflicht als „lodengrüne Verzückung“. (Es ist etwas Sarkasmus enthalten, keine Sorge)
 
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#3
Ich bin in der (väterlicherseits) 5. Generation Jäger, d.h. 4 1/2. Generation, denn mein Großvater war kein Jäger, ging aber mit, als mein Urgroßvater von 1951-64 unsere Dorfjagd gepachtet hatte. Er war Nebenerwerbslandwirt und beim Gersteabmähen war dann der Karabiner mit auf dem kl. Deutz-Traktor, falls doch mal die Sauen aus dem Getreide wechselten.
Hatte hier in den 50er und frühen 60er Jahren keinen gestört, und da mein Opa knapp vier Jahre im 2.WK Soldat war, konnte er auch mit dem K98 umgehen.:sneaky:
"Richtig" auf die Jagd gehen wollte er nicht, hatte nie gesagt warum, hatte, so vermute ich, aber auch was mit dem Krieg und der russ. Kriegsgefangenschaft zu tun. :unsure:

Urgroßvater hatte den Jagdschein bis 1973 (gestorben 1977) und mein Vater (Jg. 1952) machte ihn 1981, da war ich 6 Jahre alt. Den "JJ-Kurs" habe ich also quasi damals mitgemacht, denn ab der Kurszeit meines Vaters 1979 (sein Lehrherr war der Überzeugung ein Jahr Vorbereitung sei zu wenig, er solle zwei machen) war auch ich mit dem Jagd-Bazillus infiziert und bin´s heute noch.
Mein Vater gab die Jagd 2003 auf und starb schon zweieinhalb Jahre später.

Ich machte zuerst meine Berufsausbildung und daran dann die Jägerprüfung, das war 1995.
Da schon 15 Jahre "vorgebildet" war´s für mich ein echter Klacks.

1998 fing ich ein Forstwirtschaftsstudium an und mußte da auch wieder den Jagdschein machen, ich habe ihn also quasi "doppelt".

Da meine jagdl. Anfänge noch Ende der 70er/Anfang der 80er lagen, habe ich bis heute recht wenig übrig für Schwarzwildzucht mit x Kirrungen, Nachtsichttechnik etc.
Trauere immer noch dem NW nach, dessen heute nur noch schwer vorstellbaren (wenn auch da schon stark abgenommenen) Besätze ich als jagdl. interessierter Bub noch erleben durfte.
Daher ist mir ein Stück Rehwild/Rotwild das ich sehe, mir heute noch lieber als eine ganze Rotte Sauen.
Ebenso einen Fasan den ich höre oder zwei/drei Hasen an einem Abend.
Rebhuhn und Haselhuhn sind hier schon lange weg, habe vor über 20 Jahren die letzten gesehen.
Und dann natürl. die Greifvögel, meine besonderen "Lieblinge", v.a. die selten gewordenen Habichte, Korn- und Wiesenweihen.
 
