Wildacker ohne vorherige Bodenbearbeitung?

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#1
Hat jemand von Euch mit Erfolg schon mal einen Wildacker auf zuvor unbearbeiteten Boden angelegt? Sprich: Wegesränder, sonnendurchflutete (grasbewachsene) Schneisen?

Bitte keine Tipps zur vorherigen Bodenbearbeitung. Aus diversen Gründen fällt das Flach. Mich interessiert eigentlich nur, ob es Sinn macht, z.B. eine Pioniermischung per Hand zu streuen.
 
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#2
Nein das macht keinen Sinn. Wenn Du Bodenverwundungen hast, z.B. wenn die Sauen gebrochen haben, da kannst Du was reinwerfen und antreten, das kommt.

Horrido
 
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#3
Naja, man einsäen und dann mit einem Rechen einharken, so das Bodenverwunfungen entstehen. Als Notlösung.
 
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#4
Wenn das Wort Acker fällt und wörtlich genommen wird, dann heißt das Umbruch. Alles andere ist Krampf. Warum soll Samen in einer bestehenden Vegetation große Chancen haben? Ihr müsst immer daran denken, die Pflanzen welche vorher da waren, wollen es auch bleiben. Kulturpflanzen wie sie als Äsung angebaut werden, sind nun mal auf einen Acker angewiesen. Klar kan man z. B. in eine Grasnarbe nach dem Aufreisen mit einem eisernen Rechen eine kleine Verwundung herbeiführen und vielleicht etwas Klee einbringen. Es kommt halt immer auf die Konkurrrenz der bestehenden Vegetation an. Wenn in bestehendes Grünland z.B. in eingeebneten Maulwurfshügeln etwas anderes eingesät wird, z. B. Wildblumen oder auch vielleicht Raps dann darf diese Fläche nicht gleich wieder gemäht werden.
Entweder man hat eine Gründlandgesellschaft oder einen Acker, die eierlegende Wollmilchsau für lau Aufwand gibt es nicht.
 
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#5
Wenn das Wort Acker fällt und wörtlich genommen wird, dann heißt das Umbruch. Alles andere ist Krampf. Warum soll Samen in einer bestehenden Vegetation große Chancen haben? Ihr müsst immer daran denken, die Pflanzen welche vorher da waren, wollen es auch bleiben. Kulturpflanzen wie sie als Äsung angebaut werden, sind nun mal auf einen Acker angewiesen. Klar kan man z. B. in eine Grasnarbe nach dem Aufreisen mit einem eisernen Rechen eine kleine Verwundung herbeiführen und vielleicht etwas Klee einbringen. Es kommt halt immer auf die Konkurrrenz der bestehenden Vegetation an. Wenn in bestehendes Grünland z.B. in eingeebneten Maulwurfshügeln etwas anderes eingesät wird, z. B. Wildblumen oder auch vielleicht Raps dann darf diese Fläche nicht gleich wieder gemäht werden.
Entweder man hat eine Gründlandgesellschaft oder einen Acker, die eierlegende Wollmilchsau für lau Aufwand gibt es nicht.
Hallo Colchicus,
was würdest du auf Waldboden empfehlen? Spiele mit dem Gedanken auf Waldlichtungen und Rückegassen was zu säen. Schweres Gerät (Schlepper) kann ich auf diesen Flächen wegen der Gegebenheit nicht einsetzen. Wie wäre deine Vorgehensweise?
 
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#8
die dürften in einer Rückegasse kein Problem darstellen, bei einer Lichtung schon.
Was gefräst werden kann, solltest Du den Maschinenbediener entscheiden lassen.