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#4
Ich bin mehr oder weniger in der 3. Generation Jäger. Mein Opa hatte keinen Jagdschein, erlegte aber nach Erzählungen meines Vaters einige Karibus in Finnland vor und nach Kriegsende. Die Nahrung war knapp, es ging schlicht ums Überleben.
Mein Vater erlangte Ende der 60 Jahre den Jagdschein. Er waidwerkte in einem Niederwild-Eldorado im badischen.
Ich selbst bin mit der Jagd aufgewachsen. Meine erste Erinnerung an die Jagd ist ein Ansitz, ich bewaffnet mit Faschings-Kinder-Gewehr, bei dem wir einen Fuchs erlegten. Am meisten in Erinnerung geblieben ist mir ein Ansitz ein oder zwei Jahre nach dem großen Sturm Lothar. Nahezu der Komplette Südhang unseres Reviers war Windwurffläche. Es war ein subjektiv entsetzlich kalter Wintermorgen an dem mein Vater ein Kitz erlegte. Beim Aufbrechen gab mir mein Vater nach und nach Herz, Leber und Nieren. Ich weiß bis heute noch wie einerseits stolz über das Waidmannsheil meines Vaters, andererseits froh über das warme kleine Jägerrecht war.
Während ich aufwuchs war ich immer nahe an der Jagd. Mit 14 durfte ich das erste mal als Treiber bei den damals noch üblichen Hasenjagden mit. Ich war mit Stolz erfüllt.
Dennoch fing ich mehr und mehr an mich für das andere Geschlecht zu interessieren. Die Jagd trat in den Hintergrund.
Mit 18 leistete ich meinen Wehrdienst und hatte zunächst auch den Plan diese Richtung weiter zu verfolgen. Rückwirkend bin ich froh, dass die Entscheidung anders viel. Ich begann eine Ausbildung und mein Vater teilte mir eines Tages beiläufig mit, dass er mich bei der örtlichen Kreisjägervereinigung für den Jagdkurs angemeldet hätte. Würde ich ihn doch nahezu bei jedem Ansitz begleiten, auch wenn ich damals immer auf einem eigenen Sitz ging.
Der sechs monatige Jagdkurs war schnell vorbei und seit dem 07.05.2010 bin ich Jäger.
In den letzten 10 Jahren habe ich gelernt, dass Jagd viel mit Verantwortung zu tun hat.

Wir haben gute Kontakte zu den Landwirten und wenn etwas ansteht (Wiesen absuchen, etc.), sind wir da. Wir haben das Glück, dass wir innerhalb von wenigen Minuten im Revier sind. Für mich kann ich sagen, dass Jagd kein Hobby ist, sondern Lebenseinstellung. Trotz Studium kam ich immer wieder ins heimische Revier zurück.
Das jagdliche Highlight ist für mich der winterliche Ansitz auf den Fuchs bei Schnee. Dieses Jahr hatten wir leider keinen. Für uns erfreulich ist, dass sich in unserem Revier seit immerhin nun 5 Jahren wieder einige Rebhuhnketten aufhalten. Diese unterstützen wir mit Raubwildbejagung und Wildäcker. Was mich verblüfft hat: Wer Füchse schießt, hat Freunde beim Nabu. ;)
WH J. K.
 
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#5
Ender der 1970er, Anfang/Mitte der 1980er. Ein grauer VW Käfer mit grober Bereifung und einem Förster mit 2 großen Münsterländern, fährt täglich auf einem Kiesweg an einem kleinen Jungen vorbei.
Der typische Käfersound, der Benzingeruch, der wegspritzende Kies von den grobstolligen Reifen, und die aus den Fenstern herauslugenden Fänge der wunderschönen Jagdhunde, der Förster immer mit Pfeife am Steuer...
Das hat sich in einem Tal des mittleren Schwarzwaldes abgespielt. Das Haus vom Förster am Waldrand im entsprechenden Stil. Der kleine Junge wohnte mit seiner Familie ca.200m unterhalb in einem gemieteten Bauernhaus und war ab und zu Besuch dort, weil der Sohn des Försters in die gleiche Klasse ging...

Nein, deshalb habe ich nicht den Jagdschein gemacht, aber ich erinnere mich gerne an diese Bilder aus meiner Kindheit zurück, vor allem eben weil ich den Schein gemacht habe.
Dazu kam ich über den Schießsport und entsprechende Klientel am Schießstand. Weniger romantisch, als eingangs meines Posts.
Heute ist auch alles anders.
Trotzdem bin ich sehr froh.
Mittlerweile bin ich in Franken verankert und beginne meine Kinder mit einzubringen.
Habe Spaß dran und kann gut von meiner Arbeit im internationalen Projektmanagement abschalten!
Bin übrigens, dank zweier Jagdgelegenheiten, je in einem staatlichen PB und in einem großen weitläufigen privaten Feldrevier mit Waldanteilen unterwegs, weshalb ich mich als neutrales Bindeglied verstehe.
Waidmannsheil euch allen:)
 
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steve

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#7
Man kann sagen die Jagd hat mich voll in Ihren Bann gezogen...