Horrido
 
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#9
Hallo Colchicus,
was würdest du auf Waldboden empfehlen? Spiele mit dem Gedanken auf Waldlichtungen und Rückegassen was zu säen. Schweres Gerät (Schlepper) kann ich auf diesen Flächen wegen der Gegebenheit nicht einsetzen. Wie wäre deine Vorgehensweise?
Also erst mal da ist meist wenig Licht. Dann sind Böden in Nadelholzbeständen meist sauer. Auch hier sind die Möglichkeiten sehr begrenzt, ich hab mal mit der Eisenstange alle 30 cm ein Loch gebohrt und Mais rein, die Sauen machten daraus einen Sturzacker, ist halt ein Mordsaufwand. Man kann Rückegassen durch Kalkung soweit es notwendig ist, zu einer anderen Pflanzengesellschaft verhelfen, immer unter dem Gesichtspunkt das Licht und Nährstoffe genügend vorhanden sind.

Ich nutze im Wald jede Form der Bodenverwundung z. B. für den Einsaat von Äsungspflanzen, z. B. abgetragene Grabenböschungen, Wegbankette, aber die Bodenverwundung muss da sein. Wenn man da Raps oder auch nur Getreideabputz einsät, hat man eine Abwechslung fürs Wild im reinen Wald. Auch der Klee hält manchmal ein paar Jahre aus, aber es sind immer nur kurzzeitige Verbesserungen der Äsung, die Natur und der Standort holen sich schnell zurück was einmal im ersten Jahr aus unserer Sicht gut aussah.

Es gab mal eine Möglichkeit, wenn ich daran denke was ich da gemacht, habe rollen sich heute noch die Zehennägel auf. Roundup wurde gerade erfunden und als das Heil der Welt verkauft. Es gab auch noch kein Anwendungsverbot auf forstwirtschaftlichen Flächen. Wir haben auf Lichtungen oft flächig Waldreitgrasbestände - von einem kurzen Äsungszeitraum abgesehen fürs Wild wertlos - nachdem die frischen Triebe ca. 10-15 cm hoch waren mit Roundup abgespritzt. In den absterbenden Bestand wurde dann Raps gesät, damals noch einfacher O-Raps, Winterraps und ein paar Rübsen. Der leicht keimende Raps fand ideale Keimbedingungen. Wenn der Raps in der gelben Fläche 5 cm war bekam er eine Kopfdüngung mit Volldünger und ab ging die Post. Der ph-Wert durfte nicht zu niedrig sein, ist er zu gering nimmt die Pflanzenverfügbarkeit vom Stickstoff ab. Da stand dann der Raps mitten im Wald auf Lichtungen im Herbst bis 25 cm hoch. Zuerst wurde der O-Raps beäst, ein Stengeltyp. Dann nach dem Frost der normale Akela-Winterraps. Das waren Magnete für das Wild. Nach dem Frost die Rübsen.

Ich schreibe das nicht um Euch zu Lumpereien zu animieren, aber dieser Tipp stand mal irgendwo in einer Anleitung zur Äsungsverbesserung. Und ich habe den auch fleißig praktiziert. Nur für den Fall das jemand dieses Werk ausgräbt. Zum Thema Glyphosphat sollten wir eigentlich geläutert sein. Ich habe das Ende der 70er bis Anfang der 80er Jahre "erfolgreich" praktiziert.

Wenn sich jemand für Äsungsverbesserung des Schalenwildes interessiert: Der Leitfaden von Dr. Bernd G. Weiß (leider zu früh verstorben) ist die Bibel, falls das gute Stück jemand ausgraben kann. Ich habe in der Zeit auf rd. 25 ha Wildäcker für Reh- und Rotwild mit verschiedenen Mischungen meine Erfahrungen sammeln können. Unsere Erkenntnisse glichen und ergänzten sich in vielen Punkten. Ich habe weder eine forstwirtschaftliche noch eine landwirtschaftliche Ausbildung, die Begegnung mit ihm war etwas Besonderes.

Habe im letzen Jahr in Tschechien eine Reihe von Sachen eingesät, mal gucken was draus wird, dann stelle ich ein paar Bilder ein.

Ich freue mich wenn es jemand gibt, der sich im Rahmen der Jagd für so etwas interessiert. Wenn im Jagdkurs dieses Thema behandelt wird, dann sind die meisten froh wenn an diesem Abend ein Länderspiel stattfindet. Wenn man nicht aufpasst, bezahlt man viel Lehrgeld.