Wie war das bei Euch so?



Bzw. wie ist das Bei Euch so?
Ich komme auch aus einem Nichtjäger-Elternhaus. Meine Eltern waren/sind (Hobby-)Ornithologen, mein Vater war zudem Vogelberinger. Viel Zeit habe ich als Kind mit beiden im Grünen verbracht. Für Ferngläser, Spektive, Kleidung usw. lag daheim der Frankonia-Katalog, welchen ich als Kind auswendig konnte. Das Elternhaus am Feld-/Waldrand gelegen bot den Kindern jede Menge Spielmöglichkeiten, auch Hochsitze und alte Fuchs- und Dachsburgen luden zum Spielen ein. Irgendwie aus dieser Gemengelage entstand schon ganz früh der unbändige Wunsch Jäger zu werden. Mein großes Glück war, dass meine Eltern dies stets und immer sehr intensiv unterstützt haben. Finanziell und auch sonst. Das begann mit dem Dialyt zur Konfirmation, das ging über Chauffeurdienste für den 15jährigen zum Schießstand, zum Unterricht und zu Exkursionen und ging auch nach bestandener Jägerprüfung weiter, wenn der Jugendjagdscheininhaber vor Tau und Tag sich mit dem Förster im Hunsrück treffen oder des Nächtens abgeholt werden sollte oder auf Treib- und Drückjagden als Treiber auftauchen durfte.

Nun ist der Jagdschein das eine, aber das Jagen eine andere Sache. Ich bin direkt vor Ort in ein Revier reingerutscht, wurde von anderen Jägern in meinem Heimatort in deren Reviere im Hunsrück und Taunus eingeladen, lernte einen älteren Revierförster im Hunsrück kennen, war längere Zeit Mitglied einer Bläsergruppe, habe viel Jagdparcours und jagdliches Schießen Geübt, fand den Weg nach Brandenburg in eine sehr wildreiche Gegend zu einer verschworenen Gemeinschaft von Förstern und Jägern und lernte im Studium, später im Beruf und auch hier im Forum eine große Anzahl netter Menschen kennen (hier neulich beschrieben: https://forum.wildundhund.de/threads/20-jahre-wild-und-hund-forum.127284/#post-4269797 ) mit denen ich zusammen auf Jagd gehen durfte. Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass ich die ersten 15 Jahre nach der Jägerprüfung nur „Jagd dachte, atmete und lebte“. Teilweise habe ich bis zur Selbstaufgabe gejagt, bin tausende Kilometer quer durchs Land gefahren von einer Jagd zur nächsten und habe in meiner Freizeit wenig anderes gemacht. Auch das eigene Revier forderte mich zeitweise enorm.

Mittlerweile, als Familienvater, habe ich meine jagdlichen Aktivitäten doch um einiges zurückgefahren. Ich habe bei guten Freunden im 30km-Umkreis Jagdgelegenheiten auf Nieder- und Hochwild, habe einen jungen Hund dessen Ausbildung mir gerade zeitlich viel abverlangt, muss mein eigenes Niederwildrevier vor der Haustür in Schuss halten und fahre im Winter gerne mal zu Drück- und Treibjagden auch etwas länger. Dazu versuche ich ein oder zwei Mal im Jahr etwas Besonderes im In- oder Ausland zu erleben. Was ich aber nicht mehr mache ist von Oktober bis Februar aus dem Jagdauto zu leben. Mittlerweile genieße ich auch in der Hauptjagdzeit am Wochenende die Einzeljagd, scheue mit der Jagd verbundenen Stress mehr als früher und – das muss ich leider auch sagen – fühle mich vielen „modernen Jägern“ nicht mehr zugehörig.