Grundsätzlich gilt für jede Form von Erfolg auf der Jagd: Die 20% - 80 % Regel funktioniert hier nicht.
 
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#10
Wenn sich jemand für Äsungsverbesserung des Schalenwildes interessiert: Der Leitfaden von Dr. Bernd G. Weiß (leider zu früh verstorben) ist die Bibel, falls das gute Stück jemand ausgraben kann.
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Unsere Erkenntnisse glichen und ergänzten sich in vielen Punkten. Ich habe weder eine forstwirtschaftliche noch eine landwirtschaftliche Ausbildung, die Begegnung mit ihm war etwas Besonderes.
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Wenn man nicht aufpasst, bezahlt man viel Lehrgeld.
Urvater von Wildäsungsanlagen im Wald mittels diverser Mischungen = auch der "Erfinder" des Wildacker-Eintopfs war Anfang der 70er Jahre der "kleine" Provinz-Förster Josef Rauwolf von der Forstdienststelle Kettnizmühle in der Oberpfalz.
Sein Motto lautete: Friede im Forst.
Eines seiner Lieblingsthemen war auch die sogenannte Taschensaat auf den damals verbreiteten Stockwällen. Er hatte immer einige Handvoll Saatmischung in der Tasche, ließ davon einige Körner in den offenen Boden auf den Stockwällen fallen und trat sie mit dem Schuhabsatz fest. Nach einiger Zeit leuchtete es in allen Farben von den Wällen und der Aufwuchs lieferte dem Wild reichlich Äsung.
Auch ich war als Jungjäger dankbar ihn kennen lernen zu dürfen und sein Wissen vermittelt zu bekommen.

Leider starb er viel zu früh und sein Name verschwand schnell aus dem Fundus "Wildäsungsflächen", denn es konnte/durfte ja nicht sein, dass ein einfaches, kleines Försterlein hier Pionierarbeit geleistet hatte die sich einige dann auf ihre Fahnen hefteten.Besser bekannt dürfte sein, dass er gemeinsam mit Heiner Berr sen. 1977 in Nabburg/Opf. einer der Gründerväter des Verein Ungarischer Vorstehhunde e. V. war.
 
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#11
Ich probier da jetzt schon ne Zeitlang daran rum.
Dieses Jahr bin ich wie folgt vorgegangen. Hab mir einige geeignete Rückegassen ausgesucht die vom Licht her einigermaßen passen könnten. Haben Mischwald mit ziemlich viel Buche. Da ist von oben her schnell dicht.
Dann Laubgebläse genommen und die Flächen vollständig vom Laub befreit. Darunter befindet sich dann einigermaßen vernünftiger Boden.
Das ganze dann wo es ging mit der Gartenfräse einmal auf links gedreht. Wo es nicht ging mit der Misthacke aufgerauht. Geht wenn die Fahrgassen nicht total zusammen gefahren wurden auch ganz gut.
Zu guter letzt Saatgut rein und nochmsl leicht mit der Misthacke drüber.
Anwalzen viel flach da ich nichts passendes hatte.
Jetzt hoffe ich das wenigstens ein teil was wird und wenn nich hat es zumindest rein finanziel kein Riesen Loch gerissen. Waren nur einige Stunden plaggerei
 
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#12
Habs vergessen.
Fläche sind ungefähr 5000qm. Die größte hat ungefähr 800qm die kleinste 100 qm. Sind Mosaikartig im ganzen Waldrevier (120 ha) verteilt.
Eingesät hab ich so einiges was noch zuhause war. Kleearten, Waldstaudenroggen, Markstamkohl, Raps. Mal schauen was wächst.

Bin jetzt noch am überlegen ob ich an den geschotterten Wegen auf die Bankete was säe. Da ist halt das Problem mit den Spaziergängern und so. Also nicht unbedingt Ruhe.
 