Wenn aber die Frage lautet „Füllt die Jagd Dich aus?“, dann würde ich nach wie vor sagen, dass sie mich neben Familie und Beruf ausfüllt. Ich lese gerne jagdliche Klassiker, halte meine jagdliche Allgemeinbildung immer noch für ordentlich, ich muss mich nicht überwinden mein Revier zu betreuen und empfinde die Pacht auch nicht als Last. Im Gegenteil: Ich bin glücklich wenn ich jage und von der Jagd heimkomme. Meine Familie weiß das und achtet sogar darauf, dass der Leithammel ausreichende Zeit an der frischen Luft verbringt. Dazu habe ich immer noch einen Haufen jagdlicher Wünsche und Träume, welche ich sicherlich nicht alle Realität werden lassen kann; aber wenigstens Teile davon.

Ich kann abschließend nur sagen es war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben den Jagdkurs zu machen.
Das kann ich für mich auch sagen. Ich habe mit einem wildpassionierten Jagdfreund schon öfter mal abends in der Hütte darüber gegrübelt was Menschen ohne Jagdschein (oder anderes adäquates Hobby; solche gibt es ja mittlerweile zuhauf) eigentlich am Wochenende machen. Es bleibt uns weiterhin ein Rätsel und wir sind sehr froh deren Probleme nicht zu haben.
 
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#8
Für mich ist die Jagd "eines" meiner Hobbys.
Ich gehe wann immer mir danach ist zur Jagd.. oft aber auch nicht, weil dann andere Sachen wichtiger sind, oder ich einfach gar keine Lust habe. Ich mag es, richte aber nicht mein ganzes leben danach aus.
5 Tage Rehwildansitz.. klar gern.. 60 Tage? nein Danke.
3-5 Drückjagden im Jahr.. klar gerne.. 35 davon? Gott bewahre!

Da ich beruflich stark eingebunden bin und nicht lange planen kann, fällt pachten komplett aus..wäre aber auch nix für mich. Daher bin ich dankbar, dass ich bei Freunden jederzeit raus darf.
 
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#10
@steve und @Dierwes: Ihr habt das ganz hervorragend ausgedrückt und ich fühle mich mit meinen Gedanken und Erfahrungen dazu 100% aufgehoben. Aus der Mitte unserer sonnigen Hauptstadt daher ein sehr anerkennendes und freundliches Nicken ;)

Eine Sache möchte ich besonders zu @Dierwes noch hinzu fügen: Ich emfinde die Pacht eines Revieres auch als eine soziale, ökologische und kulturelle Verantwortung. Damit spätestens wächst die Jagd aus dem reinen "Hobby" hinaus und ich stehe "meinen" Bauern (auch als JG Vorstandsmitglied), den (Mit-)Menschen in meinem und dem angrenzenden Dörfern für die Rolle, die wir als Jäger und Mitgestalter ihres Lebens- und Wirtschaftsraumes haben grade.

Ich nehme das "Hey Doc, habe gesehen das....könnt Ihr das irgendwie hinbekommen?!" bis "Wahnsinn, wo kommen die ganzen Fasane überall denn her - das sind jetzt wirklich mehr geworden. Toll!" sehr bewußt wahr und kümmere mich entsprechend mit meinen Jagdfreunden zusammen darum. Jeder für sich,

Neulich hat mein Mitpächter, nennen wir ihn mal "Franky", aus Langerweile (Urlaubsreise war ausgefallen und Haus und Garten in Top-Zustand) eine sehr schöne Sitzbank gebaut und an einer Stelle mit besonders schönem Ausblick am Waldrand aufgestellt.
Als ich am vergangenen Wochenende dort vorbei kam, saß ein altes Ehepaar glücklich und zufrieden dort und schaute in die von dem Licht der schon schräg stehenden Sonne wunderbar beleuchteten Wiesen, wo eine Ricke friedlich äste...
 
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#12
Wenn auch die Zeit der höfischen Feudal-Jagd nicht mehr auf heutige Verhältnisse passt und die damaligen Gepflogenheiten in keiner Weise zu meinen Überzeugungen passen, so ist Webers bekanntes Musikstück doch jagdhistorisch bedeutsames Kulturgut und ein nicht zu verachtendes schönes Waldhorn-Stück...
Gleich ist damals wie heute die tiefe Freude des aktiven Jägers; sie weitet das Herz, schärft die Sinne und hält das Blut in Bewegung für das intensive Erleben der Natur !

Mein Urgroßvater mütterlicherseits ging schon zur Jagd, mein Opa und mein Vater waren meine jagdlichen Vorbilder als gute jagdliche Handwerker, naturempfindsam und stets respektvoll gegenüber der Kreatur, Jagdhundefreunde.
Für mich war mit 15 Jahren ein ausgeprägtes Lebensziel, die Jägerprüfung (1981) zu machen. Wir waren damals stolz nach dem langen Kurs unter den scharfen Augen der Alten den Anforderungen zu entsprechen. Jagd wurde bei einigen von uns damals noch zur Lebenseinstellung statt zu reinem Freizeitspaß.
Mein Vater, fast 50 Jahre Jagdpächter, verstorben in diesem März, führte mich in alles ein, das bescheidene stadtnahe Revier verantwortungsvoll umzutreiben - die Jagd prägte unser Familienleben in einer Weise, wie es heute kaum noch einer in abhängiger Erwerbstätigkeit leisten kann. Wir erlebten gemeinsam den Zusammenbruch des Niederwildes und den Vormarsch der Sauen; wir lernten viel voneinander, so bspw. in Sachen Schalenwildjagd. Während dem Vater, schon immer waldaffin, keine derartige Ausbildung vergönnt war, förderte er mich in dieser beruflichen Ausrichtung.
Mich führten Studium und ein Beruf, der mit natürlichen Prozessen zu tun hat, an verschiedene Wohnsitze in waldreichen Gegenden unseres Landes und die praktische Jagd war/ist für mich wichtiges Lebenselixier, mit dem man sogar Stress oder beruflich/privat schwierigere Phasen ausgleichen kann. Ich jage mit hohem Qualitäts-Anspruch und empfinde es heute als ein gesellschaftliches Privileg, naturnutzender, verantwortungsbewusster Jäger zu sein, worauf ich auch stolz bin. Den ersten Stöberhund schaffte ich mit meinem ersten außendienstgeprägten Job an.

Ich m u ß "raus", sonst geht es mir persönlich schlecht. Ich mache gern Beute mit Waffe (und Kamera), stets ein sinnvolles Ziel vor Augen und ich liebe die dabei anfallende Nahrung.
Dabei bewege ich mich am liebsten möglichst unauffällig und mit Achtung in der Natur. Ich bin eher der Typ Einzeljäger, das große Palaver von Jägern mit den systemtypischen Fakten-Verzerrungen mag ich nicht so doll. Gemeinsam jagen macht mir nur mit wirklichen Freunden Spaß. Ich pflege meine haustürnahen Jagdgelegenheiten, weil nur wer Zeit investieren kann, hat Erfolg und Impressionen! Noch nie jagte ich im Ausland, in D gibts aber einige trails, die immer wieder begangen werden...
Sauberes Handwerk und auch eine gewisse Ästhetik unserer jagdlichen Aktivität sind mir wichtig. Jedweder Krankschuß wurde schon vom Großvater verboten, gleich ob Häher oder Bock.
Seit Jugendjahren bin ich dem ordentlich geblasenen Jagdhorn verbunden, einfach des schönen Klanges wegen.

Leider muß auch ich konstatieren, daß mir viele Entwicklungen zum Jäger-Typ der Neuzeit mißfallen und ich mich in Teilen der Gruppe nicht mehr wiederfinde. Mir fehlt bei Vielen die grundlegende positive Haltung zu Natur, Wild und Landschaft und auch die jagdfachlich wichtigen Basis-Kenntnisse darum.
 