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#13
Urvater von Wildäsungsanlagen im Wald mittels diverser Mischungen = auch der "Erfinder" des Wildacker-Eintopfs war Anfang der 70er Jahre der "kleine" Provinz-Förster Josef Rauwolf von der Forstdienststelle Kettnizmühle in der Oberpfalz.
Sein Motto lautete: Friede im Forst.
Eines seiner Lieblingsthemen war auch die sogenannte Taschensaat auf den damals verbreiteten Stockwällen. Er hatte immer einige Handvoll Saatmischung in der Tasche, ließ davon einige Körner in den offenen Boden auf den Stockwällen fallen und trat sie mit dem Schuhabsatz fest. Nach einiger Zeit leuchtete es in allen Farben von den Wällen und der Aufwuchs lieferte dem Wild reichlich Äsung.
Auch ich war als Jungjäger dankbar ihn kennen lernen zu dürfen und sein Wissen vermittelt zu bekommen.

Leider starb er viel zu früh und sein Name verschwand schnell aus dem Fundus "Wildäsungsflächen", denn es konnte/durfte ja nicht sein, dass ein einfaches, kleines Försterlein hier Pionierarbeit geleistet hatte die sich einige dann auf ihre Fahnen hefteten.Besser bekannt dürfte sein, dass er gemeinsam mit Heiner Berr sen. 1977 in Nabburg/Opf. einer der Gründerväter des Verein Ungarischer Vorstehhunde e. V. war.
Der "Eintopfsepp" ich hab ihn nur noch ein oder zwei Mal getroffen. Ja er hat bahnbrechendes bewirkt. Vorher gab es nur Monokulturen auf Wildäckern, Gemenge waren unbekannt außer Kleegras vielleicht. Mit der Mischung war es möglich den wenig selbstverträglichen Rotklee über Jahre auf der Fläche eben in Mischung anzubauen. Da ging es noch um das Stichwort "Herbstmastsimulation" und ich wurde bei der Jägerprüfung nach dem Eiweiß-Stärke-Verhältnis von Futter- und Äsungspflanzen gefragt. Heute bekommt ein Jungjäger Schweißausbrüche wenn er Getreidekörner bestimmen soll und bei der Frage nach drei wildwachsenden Pflanzen ist Hanf dabei.
Angefangen hab ich auch mit dem Eintopf. Habe aber bald gemerkt dass im Eintopf manches drin ist was eigentlich nicht gefressen wird (Senf, Phazelia). Daher bin ich mit der Saatgutstärke um 25 % runter. Man muss wissen da steckte auch eine Firma dahinter. Wenn man den Saatgutbedarf pro Hektar um 10 % steigert, sind das 10 % Umsatzsteigerung.
So habe ich ihn Anlehnung dieser Anbauweise über Jahre selbst gemischt bis der Kontakt mit Dr. Weiß zu Stande kam.
Es ging aber nur über die Bodenverwundung und gelockerten Boden, wie auch immer der zu Stande gekommen ist. Heute mach ich das im Feldrevier mit Buntbrachemischungen genauso. Viele kleine Trittsteine ergeben auch eine Nutzen.
 
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#14
Ich hattte über Jahre Saatgut für rund 20-25 ha Wildacker gemischt, wenn man da die Saatgutmenge reduziert, dann macht das was aus finanziell und auf dem Acker hat man denselben Nutzen. Der Eintopf war idiotensicher. Irgendwas ist immer gewachen. Aber warum soll ich einen Teil des Samens vergraben? Da war z.B. Serdadella drin, hat wenig Kampfkraft im Gemenge und verträgt nur sauren Boden, dazu Luzerne mit den genau gegenteiligen Ansprüchen. Der Senf hat dann auf den Kleinflächen auch schön geblüht und alle waren zufrieden. Unterm Strich eine bahnbrechende Idee die man eben modifizieren muss.
 
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#15
Ich sehe das bei mir jetzt weng als Versuchsreihe. Was kommt kommt was nicht nicht und im nächsten Jahr wird dann verstärkt das gesaet was gewachsen ist. Senf ist auch noch dabei.

Worüber ich mir noch nicht schlüssig bin ob das ganze etwas Dünger braucht oder ob Dünger überhaupt sinvoll ist.
 
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