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#13
Schöne Beiträge hier. Ich bin als Kind praktisch auf der am Dorfrand gelegenen "Ranch" (ein eingezäuntes Stück Land, auf dem allerlei Zeug herumlag, ein größerer Schuppen mit Heuschober und Stall, ein paar Kleintiere wie Hasen, Puten, Hühner, vielleicht mal ein Schaf oder eine Ziege) meines Opas aufgewachsen und habe mich schon im Vorschulalter an der Schlachtung von Hühnern für den Eigenbedarf beteiligt. Besonders viel Spaß hat mir das Rupfen und Ausnehmen gemacht... Irgendwann Mitte der 90er wurde der Grund zu Baugrund und meine Eltern haben ein Haus darauf gebaut. Parallel wurde ich älter und die Interessen haben sich verschoben. Trotzdem halte ich es bis heute mit dem STS-Lied "Großvater" und werde diese Zeit nie vergessen.

Ende der 2000er Jahre habe ich für kurze Zeit in der Stadt gewohnt, weil ich - wie so viele junge Leute vom relativ stadtnahen Land - dachte, dass sich das Leben nur in der Stadt abspielt und ich auch unbedingt da wohnen muss. Aber schon nach 1-2 Jahren hat das Stadtleben und die damit verbundene Enge angefangen, mich unfassbar aufzuregen. Auch wenn es unrümlich ist und ich heute Leute, die so zur Jagd kommen, mit Argwohn betrachte: Dazu kam, dass ich urplötzlich ein gewisses Interesse an Waffen entwickelte... Also habe ich, zusammen mit meiner Frau, 2010 den Jagdschein gemacht. Parallel haben wir unsere Aktivitäten und Urlaube immer mehr in die Natur verlagert und uns immer weiter vom urbanen Lebensstil entfernt. Kurz nach Erlangen des ersten Jagdscheins haben wir eine Jagdelegenheit gefunden. Ein beinharter Ökojäger, der ein Genossenschaftsrevier in Eigenregie bewirtschaftete, suchte über Kleinanzeigen nach Jungjägern, um sie entsprechend zu indoktrinieren. So nervig sein missionarischer Eifer war, so viel haben wir in der Zeit bei ihm gelernt: Im Mai durften wir ausschließlich Schmalrehe bejagen, bei Böcken später dann nur Jährlinge, um die Platzböcke zu behalten, die für eine gewisse Ruhe im Revier sorgen. Man mag dazu stehen, wie man will - aber wir haben auf jeden Fall gelernt, sauber anzusprechen.
Ich kann auf jeden Fall sagen, dass die Jagd über die Anfangsjahre hinweg unsere Lebenseinstellung schleichend aber nachhaltig gravierend geändert hat. Seit 2012 leben wir wieder auf dem Land, Natur und alles, was damit zu tun hat, ist eine extrem wichtige Komponente in unserem Leben. Zum Beispiel begleitet uns seit 2014 auch die Fliegenfischerei als zusätzliches Hobby. Und auch die politische Grundeinstellung ist sicherlich etwas konservativ-liberaler geworden... Mithin kann ich zwar viel mit einer ökologischeren Ausrichtung der Jagd anfangen (altbackene Trophäenhege ist absolut nichts für mich), aber wenig mit den zugehörigen Institutionen (ÖJV, GRÜNE), die mir der individuellen Freiheit wegen ihrer Ideologie zuwenig Raum bieten. Ich fühle mich damit praktisch keinem Lager richtig zugehörig, verstehe mich ausgezeichnet mit ÖLVlern, wie mit BJVlern, mit Förstern wie mit klassischen privaten Jägern - wichtig ist nur, dass der Gegenüber nicht dogmatisch in seinen Ansichten ist...
Kurz: Die Jagd ist ein sehr wichtiger, persönlichkeits-stiftender Teil meines Lebens - aber eben auch "nur" ein Teil. Ebenso wie die Angelei oder das Familienleben. Und arbeiten muss man ja leider auch noch... :(
 
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16 Jan 2003
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#14
mit dem 14. Beitrag zu diesem Dredd will ich keinesfalls der 14. Waidheilige sein.
Was soll ich nach 62 Jagdjahren aufzählen? Nach fünfzig Jahren habe ich ein Resümee in Form eines Buches unter dem Titel "Alles im Grünen Bereich" versucht. Ob mir das "gelungen" ist? Keine Ahnung, habe es mir von der Seele geschrieben.
 
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